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Archiv für die Kategorie ‘Schach’

Schach und Computer

2. Februar 2013 5 Kommentare

Meine erste Turnierpartie habe ich vor 37 Jahren gespielt (und verloren). Damals war an Computer nicht zu denken, man analysierte die Stellungen nach Spielende oder an den Trainingsabenden mit den anderen und dem eigenen Gehirn. Ich spiele immer noch in einem Verein, bin aber nicht mehr so richtig bei der Sache und viel schlechter als zu meinen besten Zeiten. Am Wochenende zum Beispiel ist mir das Folgende passiert:


Mein letzter Zug als Schwarzer war 28… Tc6-f6. Es ist völlig klar, dass Weiß auf die Drohung Tf6xf3+ reagieren muss. Der Computer gibt für Weiß 29.Dd2-f2 an und Weiß kann sich halten. Mein Gegner aber spielte 29.Tc1-e1 und ich schlug auf f3 mit dem Turm, was eine Gewinnstellung für Schwarz ergibt. An den nächsten Zügen hatte der Computer bei beiden Seiten zwar etwas zu meckern, aber die folgende Stellung sollte mit einer Figur mehr für Schwarz immer noch gewonnen sein:
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Das quadratische Universum II

12. September 2011 Keine Kommentare

Nachdem ich den Text über das quadratische Universum auch in einem Diskussionsforum veröffentlicht hatte, erhielt ich dort die folgende Antwort:

Lustig, dass ausgerechnet die Figur den Atheisten spielt, der nicht an ein höheres Wesen glaubt, im englischen Bischof heißt… Zufall?

Ich antwortete:

An so etwas hatte ich nicht gedacht, aber ansonsten ist die Aufteilung der Figuren durchaus planvoll:

  • Offiziell steht der König im Zentrum der Aufmerksamkeit, aber er ist schwach und muss von den anderen geschützt werden, die sich im Zweifelsfall für ihn opfern.
  • Die Dame ist die mächtigste Figur. In realen Spielen kann man beobachten, wie Spieler beutetrunken mit ihr auf Raubzug gehen und dabei manchmal ihren eigenen König vergessen.
  • Die Türme sind ebenfalls mächtig, aber schwerfällig und sich erst spät am Spiel beteiligend.
  • Die Läufer sind etwas einseitig, weil sie nur Felder einer Farbe erreichen können. Eine Hälfte des Brettes bleibt ihnen a priori verschlossen. Und diese Hälfte durchdringt die andere Hälfte.
  • Die Springer sind wendig und mit jedem Zug wechseln sie die Farbe. Zudem sind sie die einzigen, die vor den Bauern ins Spiel starten können. Ihre Züge sind sehr schwer vorherzusehen. Es ist außerordentlich schwer zu beweisen, mit welcher Zugfolge sie nacheinander alle Felder des Brettes erreichen können.
  • Die Bauern sind zahlreich, aber nicht sehr mächtig. Zudem sind sie ebenfalls sehr eingeschränkt, weil sie nur in eine Richtung können. Sie lassen sich auch leicht durch andere Figuren behindern. Nur wenigen von ihnen gelingt der Aufstieg in eine andere Kaste. Bloß König können Sie niemals werden, dafür muss man geboren sein.

Und später ergänzte ich noch eine Beschreibung aus der Sicht eines hypothetischen Spielers:
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Das quadratische Universum

7. September 2011 Keine Kommentare

Das Spiel war schon ziemlich fortgeschritten, als sich die ersten Schachfiguren ihrer selbst bewusst wurden. Später konnte sich dann keiner mehr erinnern, welcher Figur als erster der Ausbruch aus ihrer Unmündigkeit gelungen war. Wahrscheinlich einer der Springer, die schon immer für ihre unkonventionelle Denkweise gerühmt wurden. Später beteiligten sich auch König, Dame, Läufer und Türme an der Diskussion, nur die Bauern blieben noch lange in ihrer dumpfen Trägheit gefangen.

Recht bald fanden die Figuren heraus, dass sie sich auf einem 8×8 Felder großen Brett befanden, auch die Regeln ihrer Bewegung erkannten sie durch genaue Beobachtung schnell. Sie stellten Theorien über ihr Woher und Wohin auf. Mit der Zeit konnten sie immer besser die nächsten Züge in ihrer Welt vorhersagen, sie erschienen ihnen immer mehr logisch und immer weniger zufällig. Mit diesem Wissen gelang es ihnen auch, mehr über den Beginn des Spiels lange vor ihrer Bewusstwerdung herauszufinden. Wahrscheinlich hatte ihre Existenz in einem Zustand größter Ordnung begonnen, als sie alle noch eng beieinander und streng ausgerichtet gewesen waren. Wie sie auch herausfanden, waren zum jetzigen Zeitpunkt die ersten Figuren bereits wieder vom Brett verschwunden. Und besonders bei einigen Bauern hatte man beobachtet, dass unmittelbar nach ihrem Verschwinden am Brettrand andere Figuren am selben Ort auftauchten, die nur wenig oder keine Erinnerungen an ihrer vorherige Existenz als Bauern mitbrachten, sie erschienen wie von einem anderen Brett herbeigezaubert.
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Bobby Fischer ist tot.

18. Januar 2008 Keine Kommentare

„Fischer ist das größte Genie, das je vom Schachhimmel herabgestiegen ist“, sagte einst Michail Tal, sowjetischer Weltmeister von 1960.


Robert Fischer 1972, Quelle: ARD

Artikel: Die Welt, ARD, Spiegel, Chessbase

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Dame ausanalysiert

20. Juli 2007 Keine Kommentare

Sowohl bei Spiegel Online als auch in der Telepolis habe ich heute gelesen, dass das Damespiel ausanalysiert wurde. Die Lösungsstrategie ist interessant:

Stattdessen wählten die Informatiker einen gemischten Ansatz: Sie ließen ihre Computer alle möglichen Spielstellungen mit zehn oder weniger Steinen auf dem Brett analysieren – immerhin mehr als 39 Billionen Optionen. Dann identifizierten sie 19 relevante Spieleröffnungen, die sie so weit durchspielen ließen, bis nur noch zehn oder weniger Steine auf dem Spielbrett waren. Daraus entwickelten die Forscher eine allgemeine Dame-Strategie, mit der sich immer eine Konstellation erreichen lässt, die zu einem Patt führt – und machten ihre Software „Chinook“ unschlagbar.

Mit anderen Worten: Die Software zerlegt die Damepartie in drei Abschnitte: Eröffnung, Mittelspiel und Endspiel. Alle Endspielstellungen, in denen nur noch wenige Steine auf dem Brett sind, wurden vollständig in einer Datenbank erfasst. In der Eröffnung wurden alle guten Möglichkeiten herausgefunden. Das erinnert an Schach, wo die Eröffnungsbibliotheken der Programme mit den Partien der Großmeister gefüttert werden. Zwischen den beiden Partiephasen Eröffnung und Endspiel konnte eine endliche Anzahl von Strategien ermittelt und durchgerechnet werden, die den Übergang von einer ausgeglichenen Eröffnungsstellung in ein Remisendspiel erlauben.
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Wie Genies denken

20. Januar 2007 Keine Kommentare

Diese etwas reißerische Überschrift trägt ein Artikel in „Spektrum der Wissenschaft“ 1/2007. Dort wird vor allem über „die Drosophila der Kognitionswissenschaft“, Schach, berichtet. Gewiss gibt es außergewöhnliche Leistungen auch in der Kunst und der Wissenschaft, aber einen objektiven Vergleichsmaßstab gibt es dort nicht. Wenn es um die Untersuchung außergewöhnlicher geistiger menschlicher Leistungen geht, ist deshalb Schach am besten geeignet, weil man die Leistung messen kann – durch den Vergleich der Spielergebnisse von Wettkämpfen zwischen Menschen.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erste Untersuchungen:

Der Psychologe Adriaan de Groot, selbst Schachmeister, fand dies schon 1938 bei einem großen internationalen Turnier in den Niederlanden bestätigt. Er verglich dabei durchschnittliche und starke Spieler mit den damals führenden Schachgroßmeistern.

Wie de Groot damals feststellte, untersuchen starke Spieler deutlich mehr Zugvarianten als schwache. Bei den Schachmeistern und -großmeistern stieg die Zahl der analysierten Züge dagegen nicht viel weiter an. Statt mehr Möglichkeiten zu durchdenken, beschränken sich die besseren Spieler auf die aussichtsreicheren Varianten und verfolgen sie gründlicher.

Mit einer komplizierten Stellung konfrontiert, mag ein schwächerer Spieler eine halbe Stunde über dem Brett brüten und viele Züge vorausberechnen, auf den richtigen Zug aber trotzdem nicht kommen. Ein Großmeister hingegen sieht diesen Zug sofort, ohne überhaupt bewusst irgendetwas zu analysieren.

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Mensch und Maschine

6. Dezember 2006 Keine Kommentare

Anlässlich des gerade zu Ende gegangenen Wettkampfs zwischen dem Schachweltmeister Wladimir Kramnik und dem PC-Schachprogramm Fritz, den Kramnik mit 2:4 verloren hat, wurde wieder einmal die sogenannte „künstliche Intelligenz” beschworen. Der Glaube, Schachspiel hätte irgend etwas mit Intelligenz zu tun, hält sich immer noch hartnäckig. Im Falle des Computerschachs seit den 50er Jahren, als Alan Turing den nach ihm benannten Turing-Test auf (künstliche) Intelligenz definierte und selbst ein Schachprogramm kreierte (allerdings mangels Hardware nur auf Papier). Dabei hat Schach weder bei Menschen noch bei Maschinen etwas mit Intelligenz zu tun, jedenfalls nicht, wenn man Intelligenz als die Fähigkeit zum Lösen neuartiger Aufgaben definiert.

Man hat Schachgroßmeister in Computertomographen gesteckt und ihnen dort beim Schachspielen zugesehen. Aktiv waren nicht die Gehirnregionen für das logische Denken, sondern die für das Erinnern von Bildern. Die plausibelste Hypothese ist, dass sie eine Vielzahl von sogenannten Chunks gespeichert haben, d.h. charakteristische Stellungsmerkmale, Beziehungen zwischen den Figuren auf dem Brett. Man vermutet die Existenz von etwa 50.000 solcher Chunks, was in etwa der Anzahl der Wörter in einer Sprache entsprechen würde.
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Vom Aufknöpfen der Bluse und so

14. November 2006 Keine Kommentare

Chessbase verlinkt einen Artikel über Elisabeth Pähtz mit einem vorangestellten Absatz. Dort liest man:

… Außerdem beklagt sie den Sexismus im Schach: „Wer gut aussieht und die Bluse aufknöpft, bekommt mehr Einladungen zu Turnieren.“ Dieses Gesetz würden bei Männern jedoch keine Gültigkeit haben. …

Abgesehen von der Grammatik im letzten Satz muss ich bekennen, dass ich Männer, die ihre Bluse aufknöpfen, auch nicht häufiger, sondern vielleicht sogar seltener einladen würde.

In dem verlinkten Artikel im Tagesspiegel „Sie müssten mal mein Zimmer sehen“ findet man die beblusten Männer nicht, das ist eine originäre Kreation des Schachreporters.

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Eklat bei der Schach-WM in Elista

30. September 2006 Keine Kommentare

Die Schachwelt lebt seit langem mit Verhältnissen, die ans Profiboxen erinnern. Kasparov hatte seinerzeit eine Revolte gegen die Fide, die internationale Schachorganisation, angezettelt und eigene Weltmeisterschaftskämpfe ins Leben gerufen. Er hatte damals Zoff mit dem Chef der Fide, zum einen weil die Fide ein Mauschelverein der schlimmsten Sorte ist, zum anderen weil Kasparov selbst ein Egomane war (ist) und glaubte, so mehr Geld verdienen zu können.

Folglich gab es lange Zeit zwei Weltmeister gleichzeitig. Derzeit sind das der Russe Vladimir Kramnik und der Bulgare Veselin Topalov. Nach jahrelangem Tauziehen und Feilschen findet derzeit ein Vereinigungskampf zwischen beiden Weltmeistern in Elista statt. In Zukunft soll es nur noch eine Weltmeisterschaft und einen Weltmeister geben.
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Bertina Henrichs: Die Schachspielerin

18. August 2006 Keine Kommentare

Auf diesen Roman bin ich gestoßen, weil er in einer Literaturzeitschrift als hervorragender Erstlingsroman sehr gelobt und auch für ein paar Preise nominiert wurde. Der Roman beginnt meiner Meinung nach etwas holprig. Da die Autorin Französin ist und ich keine rechte Ahnung davon habe, wie sich literarische Qualität übersetzen lässt, kann ich nicht sagen, ob es am Original oder an der Übersetzung liegt. Im Mittelteil nimmt die Qualität deutlich zu, obwohl in einer Amazon-Rezension zum Beispiel Folgendes behauptet wird:

Die Geschichte der schachspielenden bzw. -lernenden Putzfrau ist ganz nett geschrieben und kann durchaus Lust auf Urlaub machen, das war’s aber auch. Etwas ärgerlich sind aber die vielen Klischees und Ungereimtheiten, die das Buch durchziehen. Vor allem die Nebenfiguren sind doch etwas holzschnittartig, wie z.B. der alte weise Sonderling, der Eleni das Schachspielen beibringt, oder Panos, ihr schlichter und kommunikationsunfähiger Ehemann.

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