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Archiv für die Kategorie ‘Ökonomie’

Karl Marx

23. August 2015 Keine Kommentare

Mit der Nummer 69 von Geo Epoche „Der Kapitalismus“ ist den Heftproduzenten wieder ein bemerkenswertes Heft gelungen. In Erinnerung werden mir sicherlich einige Kapitel bleiben:

Das Heft enthält auch einen sehr interessanten sechzehnseitigen Artikel über Karl Marx. Gegen Ende des Artikels liest man dort als Resümee:

… attestieren spätere Ökonomen Marx massive theoretische Versäumnisse. In mehreren Punkten wird das Marxsche Werk, obwohl durchaus anspruchsvoll konstruiert, in den folgenden Jahrzehnten wissenschaftlich widerlegt. So wird seine Einschätzung, dass sich der Wert und Preis einer Ware vor allem nach dem Maß der darin enthaltenen menschlichen Arbeit bemisst, verworfen zugunsten der Erkenntnis, dass sich ein Marktpreis vor allem durch die Nachfrage bildet.

Auch die für Marx zentrale Mehrwerttheorie stellen Ökonomen infrage. Sie gehört daher auch nicht zum wirtschaftswissenschaftlichen Kanon (wenngleich sie für viele Kapitalismuskritiker ein brauchbares Analysewerkzeug bleibt).

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KategorienGesellschaft, Ökonomie, Rezensionen Tags:

Griechenland

12. Juli 2015 Keine Kommentare

Wahrscheinlich ist es müßig, noch etwas über Griechenland schreiben zu wollen, es ist bereits alles (Kluges und Dummes) dazu gesagt worden. Aber noch nicht von jedem. Ich möchte es deshalb auch ganz kurz machen:

1. Die griechischen Schulden sind absolut seit 2011 trotz neuer Hilfspakete nicht gewachsen. Relativ sind sie leicht gestiegen, weil die Wirtschaftsleistung gesunken ist. Die Schlussfolgerung aus dieser Tatsache ist, dass sowohl die Politik in Europa gegenüber Griechenland als auch die griechische Innenpolitik nicht geeignet waren, das Schuldenproblem zu lösen. Der Einbruch 2011 war ein teilweiser Schuldenerlass für Griechenland – eine der Bedingungen, mit der öffentliche Geldgeber private Schulden aufgekauft haben.

Quelle

2. Die Schulden verteilen sich heute so:

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KategorienÖkonomie, Politik Tags:

Bertrand Russell: Lob des Müßiggangs

19. Juni 2015 Keine Kommentare

Auch bei Bertrand Russell hat mir das Philosophie-Buch eine bislang unbekannte Seite gezeigt. Er war offenbar nicht nur ein brillanter Mathematiker, Logiker und Philosoph, sondern hat sich auch mit ökonomischen Fragen beschäftigt. Den Essay „Lob des Müßiggangs“ hat er laut dem Artikel 1932 geschrieben, in Buchform ist er aber zusammen mit anderen Texten offenbar erst 1957 veröffentlicht worden.

Russell unterscheidet in seinen Ausführungen zwei Arten von Arbeit. Erstens bezweckt Arbeit »die Veränderung der Lage von Materie auf oder nahe der Erdoberfläche im Verhältnis zu anderer Materie«. Das ist der grundlegendste Sinn von Arbeit – der Handarbeit. Der zweite Typus von Arbeit ist, »anderen Menschen zu sagen, sie sollten die Lage von Materie im Verhältnis zu anderer Materie verändern«. Dieser zweite Typus von Arbeit lässt sich unendlich ausdehnen – man kann nicht nur Angestellte haben, die diesen Leuten, die Materie bewegen, Anweisungen geben, man kann weitere Angestellte einstellen, die diese Leute, die Anweisungen geben, kontrollieren und so weiter. Der erste Typus von Arbeit ist häufig unangenehm und schlecht bezahlt, der zweite in der Regel weniger unangenehm und besser bezahlt.

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Zweifel am Bedingungslosen Grundeinkommen

15. Juni 2014 2 Kommentare

Bereits vor einigen Jahren bin ich auf die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) gestoßen. Am stringensten hat für mich Götz Werner diese Idee in seinem Buch Einkommen für alle dargestellt. Erinnert wurde ich jetzt an dieses Thema, weil ich in Seelenlachen ein Interview mit Arfst Wagner gelesen habe: Link.

Inzwischen bin ich dieser Idee gegenüber etwas skeptischer geworden. Nicht wegen dem prinzipiellen Zweifel, den man äußert, wenn man sagt, dass die Natur des Menschen nicht so ist, dass er ohne einen gewissen Zwang gar nichts mehr tun würde. Meistens steckt dahinter die unausgesprochene Prämisse: „Ich selbst würde mich natürlich nicht auf die faule Haut legen, aber viele andere wahrscheinlich schon.“ Der hier zutage tretende Bias kommt sicher aus zweierlei Gründen zustande: Erstens hat jeder Mensch im Mittel eine bessere Meinung von sich als von anderen – weil er die Beweggründe für sein eigenes Handeln besser kennt. Zweitens hält jeder die eigene Arbeit im Mittel für interessanter als die von anderen. Ich vermute jedoch, dass die Höhe eines BGE so niedrig sein würde, dass es, genau wie heute, einen gewissen Druck gegen Entgeld zu arbeiten auf alle ausüben würde, die etwas mehr als Nahrung und Kleidung vom Leben haben wollen.

Ein BGE würde nach dem Willen seiner Befürworter eine ganze Reihe von heutigen Sozialleistungen ersetzen. Dazu würden vermutlich steuerfreies Existenzminimum, Kindergeld oder Steuerfreibetrag, Krankengeld oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Rente zählen. Ein kurzer Kommentar zu diesen Sozialleistungen:

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Peter Plöger: Warum wir es gerne einfach hätten…

25. Mai 2014 Keine Kommentare

… „und alles immer so kompliziert ist.“ – Das ist der Titel eines Buchs von Peter Plöger.

Auf den ersten Seiten hatte ich Mühe mit seinem Stil. Ich erinnere mich nicht mehr, was mich gestört hat, denn am Ende hat mir das Buch ausnehmend gut gefallen. Ein paar Mal erwähnt er in seinem Text Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann. Ich kenne Kahnemanns Buch nicht, es steht bei mir noch ungelesen im Regal. Aber es könnte ebenfalls von den verschiedenen Methoden handeln, mit denen wir Urteile über die Welt bilden. Plöger jedenfalls zeigt Möglichkeiten fehlerhaften Denkens auf ganz verschiedenen Gebieten, von denen ich hier Beispiele aus drei Gebieten – Kultur, Wirtschaft und Demokratie – herausgesucht habe.

Die Welt muss für uns Sinn haben, und wir müssen in ihr handeln können. Deshalb wird unsere Wahrnehmung der Welt von Prozessen bestimmt, die ihnen eine Sinn- und Handlungsstruktur geben. Der Wahrnehmungsapparat (die Sinnesorgane und die Teile des zentralen Nervensystems, die an der Wahrnehmung beteiligt sind) schafft eine Erzählung, von der das Individuum annehmen muss, dass sie der Wirklichkeit entspricht. Es ist, als würde er eine fortlaufende Geschichte konstruieren mit der Wirklichkeit als Inhalt. Der Wahrnehmungsapparat erzählt, und wie ein guter Geschichtenerzähler lässt er Einzelheiten wegfallen, hebt andere dafür deutlicher hervor, dramatisiert, ordnet Dinge, fügt Ereignisse in Abfolgen hintereinander und trennt eins vom anderen. Er schafft damit Klarheit und Verständlichkeit. Und nicht zuletzt Sinn. Die Welt muss Sinn ergeben, damit wir uns in ihr zurechtfinden können.

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»Abstraktionen entfernen die Besonderheiten, die zwei Objekte voneinander unterscheiden… Experimente entfernen zudem (oder versuchen das zumindest) die Verbindungen, die jeder Prozess zu seiner Umgebung hat – sie erzeugen eine künstliche und in gewissem Sinne verarmte Umgebung, um dann ihre Eigenschaften zu untersuchen. In beiden Fällen wird etwas weggenommen oder „blockiert“ gegenüber der Gesamtheit, die uns umgibt.

In den letzten Jahren war häufig vom Kampf der Kulturen die Rede. Plöger beschäftigt sich mit den Äußerungen von Thilo Sarrazin und worin dessen Hauptdenkfehler bestehen. Ersetzt man in Sarrazins Thesen den Begriff der Kultur durch den der Rasse, dann erkennt man das Denkmuster. Außer dem Fehler, individuelle Eigenheiten jedes Menschen zu ignorieren, wenn man ihn einer bestimmten Gruppe zuordnet, kann man beim Verwenden des Begriffs der Kultur aber noch weitere Fehler machen:

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Zypern

25. März 2013 1 Kommentar

Wir müssen uns in Deutschland überhaupt keine Sorgen um den Euro machen, denn sicher gilt, außer dass es keinem schlechter gehen wird und die Renten sicher sind, auch noch die Aussage des folgenden Wahlplakats der CDU aus dem Jahr 1999:

Dass die Überschuldung sicher ausgeschlossen werden kann, ist quasi alternativlos.

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Geplante Obsoleszenz

24. März 2013 13 Kommentare

In der Wikipedia findet man zu diesem Stichwort:

Der Begriff Obsoleszenz (von lat. obsolescere‚ sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen, an Ansehen, an Wert verlieren) bezeichnet, dass ein Produkt auf natürliche oder künstlich beeinflusste Art veraltet ist oder altert.

Als Erfinder der geplanten Obsoleszenz gilt Alfred P. Sloan, welcher in den 1920er Jahren in seiner Funktion als GM-Präsident annuelle Konfigurationsänderungen und Veränderungen an Automobilen einführte. Mit dieser Strategie wollte er die Verbraucher dazu bringen, alle drei Jahre ein neues Auto zu kaufen. Der eigentliche Begriff der geplanten Obsoleszenz geht zurück auf Bernard Londons Veröffentlichung Ending the Depression Through Planned Obsolescence aus dem Jahre 1932.

Gemeint ist mit ihm heute ein Teil einer Produktstrategie, bei der schon während des Herstellungsprozesses bewusst Schwachstellen in das betreffende Produkt eingebaut, Lösungen mit absehbarer Haltbarkeit und/oder Rohstoffe von minderer Qualität eingesetzt werden, die dazu führen, dass das Produkt schneller schad- oder fehlerhaft wird und nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden kann.

Gleich an mehreren Stellen im Netz wird eine von den Grünen in Auftrag gegebene Studie zitiert, u.a.:

In dem Spiegelartikel wird dann gleich nochmals auf einen anderen Artikel verlinkt: Studie: Hersteller setzen auf schnellen Verschleiß bei Elektrogeräten. Dort liest man:
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Facebook ist nicht das Internet

22. Februar 2013 1 Kommentar

Die Idee zu diesen Thema stammt nicht von mir, sondern aus diesem Artikel. Ich wusste nicht, was eine „Blogparade“ ist und wollte mich eigentlich auch nicht daran beteiligen, aber da das Thema nun doch ein paar Tage in mir rumort, hier also wie gewünscht ein paar Zeilen zum Thema.

Vor vielleicht zwei oder drei Jahren habe ich mich bei Facebook angemeldet. Irgend etwas, das mich interessiert hat, war in Facebook verfügbar, und da man an die Informationen anderweitig nicht heran kam, besorgte ich mir also einen Account unter meinem Realnamen. So gewaltig war der Informationsgewinn nicht und ich hätte das Ganze auch sehr schnell wieder vergessen, aber ein oder zwei Tage später kam eine Freundschaftsanfrage. Woher der Betreffende erfahren hatte, dass ich mich angemeldet habe, weiß ich nicht. Wir hatten uns Jahre zuvor in einem Diskussionsforum kennengelernt. Ich klickte den Annehmen-Button (oder so etwas Ähnliches). In den nächsten Tagen purzelten eine Reihe von weiteren derartigen Anfragen herein, alle von Exmitgliedern dieses Forums.
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Kurioses zum Jahresbeginn

5. Januar 2013 2 Kommentare

Natürlich kann man nicht erwarten, dass mit dem Ausbleiben der vorhergesagten Weltuntergangskatastrophe (erinnert sich noch jemand an den 21.12.2012?) die Welt jetzt vernünftiger geworden wäre. Nein, das neue Jahr beginnt so, wie das alte geendet hat. Hier meine drei Lieblingskuriosa der letzten Woche:

1. Die Eine-Billion-Dollar-Münze
In einem Spiegelartikel habe ich von dem Vorschlag erfahren, den Haushaltstreit in den USA durch das Prägen einer Eine-Billion-Dollar-Münze zu beenden. Der Spiegelartikel ist hinreichend unverständlich formuliert, jedenfalls hatte ich nach dem Lesen dieses Textes nicht begriffen, wie das Procedere funktionieren soll. In einem Artikel in der Süddeutschen wird es besser erklärt.
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Demografie, Riester und Mackenroth

2. November 2012 Keine Kommentare

Ende des letzten Jahres hatte ich hier bereits den interessanten Artikel Alterssicherung und gesamtwirtschaftliche Entwicklung verlinkt, der kapitalgedeckte und umlagefinanzierte Alterssicherungssysteme miteinander vergleicht. Anlässlich des Besuchs eines Telefondesinfizierers Versicherungsvertreters in unserer Firma ist dieses Thema wieder in mein Bewusstsein gerückt.

Ein dazu passendes Bild anzeigen:


Passt doch gut zum Thema, oder? Eine Verballhornung einer Youtube-Anzeige, wenn mal wieder die GEMA ein Video für deutsche Besucher gesperrt hat. – Die GEMA, eine der drei beliebtesten Organisationen in Deutschland: GEMA, Schufa und GEZ.

Wie der Zufall es will, habe ich etwa zur selben Zeit einen neuen Beitrag gefunden, der sich mit dem Märchen, dass die Renten durch den demografischen Wandel gefährdet sind, beschäftigt: Produktivität schlägt Demografie. Die zentrale Aussage in diesem Text lässt sich in einem einfachen Satz zusammenfassen: Der Produktivitätszuwachs ist größer als die Änderung des Verhältnisses zwischen Rentnern und Arbeitenden. Die Demografie liefert deshalb keine Begründung dafür, warum es den Rentnern in der Zukunft schlechter als heute gehen sollte:

Beträgt der Produktivitätsfortschritt in den nächsten 50 Jahren durchschnittlich nur ein Prozent – und das ist eine sehr pessimistische Prognose für unsere Wettbewerbswirtschaft – so würden im Jahr 2060 in jeder Arbeitsstunde zwei Drittel mehr als heute hergestellt. Damit wäre ein Arbeitnehmer in der Lage, seinen Anteil für die gesetzliche Rente auf 20 Prozent zu verdoppeln und hätte trotzdem noch fast 50 Prozent mehr in der Tasche. Selbst ein absurd hoher Arbeitnehmer-Anteil von 30 Prozent für die Rente ließe ihm noch 28 Prozent mehr in seiner Tasche. Dazu käme dann noch der Arbeitgeberanteil, so dass die prognostizierte höhere Rentnerzahl sogar noch gut am Fortschritt teilnehmen könnte.

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KategorienGesellschaft, Ökonomie, Politik Tags: