Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Medizin’

Mars 500++ G-Shock

10. Januar 2013 Keine Kommentare

Im Mai 2007 hatte ich zum ersten Mal von Mars 500 gehört und kurze Zeit an eine Bewerbung gedacht: Ein Traum. Die vereinte Frauenschaft unter meinen engsten Vewandten hat mir das (unter Tränen!) ausgeredet, und so ernst hatte ich das wahrscheinlich auch gar nicht gemeint. Das Experiment selbst, also das Einschließen einer Gruppe von Männern in einen Container und der simulierte Marsflug über 500 Tage, fand von Mitte 2010 bis Ende 2011 statt. Zum Ende dieses Experiments habe ich einen weiteren Kommentar abgegeben: “Mars 500″-Crew vor der Rückkehr. Ein paar Informationen aus der Zeit während des Fluges hat die DLR hier veröffentlicht.

Jetzt, ein weiteres Jahr später, werden die ersten ausführlicheren wissenschaftlichen Ergebnisse publik. Wegen der gut überwachbaren Nahrungsaufnahme und medizinischen Kontrolle konnte man ein paar Dinge besser untersuchen, als es sonst möglich ist. Sowohl von der Hypothese als auch vom Ergebnis war es nicht erstaunlich, dass die Höhe der Salzaufnahme einen Einfluss auf den Blutdruck hat: Der Salzhaushalt der Marsonauten. Mich hat daran zunächst erstaunt, dass dieses Ergebnis bisher noch nicht gesichert war. Aber die neue Studie liefert auch den Grund dafür:
Mehr…

KategorienAlltag, Medizin, Visionen Tags:

Zirkumzision: Männliche Beschneidung II

16. Oktober 2012 Keine Kommentare

Zur Zirkumzision hatte ich hier schon einmal etwas geschrieben. Jetzt läuft in dem Beitrag Beschneidungsethik gerade eine interessante Diskussion in der Telepolis, bei der in einem Diskurs Pro- und Kontra-Argumente zusammengetragen werden. Inzwischen gibt es einen Beschluss im Bundeskabinett, der nach Lage der Dinge wohl auch das Parlament passieren wird:

Vorgesehen ist, im Recht der elterlichen Sorge (§§ 1626 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs – BGB) klarzustellen, dass die Personensorge der Eltern grundsätzlich auch das Recht umfasst, bei Einhaltung bestimmter Anforderungen in eine nicht medizinisch indizierte Beschneidung ihres nicht einsichts- und urteilsfähigen Sohnes einzuwilligen. Dies soll nur dann nicht gelten, wenn im Einzelfall durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.

In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Sohnes dürfen auch von einer Religionsgesellschaft dazu vorgesehene Personen die Beschneidung vornehmen, wenn sie dafür besonders ausgebildet und für die Durchführung der Beschneidung einer Ärztin oder einem Arzt vergleichbar befähigt sind.

Ich halte das nach wie vor für absurd und bedenklich, in welchem Ausmaß hier der säkulare Staat zurückweicht. In einer Diskussion habe ich ein interessantes Argument gelesen, sinngemäß:

Was, wenn die Raucher eine Raucherreligion erfinden würden und dazu postulieren, von Gott wäre ihnen – nachzulesen in ihren heiligen Schriften – zwingend vorgeschrieben, dass sie in öffentlichen Gebäuden, in Schulen, Krankenhäusern und Gaststätten rauchen müssten, um das ewige Seelenheil zu erlangen.

In einem Zwischenfazit in dem Artikel werden die verschiedenen möglichen Standpunkte zusammengefasst:
Mehr…

KategorienEthik, Gesellschaft, Medizin, Politik, Religion Tags:

Zirkumzision: Männliche Beschneidung

31. Juli 2012 12 Kommentare

Zur Zirkumzision findet man in der Wikipedia:

Zirkumzision (von lat. circumcido, rings abschneiden), auch männliche Beschneidung, ist die teilweise oder vollständige Entfernung der männlichen Vorhaut. Sie ist der weltweit am häufigsten durchgeführte körperliche Eingriff und wird meist aus religiösen und kulturellen Beweggründen durchgeführt, selten mit medizinischer Indikation. Außerdem wird die Zirkumzision von der WHO als vorbeugendes Mittel im Kampf gegen die Ausbreitung von HIV in afrikanischen Hochrisikogebieten empfohlen.

Gegenwärtig sind schätzungsweise zwischen 25 % und 33 % der männlichen Weltbevölkerung beschnitten. Die Beschneidung von gesunden Kindern am achten Lebenstag gilt im Judentum als Gebot Gottes. Der Koran erwähnt sie zwar nicht ausdrücklich, dennoch ist sie im Islam als Sunna weit verbreitet und wird zwischen Kindes- und Jugendalter durchgeführt. Unter Christen in den USA ist die Beschneidung im frühen Kindesalter weit verbreitet, jedoch ohne religiösen Hintergrund. In einigen Urvölkern findet sie als Initiationsritual statt, das die Aufnahme des Kindes in die Gemeinschaft der erwachsenen Männer symbolisiert. In der Medizin ist sie hauptsächlich als Behandlungsmaßnahme bei einer Phimose von Bedeutung, gilt jedoch nur bei schweren Formen als indiziert.

Am 7.Mai hat das Kölner Landgericht bei der Zirkumzision den Tatbestand der Körperverletzung festgestellt, seitdem schlagen die Wellen in Deutschland hoch.
Mehr…

KategorienEthik, Gesellschaft, Medizin, Politik, Religion Tags:

Hautcreme aus geklonten Fötuszellen

26. Juli 2012 7 Kommentare

Ich muss zugeben, dass mich die folgende Nachricht heute etwas aus der Balance gerissen hat:

Vor mehr als zehn Jahren hatte Lona Lyda den Brustkrebs besiegt. Durch die Chemotherapie litt sie allerdings unter extrem trockener Haut. Ein Hautarzt empfahl ihr eine Creme namens NeoCutis. „Sie haben mir NeoCutis wegen seiner guten Wirksamkeit gegen trockene Haut empfohlen und ich habe es mir gekauft. Das war es im Wesentlichen“, sagte die Amerikanerin dem TV-Sender „Fox Carolina“.

Das war 2008. Einige Jahre später machte sie im Internet eine schockierende Entdeckung. „Sie haben ein kleines Stück Haut eines abgetriebenen Jungen in winzige Stücke geschnitten und daraus ihre Stammzellen-Linie entwickelt“, empört sich die frühere Krebspatientin über den Hersteller.

NeoCutis macht keinen Hehl aus den Inhaltsstoffen der Creme. Laut der Vertriebsfirma Carolina Aesthetics mache die Packungsbeilage darauf aufmerksam, was sich in der Creme befinde. So könne man auf der Tube die Abkürzung „PSP“ lesen. Der Hersteller erläutert, dass es sich dabei um die Abkürzung für „processed skin cell proteins“ handele, zu Deutsch: verarbeitete Hautzellenproteine.

NeoCutis verweist darauf, dass seit den 1930er Jahren Körperzellen in der medizinischen Forschung verwendet werden. Leberzellen etwa bildeten die Basis für die 1954 entwickelte Polio-Impfung. Außerdem betont NeoCutis, dass sich in den Cremes keine tatsächlichen Zellen von Föten befinden – sondern nur daraus geklontes Proteinmaterial. Dies gibt auch der Bioethiker Dr. Charles Kay zu bedenken: „Es ist wichtig, dass es keine Fötus-Bestandteile sind, aus denen die Creme hergestellt wurde, sondern dass sie lediglich der Ursprung der Rezeptur sind.“

Lona Lyda gibt sich damit nicht zufrieden. „Für mich ist es ein abgetriebener Junge. Ich weiß, es war nur ein kleines bisschen seiner Haut, aber trotzdem war seine Haut in meinem Gesicht“, so die Frau.

Mehr…

KategorienEthik, Gesellschaft, Medizin, Philosophie Tags:

Leihmutterschaft

15. Juli 2012 1 Kommentar

In der Geo 12/2011 findet sich ein Bericht über ein deutsches Paar, das sich im Ausland über eine Leihmutter zwei Kinder hat austragen lassen. Während sich dieser Beitrag weitgehend mit dem Ablauf befasst, werden auf einer weiteren Seite einige ethische Aspekte der Leihmütterschaft diskutiert. Diesen Beitrag hat Rainer Erlinger geschrieben, von Beruf Jurist und Publizist. Er schreibt jede Woche die Kolumne „Die Gewissensfrage“ in der Süddeutschen Zeitung. Aus seinem Artikel in der Geo:

Stellen Sie sich folgende Situation vor: In einem Bioethikkurs diskutieren Studenten lebhaft, ob Leihmutterschaft ethisch zulässig oder vertretbar ist, als sich eine Studentin meldet, die bis dahin noch nichts gesagt hat. ,,lch bin durch Leihmutterschaft zur Welt gekommen. Meine Mutter konnte auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen. Wir diskutieren hier also darüber, ob es mich aus ethischen Gründen besser nicht geben sollte.“ Daraufhin herrscht betretenes Schweigen. Die Szene ist erfunden – und bewusst zugespitzt -, aber sie illustriert und personalisiert ein bekanntes Problem: das der Nichtexistenz. Denn jeder Einwand gegen die Leihmutterschaft beinhaltet die schwer vertretbare Feststellung, dass es moralisch gesehen besser wäre, das Kind würde nicht zur Welt kommen, nicht existieren.

Als nächstes werden dann die Pro- und Kontraargumente diskutiert:
Mehr…

KategorienEthik, Gesellschaft, Medizin Tags:

Neue Beispiele für Epigenetik

14. August 2011 2 Kommentare

Ich habe mir schon lange die Frage gestellt, warum die Eigenschaften von Lebewesen über viele Generationen weitgehend konstant bleiben, während es dann in kurzer Zeit bei einer Veränderung der Umwelt zu einer drastischen Explosion der Varianten kommt. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Kambrische Explosion.

Die Hypothesen im verlinkten Wikipediaartikel sind mir aber allesamt unplausibel, ich bevorzuge eine andere. Im Phänotyp widerspiegelt sich immer der Genotyp und die Mutationsraten im Erbgut sind weitgehend konstant. Es ist also eigentlich gar nicht möglich, dass nach einer schnellen Änderung der Umwelt schnell genug verschiedene neue Baupläne durch den üblichen Evolutionsmechanismus (Mutation, Vermehrung, Selektion) entwickelt und ausprobiert werden können.

Meine adhoc Erklärung war seinerzeit, als ich das erste Mal von diesem Problem gelesen habe, dass sich Mutationen in den für Proteine nicht kodierenden Teilen der DNA anhäufen können, ohne dass es für die Träger dieses Genoms nachteilige Wirkungen hat. Dazu muss man wissen, dass nur etwa 1,5% unserer DNA die Baupläne für unsere Proteine enthält, den Rest betrachtete man lange für „Müll“. Ich hielt diese Müllhypothese schon immer für unsinnig, denn ein Lebewesen, das sich den Aufwand mit dem Kopieren dieses Mülls in die nachfolgende Generation spart, sollte evolutionäre Vorteile haben. Also muss dieser „Müll“ eine Bedeutung haben.
Mehr…

KategorienEvolution, Medizin, Natur Tags:

Symmetriebrüche

13. Juni 2011 Keine Kommentare

Ein Bekannter hat ein Bild gepostet, das in verschiedenen Version im Netz herumgeistert. Man findet das Original schnell, wenn man in einer Suchmaschine z.B. die Wörter left right brain mercedes eingibt.

leftrightbrain

In dem Forum, in dem das Bild gepostet wurde, ging es daraufhin um die Frage, warum es so einen und inzwischen auch empirisch gut bestätigten funktionellen Unterschied zwischen den beiden Gehirnhälften gibt.

Mehr…

KategorienEvolution, Medizin, Natur, Physik Tags:

Dr. House oder MRT mit einer Kugel im Kopf?

22. November 2010 Keine Kommentare

Heute hatte ich einen lustigen Disput in einem Diskussionsforum mit ein paar Bekannten anlässlich dieses Spiegel-Artikels.

Vor dem CIA-Hauptquartier steht eine Skulptur, auf der ein Künstler vier Krypto-Rätsel verewigt hat. Während drei davon inzwischen geknackt sind, beißen sich die Experten am vierten die Zähne aus. Leider konnte der Autor des Diskussionsbeitrags die Lösung auch nicht finden und so antworte ich traurig:

Eigentlich hatte ich beim Lesen deines Artikels gedacht, da kommt jetzt die Lösung. Aber trotzdem verrate ich dir jetzt etwas: Auch die NSA ist bis jetzt gescheitert. Vielleicht haben die bis jetzt noch keine Zeit gehabt … und arbeiten noch am Voynich-Manuskript.

Mehr…

KategorienAlltag, Logik, Medizin Tags:

Eine Schwangerschaft und zwei Geburten

21. Oktober 2010 1 Kommentar

Einer meiner Kollegen ist Vater geworden. Seiner Frau sah man die Schwangerschaft in der letzten Zeit deutlich an, bereits im siebten Monat fragte man sich besorgt, wie groß das Kind denn noch werden wolle. Es kam dann auch zwei Wochen zu früh, ist aber kerngesund und die Geburt fiel der Erstgebärenden vergleichsweise leicht. Nach dreieinhalb Stunden war das kleine Mädchen da. Inzwischen sind Mutter und Tochter bereits zu Hause, die Frau heult ab und zu, ein typischer Fall von nachgeburtlicher Depression, weil Östrogen und Progesteron heruntergefahren werden. Aber Schlafmangel soll ja gut gegen Depression sein, und den haben mein Kollege und seine Frau jetzt reichlich.

Die zweite Geburt war ungewöhnlicher. Als ein Vater mit seiner offensichtlich sehr aufgewühlten Tochter telefonierte, fragte er sie halb im Scherz: „Es hat wohl geklappt und du bist schwanger?“ Darauf antwortete sie: „Das Kind ist schon da.“ Sie war mit heftigen Unterleibsschmerzen zum Arzt gegangen, nach kurzer Untersuchung stutzte dieser und rief einen Gynäkologen herbei. Gemeinsam machten sie der Frau begreiflich, dass die Wehen bereits eingesetzt hatten. Auch dieses Kind ist gesund.

Weil mir diese Geschichte so unglaublich vorkam, auch wenn der Mann sie mir persönlich erzählt hat und ich die junge Frau kenne, habe ich im Netz gesucht und das Folgende gefunden:

Unbemerkt schwanger bis zur Geburt
Jan Wessel und Ulrich Buscher von der Berliner Humboldt-Universität haben zwischen dem 1.Juli 1995 und dem 30. Juni 1996 alle 19 Geburtskliniken und fünf Hebammenhäuser im Großraum Berlin auf Fälle untersucht, in denen Patientinnen ihre Schwangerschaft nicht bemerkt haben und die Diagnose erst in der 20. Schwangerschaftswoche oder später von einem Arzt gestellt wurde.

Von den 29.462 in diesem Zeitraum gebärenden Berliner Frauen waren sich 62 ihres Zustands bis zur 20. Woche nicht bewusst, 25 von ihnen erfuhren von der bevorstehenden Geburt gar erst im Kreißsaal. Durchschnittlich wird also eine von 475 Schwangerschaften von den Betroffenen bis zuletzt nicht wahrgenommen.

Mehr…

KategorienAlltag, Frauen, Medizin Tags:

Hungert denn der alte Yogi noch, Yogi noch, Yogi noch? Teil 2

19. Mai 2010 Keine Kommentare

Vermutlich nicht mehr, denn der Versuch ist ja vorbei, hier dazu Teil 1. Ein Bekannter hat das folgende lustige Bild gepostet (und vielleicht selbst erstellt):

yogi2

Er vergaß nicht, in seinem Begleittext auf die Standby-LED hinzuweisen. (Wer findet sie nicht in dem Bild?) Aber interessanter ist doch ein Artikel im Guardian: India’s man who lives on sunshine. Zitate:
Mehr…

KategorienMedizin, Skeptizismus Tags: