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Archiv für die Kategorie ‘Gesellschaft’

Caster Semenya

19. August 2016 Keine Kommentare

In einem Fernsehbeitrag von der Olympiade wurde auch über Caster Semenya berichtet. Im Unterschied zum hier verlinkten Wikipediabeitrag, der darüber nichts enthält, wurden im Fernsehen Details über den bei ihr wohl doch vorhandenen Hermaphroditismus gebracht. Semenya hat zwar eine Vagina, jedoch keine Gebärmutter und stattdessen im Körper liegende Hoden. Caster Semenya könnte über 800m aufgrund ihrer Besonderheiten die Goldmedaille gewinnen. Männer und Frauen unterscheiden sich im Mittel deutlich in der körperlichen Leistungsfähigkeit, nicht ohne Grund werden deshalb im Sport die Wettkämpfe nach Männern und Frauen getrennt durchgeführt. (Ob es auch Unterschiede in der geistigen Leistungsfähigkeit gibt, darüber lässt sich trefflich streiten, warum gibt es bei Schachwettkämpfen eine Geschlechtertrennung, wenn dem nicht so ist?)
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Andreas Eschbach: Herr aller Dinge

27. Oktober 2015 Keine Kommentare

„Der Herr aller Dinge“ ist ein typisches Buch von Andreas Eschbach. Science Fiction, aber sorgfältig recherchiert, auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft aufbauend und eine denkbare Entwicklung in die Zukunft extrapolierend. Ich möchte hier keine Inhaltsangabe seines Buchs geben, sondern nur drei wesentliche Gedanken kommentieren. Die erste Idee beschäftigt sich mit der Zukunft der Arbeit, was Aufgabe der Technik ist und was Reichtum wirklich bedeutet:

Wenn wir von Reichtum reden, dam reden wir nicht von Geld, sondern von Arbeit. Würde Reichtum bedeuten, viel Geld zu haben, wäre es ja einfach, jeden reich zu machen: Man müsste nur genügend Geld drucken und es an alle verteilen. Das funktioniert nicht, weil Geld eben nur bedrucktes Papier ist. Es geht nicht um Geld – es geht um Arbeit. Reichtum heißt, imstande zu sein, andere für sich arbeiten zu lassen.

Hiroshi Kato, die Hauptfigur im Buch, stammt aus einem armen Elternhaus und erkennt diesen Zusammenhang sehr früh in der Kindheit. Sein Plan besteht darin, Maschinen zu bauen, die jedem Menschen die benötigten Güter zur Verfügung stellen. Dann wäre jeder reich, ohne dass andere für ihn arbeiten müssten. An der Uni diskutiert er mit einem Professor darüber:

»Ach ja? Nach Ihrer Logik wird es aber nach und nach immer weniger Jobs geben.«

»Es wird zunächst andere Jobs geben. Vor hundert Jahren war ein Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, heute sind es noch drei Prozent. Trotzdem haben wir nicht lauter arbeitslose Bauern.«

»Schönes Argument«, meinte DeLouche siegessicher. Er beugte sich leicht vor, wie immer, wenn er damit rechnete, seinem Kontrahenten demnächst den finalen Stoß zu versetzen. »Aber was hilft das dem Arbeiter, der durch einen Roboter ersetzt wurde, auf der Straße steht und Arbeit braucht?«

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Es war so mucksmäuschenstill, dass man die klinisch weißen Leuchtelemente an der Decke surren hörte. Und natürlich das Blech an der Luftzufuhr mit seinem unablässigen tak-a-tak-tak-a.

»Genau genommen«, sagte Hiroshi bedächtig, »braucht er nicht Arbeit. Er braucht Geld. Oder, allgemein gehalten, er muss seinen Lebensunterhalt sicherstellen. Das ist das eigentliche Problem.«

»Womit wir beim Sozialsystem wären«, erwiderte DeLouche. Er musterte Hiroshi über den Rand seiner Brille hinweg. »Können Sie sich eigentlich auch vorstellen, dass Menschen gerne arbeiten? Dass sie ihre Arbeit als identitätsstiftend empfinden? Und nicht nur als Mittel, um den Lebensunterhalt zu sichern?«

»Doch, bei Ihnen kann ich mir das vorstellen«, erwiderte Hiroshi mit ausdruckslosem Gesicht. »Aber meine Mutter zum Beispiel war Wäscherin. Sie hat jahrelang jeden Tag Dutzende von Handtüchern, Tischtüchern und Unmengen von Kleidung gewaschen, getrocknet und gebügelt. Und sie fand das kein bisschen identitätsstiftend. Als sie es nicht mehr tun musste, hat sie sofort gekündigt.«

Es ist eine ähnliche Diskussion, wie sie auch bei uns im Zusammenhang mit dem bedingungslosen Grundeinkommen geführt worden sind.

Hiroshi nickte. »Na also. Sie geben sich die Antwort damit selber. Die Maler werden auch in Zukunft weiter malen, aber die Müllmänner werden eher nicht mehr arbeiten.«

Ohne das an dieser Stelle noch weiter vertiefen zu wollen, ist völlig klar: Viele heutige Tätigkeiten sind nicht sinnstiftend, sie würden sofort nicht mehr gemacht werden, wenn die Betreffenden es nicht müssten – das erfüllt die Definition von Zwangsarbeit.

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Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns

23. Oktober 2015 Keine Kommentare

Aus den beiden Büchern von Rolf Dobelli Die Kunst des klaren Denkens und „Die Kunst des klugen Handelns“ habe ich bereits mehrere Beispiele zitiert, z.B. hier, hier und hier. Im Folgenden noch vier weitere, die mir aus dem Buch über kluges Handeln im Gedächtnis geblieben sind. (Man kann sich darüber streiten, ob „Handeln“ im Buchtitel das richtige Wort gewesen ist, denn einige Abschnitte betreffen weniger Handlungen als vielmehr Denkweisen.)

Das erste Beispiel ist ein statistisches Phänomen, das mich an einen alten Gedanken zur Arbeitsteilung erinnert hat: Arbeitsteilung ist immer vorteilhaft, unabhängig von den Fähigkeiten derjenigen, die verschiedene Aufgaben untereinander aufteilen. Dobelli:

Will-Rogers-Phänomen

Angenommen, Sie sind Fernsehdirektor eines Unternehmens mit zwei Sendern. Kanal A hat hohe Einschaltquoten, Kanal B extrem niedrige. Der Aufsichtsrat fordert Sie auf, die Quote beider Sender zu steigern, und zwar innerhalb eines halben Jahrs. Schaffen Sie es, winkt ein Superbonus. Schaffen Sie es nicht, sind Sie Ihren Job los. Wie gehen Sie vor?

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Ganz einfach: Sie schieben eine Sendung, die die durchschnittliche Einschaltquote des Kanals A bisher leicht heruntergezogen hat, aber immer noch ganz gut läuft, zu Kanal B hinüber. Weil Kanal B miserable Einschaltquoten hat, erhöht die transferierte Sendung dessen Durchschnittsquote. Ohne eine einzige neue Sendung zu konzipieren, haben Sie die Quoten beider Fernsehsender gleichzeitig angehoben und sich damit den Superbonus gesichert.

Diesen Effekt nennt man Stage Migration oder Will-Rogers-Phänomen, benannt nach einem amerikanischen Komiker aus Oklahoma. Dieser soll gewitzelt haben, dass Einwohner von Oklahoma, die Oklahoma verlassen und nach Kalifornien ziehen, den durchschnittlichen IQ beider Bundesstaaten erhöhen. Das Will-Rogers-Phänomen ist nicht intuitiv verständlich. Um es im Gedächtnis zu verankern, muss man es einige Male in verschiedenen Settings durchexerzieren.

Das zweite Beispiel ist aus dem Bereich „Praktische Tipps für das eigene Leben“. Hier passt der Buchtitel recht gut:

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Achtsamkeit

20. Oktober 2015 Keine Kommentare

Wege aus dem Stress… Das Thema hat mich bereits hier beschäftigt und wird wohl lange aktuell bleiben. Ein weiterer Artikel über eine Untersuchung an Kindern: Smartphone läuft Fernsehen als Leitmedium Rang ab. Bemerkenswert an dieser Studie ist das Alter der Probanden, 8 bis 14 Jahre. Eine zweite Studie hatte vor allem junge Erwachsene im Fokus: Generation Wisch und Klick. Täglich drei Stunden am Tag sind 17 bis 24Jährige mit dem Smartphone online.

Einen verblüffenden Gedanken habe ich bei Rolf Dobelli in seinem Buch „Die Kunst des klugen Handelns gefunden:

Nehmen Sie die Terroranschläge in Mumbai im Jahr 2008. Terroristen töteten in einem Akt kühler Geltungssucht 200 Menschen. Stellen Sie sich vor, dass eine Milliarde Menschen durchschnittlich eine Stunde ihrer Aufmerksamkeit auf die Tragödie in Mumbai verwendeten: Sie haben die News verfolgt und sich das Geplapper irgendwelcher »Experten« und »Kommentatoren« im Fernsehen angeschaut. Eine durchaus realistische Schätzung, denn Indien allein hat mehr als eine Milliarde Einwohner. Doch rechnen wir konservativ. Eine Milliarde Menschen mal eine Stunde Ablenkung ergibt eine Milliarde Stunden Ablenkung. Umgerechnet: Durch News-Konsum wurden also an die 2.000 Menschenleben vernichtet – zehnmal mehr als durch das Attentat.

Ich glaube zwar nicht, dass so viele Menschen so viel Zeit mit diesem Ereignis verbracht haben, aber hochgerechnet auf alle News stimmt es. An anderer Stelle schreibt Dobelli:

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KategorienAlltag, Gesellschaft, Psychologie Tags:

Hans-Dieter Schütt: Markus Wolf. Letzte Gespräche

15. Oktober 2015 Keine Kommentare

Markus Wolf war viele Jahre Chef der HVA, dem Auslandsnachrichtendienst der DDR-Staatssicherheit. Ich weiß es nicht mehr ganz genau, aber ich vermute, dass ich ihn zum ersten Mal im Fernsehen bei seinem Auftritt während der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz gesehen habe. Dort wurde er ausgepfiffen, weil er den meisten Demonstranten als führender Vertreter der Staatssicherheit galt. Da war er schon drei Jahre in Rente.

Im Frühjahr 1989, noch in der DDR, war sein erstes Buch erschienen, „Die Troika“. Nach der Wende hat er eine Reihe weiterer Bücher geschrieben. Nicht alle davon beschäftigen sich mit seiner Tätigkeit als Spionagechef der DDR. Das Buch von Hans-Dieter Schütt ist das letzte, an dem Markus Wolf noch direkt beteiligt war. Es gibt den Inhalt einer Reihe von Gesprächen wieder, die die beiden im Jahr 2006 miteinander geführt haben. Es waren weitere Interviews geplant, aber im November 2006 starb Markus Wolf. Im Stil hat mich das Buch ein wenig an die Fernsehreihe Zur Person von Günter Gaus erinnert.

Markus Wolf: langjähriger Chef der DDR-Aufklärung. Geheimnisumwoben. Gefürchtet. Gehaßt auch – und nie wußte man, bis heute weiß man es nicht, was diesen Haß eher und heftiger vergrößerte: der offene kommunistische Geist des Mannes oder seine Unangreifbarkeit. Wolf hat eine Arbeit getan, deren Zwielicht nur in James-Bond-Filmen reine Unterhaltung ist. Es ist eine Arbeit, die sich seit jeher den Verdacht gefallen lassen muß, sie sei unehrenhaft. Aber das Unehrenhafteste daran ist jener besinnungslose zwischenstaatliche Zustand, der diese nachrichtendienstliche Arbeit erst erforderlich macht, indem er Mißtrauen schürt, Feindschaft adelt, Krieg für eine Lösung hält.

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KategorienGesellschaft, Politik, Rezensionen Tags:

Feature positive effect

13. September 2015 Keine Kommentare

In Rolf Dobellis Buch „Die Kunst des klugen Handelns“ gibt es ein Kapitel über den „Feature positive effect“. Das einführende Beispiel bilden zwei Zahlenreihen. Die erste mit den Zahlen 724, 947, 421, 843, 394, 411, 054 und 646. Die zweite mit 349, 851, 274, 905, 772, 032, 854 und 113. Auf die Gemeinsamkeit der Zahlen der ersten Reihe – alle enthalten die Ziffer 4 – kommt man leichter als auf die Gemeinsamkeit der Zahlen der zweiten – alle enthalten die Ziffer 6 nicht. Dobellis Schlussfolgerung: Absenz ist viel schwieriger zu erkennen als Präsenz.

Dobelli führt dann in seinem Text eine Reihe praktischer Beispiele an, um den Effekt zu verdeutlichen. Zwei davon:

Angenommen, Sie sind Hersteller eines zweifelhaften Produkts, zum Beispiel einer Salatsoße mit übermäßigem Cholesteringehalt. Was tun Sie? Auf der Verpackung führen Sie 20 verschiedene Vitamine auf, die in der Soße enthalten sind, und verschweigen den Cholesterinwert. Die Absenz wird den Konsumenten nicht auffallen. Und die positiven – präsenten – Eigenschaften stellen sicher, dass sie sich in Sicherheit fühlen.

Im Wissenschaftsbetrieb stoßen wir ständig auf den Feature-Positive Effect. Die Bestätigung von Hypothesen führt zu Publikationen, und die werden in herausragenden Fällen mit Nobelpreisen gefeiert. Die Falsifikation einer Hypothese hingegen bekommen Sie kaum in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert, und meines Wissens gab es noch nie einen Nobelpreis dafür. Dabei ist die Falsifikation einer Hypothese ein wissenschaftlich genauso wertvolles Resultat wie eine Bestätigung. Wegen des Effekts sind wir auch viel anfälliger für positive Empfehlungen (tun Sie X) als für negative (lassen Sie Y) – egal, wie sinnlos oder sinnvoll sie sind.

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KategorienGesellschaft, Politik Tags:

Karl Marx

23. August 2015 Keine Kommentare

Mit der Nummer 69 von Geo Epoche „Der Kapitalismus“ ist den Heftproduzenten wieder ein bemerkenswertes Heft gelungen. In Erinnerung werden mir sicherlich einige Kapitel bleiben:

Das Heft enthält auch einen sehr interessanten sechzehnseitigen Artikel über Karl Marx. Gegen Ende des Artikels liest man dort als Resümee:

… attestieren spätere Ökonomen Marx massive theoretische Versäumnisse. In mehreren Punkten wird das Marxsche Werk, obwohl durchaus anspruchsvoll konstruiert, in den folgenden Jahrzehnten wissenschaftlich widerlegt. So wird seine Einschätzung, dass sich der Wert und Preis einer Ware vor allem nach dem Maß der darin enthaltenen menschlichen Arbeit bemisst, verworfen zugunsten der Erkenntnis, dass sich ein Marktpreis vor allem durch die Nachfrage bildet.

Auch die für Marx zentrale Mehrwerttheorie stellen Ökonomen infrage. Sie gehört daher auch nicht zum wirtschaftswissenschaftlichen Kanon (wenngleich sie für viele Kapitalismuskritiker ein brauchbares Analysewerkzeug bleibt).

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KategorienGesellschaft, Ökonomie, Rezensionen Tags:

Flüchtlinge

8. August 2015 3 Kommentare

Wenn man Texte über das Mittelalter liest, dann begegnet man dort unweigerlich Berichten über Leibeigene, die von Adligen für ihr eigenes gutes Leben ausgebeutet worden sind. Ähnliches lässt sich über die Sklaverei sagen, die ein wesentlicher Teil der Ökonomie der Antike war und eigentlich noch gar nicht so lange als Massenphänomen vorbei ist, wenn man an die Geschichte Amerikas denkt. Der erste Impuls heute ist immer, diese Praktiken als moralisch inakzeptabel zu verurteilen. Aber wie werden die Menschen in ein paar Jahrhunderten über uns urteilen, wenn sie ihrerseits die Berichte über unseren Umgang mit Flüchtlingen lesen werden?

Die folgenden Auszüge entstammen einem Artikel aus „Hohe Luft“ 6/2014, also vom Ende des letzten Jahres. In der Zwischenzeit ist es nicht besser geworden, im Gegenteil, die Flüchtlingszahlen werden immer größer.

Der richtige Umgang mit Immigranten ist für die westliche Welt eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts. Doch Einwanderung ist ein heikles politisches Thema. Kein seriöser Politiker fasst es gern an, weil man sich leicht die Finger verbrennt. Lediglich das Spiel mit der Angst bringt noch Wählerstimmen, wie die letzte Wahlkampagne der CSU gegen angebliche Sozialschmarotzer bewies. Doch das Thema ist zu wichtig, um es Populisten zu überlassen. Wir brauchen einen Diskurs über Einwanderung, der sich nicht von alltagspolitischem Kalkül verfälschen lässt und der sich nicht scheut, auch über die tieferliegenden moralischen Aspekte nachzudenken.

Nach diesen einleitenden Sätzen wird ein frappierender Vergleich hergestellt:

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KategorienEthik, Gesellschaft, Politik Tags:

Operation Ewigkeit

6. August 2015 Keine Kommentare

Bei einem Artikel mit diesem Titel in „Hohe Luft“ 1/2015 habe ich mich an zwei verblüffende Gegenargumente in einer Diskussion erinnert, wieso wir uns heute eigentlich um die Probleme zukünftiger Generationen scheren sollen:

  1. Es entspricht gewiss mehr unserem Sinn für Gerechtigkeit, wenn wir fordern, dass der Reichere dem Ärmeren etwas abgibt, als wenn der Ärmere zugunsten des Reicheren auf etwas verzichten soll. Nun ist es aber so, dass es in der Tendenz der menschlichen Entwicklung liegt, dass der Reichtum im Laufe der Zeit ständig zunimmt. Die Menschen in der Zukunft sollten also reicher sein und über mehr Mittel und Möglichkeiten als wir verfügen. Warum sollen wir ihnen zuliebe heute auf etwas verzichten?

  2. Wenn wir heute gewaltigen Raubbau an allen Ressourcen betreiben, dann wird es vielleicht in Zukunft keine Menschen mehr auf der Erde geben. Da man einem Nichtexistenten keinen Schaden oder Leid zufügen kann, muss unser heutiges Verhalten keine Rücksicht auf eventuelles menschliches Leben in der Zukunft auf der Erde nehmen.

Es liegt in der Natur dieser Argumente, dass nur eins von beiden überhaupt zutreffen könnte. Entweder es gibt in der Zukunft noch Menschen, die dann reicher sein können als wir, oder es gibt keine mehr. Aber merkwürdig sind beide, denn sie widersprechen unserer Intuition. Genau dieses Thema wird in dem Artikel in „Hohe Luft“ aufgegriffen:

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KategorienEthik, Gesellschaft, Philosophie Tags:

Weshalb ist unser Leben so hektisch?

5. August 2015 Keine Kommentare

Ein Artikel aus der Geo Kompakt „Wege aus dem Stress“ hat mir besonders gut gefallen. In „Weshalb ist unser Leben so hektisch?“ findet man dort ein Interview mit dem Zeitforscher Hartmut Rosa. Er beginnt mit der simplen Feststellung, dass sich am Ablaufen der Zeit im Laufe der Geschichte nichts ändert, der Tag hat 24 Stunden, das Jahr 365 Tage. Trotzdem hat man das Gefühl, die Zeit würde immer knapper werden.

…die ganze Moderne ist eine einzige Geschichte des Zeitsparens und der Beschleunigung: Mit dem Auto kommen wir rascher voran als zu Fuß, mit dem Flugzeug schneller als mit dem Auto. Waschmaschinen, Staubsauger, Mikrowellen sparen Zeit, E-Mails erreichen ihren Adressaten in Sekundenschnelle. Fast jede Technik ist mit dem Versprechen verbunden, dass wir mit ihr Zeit gewinnen. Dennoch stellt sich kein Zeitreichtum ein, sondern Zeitknappheit.

Die Aufgabenmenge wächst so rasant, dass wir sie trotz des Zeitgewinns nicht abarbeiten können. Früher wechselten Menschen einmal in der Woche ihre Wäsche, heute machen wir das täglich. Statt zehn Briefe schreiben und lesen wir 30, 40 oder noch mehr E-Mails. Und mit dem Auto legen wir natürlich viel weitere Strecken zurück als Menschen vormals zu Fuß.

Es stellt sich die Frage, warum „die Aufgabenmenge“ größer wird. Weiter unten im Interview wird auch die kapitalistische Wachstumslogik als eine der Ursachen ausgemacht. Aber selbst wenn man diese zunächst außer Acht lässt und rein phänomenologisch analysiert, kommt man schon zu einer bemerkenswerten Erkenntnis:

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KategorienGesellschaft, Psychologie, Visionen Tags: