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Archiv für die Kategorie ‘Evolution’

Ein Prost auf Gaia

17. Februar 2013 Keine Kommentare

Eigentlich wollte ich ja heute auf einen interessanten Artikel über die Gaia-Hypothese hinweisen. Diesen Artikel findet man in den SciLogs unter dem Titel Die Erde ist kein Lebewesen – Kritik der Gaia-Hypothese. Die Gaia-Hypothese gibt es in einer extrem verkürzten und volkstümlichen Variante auch als Witz:

Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine zum anderen: „Du, ich habe Homo sapiens.“ Sagt der zweite zum ersten: „Ach, das macht nichts. Das hatte ich auch. Das geht vorbei.

Bemerkenswert an dem Artikel wider die Gaia-Hypothese sind nicht nur die Argumente, mit denen der Autor die Hypothese unter biologischen Aspekten zerpflückt, sondern auch seine Kritik an der allgemeinen (Un)Sitte von (Natur)Wissenschaftlern, sich (scheinbar kompetent und wissenschaftlich) zu Themen außerhalb ihrer Fachgebiete zu äußern:

Nun kennt man das ja: Verdienstvolle Wissenschaftler versuchen sich öfter mal auf Gebieten, die jenseits ihrer Fachgrenzen liegen. Dagegen ist nichts zu einzuwenden. Sie können sich ja in andere Fächer einarbeiten und dann zu deren Fragen etwas beitragen. Es ist in aller Regel nichts von Bedeutung, was da herauskommt, doch kann es hinreichend solide sein, um nicht verschwiegen werden zu müssen.

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Eugène N. Marais und Maurice Maeterlinck

23. Oktober 2012 Keine Kommentare

Als ich unseren Peru-Urlaub nachbereitet habe, bin ich im Wikipediaartikel über Termiten auf die beiden Namen Eugène N. Marais und Maurice Maeterlinck gestoßen. Beide haben Anfang das 20. Jahrhunderts jeweils ein eigenes populärwissenschaftliches Buch über diese Tiere geschrieben.

Eugène Marais war ein Südafrikaner, der Termiten selbst beobachtet und mit ihnen Experimente durchgeführt hat. Sein Buch (deutsch: „Die Seele der weißen Ameise“) erschien 1925 in Afrikaans, eine Übersetzung ins Englische lehnte er ab. Der Belgier Maurice Maeterlinck hatte bereits 1911 den Nobelpreis für Literatur erhalten. Sein Buch (deutsch: „Das Leben der Termiten“) kam 1926 in französischer Sprache heraus. Daraufhin wurde Maeterlinck von Marais verklagt, weil dieser von ihm abgeschrieben habe solle. In den Wikipediaartikeln der beiden liest man:

1926 veröffentlichte Maurice Maeterlinck, der belgische Literatur-Nobelpreisträger von 1911, (der als Flame Afrikaans verstehen konnte) sein Buch “La Vie des Termites“, mit dem er zahlreiche Ideen aus Marais‘ Buch für sich beanspruchte. Marais ging gegen das Plagiat vergeblich juristisch vor.

1926 veröffentlichte er „La Vie des Termites“, ein eklatantes Plagiat des Werkes „The Soul of the White Ant“ des südafrikanischen Biologen und Dichters Eugène Marais.

Das wird immer wieder erwähnt, wenn es um eine der beiden Personen geht, z.B. so in der Badischen Zeitung anlässlich des 150. Geburtstages von Maeterlinck:
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Tetrachromaten

26. Juni 2012 Keine Kommentare

Seit ein paar Tagen geht die Nachricht um die Welt, dass die britische Wissenschaftlerin Gabriele Jordan endlich eine menschliche Tetrachromatin gefunden hat, hier ein englischsprachiger, hier ein deutschsprachiger Artikel. Mich verblüfft weniger die Nachricht als die Tatsache, dass das eine Neuigkeit sein soll, meiner Meinung nach ist deren Existenz seit vielen Jahren bekannt. 2003 hatte ich davon erfahren und das in einer kleinen Geschichte verarbeitet: Der Goldsensor oder das Geheimnis des vierten Zäpchens.

Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass das Farbsehen dreikanalig ist, es gibt Tiere, die nur Schwarzweiß sehen, andere haben zwei Farbkanäle (z.B. Hunde), andere vier. Hier ein netter Artikel aus der „Kinder-Uni“. Tatsächlich haben wohl auch einige (oder alle?) Vögel einen vierten Sensortyp für Ultraviolett – bei einigen Arten, bei denen für uns Männchen und Weibchen gleich aussehen, findet man deutliche Geschlechtsunterschiede, wenn man die Tiere ultraviolett bestrahlt und diese Bilder auswertet.
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Neue Beispiele für Epigenetik

14. August 2011 2 Kommentare

Ich habe mir schon lange die Frage gestellt, warum die Eigenschaften von Lebewesen über viele Generationen weitgehend konstant bleiben, während es dann in kurzer Zeit bei einer Veränderung der Umwelt zu einer drastischen Explosion der Varianten kommt. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Kambrische Explosion.

Die Hypothesen im verlinkten Wikipediaartikel sind mir aber allesamt unplausibel, ich bevorzuge eine andere. Im Phänotyp widerspiegelt sich immer der Genotyp und die Mutationsraten im Erbgut sind weitgehend konstant. Es ist also eigentlich gar nicht möglich, dass nach einer schnellen Änderung der Umwelt schnell genug verschiedene neue Baupläne durch den üblichen Evolutionsmechanismus (Mutation, Vermehrung, Selektion) entwickelt und ausprobiert werden können.

Meine adhoc Erklärung war seinerzeit, als ich das erste Mal von diesem Problem gelesen habe, dass sich Mutationen in den für Proteine nicht kodierenden Teilen der DNA anhäufen können, ohne dass es für die Träger dieses Genoms nachteilige Wirkungen hat. Dazu muss man wissen, dass nur etwa 1,5% unserer DNA die Baupläne für unsere Proteine enthält, den Rest betrachtete man lange für „Müll“. Ich hielt diese Müllhypothese schon immer für unsinnig, denn ein Lebewesen, das sich den Aufwand mit dem Kopieren dieses Mülls in die nachfolgende Generation spart, sollte evolutionäre Vorteile haben. Also muss dieser „Müll“ eine Bedeutung haben.
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Symmetriebrüche

13. Juni 2011 Keine Kommentare

Ein Bekannter hat ein Bild gepostet, das in verschiedenen Version im Netz herumgeistert. Man findet das Original schnell, wenn man in einer Suchmaschine z.B. die Wörter left right brain mercedes eingibt.

leftrightbrain

In dem Forum, in dem das Bild gepostet wurde, ging es daraufhin um die Frage, warum es so einen und inzwischen auch empirisch gut bestätigten funktionellen Unterschied zwischen den beiden Gehirnhälften gibt.

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KategorienEvolution, Medizin, Natur, Physik Tags:

Hängt die Farbwahrnehmung von der Anzahl der Farbwörter ab?

8. Mai 2010 Keine Kommentare

Die spontane Antwort darauf ist „Nein“, denn zunächst beginnt unsere Farbwahrnehmung mit einem physiologischen Prozess in den Sinneszellen, die sich in den Augen befinden. Die Antwort darauf ist aber dann doch nicht so einfach, außerdem ist diese Frage ein Spezialfall der beiden allgemeineren, inwiefern Sprache unser Denken beeinflusst und beide unsere Sinneswahrnehmung.

Der Mensch besitzt in den Sinneszellen der Augen verschiedene Proteine, die sich bei Lichteinfall jeweils (reversibel) chemisch ändern können und dabei für verschiedene Wellenlängen des Lichts unterschiedlich empfindlich sind. Normalerweise gibt es drei Proteinarten, die drei verschiedene spektrale Empfindlichkeitskurven haben. Da die Gene der Farbpigmente für Rot und Grün nahe benachbart auf dem X-Chromosom liegen, sind Männer, die ja nur ein X-Chromosom besitzen, stärker von Rot-Grün-Fehlsichtigkeit betroffen, währenddessen es bei Frauen vorkommen kann, dass sie auf ihren beiden X-Chromosomen unterschiedliche Allele dieser Gene tragen und dann vier spektral unterschiedliche Zapfentypen haben können.

Der Sehvorgang ist mit der elektrochemischen Erregung dieser Zellen aber nicht beendet, die Signale laufen ins Gehirn und werden in weiteren Verarbeitungsstufen von nachfolgenden Zellen zu einem Farbeindruck verknüpft, und aus Signalen von verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten weitere Informationen berechnet. Wir sehen keine monochromen Lichtpunkte, sondern Objekte, die eine Farbe und eine Form haben und die sich bewegen können, sich zu größeren Aggregationen verbinden oder selbst aus Bestandteilen zusammengesetzt sein können.
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Josef H. Reichholf: Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends

29. April 2010 Keine Kommentare

Es gibt verschiedene Positionen, die man zum Klimawandel einnehmen kann. Manche Skeptiker bezweifeln entweder vollständig eine derzeitige globale Erwärmung, andere stellen den anthropogenen Einfluss infrage, d.h. dass der Mensch wesentlich zur Erwärmung beiträgt. Weiterhin kann man auch der Meinung sein, dass die Erwärmung nicht negativ sein muss, denn Warmzeiten waren in der Vergangenheit immer gute Zeiten für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Dann gibt es noch die Einstellungen, dass es sowohl dringendere von der Menschheit zu lösende Probleme gibt, als auch dass andere durch den Menschen induzierte Veränderungen viel größeren Einfluss auf die Natur haben.

Was von den meisten Wissenschaftler inzwischen nicht mehr bezweifelt wird, sind folgenden Tatsachen bzw. Zusammenhänge:

  • Kohlendioxid ist ein „Treibhausgas“, eine erhöhte Konzentration in der Atmosphäre führt unter sonst gleichen Bedingungen zu deren Erwärmung.
  • Der in der Atmosphäre gemessene erhöhte Anteil an Kohlendioxid korrespondiert mit dem gestiegenen Verbrauch fossiler Brennstoffe.
  • Eine wärmere Atmosphäre führt zur verstärkten Freisetzung weiterer klimarelevanter Gase wie Wasserdampf und Methan. Mehr Wasserdampf entsteht, weil wärmere Gewässer eine höhere Verdunstung haben. Methan wird nicht nur durch die Landwirtschaft freigesetzt (Tierzucht, Fleischkonsum), sondern ist auch in den auftauenden Permafrostböden enthalten und im Methanhydrat in den Ozeanen.

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Philip Kitcher: Mit Darwin leben

7. Juni 2009 Keine Kommentare

Das zentrale Thema des Buchs ist die Auseinandersetzung mit dem Kreationismus und dem Intelligent Design (ID) aus dem Blickwinkel der Evolutionstheorie. Besonders das Intelligent Design nimmt Kitcher dabei ziemlich ernst, weil einige der durch diesen Ansatz aufgeworfenen Fragen ja tatsächlich interessante Probleme sind, die auch von Evolutionsbiologen gestellt werden, oder genauer gesagt, gestellt wurden, denn der größte Teil des Intelligent Design ist alte, tote Wissenschaft. Im ersten Teil des Buchs werden die klassischen Beispiele des Kreationismus und des ID der Reihe nach analysiert. Es ist gut und wichtig, diese Beispiele zu verstehen, um daran die allgemeine Argumentationsstruktur der ID-Anhänger zu erkennen: Man sucht sich Beispiele heraus, die mit dem aktuellen Wissensstand nur schlecht oder gar nicht erklärt werden können, und stellt dann die Behauptung auf, dies zeige das Wirken eines intelligenten Prozesses. Nur kann man damit keine Erklärung für die Arbeitsweise des intelligenten Designers liefern, zumal es die ID-Anhänger ja sorgfältig vermeiden, ihren intelligenten Designer „Gott“ zu nennen.

Da ich in der letzten Zeit an mehreren Stellen in Diskussionen verstrickt war, in denen Gläubige und Atheisten sich gegenseitig von ihren Standpunkten zu überzeugen suchten und sich beide Parteien in diesen Diskussionen augenscheinlich keinen Millimeter bewegt haben, war der letzte Teil des Buchs für mich von besonderem Interesse. Dort erfährt man die Gründe, warum sich Kitcher so stark mit der Widerlegung des Intelligent Designs beschäftigt hat, welche Meinung er selbst zu Religionen hat und wie er das Verhältnis der Religionen und spiritueller Überzeugungen sowohl zur Evolutionstheorie als auch zu Kreationismus und ID sieht. Die folgenden Ausschnitte aus dem Buch sind für mich deshalb so bemerkenswert, weil sie nahezu hundertprozentig meine eigenen Empfindungen wiedergeben – nur hätte ich das niemals so gut formulieren können wie er.
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KategorienEthik, Evolution, Rezensionen Tags:

Erich von Däniken

11. März 2009 Keine Kommentare

Gestern Abend war ich bei einem Vortrag von Erich von Däniken. Da wir rechtzeitig eingetroffen waren und ich mir im Laufe der Vortage ein beträchtliches Schlafdefizit erarbeitet hatte, machten wir uns sogleich auf die Suche nach einem Kaffeeautomaten. Durch den Kaffee wurde ich etwas munterer und musterte die anderen Leute auf der Suche nach Bekannten, fand aber keine, leider oder vielleicht gottseidank. Däniken, der vor dem Saal Bücher signierte, war in dieser Beziehung erfolgreicher, denn zu Beginn seines Vortrages begrüßte er seine vielen treuen Fans. Nach seiner Zählung waren über 50% alte Bekannte unter den Besuchern. Das erinnerte mich ein bisschen an einen Gottesdienst, da sitzen auch jeden Sonntag dieselben Leute in der Kirche und es wird immer dieselbe Geschichte erzählt.

Mein Koffeinpegel fiel leider rasch ab und so nickte ich im Laufe des Abends des Öfteren ein, kann also keine Garantie für einen vollständigen Bericht geben. Meine Bekannte wusste zum Beispiel nach dem Vortrag, dass Däniken ein leuchtend blaues Jackett getragen hatte – wahrscheinlich dasselbe wie auf dem Bild in der Wikipedia. Ich hingegen konnte mir gerade so den Konstruktionsplan des außerirdischen Raumschiffs einprägen. Man weiß ja nie, vielleicht sitze ich irgendwann am Rande der Galaxis fest, habe mein Handtuch vergessen und muss mir selbst ein Vehikel bauen.
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Sandra Mitchell: Komplexitäten. Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen.

8. März 2009 Keine Kommentare

Sandra Mitchell ist Professorin für Wissenschaftstheorie und -geschichte in Pittsburgh, der größte Teil ihrer Beispiele entstammt der Biologie. Zentrales Thema im Buch ist die Aussage der Autorin, dass die Welt komplex ist und dass aus diesem Grund die ausschließliche Suche nach einfachen und universellen Naturgesetzen nicht ausreichend ist. Das ist eng mit dem Begriff der Emergenz verbunden.

Es gibt stärkere und schwächere Versionen der Reduktion (ontologisch, erkenntnistheoretisch und methodisch). Allen gemeinsam ist die Vorstellung, dass die Erklärung aufwärts gerichtet ist – vom Verhalten der Grundbestandteile zum Verhalten des aus ihnen zusammengesetzten Systems. In seiner stärksten Version behauptet der Reduktionismus: Kausale Fähigkeiten liegen ausschließlich auf der Ebene der Grundbestandteile, und die Erklärung eines Systems von Verhaltensweisen gewinnt nichts hinzu, wenn man die Eigenschaften höherer Ebenen anspricht.

Ein Begriff, der in unmittelbarem Gegensatz zur Reduktion steht, ist die „Emergenz“. … Emergenz hat unterschiedliche Aspekte, die den unterschiedlichen Aspekten der Reduktion gegenüberstehen.

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