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Archiv für die Kategorie ‘Evolution’

Caster Semenya

19. August 2016 Keine Kommentare

In einem Fernsehbeitrag von der Olympiade wurde auch über Caster Semenya berichtet. Im Unterschied zum hier verlinkten Wikipediabeitrag, der darüber nichts enthält, wurden im Fernsehen Details über den bei ihr wohl doch vorhandenen Hermaphroditismus gebracht. Semenya hat zwar eine Vagina, jedoch keine Gebärmutter und stattdessen im Körper liegende Hoden. Caster Semenya könnte über 800m aufgrund ihrer Besonderheiten die Goldmedaille gewinnen. Männer und Frauen unterscheiden sich im Mittel deutlich in der körperlichen Leistungsfähigkeit, nicht ohne Grund werden deshalb im Sport die Wettkämpfe nach Männern und Frauen getrennt durchgeführt. (Ob es auch Unterschiede in der geistigen Leistungsfähigkeit gibt, darüber lässt sich trefflich streiten, warum gibt es bei Schachwettkämpfen eine Geschlechtertrennung, wenn dem nicht so ist?)
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Karl Olsberg: Schöpfung außer Kontrolle

20. August 2015 Keine Kommentare

Der Titel des Buchs ist ein wenig irreführend, denn es geht weder um Religion, noch sollen Zukunftsängste geschürt werden. Olsberg entwickelt in seinem Buch vor allem einige Gedanken weiter, die Richard Dawkins in „Das egoistische Gen“ geäußert hat, auch auf Ray Kurzweil nimmt er Bezug. Zunächst zeigt Olsberg, dass man einige Prinzipien der Evolutionstheorie vielleicht auch auf andere Prozesse in der Natur anwenden kann. Seine Erklärung zu den drei Grundmechanismen einer Evolution:

Wir haben gesehen, dass die Evolution eine Kraft ist, die auch auf unbelebte Dinge wie Gene, Viren und Moleküle in der Ursuppe wirkt. Sie kann also kein rein biologisches Phänomen sein. Aber was ist sie dann? Ganz einfach: Evolution ist eine mathematische Zwangsläufigkeit. Sie entsteht immer dann, wenn drei simple Mechanismen wirken: Reproduktion, Mutation und Selektion.

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  • Reproduktion sorgt dafür, dass aus einem Objekt mehrere gleichartige Kopien entstehen, wobei sämtliche Eigenschaften des Originalobjektes auf die Kopien übertragen (»vererbt«) werden.

  • Mutation bewirkt einzelne Abweichungen dieser Eigenschaften, so dass die Kopien ähnlich, aber nicht mehr dem Original gleichartig sind. Dies geschieht in aller Regel während, nicht nach der Reproduktion.

  • Bei der Selektion schließlich werden einzelne Kopien ausgewählt, von denen wiederum Kopien hergestellt werden, während andere nicht kopiert werden. Damit Evolution stattfindet, muss diese Selektion irgendwie durch die Eigenschaften der Objekte beeinflusst werden. Das heißt bestimmte Ausprägungen einer Eigenschaft müssen die Wahrscheinlichkeit erhöhen oder vermindern, dass das Objekt reproduziert wird. Selektion darf im Sinne der Evolution also nicht ausschließlich zufällig erfolgen.

Wenn Reproduktion, Mutation und Selektion wirken, dann folgt daraus logisch, dass sich von Generation zu Generation immer »bessere« Kopien entwickeln, deren Eigenschaften die Wahrscheinlichkeit, selektiert zu werden, gegenüber dem ursprünglichen Original erhöhen. Mathematisch ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein beliebiger »Nachkomme« eines Replikators Eigenschaften aufweist, die seine Selektionschance gegenüber der des Originals erhöhen, nimmt im Zeitablauf zu.

In Lebewesen sind die Gene die Träger der Information, die dem evolutionären Prozess zugrundeliegen. Richard Dawkins Buchtitel „Das egoistische Gen“ ergibt sich aus dem Gedanken, dass (die meisten) Lebewesen sterblich sind, aber ihre Gene nahezu unverändert an die Nachkommen weitergegeben werden. Gewissermaßen benutzen die „egoistischen“ Gene die Lebewesen für ihre eigenen Zwecke. Diese Sichtweise ist, vorsichtig formuliert, sehr umstritten. Der Grund ist, dass „benutzen“ oder „Egoismus“ das Verfolgen von Zielen impliziert, und genau das tut Evolution nicht. Der Prozess der Verbesserung der Gene ist gerade nicht zielgerichtet, die Mutationen sind zufällig.

Dawkins hat weiterhin überlegt, welche anderen Formen von Replikatoren es außer den Genen noch geben könnte und den Begriff der Meme geprägt.

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Ray Kurzweil

17. August 2015 Keine Kommentare

Vor etwa zwei Wochen kam ich in einem Gespräch mit einem Kollegen auf das Thema Immortalismus. Interessanterweise gibt es dazu in der deutschsprachigen Wikipedia keinen Eintrag. Ich empfahl meinem Bekannten, einmal nach „Ray Kurzweil“ zu suchen, der zugleich Propagandist des Transhumanismus ist. Nach unserem spontanen Gespräch hatte ich dann das Bedürfnis, meine eigenen Erinnerungen über Ray Kurzweil aufzufrischen. Weil das Bild in der Wikipedia bereits 9 Jahre alt war, habe ich nach einem aktuelleren gesucht. 2008 ist das folgende entstanden:

Wie alt würde man Kurzweil anhand dieses Bildes schätzen? Wenn das Bild 2008 entstanden ist, dann ist er darauf im Alter von 60 zu sehen. Woran ich mich im Gespräch mit meinem Kollegen noch erinnern konnte, ist, dass Kurzweil jeden Tag ungefähr 100 Tabletten zu sich nimmt, um möglichst alt zu werden. Da hatte ich mich aber geirrt. Kurzweil schluckt jeden Tag zwischen 180 und 210 Tabletten, wie man in dem Artikel, aus dem ich das Bild kopiert habe, entnehmen kann. Auch das Bild mit den Tablettenbehältern für vormittags, nachmittags und abends habe ich von dort:

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Entwicklungsstufen

23. Juli 2014 4 Kommentare

Von Zeit zu Zeit grüble ich darüber nach, wie die Zukunft aussehen könnte, nicht unbedingt meine eigene oder die der Menschheit, sondern mehr generell die ferne, die sehr ferne Zukunft. Vor kurzem wurde dieses Nachdenken durch Andreas Eschbachs Buch Exponentialdrift wieder wach gerufen. Um meine aktuellen Gedanken besser zu verstehen, zunächst ein Blick in die Vergangenheit und ein Analogiebeispiel.

Die Wissenschaft ist heute der Ansicht, dass unser Universum aus einem räumlich sehr kleinen und sehr heißen Urzustand entstanden ist und sich alle heute vorhandenen Strukturen während der folgenden Ausdehnungs- und Abkühlungsphase gebildet haben. Nehmen wir zunächst die Evolution der Pflanzen und Tiere auf der Erde. Gibt es erst einmal Lebewesen, dann lässt sich deren Anpassung an eine sich verändernde (belebte und unbelebte) Natur mit nur drei Prinzipien beschreiben:

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KategorienEvolution, Fiktion, Visionen Tags:

Andreas Eschbach: Exponentialdrift

20. Juli 2014 Keine Kommentare

Ich habe schon eine ganze Reihe von Büchern von Andreas Eschbach gelesen, darunter Eine Billion Dollar, Der Nobelpreis, Das Buch der Zukunft, „Ausgebrannt“ und „Ein König für Deutschland“, alle in gedruckter Form. Letzteres hatte ich schon fast vergessen, erst, als ich vorige Woche erneut damit beginnen wollte, fiel es mir wieder ein. Im Urlaub sind eine Reihe weiterer Bücher dazugekommen, unter anderem „Das Jesus-Video“, „Perfect Copy – Die zweite Schöpfung“ und „Exponentialdrift“, dieses Mal alle in elektronischer Form, als eBooks.

Meine Meinung zu eBooks

Vor noch vielleicht zwei Jahren war ich etwas skeptisch, was eBooks betrifft, inzwischen bin ich recht angetan von ihnen. Vor allem auf Reisen ist es sehr angenehm, nur ein einziges Lesegerät mitzunehmen, das eine ganze Bibliothek enthält, sodass man sich erst vor Ort für ein Buch entscheiden muss, bzw. auch zwischen verschiedenen Werken springen kann. Ab und zu bin ich von den Eschbach-Büchern zu Heinrich Hemmes Heureka gewechselt, um zur Ablenkung eine Mathematik- oder Logikaufgabe zu durchdenken. Wir haben inzwischen zu Hause sogar zwei eBook-Reader, einen Kobo Glo und einen Tolino Shine, sie sind in etwa gleich gut. Nur ein Kindle kommt mir nicht ins Haus. Der Kindle stammt von Amazon, und um ihre Marktdominanz noch weiter auszubauen, bietet Amazon seine eBooks nur in einem hauseigenen Format an, anstelle das von allen anderen genutzte (und ebenfalls gegen Kopien schützbare) epub-Format zu verwenden. So drehe ich bei eBooks das sonst gängige Verfahren herum: Ich lese mir die Rezensionen bei Amazon durch und bestelle dann bei einem anderen Anbieter. Die Preise für die eBooks sind bei allen gleich und inzwischen um einiges niedriger als bei den gedruckten Büchern.

Von den jetzt von mir gelesenen Büchern ist Das Jesus-Video am bekanntesten, vor allem sicherlich wegen seiner Verfilmung. Vermutlich ist das im Herbst 2014 erscheinende Buch Der Jesus-Deal eine Art Fortsetzung der Jesus-Video-Geschichte. Mindestens genauso interessant wie das Jesus-Video-Buch war aber für mich Exponentialdrift. Beim Lesen wusste ich das noch nicht, da war es eine so lala Science-Fiction-Erzählung mit relativ kurzen Kapiteln, manchmal stilistisch nicht so gelungen, und mit einem sehr abrupten Schluss.

Erst beim Lesen des Nachworts wurde mir alles klar, obwohl ich es schon im Vorwort hätte lesen können, dort schrieb Frank Schirrmacher:

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Fangschreckenkrebse: Die Durchblicker vom Meeresgrund

26. Januar 2014 Keine Kommentare

Fangschreckenkrebse: Die Durchblicker vom Meeresgrund lautet die Überschrift eines Artikels in Spiegel Online zu einer Gruppe von Meereskrebsen. Der Artikel enthält eine Reihe sehr ansprechender und farbenprächtiger Fotos, z.B.:

Aber nicht, dass die Tiere selbst sehr farbenprächtig sind, macht sie so interessant, sondern ihr Farbensehen. Das interessiert mich aus zwei Gründen. Zum einen philosophisch, weil Farben ein klassisches Beispiel für Qualia sind, zum anderen beruflich, weil ich mit Farbkameras arbeite. Zu Beginn des Spiegelartikels liest man:
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Weltseele

29. Dezember 2013 Keine Kommentare

In einem Diskussionsforum begründete vor kurzem jemand seine Ablehnung, Kinder zu haben, mit der folgenden Statistik:

  1. Kinder: 50%
  2. Enkel: 25%
  3. Urenkel: 12,5%

Gemeint war damit der Prozentsatz der eigenen Gene, der in der jeweiligen Generation noch zu finden sein wird. Mir war nicht ganz klar, ob der Betreffende das ernst gemeint hat. Aber jedenfalls fiel mir recht schnell ein Gegenargument ein: Bei etwa konstanter Bevölkerungszahl hat jeder ungefähr 2 Kinder, 4 Enkel, 8 Urenkel, usw. Multipliziert man diese Personenzahl mit der jeweiligen Wahrscheinlichkeit, kommt im Mittel genau „1“ heraus. Im statistischen Mittel verschwinden also die eigenen Gene nicht mit den nachfolgenden Generationen, sie verteilen sich bloß auf eine immer größere Zahl von Personen.
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Künstliche Bienen

2. November 2013 3 Kommentare

Wer kennt den Roman von Michael Crichton, „Beute„, (nicht)? In diesem Buch entwirft der Autor ein Szenario, in dem ein Schwarm von Nanorobotern außer Kontrolle zu geraten droht. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Büchern, die sich dem Thema des grey goo, des grauen Schleims, widmen. Wie weit ist man in der Realität? Ich fühlte mich jedenfalls bei dem Artikel „Künstliche Bienen“ in Spektrum der Wissenschaften daran erinnert. Die drei Autoren Robert Wood, Radhika Nagpal und Gu-Yeon Wie, Professoren für Ingenieurwesen, Informatik und Elektrotechnik/Informatik, forschen, wie der Titel es schon sagt, an „künstlichen Bienen“:

Während des letzten Jahrzehnts begann eine rätselhafte Krankheit namens »Völkerkollaps« (colony collapse disorder, CCD), ganze Völker von Honigbienen in den USA auszulöschen -so massiv, dass gravierende Folgen für die Landwirtschaft zu befürchten waren. Aus diesem Anlass begannen wir 2009 gemeinsam mit Kollegen von der Harvard University und der Northeastern University, ernsthaft über die Schaffung künstlicher Bienen nachzudenken. Die kleinen Maschinen sollten sich nicht nur jede für sich verhalten wie eine Biene, sondern im Zusammenspiel zu Tausenden die kollektiven Aktionen vollbringen, zu denen ein echter Bienenschwarm fähig ist. Inzwischen ist es uns gelungen, die ersten fliegenden Roboter in Bienengröße zu bauen; jetzt arbeiten wir am kooperativen Schwarmverhalten.

Das Bild, das einem auf der zweiten Seite des Artikels gezeigt wird, ist noch Fiktion:
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DNA als Speicher

28. April 2013 Keine Kommentare

Wenn man die Aprilausgabe einer Zeitschrift liest, muss man immer gegenwärtig sein, einem Aprilscherz aufzusitzen. Im Fall des Artikels „Datenspeicher für die Ewigkeit“ in „Spektrum der Wissenschaft“ 4/2013 war ich mir aber sicher, dass er kein Scherz ist. Sucht man im Netz nach „DNA als Speicher“, wird man mit einer ganzen Reihe von Artikeln überschwemmt, die alle über ähnliche Experimente berichten.

Schon lange ist ja bekannt, dass DNA in Lebewesen zur Kodierung des Aufbaus von Proteinen dient. In der Wikipedia kann man zum Aufbau der DNA u.a. lesen:

Die Desoxyribonukleinsäure ist ein langes Kettenmolekül (Polymer) aus vielen Bausteinen, die man Desoxyribonukleotide oder kurz Nukleotide nennt. Jedes Nukleotid hat drei Bestandteile: Phosphorsäure bzw. Phosphat, den Zucker Desoxyribose sowie eine heterozyklische Nukleobase oder kurz Base. Die Desoxyribose- und Phosphorsäure-Untereinheiten sind bei jedem Nukleotid gleich. Sie bilden das Rückgrat des Moleküls. Einheiten aus Base und Zucker (ohne Phosphat) werden als Nukleoside bezeichnet.

Bei der Base kann es sich um ein Purin, nämlich Adenin (A) oder Guanin (G), oder um ein Pyrimidin, nämlich Thymin (T) oder Cytosin (C), handeln. Da sich die vier verschiedenen Nukleotide nur durch ihre Base unterscheiden, werden die Abkürzungen A, G, T und C auch für die entsprechenden Nukleotide verwendet.

Die allbekannte Doppelhelix der DNA entsteht, weil sich jeweils zwei gegenüberliegende Nukleotide eines der beiden Doppelhelix-Einzelstränge miteinander verbinden:
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Können wir ohne Glauben leben?

3. März 2013 1 Kommentar

Die Überschrift habe ich einem der beiden Artikel entlehnt, die ich hier kommentieren möchte. Die Frage, ob Religion einen Nutzen für die Menschen hat oder eher schädlich ist, wird bereits seit langem diskutiert. Im Übrigen lässt sich darüber streiten, ohne eine zweite Frage, die nach der Existenz Gottes zu thematisieren. Glauben/Nichtglauben setzt Existenz/Nichtexistenz nicht voraus.

Die Frage und mögliche Antworten sind ungeheuer komplex. Es fängt bereits bei dem Begriff „Nutzen“ an. Für einen Gläubigen bedeutet Nutzen etwas ganz anderes als für einen Atheisten, bzgl. seines Glaubens hat der Gläubige ja kaum eine Wahl. Der Atheist fokussiert auf die Qualität des diesseitigen Lebens, der Gläubige vielleicht auf das gute ewige Leben nach dem Tod. Da redet man schnell aneinander vorbei. Doch es können sich um die Frage auch die Atheisten sehr gut allein und unter sich streiten. Ich habe zwei Artikel am selben Tag gelesen:

  • In „Bild der Wissenschaft“ 1/2013 gibt es auf 18 Seiten eine ganze Reihe von Beiträgen, der zentrale stammt von Rüdiger Vaas, „Göttliche Gesellschaften“.
  • In „Zeit Wissen“ 1/2013 findet man eine Artikelserie mit 14 Seiten. Hier hat den Hauptartikel „Was wir von der Religion lernen können“ Ulrich Schnabel geschrieben.

Beide Autoren sind Wissenschaftsjournalisten. Der eine hat Biologie, Germanistik, Linguistik und Philosophie studiert, der andere Physik und Publizistik. Wie misst man nun den Nutzen oder den Schaden einer Religion? Zwei Fakten(?) waren mir bereits vor den beiden Artikeln im Gedächtnis haften geblieben: „Regelmäßige Gottesdienstbesucher leben länger“ und „je religiöser jemand ist, desto mehr Kinder hat er“. Rüdiger Vaas gehört zum wissenschaftlichen Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung, sein Fazit bzgl. Religion und religiösen Gesellschaften fällt negativ aus. In Form einiger Schlüsselsätze:
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