Caster Semenya

In einem Fernsehbeitrag von der Olympiade wurde auch über Caster Semenya berichtet. Im Unterschied zum hier verlinkten Wikipediabeitrag, der darüber nichts enthält, wurden im Fernsehen Details über den bei ihr wohl doch vorhandenen Hermaphroditismus gebracht. Semenya hat zwar eine Vagina, jedoch keine Gebärmutter und stattdessen im Körper liegende Hoden. Caster Semenya könnte über 800m aufgrund ihrer Besonderheiten die Goldmedaille gewinnen. Männer und Frauen unterscheiden sich im Mittel deutlich in der körperlichen Leistungsfähigkeit, nicht ohne Grund werden deshalb im Sport die Wettkämpfe nach Männern und Frauen getrennt durchgeführt. (Ob es auch Unterschiede in der geistigen Leistungsfähigkeit gibt, darüber lässt sich trefflich streiten, warum gibt es bei Schachwettkämpfen eine Geschlechtertrennung, wenn dem nicht so ist?)

Wer heute im Spitzensport dabei ist, absolviert nicht nur ein sehr hartes Training nach den neuesten sportmedizinischen Erkenntnissen, sondern verfügt auch über besondere physiologische Voraussetzungen. Im Amateurbereich wären er oder sie sicher auch ohne oder mit sehr wenig Training vorn. Zu diesen Voraussetzungen zählt alles Mögliche: Die Proportionen in der Anatomie, Bänder, Sehnen, Muskeln, Lungenkapazität, Herz-Kreislaufsystem. Sportler aus Afrika sind nicht ohne Grund in allen Laufdisziplinen gut, hier ein aufschlussreicher Artikel.

Seit vielen Jahren besteht im Sport das Problem des Dopings, die Einnahme bestimmter Substanzen zur Leistungssteigerung ist verboten. Auch hier findet eine Art Wettkampf zwischen manchen Athleten und den Dopinglabors statt. Da Frauen leistungsschächer als Männer sind und ein großer Teil dieses Unterschieds auf das Hormon Testosteron zurückzuführen ist, war in der Vergangenheit ihr Doping einfacher als bei Männern. Die DDR-Leistungssportlerinnen waren international relativ erfolgreicher als die Männer, auffällig waren ihre breiten Schultern, tiefen Stimmen und ihr Bartansatz. Heute ist nun Semenya gewissermaßen eine Frau mit eingebautem Testosteronspender.

Für mich ist das ein typisches Beispiel für das Haufenparadoxon. Im Sport ist die Geschlechtertrennung selbstverständlich. Aber wo verläuft die Grenze zwischen „Mann“ und „Frau“? Im Männerbereich bereitet das wenig Probleme, denn die leistungsschwachen (verweiblichten) Männer werden nicht um die Spitzenplätze kämpfen, im Frauenbereich aber schon. Wenn Menschen im Übergangsbereich zwischen Männern und Frauen nach den gängigen Kriterien als Frauen zählen, räumen sie in den kraftbetonten Sportarten die Medaillen ab.

An anderen Stellen in der Gesellschaft werden die Grenzen zwischen den Geschlechtern langsam geschliffen, das Geschlecht „X“ gibt es in Deutschland seit 2013 im Personalausweis. Bis es „richtige“ Hochzeiten zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern gibt, ist sicher nur eine Frage der Zeit und des Erlahmens des Widerstands in den C-Parteien und der Kirche mangels vernünftiger Argumente für ein Festhalten am Althergebrachten.

Aber man kann sogar noch weiter denken: Warum sollen immer nur zwei Menschen heiraten dürfen? Dabei denke ich hier weniger an die im islamischen Bereich mögliche Vielweiberei (es gibt auch den entgegengesetzten Fall der Vielmännerei, z.B. im Himalaja), sondern z.B. an siamesische Zwilinge. Was, wenn einer der Zwillinge jemanden heiraten möchte? Oder was, wenn sogar zwei siamesische Zwillinge untereinander heiraten wollen, dann wären sie schon zu viert? Was ist mit Menschen, in deren Bewusstsein zwei Persönlichkeiten „zu Hause“ sind? Wenn der Körper und eine der beiden Persönlichkeiten heiratet, ist dann die zweite automatisch verheiratet oder bleibt sie ledig? Und was ist, wenn die beiden Persönlichkeiten in einem Körper sich heiraten wollen? Das klingt alles sehr merkwürdig. Zu diesen Fragen gelangt man aber automatisch, wenn man darüber nachdenkt, was eine Person wirklich ausmacht, wenn das auf dem Körper basierende Konzept in Grenzbereichen so eindeutige Schwächen aufweist.

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