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Alles über das Nichts

In der aktuellen Bild der Wissenschaft (10/2006) heißt der Hauptbeitrag „Alles über das Nichts“, in diesem Artikel wird die Frage „Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts“ als die metaphysischste aller Fragen bezeichnet. Nun, ich möchte hier nicht darüber philosophieren, ob man „metaphysisch“ überhaupt steigern kann, ob das Sinn macht hat, aber eine der ältesten und faszinierendsten Fragestellungen ist es schon.

Die meisten Physiker und das Laienpublikum vertreten die Meinung, dass das Universum, Raum und Zeit mit dem Urknall begonnen haben, Fragen nach dem Außerhalb und dem Vorher deshalb sinnlos sind, da war eben „nichts“. Wie denn etwas aus Nichts entstehen kann, soll die Quantenphysik uns lehren. Und aus dieser ist bekannt, dass das Vakuum selbst nicht wirklich leer ist, dort schäumt und brodelt es nur so von virtuellen Teilchen. Dass dem wirklich so ist, zeigt der Casimir-Effekt, durch dem man den Druck, den die virtuellen Teilchen des Vakuums ausüben, messtechnisch nachweisen kann.

Aber am Ende des Artikels wird das logische Loch gezeigt, in den auch diese Theorie über das Nichts zwangsläufig hineinfallen muss: Wenn die Quantentheorie, also die Gesetze der Physik, das Entstehen des Universums aus dem Nichts erklären sollen, dann müssen die Gesetze der Physik, die in unserem Universum gelten, bereits vor der Schaffung unseres Universums, im Nichts, gegolten haben, sonst hätte es nicht entstehen können. Oder aber Prof. Dr. rer. nat. Münchhausen hat eine bessere Erklärung dafür, wie er sich selbst an seinem Schopf aus diesem logischen Sumpf ziehen möchte.

Ich persönlich bin deshalb ein stringenter Verfechter der Multiversentheorie, es erscheint mir logischer (eine weitere zweifelhafte deutsche Steigerungsform), dass „Etwas“ schon immer existiert hat, als dass „Etwas“ aus dem „Nichts“ entstanden sein soll. Vielleicht hat das auch etwas mit meiner unzerstörbaren Gewissheit zu tun, dass ich in einem anderen Universum Bill Gates, Onkel Dagobert oder Albert Einstein heiße, der Weltherrscher bin, oder wenigstens das Programm zur Vorhersage der Lottozahlen der nächsten Woche erfolgreich fertiggestellt habe.

Jedenfalls scheint es mir so, dass uns, rein metaphysisch gesehen, die Physik nicht viel weiter an den Urgrund allen Seins führen wird, als es die großen Weltreligionen getan haben. Auch diese sind sich bekanntlich nicht einig, ob die Welt einen Anfang, einen Schöpfer hatte (Judentum, Christentum, Islam), oder ob wir eine Abfolge des immer Gleichen erleben (Hinduismus, Buddhismus). Ich vermute, dass unsere Nachfahren in 2000 Jahren genauso über unseren hilflosen Formelerklärungskram lächeln werden, wie wir heute über den religiösen Märchenzauber, um dann wiederum in 4000 Jahren zur Belustigung ihrer Nachfahren zu dienen, und so weiter, ad infinitum, bis in alle Ewigkeit, Amen.

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