Archiv

Archiv für November, 2015

Zeit, Logik und Physik

27. November 2015 Keine Kommentare

Normalerweise benutze ich ja den Namen des Autors und seines Buches als Überschrift, wenn ich einige Gedanken und Zitate aus dem Werk wiedergebe, aber in diesem Fall habe ich nur die ersten 200 und die letzten 50 Seiten gelesen, sodass mir das nicht angemessen erscheint. Carl Friedrich von Weizsäckers Buch „Aufbau der Physik“ ist sehr sperrig, was sowohl den Inhalt als auch die Sprache betrifft. Ich habe mir beim Lesen schwer getan. Man merkt dem Text sein Alter an und dass das Buch mehr Vorlesungsscripte und nicht zusammenhängende Texte enthält, eine sorgfältige Überarbeitung hätte ihm gut getan. Das Buch war mir hier in einem Kommentar empfohlen worden, weil ich in meinem Text geschrieben hatte, dass ich der Meinung bin, Paradoxa häufig dann anzutreffen, wenn logische Schlüsse auf zeitliche Vorgänge angewendet werden. In diesem Punkt hat Weizsäckers Buch mich bestätigt, im Folgenden einige Gedanken daraus.

In der klassischen Physik, z.B. der Mechanik, gibt es eine Reihe von mathematisch formulierten Gesetzmäßigkeiten, die zeitinvariant sind. Der Parameter „Zeit“ kann dort positive oder negative Werte annehmen, ohne dass sich an der Gültigkeit der berechneten Ergebnisse etwas ändert. Trotzdem gibt uns unser Verstand im Alltag eine definierte Zeitrichtung vor. Weizsäcker verwendet als ein Beispiel die Fotografie eines Dachziegels, der vor einer Hauswand schwebt. Die Aufnahme hat diesen Moment eingefroren. Jedem Betrachter ist klar, dass der Ziegel dort nicht ruhen kann. Die Naturgesetze erlauben es, dass sich der Dachziegel von unten nach oben oder von oben nach unten bewegt. Aber alle Betrachter des Bildes werden instinktiv davon ausgehen, dass der Ziegel fallen wird.

In einem der ersten Kapitel leitet Weizsäcker aus den reversiblen Bewegungsgesetzen von Objekten die irreversiblen Gesetze der Thermodynamik her. Zwar bewegt sich jedes Molekül nach den newtonschen Gesetzen, trotzdem führt das Zusammentreffen einer heißen und einer kalten Menge praktisch immer dazu, dass sich eine mittlere Temperatur einstellt. Physikalisch werden solche Vorgänge mit der Entropie beschrieben, die im zeitlichen Verlauf immer zunimmt und damit eine eindeutige Zeitrichtung vorgibt. Nur kurz war ich über einen Abschnitt im Wikipediaartikel über den Zeitpfeil verblüfft:

Mehr…

KategorienPhysik, Rezensionen Tags:

Kosmische Würfelspiele

14. November 2015 Keine Kommentare

Unter der oben genannten Überschrift ist in der Novemberausgabe 2015 von „Spektrum der Wissenschaften“ ein Artikel erschienen, der sich mit dem Verhältnis von Einstein zur Quantentheorie beschäftigt. Den meisten dürfte (in verkürzter Form) das folgende Zitat bekannt sein, mit dem der Beitrag in SdW beginnt:

„Die Quantenmechanik ist sehr achtunggebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher. Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass der nicht würfelt.“

Aus dem Zusammenhang gerissen, scheint dieses Zitat zweierlei zu belegen: Erstens, dass Einstein religiös war. Zweitens, dass er der Quantentheorie skeptisch gegenüberstand. Der Diskussion des Letzteren ist der SdW-Artikel gewidmet. Der Autor George Musser zeigt, dass diese verbreitete Vorstellung nicht richtig sein kann, war Einstein doch gemeinsam mit Planck der Begründer der Quantentheorie.

Einstein, so die geläufige Annahme, weigerte sich anzuerkennen, dass manche Vorgänge nicht deterministisch sind und einfach geschehen – ohne die Möglichkeit herauszufinden, wann oder warum. Nahezu isoliert im Kreis seiner Fachkollegen klammerte er sich an das mechanistisch tickende Uhrwerkuniversum der klassischen Physik, in dem jeder Moment den nächsten bestimmt.

Doch im Lauf der Zeit haben viele Historiker, Philosophen und Physiker Zweifel an dieser Darstellung angemeldet. Setzt man sich nämlich damit auseinander, was Einstein tatsächlich gesagt und geschrieben hat, so zeigt sich seiner sehr viel nuanciertere Denkweise über den Indeterminismus der Quantenmechanik.

Howard und andere Geschichtswissenschaftler haben gezeigt, dass Einstein den unbestimmten Charakter der Quantenphysik akzeptierte – wenig überraschend, denn er selbst hatte ihn bei seinen Arbeiten schließlich mit entdeckt. Dagegen nahm er nicht hin, dass dieser Indeterminismus eine fundamentale Eigenschaft der Natur sein sollte. Er sah vielmehr Hinweise darauf, dass dieses Verhalten seine Ursache in einer tieferen Ebene der Realität hat, welche die bestehenden Theorien nicht erfassten. Seine Kritik war also keineswegs mystischer Natur, sondern sie war auf wissenschaftliche Probleme fokussiert, die bis heute ungelöst sind.

Mehr…

KategorienPhilosophie, Physik Tags:

Die vier Jahreszeiten

3. November 2015 Keine Kommentare

Blühling
Sonner
Sterbst
Winder

KategorienHaikus & Gedichte Tags:

Greogory Bassham, Eric Bronson (HG.): Der Herr der Ringe und die Philosophie II

1. November 2015 Keine Kommentare

Im ersten Artikel, in dem ich mich auf diese Anthologie bezogen habe, ging es um eine Allegorie zwischen den Ringen in Tolkiens Trilogie und neuen Technologien: Die Schicksalsklüfte: Tolkiens Ringe der Macht und die Bedrohung durch neue Technologien. In einem weiteren Kapitel wird über Sterblichkeit und Unsterblichkeit philosophiert – das Buch enthält einen Essay von Bill Davis „Den Tod wählen: Sterblichkeit als Gabe“.

Arwens Liebe zu Aragorn dagegen ist noch komplizierter. Der Film „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ zeigt die beiden während Aragorns Aufenthalt in Bruchtal im Gespräch über ihre Zukunft. Auf einer Brücke inmitten eines üppigen Gartens tauschen sie zärtliche Worte über ihre Liebe und tiefe Zusammengehörigkeit aus. Sie fragt ihn, ob er sich an ihr Versprechen erinnere. Er bejaht: »Du sagtest, du wolltest dich an mich binden und auf das unsterbliche Leben deines Volkes verzichten.« Sie antwortet unerschütterlich: »Und dazu stehe ich. Ich ziehe ein endliches Leben mit dir allen Zeitaltern dieser Welt ohne dich vor. Ich wähle ein sterbliches Leben.« Es wird sehr deutlich, dass sie ihn liebt, doch was hat der Tod mit ihrer Entscheidung zu tun? …

anzeigen...

Elben und Menschen sind zwar Verbündete im Kampf gegen Saurons Versuche, die Herrschaft über Mittelerde zu erringen, doch ihre Lebensläufe unterscheiden sich gravierend. Wie die Menschen in der realen Welt, so sind auch Tolkiens Menschen sowie die Hobbits sterblich. Sei es durch Alter, Krankheit oder Verletzung – es kommt eine Zeit, wenn ihre Körper nicht mehr fähig sind, die Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Und wenn ihre Körper sterben, verlassen ihre Seelen Arda, die Erde. Elben haben ein anderes Schicksal. Ihre Körper können müde werden oder auch so verletzt sein, dass sie nicht weiterleben können. Doch selbst wenn die Körper sterben, bleiben die Seelen der Elben »im Kreislauf der Welt«. Die Menschen wissen nicht, was mit ihnen nach dem Tod geschieht. Elben wissen, dass – gleichgültig, was mit ihrem Körper geschieht – ihre Seelen einen aktiven Platz im Leben von Arda einnehmen werden.

Arwen muss zwischen diesen beiden Möglichkeiten wählen, denn sie ist, wie ihr Vater Elrond, Halb-Elbe. Halb-Elben sind sehr selten, sie müssen sich entscheiden, ob sie das Schicksal der Menschen oder das Schicksal der Elben teilen wollen. Arwen entscheidet sich dafür, Aragorns Schicksal zu teilen, was ihren eigenen Tod unvermeidlich macht.

Die drei Teile vom „Herrn der Ringe“ gab es 1954 / 1955 schon zu Tolkiens Lebzeiten. 1937 erschien „Der kleine Hobbit“, die Vorgeschichte zum Herrn der Ringe. Das Thema hat Tolkien aber sein ganzes Leben beschäftigt. Im „Silmarillion“ wird die Entstehung der Welt, in der der Hobbit und der HdR spielt, dargestellt. Dieses Buch hat Tolkien nicht mehr selbst fertig gestellt, sie wurden posthum von seinem Sohn stilistisch geglättet und heraus gegeben. Dort liest man zum Vergleich zwischen Elben und Menschen:

Mehr…

KategorienPhilosophie, Religion, Rezensionen Tags: