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Archiv für Oktober, 2015

Greogory Bassham, Eric Bronson (HG.): Der Herr der Ringe und die Philosophie I

31. Oktober 2015 Keine Kommentare

J. R. R. Tolkien hat mit dem Herrn der Ringe Maßstäbe in der Fantasy-Literatur gesetzt. Er selbst hat immer abgestritten, dass sein Werk oder Teile davon als Allegorie auf unsere Welt verstanden werden können. Ganz stimmt das natürlich nicht. Jeder Schriftsteller schreibt seine Texte aus den Gedanken heraus, die er in seinem Kopf hat. Aber wie kommen diese Gedanken in seinen Kopf hinein? Und wie interpretieren die Leser einen Text, wenn nicht mit Hilfe ihrer Gedankenwelt, für die dasselbe gilt wie für die des Schriftstellers.

Natürlich ist es Unsinn (oder wenigstens schlechter Stil), einen Schriftsteller, der über Kindesmissbrauch, Mord, Vergewaltigung, Drogenmissbrauch, ein ausschweifendes Sexualeben, etc., schreibt, in einer Lesung nach den autobiografischen Bezügen zu fragen. Aber sich darüber Gedanken machen wird sich wohl jeder Leser. In dem Buch, dessen Titel oben angegeben ist, haben verschiedene Philosophen über Tolkiens Fantasiewelt und über die Bezüge zu unserer Welt reflektiert.

Einer der Artikel stammt von Theodore Schick: „Die Schicksalsklüfte: Tolkiens Ringe der Macht und die Bedrohung durch neue Technologien“ Ein paar Zitate daraus passen gut zu meinem letzten Text über Andreas Eschbachs Buch Herr aller Dinge:

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KategorienPhilosophie, Rezensionen Tags:

Wolfsheim: Kein Zurück

31. Oktober 2015 Keine Kommentare

Normalerweise höre ich keine Musik, sie stört beim Lesen, beim Arbeiten und beim Nachdenken. Eine Ausnahme ist Autofahren. Der Chip wurde vor langer Zeit bespielt und steckt seitdem im Autoradio, aber dass sich darauf mehrere Wolfsheim-CDs befinden, wusste ich gar nicht. Ich muss das Lied also schon ein paar dutzendmal gehört haben. Doch vor einigen Tagen wurde ich während der Fahrt auf „Kein Zurück“ aufmerksam. Seitdem lässt mich das Lied nicht mehr los:

Der Liedtext (Quelle):


Es gibt keinen Weg zurück
Weißt du noch, wie's war
Kinderzeit, wunderbar
Die Welt ist bunt und schön
Bis du irgendwann begreifst,
Dass nicht jeder Abschied heißt
Es gibt auch ein Wiederseh'n.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück

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Ein Wort zu viel im Zorn gesagt
Nen' Schritt zu weit nach vorn gewagt
Schon ist es vorbei
Was auch immer jetzt getan
Was ich gesagt hab, ist gesagt
Was wie ewig schien, ist schon Vergangenheit.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Ach und könnt' ich doch nur ein einz'ges Mal
Die Uhren rückwärts dreh'n
Denn wie viel von dem, was ich heute weiß,
Hätt' ich lieber nie geseh'n.

Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh'n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh'n.

Ach und könnt' ich doch nur ein einziges Mal
Die Uhren rückwärts dreh'n
Denn wie viel von dem, was ich heute weiß,
Hätt' ich lieber nie geseh'n.

Warum lässt mich das Lied nicht los? Über das Phänomen (oder das Mysterium?) der Zeit grüble ich recht häufig nach, am ehesten stimme ich Lee Smolin in seinem Buch Im Universum der Zeit zu. Während in der Relativitätstheorie Raum und Zeit zu etwas Ähnlichem verschmolzen werden, ist Smolin der Meinung, dass die Zeit etwas Fundamentaleres als der Raum sein muss. Um Veränderungen möglich zu machen, muss etwas existieren, in dem sich Veränderungen vollziehen können – die Zeit.

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KategorienMusik, Physik Tags:

Andreas Eschbach: Herr aller Dinge

27. Oktober 2015 Keine Kommentare

„Der Herr aller Dinge“ ist ein typisches Buch von Andreas Eschbach. Science Fiction, aber sorgfältig recherchiert, auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft aufbauend und eine denkbare Entwicklung in die Zukunft extrapolierend. Ich möchte hier keine Inhaltsangabe seines Buchs geben, sondern nur drei wesentliche Gedanken kommentieren. Die erste Idee beschäftigt sich mit der Zukunft der Arbeit, was Aufgabe der Technik ist und was Reichtum wirklich bedeutet:

Wenn wir von Reichtum reden, dam reden wir nicht von Geld, sondern von Arbeit. Würde Reichtum bedeuten, viel Geld zu haben, wäre es ja einfach, jeden reich zu machen: Man müsste nur genügend Geld drucken und es an alle verteilen. Das funktioniert nicht, weil Geld eben nur bedrucktes Papier ist. Es geht nicht um Geld – es geht um Arbeit. Reichtum heißt, imstande zu sein, andere für sich arbeiten zu lassen.

Hiroshi Kato, die Hauptfigur im Buch, stammt aus einem armen Elternhaus und erkennt diesen Zusammenhang sehr früh in der Kindheit. Sein Plan besteht darin, Maschinen zu bauen, die jedem Menschen die benötigten Güter zur Verfügung stellen. Dann wäre jeder reich, ohne dass andere für ihn arbeiten müssten. An der Uni diskutiert er mit einem Professor darüber:

»Ach ja? Nach Ihrer Logik wird es aber nach und nach immer weniger Jobs geben.«

»Es wird zunächst andere Jobs geben. Vor hundert Jahren war ein Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, heute sind es noch drei Prozent. Trotzdem haben wir nicht lauter arbeitslose Bauern.«

»Schönes Argument«, meinte DeLouche siegessicher. Er beugte sich leicht vor, wie immer, wenn er damit rechnete, seinem Kontrahenten demnächst den finalen Stoß zu versetzen. »Aber was hilft das dem Arbeiter, der durch einen Roboter ersetzt wurde, auf der Straße steht und Arbeit braucht?«

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Es war so mucksmäuschenstill, dass man die klinisch weißen Leuchtelemente an der Decke surren hörte. Und natürlich das Blech an der Luftzufuhr mit seinem unablässigen tak-a-tak-tak-a.

»Genau genommen«, sagte Hiroshi bedächtig, »braucht er nicht Arbeit. Er braucht Geld. Oder, allgemein gehalten, er muss seinen Lebensunterhalt sicherstellen. Das ist das eigentliche Problem.«

»Womit wir beim Sozialsystem wären«, erwiderte DeLouche. Er musterte Hiroshi über den Rand seiner Brille hinweg. »Können Sie sich eigentlich auch vorstellen, dass Menschen gerne arbeiten? Dass sie ihre Arbeit als identitätsstiftend empfinden? Und nicht nur als Mittel, um den Lebensunterhalt zu sichern?«

»Doch, bei Ihnen kann ich mir das vorstellen«, erwiderte Hiroshi mit ausdruckslosem Gesicht. »Aber meine Mutter zum Beispiel war Wäscherin. Sie hat jahrelang jeden Tag Dutzende von Handtüchern, Tischtüchern und Unmengen von Kleidung gewaschen, getrocknet und gebügelt. Und sie fand das kein bisschen identitätsstiftend. Als sie es nicht mehr tun musste, hat sie sofort gekündigt.«

Es ist eine ähnliche Diskussion, wie sie auch bei uns im Zusammenhang mit dem bedingungslosen Grundeinkommen geführt worden sind.

Hiroshi nickte. »Na also. Sie geben sich die Antwort damit selber. Die Maler werden auch in Zukunft weiter malen, aber die Müllmänner werden eher nicht mehr arbeiten.«

Ohne das an dieser Stelle noch weiter vertiefen zu wollen, ist völlig klar: Viele heutige Tätigkeiten sind nicht sinnstiftend, sie würden sofort nicht mehr gemacht werden, wenn die Betreffenden es nicht müssten – das erfüllt die Definition von Zwangsarbeit.

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Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns

23. Oktober 2015 Keine Kommentare

Aus den beiden Büchern von Rolf Dobelli Die Kunst des klaren Denkens und „Die Kunst des klugen Handelns“ habe ich bereits mehrere Beispiele zitiert, z.B. hier, hier und hier. Im Folgenden noch vier weitere, die mir aus dem Buch über kluges Handeln im Gedächtnis geblieben sind. (Man kann sich darüber streiten, ob „Handeln“ im Buchtitel das richtige Wort gewesen ist, denn einige Abschnitte betreffen weniger Handlungen als vielmehr Denkweisen.)

Das erste Beispiel ist ein statistisches Phänomen, das mich an einen alten Gedanken zur Arbeitsteilung erinnert hat: Arbeitsteilung ist immer vorteilhaft, unabhängig von den Fähigkeiten derjenigen, die verschiedene Aufgaben untereinander aufteilen. Dobelli:

Will-Rogers-Phänomen

Angenommen, Sie sind Fernsehdirektor eines Unternehmens mit zwei Sendern. Kanal A hat hohe Einschaltquoten, Kanal B extrem niedrige. Der Aufsichtsrat fordert Sie auf, die Quote beider Sender zu steigern, und zwar innerhalb eines halben Jahrs. Schaffen Sie es, winkt ein Superbonus. Schaffen Sie es nicht, sind Sie Ihren Job los. Wie gehen Sie vor?

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Ganz einfach: Sie schieben eine Sendung, die die durchschnittliche Einschaltquote des Kanals A bisher leicht heruntergezogen hat, aber immer noch ganz gut läuft, zu Kanal B hinüber. Weil Kanal B miserable Einschaltquoten hat, erhöht die transferierte Sendung dessen Durchschnittsquote. Ohne eine einzige neue Sendung zu konzipieren, haben Sie die Quoten beider Fernsehsender gleichzeitig angehoben und sich damit den Superbonus gesichert.

Diesen Effekt nennt man Stage Migration oder Will-Rogers-Phänomen, benannt nach einem amerikanischen Komiker aus Oklahoma. Dieser soll gewitzelt haben, dass Einwohner von Oklahoma, die Oklahoma verlassen und nach Kalifornien ziehen, den durchschnittlichen IQ beider Bundesstaaten erhöhen. Das Will-Rogers-Phänomen ist nicht intuitiv verständlich. Um es im Gedächtnis zu verankern, muss man es einige Male in verschiedenen Settings durchexerzieren.

Das zweite Beispiel ist aus dem Bereich „Praktische Tipps für das eigene Leben“. Hier passt der Buchtitel recht gut:

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Seneca: Tod

20. Oktober 2015 Keine Kommentare

Der Tod ist aller Schmerzen Lösung und das Ende, über das hinaus unsere Leiden nicht gehen; er versetzt uns wieder in jene Ruhe, in der wir uns befunden haben, bevor wir geboren wurden.

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KategorienZitate Tags:

Achtsamkeit

20. Oktober 2015 Keine Kommentare

Wege aus dem Stress… Das Thema hat mich bereits hier beschäftigt und wird wohl lange aktuell bleiben. Ein weiterer Artikel über eine Untersuchung an Kindern: Smartphone läuft Fernsehen als Leitmedium Rang ab. Bemerkenswert an dieser Studie ist das Alter der Probanden, 8 bis 14 Jahre. Eine zweite Studie hatte vor allem junge Erwachsene im Fokus: Generation Wisch und Klick. Täglich drei Stunden am Tag sind 17 bis 24Jährige mit dem Smartphone online.

Einen verblüffenden Gedanken habe ich bei Rolf Dobelli in seinem Buch „Die Kunst des klugen Handelns gefunden:

Nehmen Sie die Terroranschläge in Mumbai im Jahr 2008. Terroristen töteten in einem Akt kühler Geltungssucht 200 Menschen. Stellen Sie sich vor, dass eine Milliarde Menschen durchschnittlich eine Stunde ihrer Aufmerksamkeit auf die Tragödie in Mumbai verwendeten: Sie haben die News verfolgt und sich das Geplapper irgendwelcher »Experten« und »Kommentatoren« im Fernsehen angeschaut. Eine durchaus realistische Schätzung, denn Indien allein hat mehr als eine Milliarde Einwohner. Doch rechnen wir konservativ. Eine Milliarde Menschen mal eine Stunde Ablenkung ergibt eine Milliarde Stunden Ablenkung. Umgerechnet: Durch News-Konsum wurden also an die 2.000 Menschenleben vernichtet – zehnmal mehr als durch das Attentat.

Ich glaube zwar nicht, dass so viele Menschen so viel Zeit mit diesem Ereignis verbracht haben, aber hochgerechnet auf alle News stimmt es. An anderer Stelle schreibt Dobelli:

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KategorienAlltag, Gesellschaft, Psychologie Tags:

Hans-Dieter Schütt: Markus Wolf. Letzte Gespräche

15. Oktober 2015 Keine Kommentare

Markus Wolf war viele Jahre Chef der HVA, dem Auslandsnachrichtendienst der DDR-Staatssicherheit. Ich weiß es nicht mehr ganz genau, aber ich vermute, dass ich ihn zum ersten Mal im Fernsehen bei seinem Auftritt während der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz gesehen habe. Dort wurde er ausgepfiffen, weil er den meisten Demonstranten als führender Vertreter der Staatssicherheit galt. Da war er schon drei Jahre in Rente.

Im Frühjahr 1989, noch in der DDR, war sein erstes Buch erschienen, „Die Troika“. Nach der Wende hat er eine Reihe weiterer Bücher geschrieben. Nicht alle davon beschäftigen sich mit seiner Tätigkeit als Spionagechef der DDR. Das Buch von Hans-Dieter Schütt ist das letzte, an dem Markus Wolf noch direkt beteiligt war. Es gibt den Inhalt einer Reihe von Gesprächen wieder, die die beiden im Jahr 2006 miteinander geführt haben. Es waren weitere Interviews geplant, aber im November 2006 starb Markus Wolf. Im Stil hat mich das Buch ein wenig an die Fernsehreihe Zur Person von Günter Gaus erinnert.

Markus Wolf: langjähriger Chef der DDR-Aufklärung. Geheimnisumwoben. Gefürchtet. Gehaßt auch – und nie wußte man, bis heute weiß man es nicht, was diesen Haß eher und heftiger vergrößerte: der offene kommunistische Geist des Mannes oder seine Unangreifbarkeit. Wolf hat eine Arbeit getan, deren Zwielicht nur in James-Bond-Filmen reine Unterhaltung ist. Es ist eine Arbeit, die sich seit jeher den Verdacht gefallen lassen muß, sie sei unehrenhaft. Aber das Unehrenhafteste daran ist jener besinnungslose zwischenstaatliche Zustand, der diese nachrichtendienstliche Arbeit erst erforderlich macht, indem er Mißtrauen schürt, Feindschaft adelt, Krieg für eine Lösung hält.

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KategorienGesellschaft, Politik, Rezensionen Tags:

Markus Wolf: Hoffnungen

13. Oktober 2015 Keine Kommentare

Es liegt in der Natur der Hoffnungen, dass sie enttäuscht werden. Und doch bleiben sie das Beste, Stärkste, was wir haben.

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