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Archiv für September, 2015

Feature positive effect

13. September 2015 Keine Kommentare

In Rolf Dobellis Buch „Die Kunst des klugen Handelns“ gibt es ein Kapitel über den „Feature positive effect“. Das einführende Beispiel bilden zwei Zahlenreihen. Die erste mit den Zahlen 724, 947, 421, 843, 394, 411, 054 und 646. Die zweite mit 349, 851, 274, 905, 772, 032, 854 und 113. Auf die Gemeinsamkeit der Zahlen der ersten Reihe – alle enthalten die Ziffer 4 – kommt man leichter als auf die Gemeinsamkeit der Zahlen der zweiten – alle enthalten die Ziffer 6 nicht. Dobellis Schlussfolgerung: Absenz ist viel schwieriger zu erkennen als Präsenz.

Dobelli führt dann in seinem Text eine Reihe praktischer Beispiele an, um den Effekt zu verdeutlichen. Zwei davon:

Angenommen, Sie sind Hersteller eines zweifelhaften Produkts, zum Beispiel einer Salatsoße mit übermäßigem Cholesteringehalt. Was tun Sie? Auf der Verpackung führen Sie 20 verschiedene Vitamine auf, die in der Soße enthalten sind, und verschweigen den Cholesterinwert. Die Absenz wird den Konsumenten nicht auffallen. Und die positiven – präsenten – Eigenschaften stellen sicher, dass sie sich in Sicherheit fühlen.

Im Wissenschaftsbetrieb stoßen wir ständig auf den Feature-Positive Effect. Die Bestätigung von Hypothesen führt zu Publikationen, und die werden in herausragenden Fällen mit Nobelpreisen gefeiert. Die Falsifikation einer Hypothese hingegen bekommen Sie kaum in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert, und meines Wissens gab es noch nie einen Nobelpreis dafür. Dabei ist die Falsifikation einer Hypothese ein wissenschaftlich genauso wertvolles Resultat wie eine Bestätigung. Wegen des Effekts sind wir auch viel anfälliger für positive Empfehlungen (tun Sie X) als für negative (lassen Sie Y) – egal, wie sinnlos oder sinnvoll sie sind.

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