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Archiv für Mai, 2015

Marc Elsberg: Blackout

30. Mai 2015 Keine Kommentare

In seinem Buch erzählt Marc Elsberg den Ablauf und die Folgen eines weltweiten Stromausfalls, der durch gezieltes Eindringen in die Systeme zur Elektroenergieversorgung und ihre Sabotage hervorgerufen wurde. Bemerkenswert seine Worte im Nachwort des Buchs:

Blackout ist Fiktion. Doch während meiner Arbeit an dem Manuskript wurde meine Fantasie mehrmals von der Realität eingeholt. So sah mein erster Entwurf 2009 eine Manipulation der SCADA-Systeme von Kraftwerken vor. Zu diesem Zeitpunkt hielten selbst Fachkreise diese Möglichkeit für kaum umsetzbar oder gänzlich abwegig — bis 2010 Stuxnet entdeckt wurde. Ähnlich war es mit der Gefahr, die von den Notkühlsystemen der Kernkraftwerke ausgeht – bis zur Katastrophe in Fukushima.

Wenn man über die Frage nachdenkt, was den in unserer Gesellschaft ohne Strom noch funktioniert, dann wird man wirklich nachdenklich.

Tatsache ist, dass es eine Broschüre des Innenministeriums gibt, in der empfohlen wird, ein batteriebetriebenes Radio zu Hause zu haben. Aber wer von Ihnen hat so etwas? Und wenn, wer besitzt auch die notwendigen Batterien? Wir haben uns an eine Welt gewöhnt, die mit Fernsehen, Internet und Mobiltelefonen funktioniert. Einige von Ihnen besitzen vielleicht gar keine Festnetzanschlüsse menr. Würde aber auch nichts helfen, denn die Notstromreserven der Ortsvermittlungsstellen betragen zwischen fünfzehn Minuten und acht Stunden. Auch die Mobilfunknetze sind tot. Selbst wenn sie in Betrieb wären, sind die Akkus der Mobiltelefone inzwischen leer, weil man sie nirgends mehr aufladen kann. Das Internet ist für den Durchschnittsbürger so gut wie nicht mehr nutzbar – und wenn, nur für jene, deren Computer noch mit Elektrizität versorgt werden. Dasselbe gilt für Fernsehen und Radio.

Ohne Stromversorgung funktioniert praktisch nichts mehr. Die üblichen Heizungen in Wohnhäusern pumpen elektrisch, die Trinkwasserversorgung benötigt elektrischen Strom (damit gehen auch die Sanitäranlagen in Privatwohnungen ohne Strom nicht). Man kann nicht tanken, denn auch Benzin- und Diesel an den Tankstellen wird elektrisch aus den unterirdischen Tanks gefördert. Industrieanlagen benötigen ebenfalls elektrischen Strom. Elsberg hat im Nachwort Fukushima angesprochen. Tatsache ist, dass Atomkraftwerke, wenn sie wegen einer Havarie keinen Strom mehr produzieren, selbst auf eine ununterbrochene Stromzufuhr angewiesen sind, um die Kühlung aufrecht zu erhalten.

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Slim Belly und Finyo

28. Mai 2015 Keine Kommentare

Es gibt viele Gründe in ein Fitnessstudio zu gehen, die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen und Körpergewicht ist sicher ein ganz wesentlicher. Ist man dann längere Zeit Mitglied, verliert man vielleicht die Lust an den immer gleichen Geräten und Übungen und meldet sich wieder ab. Die Studiobetreiber sehen das natürlich nicht gern und da viele in der Branche auch ihr Geld verdienen wollen, muss deshalb von Zeit zu Zeit eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden. Den Muskeln aber ist es egal, ob ihr Besitzer Pilates oder Bodyworkout oder Bauch-Beine-Po oder irgendetwas anderes macht.

Vor kurzem war „Slim Belly“ der allerneueste Schrei: Man bekommt einen Gürtel umgebunden, in den mit einer elektrischen Pumpe abwechselnd Luft eingeblasen und wieder ausgelassen wird. Damit betreibt man Ausdauersport, auf dem Laufband, einem Crosstrainer oder dem Fahrradergometer. Dazu gibt es eine Ernährungsberatung. Wenn man Sport treibt und weniger isst als vorher, dann fällt natürlich das Gewicht. Aber der Zusatznutzen des Gürtels soll ein „gezieltes Abnehmen an den Problemzonen sein“. Inzwischen gibt es wohl auch eine Drucklufthose im Portfolio der Betreiber, weil viele Frauen mit ihrem dicken Po unzufrieden sind.

„Gezieltes Abnehmen an den Problemzonen“, wie soll das funktionieren? Der Gürtel übt gewiss eine leichte Massage aus und dort wo er am Körper anliegt, ist es auch wärmer als am Rest des Körpers. Reicht das für einen messbaren Effekt aus? Googeln nach „Slim Belly“ liefert natürlich als erstes eine Unmenge von Links der Anbieter und von begeisterten Teilnehmern. Der erste vernünftige Link nach all den Jubelmeldungen ist „Schlank in 14 Tagen“ mit Skepsis betrachtet. Das Motto dieses Blogs findet man gleich oben rechts: „Ein Weblogbuch über sonderbare Nachrichten und alltäglichen Statistikplunder“. In dem Artikel wird auf eine Studie verlinkt, in der der SB-Gürtel einem Vergleich unterzogen worden ist: ABC-one Studie 2010 – Regionale Fettverbrennung.

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Chile: Valparaíso

26. Mai 2015 Keine Kommentare

Von Santiago haben wir einen Tagesausflug nach Valparaíso unternommen. Das ist heute fast eine Millionenstadt, hat einen der größten Häfen Chiles, eine interessante Geschichte und eine wunderschöne Altstadt.

Das erste Ziel, das wir in Valparaíso angesteuert haben, war ein ehemaliges Wohnhaus von Pablo Neruda. Der Nobelpreisträger für Literatur war auch politisch sehr aktiv und hat mehrfach für die KP Chiles kandidiert. Weil er 12 Tage nach dem Militärputsch 1973 in einem Krankenhaus gestorben ist, sind die Gerüchte um seine Ermordung durch die Junta bis heute nicht verstummt.

Auf dem Bild sieht man sein Wohnhaus in Valparaíso. Es ist heute ein Museum. Leider hatten wir nicht genügend Zeit es zu besichtigen. Pablo Neruda hat in seinen Häusern allerlei Dinge von Trödelmärkten zusammengetragen, was einige heute als „Kitsch“ bezeichnen. Wir haben im Museumsshop ein paar Postkarten gekauft, die Fotografien der Inneneinrichtung zweier Häuser zeigen. Ich fand die Ausstattung der Räume durchaus geschmackvoll.

Schlendert man durch die Altstadt, dann nimmt einen das besondere Flair schnell gefangen. Valparaíso ist berühmt für seine Grafitti und seine immer noch lebendige Kunst- und Studentenszene. Was mich als Elektroingenieur auch gefesselt hat, ist die exotische überirdische Verkabelung. Derlei faszinierend mich immer wieder, obwohl ich Vergleichbares bereits in Ecuador und Peru gesehen habe.
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Lokführerstreik

20. Mai 2015 4 Kommentare

Es ist für die Medien vielleicht schwierig, Nachrichten zu präsentieren, ohne dass die Redakteure ihre eigene Meinung einfließen lassen. Aber haben sie diesen Anspruch überhaupt? Persönliche Meinungen werden ja schon dadurch geäußert, dass man aus der Vielzahl der täglichen Meldungen einige wenige auswählt, die man kommentiert. Ein aktuelles Beispiel ist die Berichterstattung über den Lokführerstreik bei Spiegel Online, z.B. im Titel, Text und der Umfrage dieses Artikels: Weselsky rüttelt am Deutschland-Prinzip.

In Deutschland ist man jetzt mehrheitlich der Meinung, an der aktuellen Situation ist nur Weselsky schuld. Mehrere einfache Tatsachen werden dabei „vergessen“ oder spielen in der Diskussion nur eine untergeordnete Rolle:

  • Weselsky vetritt etwa 19.000 Gewerkschaftsmitglieder, die ihn unterstützen und seiner Strategie folgen.

  • Zu einem Streit gehören wenigstens zwei Parteien, in diesem Fall außer der Gewerkschaft der Bahnvorstand.

  • Bei der aktuellen Auseinandersetzung sitzt eine unsichtbare dritte Partei mit am Verhandlungstisch, der Bund als Eigentümer der Bahn.

Das Hauptargument der Bahn, sie wolle nur einen Tarifvertrag im gesamten Unternehmen, finde ich besonders bemerkenswert. Sie könnte nämlich diesen einen Vertrag ganz einfach mit der folgenden Strategie haben:

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KategorienGesellschaft, Politik Tags:

Der Längengrad

13. Mai 2015 Keine Kommentare

Dieser Film wurde mir von einem sehr guten Freund empfohlen. Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dava Sobel. Erzählt wird die Geschichte zweier Männer aus verschiedenen Epochen. Der erste ist John Harrison aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dem zweiten Mann, Rupert Gould, ist zu verdanken, dass Harrisons Leben und seine Werke Anfang des 20. Jahrhunderts der Vergessenheit entrissen wurden.

Im ausgehenden 17. Jahrhundert gab es bei der Navigation der Schiffe auf hoher See ein großes Problem. Man konnte relativ einfach den Breitengrad bestimmen, also wo man sich bezüglich der Pole bzw. des Äquators befand. Dazu musste man nur den Winkel zwischen dem Zenit der Sonne und dem Horizont bestimmen. Am Äquator steht die Sonne zu Mittag genau senkrecht, an allen anderen Orten niedriger, abhängig vom Kalendertag und dem Breitengrad. Man setzt den ermittelten Winkel in eine Gleichung ein bzw. sieht in einer Tabelle nach und liest dort den gesuchten Breitengrad ab. Das Problem der genauen Bestimmung des Längengrads war zu Beginn des 18. Jahrhunderts aber noch ungelöst. 1714 stellte das englische Parlament demjenigen eine Prämie von 20.000 Pfund in Aussicht, der eine für die Schifffahrt brauchbare Bestimmungsmethode der Länge entwickelt, siehe den Wikipediaartikel über das Längenproblem.

Zu Beginn reist Harrison nach London, um der „Längengradkommission“ vorzuschlagen, mit einer von ihm gebauten Uhr zu arbeiten. Die Grundidee der Methode ist einfach: Man nimmt auf das Schiff eine Uhr mit, die die Zeit eines Ortes mit bekannter geografischer Länge anzeigt. Auf hoher See bestimmt man den Zeitpunkt des Zenits der Sonne. Aus der Zeitdifferenz zu der von der Uhr angezeigten Zeit und 12 Uhr kann man den Längengrad berechnen. Das Problem Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts war, dass es keine transportablen Uhren gab, deren Anzeige während der gesamten Reise und unter den auf einem Schiff herrschenden Bedingungen – Schiffsbewegung, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen – genügend genau blieb.


Die H1 von Harrison

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Chile: Mylodon, Clovis und Mapuche

7. Mai 2015 Keine Kommentare

Auf der Rückfahrt von Patagonien haben wir an der Mylodon-Höhle Halt gemacht, in der man Ende des 19. Jahrhunderts die Überreste eines Mylodons gefunden hat. Diese Riesenfaultiere waren zu ihren Lebzeiten Pflanzenfresser und sind schon seit fast 10.000 Jahre ausgestorben. Am Höhleneingang hat man ein lebensgroßes Modell aufgestellt, es ist etwa vier Meter hoch. Leider wurden alle Fundstücke aus der Höhle ins Britische Museum nach London geschafft.

Inzwischen wurden in der Höhle selbst bzw. in ihrer Nähe weitere archäologische Funde gemacht, unter anderem von Menschen, die etwa in derselben Epoche wie das Mylodon gelebt haben. Heute nährt diese Koinzidenz zwischen der Besiedlung durch den Menschen und dem Aussterben vieler großer Tiere Spekulationen, dass unsere Vorfahren diese Tiere ausgerottet haben könnten. Aber es gibt andere und mindestens genauso plausible Hypothesen. Die Menschen, die zu dieser Zeit Amerika neu besiedelten, kamen über die Beringstraße. Diese Verbindung zwischen Asien und Amerika lag immer während einer Eiszeit im Trocknen, weil viel Wasser der Ozeane in den Gletschern gebunden und dadurch der Meeresspiegel tiefer als heute war. Etwa als das Mylodon und viele andere Tiere ausstarben, endete die vorerst letzte Eiszeit. Es ist meiner Meinung nach viel wahrscheinlicher, dass einige Tierarten dem Klimawechsel nicht gewachsen waren, als dass sie in den Mägen der wenigen Menschen dieser Zeit landeten.

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KategorienReiseberichte Tags:

Menschen und Maschinen

2. Mai 2015 1 Kommentar

Den Zeitgeist lass‘ getrost geschehen
und die Erkenntnis in Dir reifen:
Du brauchst nicht mit der Zeit zu gehen
es ist nur klug, sie zu begreifen.

(Liedtext von Schillers „Zeitgeist“)

Ein sehr guter Freund hat seinen Geburtstag im Ausland gefeiert. Ich habe ihm eine SMS geschickt, um ihm wenigstens so zu gratulieren. Eine Antwort habe ich nicht erwartet, denn er steht Handys ganz allgemein recht reserviert gegenüber. Am Tag seiner vermuteten Rückkehr rief ich in seiner Firma an. Das Telefon läutete, aber er nahm nicht ab. Auch Abends zu Hause meldete sich niemand. Auch am zweiten Tag nicht. Ich probierte es bei seiner Frau im Büro, dto. Erst Tage später stellte sich heraus, dass die beiden einfach länger im Urlaub waren, als ich es gedacht hatte. Aber da hatte ich mir schon Sorgen gemacht.

In den achtziger Jahren bin ich oft wochenlang im Gebirge gewandert. Am längsten vor über zwanzig Jahren, als ich sieben Wochen in Ecuador unterwegs war. Von dort habe ich eine einzige Postkarte nach Hause geschickt. Niemand daheim wusste, wann ich in diesen Wochen wo genau war. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich, als in zwei aufeinanderfolgenden Jahren die Eltern eines Bekannten starben, während er im Urlaub war. Seine Verwandten wussten nicht, wie sie ihn erreichen konnten, wir telefonierten ihm hinterher. Seitdem melde ich mich im Urlaub täglich oder wenigstens bei jedem Ortswechsel zu Hause und gebe auch an, wie ich zu erreichen bin.

Auch die Anschaffung meines ersten Handys geht auf so ein einschneidendes Ereignis zurück. Ich war mit dem Mountainbike unterwegs und hatte mitten im Wald einen Platten. Werkzeug hatte ich natürlich keins mit. Volle drei Stunden habe ich das Bike nach Hause schieben müssen. Mit einem Handy hätte ich einfach einen Bekannten mit dem Auto an eine gut erreichbare Stelle gelotst und das Problem wäre erledigt gewesen.

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