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Archiv für Mai, 2014

Andreas Eschbach: Das Buch der Zukunft

30. Mai 2014 2 Kommentare

Menschen denken eigentlich unentwegt über die Zukunft nach, weil sie der Teil des Lebens ist, den man noch ändern kann, und häufig werden aus diesem Nachdenken Prognosen für die Zukunft abgeleitet. Logisch muss einer der vier folgenden Fälle eintreffen:

  1. Es wird genauso wie gedacht.
  2. Es wird besser.
  3. Es wird schlechter.
  4. Es wird ganz anders.

Und es gibt noch ein Paradoxon: Unsere Erwartungen an die Zukunft führen dazu, dass wir unser Verhalten ändern (oder auch nicht), was wieder zu vier verschiedenen Fällen führt – genau zu den vier bereits beschriebenen (genauso, besser, schlechter, anders). 😉

Beim Lesen des Zukunftsbuchs von Andreas Eschbach ist mir aufgefallen, dass er ähnlich denkt wie ich: In den meisten Fällen wird die Zukunft die logische Fortschreibung der Gegenwart sein. Über Dinge, die völlig unerwartet kommen werden, kann man nichts Sinnvolles schreiben, sonst wären sie ja nicht „unerwartet“. Im Folgenden deshalb nur einige Zitate aus den drei Bereichen Demographie, Klimawandel und Raumfahrt. Bei Demographie und Raumfahrt bin ich mit ihm einer Meinung, beim Klimawandel finde ich seine Ansichten interessant, bin aber anderer Meinung.

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Philip K. Dick: Wirklichkeit

30. Mai 2014 Keine Kommentare

Wirklichkeit ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben.

KategorienZitate Tags:

Thomas Metzinger: Das letzte Rätsel der Philosophie: Was ist das Bewusstsein?

29. Mai 2014 Keine Kommentare

Thomas Metzinger: Das letzte Rätsel der Philosophie: Was ist das Bewusstsein?

Den Link zu einem interessanten dreiteiligen Vortrag von Thomas Metzinger beim SWR habe ich von einem Bekannten erhalten: Das letzte Rätsel der Philosophie. Ob die Bezeichnung „Das letzte Rätsel“ gerechtfertigt ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man kann auf der verlinkten Seiten die drei Vorträge als Audiostream anhören, man kann auch die Manuskripte selbst herunterladen:

Teil 1

Download Manuskript

Teil 2

Download Manuskript

Teil 3

Download Manuskript

Meiner Meinung nach ist es recht schwierig, dem Vortrag zu folgen, wenn man ihn sich nur anhören kann, deshalb finde ich die Möglichkeit, die Texte herunterzuladen und langsam und mehrfach lesen zu können, außerordentlich gut, auch wenn Metzinger eine bemerkenswert klare Form des Ausdrucks hat. Sein Buch „Der Ego-Tunnel“ ist 2009 erschienen, einige Gedanken findet man in ähnlicher Form bereits in diesem Vortrag beim SWR.

In vielen Diskussionen in den letzten Jahren wurde die Frage aufgeworfen, wozu man bei allen Fortschritten in den Naturwissenschaften die Philosophie überhaupt noch braucht. Metzinger, der die Nähe zu Neurowissenschaftlern sucht, gibt vielleicht dazu eine gute Antwort:
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KategorienGehirn & Geist, Philosophie Tags:

Peter Plöger: Warum wir es gerne einfach hätten…

25. Mai 2014 Keine Kommentare

… „und alles immer so kompliziert ist.“ – Das ist der Titel eines Buchs von Peter Plöger.

Auf den ersten Seiten hatte ich Mühe mit seinem Stil. Ich erinnere mich nicht mehr, was mich gestört hat, denn am Ende hat mir das Buch ausnehmend gut gefallen. Ein paar Mal erwähnt er in seinem Text Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann. Ich kenne Kahnemanns Buch nicht, es steht bei mir noch ungelesen im Regal. Aber es könnte ebenfalls von den verschiedenen Methoden handeln, mit denen wir Urteile über die Welt bilden. Plöger jedenfalls zeigt Möglichkeiten fehlerhaften Denkens auf ganz verschiedenen Gebieten, von denen ich hier Beispiele aus drei Gebieten – Kultur, Wirtschaft und Demokratie – herausgesucht habe.

Die Welt muss für uns Sinn haben, und wir müssen in ihr handeln können. Deshalb wird unsere Wahrnehmung der Welt von Prozessen bestimmt, die ihnen eine Sinn- und Handlungsstruktur geben. Der Wahrnehmungsapparat (die Sinnesorgane und die Teile des zentralen Nervensystems, die an der Wahrnehmung beteiligt sind) schafft eine Erzählung, von der das Individuum annehmen muss, dass sie der Wirklichkeit entspricht. Es ist, als würde er eine fortlaufende Geschichte konstruieren mit der Wirklichkeit als Inhalt. Der Wahrnehmungsapparat erzählt, und wie ein guter Geschichtenerzähler lässt er Einzelheiten wegfallen, hebt andere dafür deutlicher hervor, dramatisiert, ordnet Dinge, fügt Ereignisse in Abfolgen hintereinander und trennt eins vom anderen. Er schafft damit Klarheit und Verständlichkeit. Und nicht zuletzt Sinn. Die Welt muss Sinn ergeben, damit wir uns in ihr zurechtfinden können.

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»Abstraktionen entfernen die Besonderheiten, die zwei Objekte voneinander unterscheiden… Experimente entfernen zudem (oder versuchen das zumindest) die Verbindungen, die jeder Prozess zu seiner Umgebung hat – sie erzeugen eine künstliche und in gewissem Sinne verarmte Umgebung, um dann ihre Eigenschaften zu untersuchen. In beiden Fällen wird etwas weggenommen oder „blockiert“ gegenüber der Gesamtheit, die uns umgibt.

In den letzten Jahren war häufig vom Kampf der Kulturen die Rede. Plöger beschäftigt sich mit den Äußerungen von Thilo Sarrazin und worin dessen Hauptdenkfehler bestehen. Ersetzt man in Sarrazins Thesen den Begriff der Kultur durch den der Rasse, dann erkennt man das Denkmuster. Außer dem Fehler, individuelle Eigenheiten jedes Menschen zu ignorieren, wenn man ihn einer bestimmten Gruppe zuordnet, kann man beim Verwenden des Begriffs der Kultur aber noch weitere Fehler machen:

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Soll man einer Theorie oder einem System Existenz zusprechen?

25. Mai 2014 Keine Kommentare

Eine interessante Diskussion hat Metepsilonema in seinem Blog eröffnet: Soll man einer Theorie oder einem System Existenz zusprechen?

Oder einem Gesetz, das die Naturwissenschaft “gefunden” (d.h. beschrieben) hat? Existieren Arten von Tieren? Ist die Evolutionstheorie Realität?

Meine Prämissen sind die folgenden: Eine Welt, die jenseits von erkennenden Subjekten existiert und erkannt werden kann, aber niemals also solche, sondern nur vermittelt über Sinnesorgane oder technische Hilfsmittel, über sprachliche oder mathematische Beschreibung: Alle Erkenntnis* entstammt menschlichen Gehirnen und kann ohne solche (oder ähnliche) nicht weitergegeben oder verstanden werden, sie existiert per se (als Idee) weder materiell noch immateriell (auch nicht im Sinn einer Wechselwirkung) und ist in diesem Sinn schöpferisch, konstruiert und man sollte zwischen Konstrukt und (möglicher) Realität unterscheiden um Irrtümern oder voreiligen Schlüssen zu entgehen.

Die Diskussion erinnert mich auch an einen alten eigenen Text: Zur Realität mathematischer Objekte II.

KategorienGedankenfutter Tags:

Ukraine: Großes Spiel

18. Mai 2014 2 Kommentare

In einem Diskussionsforum habe ich das folgende Bild gefunden:

Seit geraumer Zeit ärgert mich die Berichterstattung in den deutschen Mainstreammedien, von Spiegel Online über FAZ, die Nachrichtensendungen im Fernsehen, etc. Unisono ist man dort der Meinung, USA und EU wären die Guten und Putin der Böse. Nur in der Telepolis erscheinen in regelmäßigen Abständen Artikel über die Ukraine, die sich davon etwas absetzen. Bereits am 6.3., also vor der Abspaltung der Krim von der Ukraine, habe ich dort den Beitrag Ukrainisches „Great Game“ gefunden. Auf der folgenden Karte wird die nationale Zerrissenheit der Ukraine deutlich:

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KategorienPolitik Tags:

Klimawandel: Die Dinosaurier sind schuld!

6. Mai 2014 Keine Kommentare

Gestern hat mich eine Meldung in SPON sehr verblüfft: Angesehener Meteorologe wechselt zu den Klimaskeptikern. Die Einleitung:

Eine heikle Personalie erschüttert die Umweltforschung: Einer der angesehensten Klimatologen, der emeritierte Max-Planck-Direktor Lennart Bengtsson, wechselt ins Lager der Skeptiker. Im Interview erläutert er seinen überraschenden Schritt.

Aber nachdem ich das Folgende gelesen hatte, war ich wieder beruhigt:

Bengtsson: Die meisten Mitglieder der GWPF (*) sind Ökonomen, und dies ist eine Chance für mich, von einigen dieser hoch qualifizierten Mitglieder in Bereichen außerhalb meiner eigenen Expertise zu lernen. Ich möchte dort durch meine meteorologische Kenntnisse dazu beitragen, die Debatte zu öffnen.

(*) GWPF = Global Warming Policy Foundation: Die GWPF, also die „Klimawandel-Politik-Stiftung“, ist eine gemeinnützige Organisation aus Großbritannien, die sich als „Denkfabrik“ bezeichnet. Sie wurde 2009 von dem konservativen Politiker Nigel Lawson gegründet, um angebliche Überreaktionen gegen die globale Erwärmung zu verhindern. Ihr Ziel verfolgt sie mit kämpferischen Informationskampagnen. Der Tenor: Der Klimawandel werde als Problem überschätzt.

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KategorienAlltag Tags:

Multiversum: Ist das noch Wissenschaft?

4. Mai 2014 Keine Kommentare

In „Bild der Wissenschaft“ 1/2014 findet man gleich eine ganze Artikelserie, die dem Thema „Multiversum“ gewidmet ist. Ich hatte ja vor kurzem bereits über Max Tegmarks Vorstellungen geschrieben: Unser Universum, ein Sandkorn am Strand? In der Artikelserie in BdW werden die Ideen noch viel ausführlicher erläutert. Im einführenden Beitrag wird zunächst eine Begriffsklärung versucht:

Die Probleme und Konfusionen beginnen schon mit der Terminologie. Denn es werden mindestens sechs verschiedene, sich teilweise überlappende Begriffe gebraucht. Mit „Universum“ kann gemeint sein:

  1. Alles, was (physikalisch) existiert – irgendwann und irgendwo,

  2. die beobachtbare Region des Alls,

  3. die beobachtbare Region des Alls und alles, was mit ihr in kausaler Wechselwirkung stand oder einmal stehen wird,

  4. jedes physikalisches System, das universell groß werden könnte, selbst wenn es in sich zusammenstürzt, solange es noch klein ist,

  5. ein Zweig der quantenphysikalischen Wellenfunktion (falls diese nie kollabiert) – das heißt, eine von verschiedenen Historien oder verschiedenen Welten in Superposition,

  6. vollständig getrennte physikalische Systeme.

Weiter folgt im Text:

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KategorienPhilosophie, Physik Tags:

Thomas de Padova: Leibniz, Newton und die Erfindung der Zeit

1. Mai 2014 Keine Kommentare

Beim Kauf dieses Buchs bin ich einer Empfehlung von Michael Springer in einer Rezension in „Spektrum der Wissenschaften“ 11/2013 gefolgt. Ich wusste bereits vorher ein bisschen über den Streit der beiden Wissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz und Isaac Newton, wer denn die Differenzialrechnung erfunden hat. Und auch einige, aus heutiger Sicht sehr moderne Ansichten von Leibniz über Raum und Zeit waren mir schon bekannt.

Bezüglich der Erfindung der Differenzialrechnung vertritt Padova die Ansicht, die heute von den meisten Wissenschaftshistorikern geteilt wird, dass Newton und Leibniz die Differenzialrechnung jeweils unabhängig voneinander entwickelt haben. Vermutlich hat Newton seine Fluxionsrechnung einige Zeit vor Leibniz entwickelt und Leibniz erhielt auch Kenntnis davon, während er an seiner eigenen Methode arbeitete, aber er hat die Grundideen eigenständig entwickelt und durchgesetzt hat sich letztlich auch die Leibnizsche Schreibweise und Berechnungsmethode.

Was die unterschiedlichen Auffassungen der beiden von Raum und Zeit betrifft: Ich habe eines der kniffligsten Gedankenexperimente, die ich kenne, im Buch wiedergefunden und gelesen, dass es ursprünglich von Newton stammt:

Ein Eimer wird an eine zuvor verdrillte Schnur gehängt und beginnt sich zu drehen. Anfangs dreht sich das Wasser in dem Eimer noch nicht mit, weil es zu träge ist, der Bewegung des Eimers sofort zu folgen. In dieser Phase eins ist die Wasseroberfläche glatt. In Phase zwei rotieren Eimer und Wasser gemeinsam. Dabei steigt das Wasser an der Wand des Eimers nach oben, die Wasseroberfläche wölbt sich. Dann hält jemand den Eimer plötzlich an. Dennoch rotiert das Wasser in dieser dritten Phase weiter, und die Oberfläche bleibt gewölbt. Wodurch wird diese Krümmung der Wasseroberfläche bewirkt?

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KategorienPhilosophie, Physik, Rezensionen Tags: