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Archiv für Februar, 2014

Ethisches Unbehagen

27. Februar 2014 Keine Kommentare

Alle Lebewesen konkurrieren um dieselben Ressourcen und diese sind begrenzt. Das macht Ethik so schwierig, weil man praktisch in keinem Fall erreicht, dass niemand zu Schaden kommt. Andererseits muss man handeln und sein Handeln mindestens vor sich selbst begründen, denn auch Nichthandeln ist ja eine Handlung, die Konsequenzen hat. Wenn man die Begrenztheit der Ressourcen und die Notwendigkeit von Entscheidungen akzeptiert, dann gelangt man zwangsläufig zu einer Art des Utilitarismus. Als Beispiel kann man die Entscheidung über die Organvergabe bei Transplantationen nehmen, wenn die Zahl der Spenderorgane kleiner als die Zahl der potenziellen Empfänger ist.

Wir wissen inzwischen, dass wir den anderen Tieren viel ähnlicher sind, als man früher angenommen hat. Das ist eines der Resultate naturwissenschaftlicher Forschung. Wir nehmen inzwischen auch an, dass es andere vernunftbegabte Spezies gibt, und wir vermuten, dass es uns gelingen wird, bewusstseinsbegabte Maschinen zu bauen. Die bloße Zugehörigkeit zu unserer Art „Homo sapiens sapiens“ reicht als Begründung nicht mehr aus, zumal es auch innerhalb unserer eigenen Spezies gewaltige Unterschiede zwischen den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Individuen gibt. Der Präferenzutilitarismus leistet genau das, was ich für sinnvoll halte: Es spielt nicht mehr die Artzugehörigkeit eine Rolle und man kann problemlos ethische Entscheidungen auch gegenüber Tieren und bewusstseinsbegabten Maschinen treffen. Die emotionalen und intellektuellen Bedürfnisse der Wesen und ihre aktuellen und künftigen Präferenzen spielen die entscheidende Rolle.
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Stefan Kuzmany: Thilo

25. Februar 2014 Keine Kommentare

Thilo S. ist höchstwahrscheinlich so schlau, dass er sogar eine Schachpartie gegen sich selbst gewinnen könnte.

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Douglas Rushkoff: Zukunft

22. Februar 2014 Keine Kommentare

Wir müssen uns nicht über die Zukunft beunruhigen, denn wir leben in einer Gegenwart, die für immer andauern wird.

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Tatort Gehirn

20. Februar 2014 Keine Kommentare

Bezüglich der Diskussion um den freien Willen habe ich meinen Standpunkt seit mehreren Jahren nicht mehr geändert. Ich stimme in dieser Hinsicht überein mit den Ansichten, wie sie z.B. Geert Keil und Michael Pauen vertreten. Überwiegend im deutschsprachigen Raum gibt es eine Reihe von Neurowissenschaftlern (u.a. Gerhard Roth und Wolf Singer), die aus ihren Erkenntnissen bei der Untersuchung der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns schlussfolgern, dass Menschen über so etwas wie einen freien Willen eigentlich gar nicht verfügen (können). Jedem Beobachter ist klar, dass das einschneidende Konsequenzen für unser Rechtssystem haben würde.

In der Geo 10/2013 gibt es in dem Artikel „Tatort Gehirn“ einen Bericht über einen fiktiven Gerichtsprozess, der genau diese Konsequenzen illustriert. Der Verteidiger eines Mörders argumentiert so:

„Sehen Sie – in diesem Moment wird mein Mandant extremen Provokationen ausgesetzt“, sagt der Verteidiger. „Die Hirnregionen, mit denen normale Menschen Affekte kontrollieren, sind bei ihm aber kaum aktiv.“ Genau wie in der Tatnacht könne das Gehirn des Täters auch jetzt kaum seine Impulse unterdrücken. Ein dreidimensionaler DNS-Strang taucht auf dem Hologramm im Gerichtssaal auf; der Verteidiger kreist eine Region mit dem Stift ein: „Und hier sitzt die verantwortliche Genmutation: eine Art Behinderung, für die mein Mandant nichts kann. Er muss für schuldunfähig erklärt werden.“

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Augustinus: Zeit

18. Februar 2014 Keine Kommentare

Die Zeit kommt aus der Zukunft, die nicht existiert,
In die Gegenwart, die keine Dauer hat,
Und geht in die Vergangenheit, die aufgehört hat zu bestehen.

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Der Text ist tot. Es lebe das Wissen!

16. Februar 2014 Keine Kommentare

Ein Artikel in Hohe Luft mit dem obigen Titel stemmt sich mit einigen originellen Ideen und interessanten Beobachtungen gegen den weitverbreiteten Kulturpessimismus, dass die heutige Jugend immer weniger liest und deshalb immer dümmer wird (… und deshalb der Untergang des Abendlandes droht und überhaupt früher alles viel besser war). Dass an dieser These sowieso etwas nicht stimmen kann, belegen die Ergebnisse von IQ-Tests und der Flynn-Effekt.

Flynn stellte dagegen in seinem 2012 erschienenen Buch „Are We Getting Smarter?“ einen weiteren Anstieg der Intelligenz fest. Deutschland verzeichne einen Anstieg von 0,35 Punkten pro Jahr, Brasilien und die Türkei fast doppelt soviel. Verändert habe sich allerdings die Art der Intelligenz. So verbessere sich vor allem das visuelle und logische Denken der Kinder, der Wortschatz hingegen nur unwesentlich.

Es ist also im Gegenteil sogar so, dass nachfolgende Generationen in unserem Kulturkreis immer intelligenter werden. Wie passt das nun aber zu den durchaus richtigen Beobachtungen, dass heutige Jugendliche immer weniger in der Lage sind, einen längeren Text durchzuhalten? Dabei betrifft das nicht nur Jugendliche, auch Wissenschaftler und Studenten folgen dieser Tendenz:
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Epikur: Tod

15. Februar 2014 1 Kommentar

Lange habe ich nach dem Kontext der folgenden Gedanken von Epikur gesucht, die mir hier das erste Mal begegnet sind:

  • Die Seele ist sterblich.
  • Wir müssen keine Angst vor dem Tod haben, weil: Wenn wir leben, sind wir nicht tot. Wenn wir tot sind, empfinden wir nichts.
  • Vor unserer Geburt sind wir auch tot gewesen.

Jetzt habe ich sie gefunden. Überliefert wurden die Äußerungen Epikurs in seinen Briefen an Menoikeus in der antiken Philosophiegeschichte „Leben und Lehren berühmter Philosophen“ von Diogenes Laertios. Abgedruckt wurden Ausschnitte davon in einer Beilage von Philosophie Magazin:
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KategorienPhilosophie, Zitate Tags:

Demokrit, Epikur, freier Raum und Objekte

4. Februar 2014 Keine Kommentare

Wenn man heute etwas „von“ den alten Philosophen liest, dann als Laie meistens nicht im Original, man liest eher etwas „über“ sie. Einige der Denker der Antike sind dabei so sakrosankt wie die Heiligen der Bibel. Demokrit ist einer von ihnen, der mit seiner Idee von den Atomen in kaum einem populärwissenschaftlichen Buch über dieses Thema fehlen darf.

Von ihm stammt die Vorstellung, dass Gegenstände nicht beliebig teilbar sein können, sondern es kleinste Bestandteile geben muss, die A-tome, die Unteilbaren. Bei Demokrit haben die Atome kleine Haken und Ösen, mit denen sie sich zu größeren Einheiten verbinden. Hier hat er sicherlich eine Eigenschaft größerer Objekte auf kleinere übertragen. Ich hätte ihn gern gefragt, wie er mit dem Widerspruch umgegangen ist, dass man zwar bei den großen Objekten Haken und Ösen entfernen kann und die Objekte dadurch zerlegt, die Haken und Ösen „seiner“ Atome aber untrennbar mit diesen verbunden sein sollen.
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Komische Dinge lassen die Leute auf der Straße liegen

2. Februar 2014 Keine Kommentare

Tante Siggi stand am Herd und rührte ihre Suppe. Sie war in Eile, denn erst am Morgen hatte sie bemerkt, dass ihr die Kartoffeln ausgegangen waren und sie deshalb nochmals schnell auf den Markt gehen musste. Jeden Moment konnte ihr Neffe Max von der Uni zurück sein, und auch Horst hatte sein Kommen angekündigt. Um ihre Füße strich Balthasar, der Kater. Natürlich war dieser wenig an den Kartoffeln in der Suppe interessiert, aber vielleicht würde Sigrid ja eines der Fleischstückchen fallen lassen, die sie vorhin kleingeschnitten hatte, und die jetzt auf einem Brettchen neben dem Herd auf ihren Einsatz in der Suppe warteten?

Siggi schöpfte mit dem Löffel etwas Suppe aus dem Topf, um diese noch besser abzuschmecken. Gerade als sie den Mund öffnete, um etwas Suppe zu schlürfen, lösten sich ihre dritten Zähne vom Gaumen, sausten am Löffel vorbei und platschten direkt in die Suppe. Verdammt! Dass ihre Zähne so schlecht hielten, hatte sich Siggi selbst zuzuschreiben. Jahrelang hatte sie alleine in ihrer kleinen Mansardenwohnung gelebt und ihre Zähne nur selten in den Mund genommen. Und als zu Beginn des Semesters ihr Neffe Max bei ihr eingezogen war, musste sie feststellen, dass ihre Dritten nicht mehr so gut passten wie noch vor einigen Jahren.
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