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Archiv für Oktober, 2013

Stasi 2.0 (Ozapft is!)

27. Oktober 2013 Keine Kommentare

Zum Thema NSA kann man eigentlich nichts Neues schreiben, man kann nur seine eigene Meinung kundtun und seinem Ärger Luft machen. Dieses Bildchen habe ich am Freitag zuerst in einer Tageszeitung gesehen, inzwischen kursiert es überall im Netz:

Obama als lachender Bayer, eigentlich sollte einem da als Betrachter das Lachen im Halse stecken bleiben. Auch das zweite Bild ist eigentlich nicht lustig, sondern bitter:
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Nahtoderfahrungen

20. Oktober 2013 1 Kommentar

Auf der Diskussionsseite zum Wikipediaartikel Nahtoderfahrungen geht es hoch her. Keiner möchte gern sterben, wenn es danach nichts mehr gibt, auch aus diesem Grund ernten Religionen und diverse esoterische Strömungen so einen großen Zuspruch. Wissenschaftlich kann man das Problem schwer knacken, verbieten sich doch aus naheliegenden Gründen lange Versuchsreihen mit vielen Probanden. So bleibt nur die nachträgliche Befragung von wenigen Betroffenen. Im Spiegel Nr. 30/2013 vom 22.7.2013 findet man ein Interview mit Sam Parnia, der in New Yorck als Notfallmediziner arbeitet und auch Leiter einer großangelegten Studie zu diesem Thema ist (siehe im Text selbst):

Parnia: In den 50 Jahren seit Einführung der Herz-Lungen-Wiederbelebung sind Millionen Menschen über die Schwelle des Todes getreten und wieder zurückgekehrt. Und viele von ihnen berichten in unglaublichen Geschichten über ihre Erlebnisse. Ich selbst habe mehr als 500 Menschen mit Nahtoderlebnissen interviewt.

SPIEGEL: Was genau erzählen Ihnen die Betroffenen?
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KategorienAlltag, Gesellschaft, Medizin, Religion Tags:

Oswald Levett: Verirrt in den Zeiten

18. Oktober 2013 1 Kommentar

Der Roman von H. G. Wells „Die Zeitmaschine“ ist sicher vielen bekannt, es gibt mehrere Verfilmungen. Ich habe das Buch vor vier Jahren gelesen und die zwei bekanntesten Filme gesehen, den von 1960 und den von 2002. Bei der Verfilmung von 2002 versucht der Hauptheld zunächst erfolglos die Vergangenheit zu ändern, bevor er dann wie im Roman und der ersten Verfilmung in eine ferne Zukunft reist und aus dieser nicht wieder zurückkehrt.

Das Buch hat Wells 1895 geschrieben, ganze zehn Jahre bevor Einstein die Spezielle und zwanzig Jahre bevor er die Allgemeine Relativitätstheorie entwickelt hat. Diese Theorien schließen nicht aus, dass Zeitreisen vielleicht tatsächlich möglich sind.

Im Roman von Oswald Levett wird dasselbe Thema aufgegriffen. Sein 1933 erschienenes Buch ist im Gegensatz zu dem von Wells kaum bekannt. Mein Exemplar ist im Jahr 1985 in der DDR erschienen, laut Wikipedia muss es auch eine Surkamp-Ausgabe aus dem Jahr 1986 geben. Wie in der Verfilmung von Wells‘ Roman aus dem Jahr 2002 verliert ein begabter junger Mann durch einen Unfall seine Freundin. Um dieses Ereignis rückgängig zu machen, baut er eine Zeitmaschine und versucht in die Vergangenheit vor dem tragischen Unfall zu reisen.

Der Roman ist in eine Rahmenhandlung eingebettet, bei der sich ein (Hobby)Forscher im Haus einer älteren Witwe einquartiert, die sich später als die Mutter des verschwundenen Zeitreisenden entpuppt. Diese erzählt von ihrem Sohn:
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Intelligenz, Kreativität – und Wissen

17. Oktober 2013 2 Kommentare

In Hohe Luft Nr. 6/2013 philosophiert Jörg Friedrich im Artikel „Gibt es intelligente Maschinen? Oder Kreative?“ über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Begriffe „Intelligenz“ und „Kreativität“. Im Alltagsgebrauch verwendet man sie manchmal synonym, bei genauerem Nachdenken erscheinen sie einem aber unterschiedlich.

Begriffe wie Intelligenz und Kreativität können wir im Alltag sicher verwenden, aber wenn wir über sie nachdenken, werden wir schnell unsicher, was sie eigentlich bedeuten. Das fällt meist dann auf, wenn sie zum ersten Mal in ungewohntem Zusammenhang auftauchen, etwa wenn von künstlicher Intelligenz die Rede ist oder von der Intelligenz des Schwarms, oder wenn das Verhalten von Raben, die sich an Straßenkreuzungen von Autos Nüsse knacken lassen, als kreativ bezeichnet wird. Ist damit die gleiche Qualität gemeint, wie wenn wir vom intelligenten Schüler oder vom kreativen Künstler sprechen?

Die Sachverhalte, die wir mit den Begriffen Intelligenz und Kreativität bezeichnen, überlappen einander, und in der Alltagssprache müssen wir es damit auch nicht ganz so genau nehmen. Wir bringen mit der Rede über besonders intelligente Lösungen und besonders kreative Ideen unsere Hochachtung für Leistungen des menschlichen Geistes zum Ausdruck, die uns überraschen und die uns Bewunderung abverlangen.

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Aber beim genauen Hinsehen gibt es Unterschiede zwischen solchen Ideen und Taten, und es ist sinnvoll, dann zu differenzieren und die Begriffe zu schärfen. Von besonderer Intelligenz sprechen wir zumeist, wenn wir, um ein Ziel zu erreichen, ein Problem auf überraschende Weise gelöst haben. Der Psychologe James R. Flynn hat Intelligenz als die Fähigkeit bestimmt, Lösungen für Probleme zu haben, die uns nie zuvor begegnet sind.


Kreativität hingegen wird oft als Fähigkeit bestimmt, etwas völlig Neues zu schaffen. Der Philosoph Günter Abel meint, radikale Kreativität erkenne man daran, dass sie bestehende Regeln durchbricht und selbst stil- oder regelbildend wirkt. Maler wie Pablo Picasso und Salvador Dali, Musiker wie Arnold Schönberg, die sich aus den bestehenden Regeln der Kunst befreit haben und neue Regeln schufen, bezeichnen wir als kreativ.

Später im Artikel wird dann der Unterschied zwischen den beiden Begriffen so herausgearbeitet:
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Limburger Paradoxa

14. Oktober 2013 7 Kommentare

Ein Artikel von Jacob Augstein in Spiegel Online „Von Limburg nach Lampedusa“ hat meine Aufmerksamkeit auf einige interessante Paradoxa gelenkt, die mir sonst wahrscheinlich entgangen wären. Augstein schreibt:

Eines der besten deutschen Neubauvorhaben seiner Art

Die Kosten mögen zu hoch sein. Aber sie sind gut investiert. „Das Diözesane Zentrum ist exzellente Baukunst, eines der besten deutschen Neubauvorhaben seiner Art aus den letzten Jahren“, hat Rainer Haubrich in der „Welt“ geschrieben und das glaubt man mit Blick auf die Bilder sofort. Ein „Protz-Bischof“, wie er auf dem Boulevard beschimpft wird, ist dieser Tebartz-van Elst gerade nicht, sondern ganz im Gegenteil ein geschmackvoller Mann, dem man allerdings ein solches Bauvorhaben nicht anvertrauen sollte. Aber für solche Differenzierung ist nur wenig Raum im Strudel all der Empörung.

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Das Keifen der Menge ist übrigens in der Architektur des öffentlichen Raumes kein guter Maßstab. „Wird die Stadt Paris sich wirklich den (…) geschäftstüchtigen Phantastereien einer Maschinenkonstruktion anschließen, um sich für immer zu schänden und zu entehren?“, hieß es seinerzeit in einem Manifest gegen den Eiffelturm. Und man sollte auch daran erinnern, dass demokratische Legitimierung und saubere Rechnungslegung gerade bei den großen kirchlichen Bau- und Kunstwerken historisch eher die Ausnahme waren.

Der Mann, dem wir den Neubau des Petersdoms verdanken, hieß im wahren Leben Giuliano della Rovere, war nicht nur Feldherr und Vater von drei Töchtern, sondern auch Papst, Beiname: „der Schreckliche“. Ohne ihn gäbe es Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle nicht. Aber wie wollte man das heute bei Günther Jauch erklären?

Das stimmt. Schaut man sich die Bilder an, die jetzt vom Limburger Bistum überall zu sehen sind, dann kann man schon neidisch auf den Bischof werden, der dort residieren darf:
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Die Welt gibt es nicht?

14. Oktober 2013 2 Kommentare

Vor ein paar Wochen bin ich über ein Homonym gestolpert: „Die Hochzeit der Saurier war im Jura.“ Ich war da wohl etwas schläfrig oder unaufmerksam, jedenfalls wird das Wort „Hochzeit“ in diesem Satz anders verwendet als im Satz „Die Hochzeit von Kate und William war im April.“ Die Betonung erzeugt hier den Unterschied. Im gesprochenen Deutsch ist das ganz klar, aber im geschriebenen Deutsch muss man sich den Sinn aus dem Kontext erschließen.

Ich brauchte eine Weile, bis ich für mein Missverständnis dieses schöne Fremdwort „Homonym“ gefunden hatte. Auf der von mir verlinkten Wikipediaseite wird man auch gleich mit einer noch genaueren Klassifikation beglückt, denn präzise analysiert handelt es sich bei der „Hochzeit“ in den beiden Bedeutungen um einen Homographen, der heterophon und polysem ist. 🙂 Alles klar?

Bei der Aussage „Die Welt gibt es nicht“, meine Überschrift oben, fühlte ich mich daran erinnert. Der Titel eines Buchs von Markus Gabriel ist „Warum es die Welt nicht gibt“. Im Spiegel 27/2013 vom 1.7. findet man ein Interview mit diesem jüngsten Philosophieprofessor Deutschlands. Hier ist es nicht ein Wort, das unterschiedlich betont eine andere Bedeutung erhält, sondern ein ganzer Satz. Die gängige Betonung wäre (durch Unterstreichung gekennzeichnet): „Die Welt gibt es nicht.“ Aber in dem von Gabriel gebrauchten Zusammenhang ist wohl eher gemeint: „Die Welt gibt es nicht“.

Zunächst geht es in dem Artikel um den aktuellen Streit zwischen den Naturwissenschaften und der Philosophie um die Deutungshoheit:
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KategorienPhilosophie, Sprache Tags:

A capella science

12. Oktober 2013 Keine Kommentare

Wenig überraschend gingen die diesjährigen Nobelpreise in Physik an die beiden Physiker Peter Higgs und François Englert. Der dritte im Bunde, Robert Brout, ist schon verstorben, er hat deshalb leider die experimentelle Bestätigung der Theorie nicht mehr erlebt. Im Wikipediaartikel über das Higgs-Boson liest man zu der von den dreien unabhängig voneinander entwickelten Theorie:

1964 entwickelten Peter Higgs, François Englert und Robert Brout sowie Gerald Guralnik, Carl R. Hagen und Tom Kibble unabhängig voneinander und ungefähr gleichzeitig denselben formalen Mechanismus, durch den zunächst masselose Elementarteilchen in Wechselwirkung mit einem Hintergrundfeld (dem „Higgs-Feld“) massiv werden. Obwohl alle drei Arbeiten hintereinander in ein und derselben Ausgabe der Fachzeitschrift Physical Review Letters erschienen, wobei Englert und Brout ihr Manuskript etwas eher eingereicht hatten, sodass ihre Veröffentlichung vor denjenigen der anderen Autoren platziert wurde, benannte man das Feld und sein Teilchen (das Feldquant) allein nach Higgs.

In diesem Abschnitt findet man auch die Namen weiterer Personen, die an der Entwicklung der Theorie beteiligt waren. Getoppt wird ihre Anzahl natürlich jetzt durch die große Menge an Physikern, die im Cern arbeiten. Eine genaue Erklärung, wie das mit der Aufteilung eines Nobelpreises an mehrere Personen oder die Vergabe an Institutionen funktioniert, findet man in dem Artikel Geteilter Preis von Joachim Schulz.

Wie könnte man jetzt gratulieren? Vielleicht, indem man ein Musikstück nochmals aus der Versenkung holt, das sich mit den Experimenten am Cern beschäftigt und ein paar der (sehr jungen) Physiker dort zeigt:
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KategorienPhysik, Videos Tags:

Fragwürdige Früherkennung

10. Oktober 2013 Keine Kommentare

Ich bin nicht erst durch Angelina Jolie auf das Thema „Welchen Nutzen haben Früherkennungstests?“ gestoßen. Jolie hat sich vor einiger Zeit die Brüste entfernen lassen, zu einem späteren Zeitpunkt will sie das auch mit ihren Eierstöcken tun. Es gab damals eine Reihe von zustimmenden und manchmal sogar ihren Mut und ihre Konsequenz bewundernden Kommentaren. Vor kurzem habe ich aber einen Artikel gelesen, in dem diese ihre Entscheidung mit statistischen Argumenten in Frage gestellt wurde.

Laut dem Autor ist ihr Risiko, an Brustkrebs zu sterben selbst bei ihrer hohen genetischen Vorbelastung mit oder ohne Operation etwa gleich hoch – vorausgesetzt, sie nimmt regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teil. Anders sieht das mit ihrer ebenfalls bald geplanten Entfernung der Eierstöcke aus. Hier gibt es keine vernünftige Vorsorge und dort entartete Zellen findet man meist zu spät – eine Operation senkt also tatsächlich ihr statistisches Risiko.

Leider habe ich diesen Artikel jetzt nicht mehr gefunden. Aber dafür ist mir ein anderer Text wieder aufgefallen, der die Problematik an einem ganz anderen Beispiel erläutert. In Deutschland werden PSA-Tests, mit denen auf einen möglichen Prostatakrebs untersucht wird, nicht von der Krankenkasse bezahlt. In Spektrum der Wissenschaften 1/2013 ist ein Kommentar von Hans-Hermann Dubben abgedruckt, der sich auf den Artikel „Streit um die Prostata-Früherkennung“ vom Oktober 2012 bezieht:
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KategorienGesellschaft, Medizin Tags:

Stasi 2.0 ( Precrime)

9. Oktober 2013 Keine Kommentare

Es ist praktisch nicht möglich, den vielen Artikeln über die Enthüllungen von Edward Snowden und die NSA-Affäre etwas Eigenes und Neues hinzuzufügen. Und wenn man genau darüber nachdenkt, sind sowohl die Reaktionen der Regierungen (abwiegeln, nur zugeben, was sich nicht mehr vertuschen lässt) als auch der Bevölkerung (weitgehende Ignoranz) verständlich. Wenn man das Netz benutzt, und das tut man mit vielen Geräten inzwischen automatisch, dann hinterlässt man personifizierte Datenspuren.

Diese Entwicklung wird noch eine ganze Weile so weitergehen, bis in vielleicht 20 Jahren jedes Gerät, das Strom verbraucht, Daten an das Netz übermitteln und aus diesem beziehen wird. Keine Daten von sich preisgeben hieße spätestens dann, a) selbst keinen Strom zu verbrauchen und sich b) nicht mehr dort aufzuhalten, wo Strom verbraucht wird. Da fallen mir nicht viele Gegenden auf der Welt ein, wo das der Fall ist, eigentlich gar keine.

Einen der scharfsinnigsten Kommentare möchte ich hier dennoch zitieren, er stammt von Michael Springer, der in Spektrum der Wissenschaften eine eigene Kolumne hat. In der Septemberausgabe schreibt er:
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KategorienGesellschaft, Politik, Visionen Tags:

Kinderwahlrecht

5. Oktober 2013 Keine Kommentare

In der Geo 7/2013 findet man ab Seite 96 ein Plädoyer von Wolfgang Gründinger für ein Kinderwahlrecht. Ich kannte bereits den Vorschlag, Eltern zusätzliche Stimmen für ihre Kinder zu geben. Das ist eine Idee, deren Zielrichtung offensichtlich ist: Die Belange von Familien mit Kindern sollen stärker als die Interessen von erwachsenen Menschen ohne Kinder beachtet werden. Man geht hier davon aus, dass damit verstärkt Politiker bzw. Parteien gewählt werden, die sich für die Belange kinderreicher Familien einsetzen, bzw. die Parteien dann ihre Programme entsprechend neu gewichten werden. Denkt man aber etwas über diesen Vorschlag nach, dann erkennt man auch einige Probleme: Die Interessen der Eltern müssen nicht unbedingt mit denen der Kinder übereinstimmen. Gründinger nennt auch einen verfassungsrechtlichen Einwand gegen diesen Vorschlag:

Vorausgesetzt jedoch, dass die verfassungsrechtlichen Probleme mit dem Gleichheitsgrundsatz gelöst werden könnten, die entstünden, wenn Eltern faktisch doppelt so starkes Stimmgewicht erhielten wie andere Wähler.

Gründinger hat stattdessen einen anderen Vorschlag:

Im Grundgesetz steht: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Aber derzeit sind 14 Millionen Menschen in Deutschland vom Wahlrecht pauschal ausgeschlossen – nur weil sie unter 18 Jahre alt sind. Dieser undemokratische Zustand bedarf dringender Abhilfe. Durch ein Wahlrecht ohne Altersgrenze.

In seinem Beitrag wird zunächst eine mögliche Umsetzung dieses Vorschlags vorgestellt:
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KategorienGesellschaft, Politik Tags: