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Archiv für Juni, 2013

Kluge Köpfe

23. Juni 2013 Keine Kommentare

Im Buchladen fiel mein Blick auf „Das Magazin“. In der DDR war es eine begehrte Zeitschrift, die man meist nur durch Zufall und „unter dem Ladentisch“ bekam. Es war eine Art Intellektuellenzeitschrift, die in der Themenwahl und auch in der Gestaltung offenbar einen gewissen Freiraum genoss. Als Jugendlicher war man ziemlich scharf darauf, ein Exemplar zu ergattern, denn irgendwo in jedem Heft war eine nackte Frau abgebildet. Welche Nische „Das Magazin“ heute besetzt, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte mich das Hauptthema der Juniausgabe interessiert: „Lauter Schlauberger“ mit den weiteren Artikeln „Mitmachen & Schlapp lachen. IQ-Test“, „Intelligenter Nachwuchs. Hochbegabt – so klappts“, „Intelligenzwunder. Fische sind Geistesriesen“ und „Intelligenter Sex. Bettgeschichten“.

Der einführende Artikel zum Thema „Intelligenz“ heißt „Kluge Köpfe“. Unter anderem wird dort über einige Vereine in Deutschland berichtet, z.B. Mensa und die DGhK (die deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind). Was man über diese Organisationen im Artikel lesen kann, klingt vernünftig. Auch die Kritik am IQ und am Begriff „Intelligenz“ sind berechtigt:

Dabei ist bis heute nicht verlässlich definiert, was Intelligenz nun eigentlich ist. Matthias Moehls Verweis auf die Fähigkeit, hochkomplexe und komplizierte Aufgaben zu lösen, kommt immer wieder vor, aber mit diesem spärlichen Formelansatz hat es sich dann schon. Der Begriff wurde enorm gedehnt. Lag anfangs der Fokus rein im kognitiven Bereich, ist längst auch von sozialer, emotionaler, kreativer, musikalischer, körperlicher Intelligenz die Rede. Nicht nur Spaßvögel agieren angesichts dessen sophistisch mit dem Spruch: »Intelligenz ist, was ein Intelligenztest misst.«

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Davon gibt es allerdings unzählige. Abgesehen von den vielen Varianten, die zum Ausprobieren durchs Internet schwirren und arg verkürzte Formen sind, haben sich Fachkreise von Pädagogen, Medizinern und Wissenschaftlern auf etwa ein Dutzend verständigt. Sie alle prüfen durchaus bestimmte Fähigkeiten wie räumliches Vorstellungsvermögen, Logik, Sprachverständnis, aber setzen dann doch auch jeweils spezielle Schwerpunkte. Da muss man mal mehr, mal weniger Zahlenreihen vervollständigen, gemusterte Flächen zuordnen, Wortpaare bilden, Behauptungen entscheiden, zerlegte Figuren rekonstruieren, Pfeile, die wirrer sind als die Wetterberichtssymbole, sortieren. In manchen dominieren mathematisch-abstrakte Aufgaben, in anderen wird stärker das Sprachvermögen einbezogen. In einige fließt die Verhaltensbeobachtung während der Testsituation mit ein, in andere nicht.

Kritiker verweisen zudem auf die soziale Schieflage. Wer einen bestimmten Typ Aufgaben aus der Schule kennt, der kommt damit besser zurecht. Wer also an Schulen lernt, die Begabtenförderung praktizieren und zum Beispiel Tests ausschnittsweise üben, ist im Vorteil. Und es gibt noch einen guten Grund, dem ganzen Zahlenzauber rund um den IQ zu misstrauen, zumal die persönliche Situation, in der so eine Messung stattfindet, auch alles andere als normierbar ist. Wer unter Druck steht, kann Blockaden haben, wer vorher trainiert und weiß, was auf ihn zukommt, kann sein Ergebnis um zehn bis 15 Punkte verbessern, heißt es. Kein gutes Argument für eine Unanfechtbarkeit.

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Snowden 2013

18. Juni 2013 Keine Kommentare

In seinem Roman „1984“ hat George Orwell im Jahr 1948 die Dystopie eines totalitären Staates entworfen, der seine Bürger rundum überwachen lässt. Ein zentrales Element in seinem Roman ist der Fernseher, um Wohnungen visuell und akustisch zu kontrollieren. Stand der Technik zu Orwells Zeit waren außerdem das Anbringen von Wanzen in Räumen und im Freien die Beschattung durch Agenten. Weiter reichte Orwells Phantasie nicht, zudem hielt er diese Techniken nur in einer Diktatur für denkbar.

Wie sehen heute die technischen Möglichkeiten aus?

  • Jedes Smartphone wird, wenn es bewegt wird, im Mobilfunknetz von einem Sendemast zum nächsten weiter gereicht. In vielen Smartphones kann man eine Landkarte aufrufen, in der der eigene Standort eingezeichnet ist. Diese Informationen werden aus dem Mobilfunknetz abgerufen. Manche der Geräte besitzen zusätzlich ein eingebautes GPS-Modul, das die Genauigkeit dieser Standortbestimmung weiter verbessert.

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3D-Puzzle

9. Juni 2013 Keine Kommentare

Dieses Bild ging gerade durch diverse Foren und Blogs:

Was an dem Bausatz überall kritisiert wurde, ist, dass 7536 keine Kubikzahl ist. Man kann sich leicht davon überzeugen, dass die Primfaktorzerlegung von 7536 ergibt:

 7536 = 2 ^ { 4 } * 3 * 157

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KategorienAlltag Tags:

Philosophische Zombies

4. Juni 2013 Keine Kommentare

Der Artikel in „Hohe Luft“ 4/2103 „Das Leben der Zombies“ hat ein für mich bereits bekanntes Thema wieder aktuell werden lassen. In dem Text liest man:

Man könnte sich eine Welt vorstellen, die exakt identisch ist mit unserer Welt. Mit einem einzigen Unterschied: In dieser Welt laufen unsere Zombie-Doppelgänger herum, die genauso aussehen und das Gleiche tun wie wir. Nun stellen Sie sich vor, dass Sie gerade mit Freunden ein gutes Glas Wein trinken. Der Wein schmeckt Ihnen, Sie fühlen sich beschwingt und vielleicht ein wenig angeheitert. Aber was geht in diesem Moment in Ihrem Zombie-Doppelgänger vor? Auch er sitzt mit seinen Zombie-Freunden zusammen und nippt am Wein. Ihr Zombie-Doppelgänger ist also nicht nur physisch identisch mit Ihnen, er verarbeitet auch die gleichen Informationen, er ist also »funktional identisch« mit Ihnen – und er macht sogar die gleichen Wahrnehmungen wie Sie. Doch er hat keinerlei bewusste Erfahrung.

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Eine solche Zombie-Welt ist offenbar logisch möglich. Aber wenn das stimmt, so behauptet der australische Philosoph David Chalmers, dann beruht Bewusstsein offenbar nicht nur auf physischen Tatsachen. Sein Argument ist simpel: In unserer eigenen Welt gibt es bewusste Erfahrungen, in der Zombie-Welt nicht. Offenbar ist die Existenz von Bewusstsein also eine weitere Tatsache über unsere Welt, die zu den physischen Tatsachen hinzukommt. Wenn das stimmt, kann die materialistische Auffassung, wonach Bewusstsein nur auf körperlichen Tatsachen beruht, nicht richtig sein. Und wenn ein Zombie ohne jegliche bewusste Erfahrung genauso »funktioniert« wie ein Mensch, dann erklären »funktionalistische« Beschreibungen offenbar nicht, was Bewusstsein ausmacht. Das Argument läuft offenbar auf einen Dualismus hinaus, wie eine spiegelbildliche Variante von Rene Descartes‘ Argument, wonach der Geist ohne den Körper existieren kann – woraus folgt, dass der Geist nicht mit dem Körper identisch sein kann.

In dieser verkürzten Form wird nicht verständlich, warum David Chalmers Ansichten von den Philosophen, die sich mit der Philosophie des Geistes beschäftigen, so ernst genommen werden. Etwas besser versteht man es bereits nach dem Lesen des entsprechenden Abschnitts im Zombie-Artikel der Wikipedia:
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KategorienGehirn & Geist, Philosophie Tags: