Archiv

Archiv für Februar, 2013

Facebook ist nicht das Internet

22. Februar 2013 1 Kommentar

Die Idee zu diesen Thema stammt nicht von mir, sondern aus diesem Artikel. Ich wusste nicht, was eine „Blogparade“ ist und wollte mich eigentlich auch nicht daran beteiligen, aber da das Thema nun doch ein paar Tage in mir rumort, hier also wie gewünscht ein paar Zeilen zum Thema.

Vor vielleicht zwei oder drei Jahren habe ich mich bei Facebook angemeldet. Irgend etwas, das mich interessiert hat, war in Facebook verfügbar, und da man an die Informationen anderweitig nicht heran kam, besorgte ich mir also einen Account unter meinem Realnamen. So gewaltig war der Informationsgewinn nicht und ich hätte das Ganze auch sehr schnell wieder vergessen, aber ein oder zwei Tage später kam eine Freundschaftsanfrage. Woher der Betreffende erfahren hatte, dass ich mich angemeldet habe, weiß ich nicht. Wir hatten uns Jahre zuvor in einem Diskussionsforum kennengelernt. Ich klickte den Annehmen-Button (oder so etwas Ähnliches). In den nächsten Tagen purzelten eine Reihe von weiteren derartigen Anfragen herein, alle von Exmitgliedern dieses Forums.
Mehr…

KategorienAlltag, Gesellschaft, Ökonomie, Politik Tags:

Ein Prost auf Gaia

17. Februar 2013 Keine Kommentare

Eigentlich wollte ich ja heute auf einen interessanten Artikel über die Gaia-Hypothese hinweisen. Diesen Artikel findet man in den SciLogs unter dem Titel Die Erde ist kein Lebewesen – Kritik der Gaia-Hypothese. Die Gaia-Hypothese gibt es in einer extrem verkürzten und volkstümlichen Variante auch als Witz:

Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine zum anderen: „Du, ich habe Homo sapiens.“ Sagt der zweite zum ersten: „Ach, das macht nichts. Das hatte ich auch. Das geht vorbei.

Bemerkenswert an dem Artikel wider die Gaia-Hypothese sind nicht nur die Argumente, mit denen der Autor die Hypothese unter biologischen Aspekten zerpflückt, sondern auch seine Kritik an der allgemeinen (Un)Sitte von (Natur)Wissenschaftlern, sich (scheinbar kompetent und wissenschaftlich) zu Themen außerhalb ihrer Fachgebiete zu äußern:

Nun kennt man das ja: Verdienstvolle Wissenschaftler versuchen sich öfter mal auf Gebieten, die jenseits ihrer Fachgrenzen liegen. Dagegen ist nichts zu einzuwenden. Sie können sich ja in andere Fächer einarbeiten und dann zu deren Fragen etwas beitragen. Es ist in aller Regel nichts von Bedeutung, was da herauskommt, doch kann es hinreichend solide sein, um nicht verschwiegen werden zu müssen.

Mehr…

KategorienEvolution, Medizin, Natur, Skeptizismus Tags:

Derek Parfit III: „Der harmlose Folterer“

10. Februar 2013 2 Kommentare

Nach den beiden ersten Beispielen aus dem Interview mit Derek Parfit Die abstoßende Schlussfolgerung und The timeless man jetzt ein drittes Beispiel. Der Interviewer schrieb:

Wenn wir Handlungen beurteilen, konzentrieren wir und oft auf die Einzelhandlung: Wenn ich mit meinem Auto zum Klimawandel beitrage, kann das nicht so schlimm sein. Ich bin ja nur einer von vielen.

Derek Parfit kommentiert das so:

Es ist hilfreich zu überlegen, was wir im Zusammenwirken mit anderen tun. Oft schätzen wir die Auswirkungen unserer eigenen Handlungen falsch ein. Eines meiner Hauptbeispiele ist der „harmlose Folterer“. Stellen Sie sich vor, jeder von tausend Folterern bereitet einem Opfer jeweils nur geringfügige Schmerzen. Doch alle zusammen fügen ihm schweres Leid zu. Jeder dieser Folterer, so behaupte ich, fügt anderen Menschen großes Leid zu, obwohl keiner das Leiden seines Opfers wahrnehmbar schlimmer macht. Wenn wir glauben, dass solche geringfügigen Effekte keine Rolle spielen, dann fügen wir anderen großes Leid zu. Zur globalen Erwärmung beizutragen, ist ein Beispiel dafür.

Mehr…

KategorienEthik, Philosophie Tags:

Derek Parfit II: „The timeless man“

10. Februar 2013 Keine Kommentare

In dem bereits erwähnten Interview mit Derek Parfit gibt es eine weitere Überlegung von ihm, die meinen Widerspruch reizt. Zunächst schildert er das folgende Gedankenexperiment:

Ich liege im Krankenhaus und habe eine Operation. Da diese Operation als sicher gilt und immer erfolgreich ist, fürchte ich mich nicht vor den Auswirkungen. Die Operation könnte kurz sein oder länger dauern. Da ich mit dem Chirurgen kooperieren muss, bekomme ich keine Narkose. Ich hatte diese Operation schon einmal zuvor und kann mich erinnern, wie schmerzhaft sie ist. Nun aber wurde eine neue Richtlinie eingeführt: Weil die Operation so schmerzhaft ist, sorgt man dafür, dass die Patienten sie hinterher vergessen. Einige Medikamente löschen ihre Erinnerungen der letzten Stunden.

Ich bin gerade aufgewacht. Nun frage ich die Schwester, wann meine Operation stattfindet und wie lange sie dauert. Sie sagt mir, dass sie zwar die Fakten über mich und einen anderen Patienten kennt, aber sie kann sich nicht mehr erinnern, welche Fakten auf welche Person zutreffen. Sie kann mir nur sagen, dass Folgendes zutrifft: Ich könnte der Patient sein, der seine Operation gestern hatte. In diesem Fall war meine Operation die längste, die jemals durchgeführt wurde, sie dauerte zehn Stunden. Stattdessen könnte ich aber auch der Patient sein, dem heute noch eine kurze Operation bevorsteht. Es trifft also entweder zu, dass ich zehn Stunden leiden musste, oder dass ich heute noch eine Stunde leiden werde. Ich bitte die Krankenschwester herauszufinden, welche Version stimmt. Während sie weg ist, wird mir klar, welche Version ich bevorzuge. Wenn ich höre, dass die erste Version stimmt, werde ich erleichtert sein.

Zu diesem Beispiel merkt Parfit an:
Mehr…

KategorienAlltag, Philosophie Tags:

Derek Parfit I: Die „abstoßende Schlussfolgerung“

10. Februar 2013 2 Kommentare

In „Hohe Luft“ 2/2013 gibt es ein sehr ausführliches Interview mit Derek Parfit, der dort als „der bedeutendste Moralphilosoph der Gegenwart“ bezeichnet wird. Hohe Luft hat mit ihm ein ganz spezielles Interview geführt – man hat ihm 40 Fragen zugeschickt, die er per Mail beantwortet hat. In dem Interview werden eine Reihe von Gedankenexperimenten vorgestellt, anhand derer Parfit wichtige philosophische Fragestellungen erläutert. Am Rand des Interviews gibt es auch eine Reihe von Textblöcken mit speziellen Begriffen und Fragestellungen. Einer dieser Textblöcke ist der folgende:

Die abstoßende Schlussfolgerung

Auf der Erde leben zurzeit sieben Milliarden Menschen. Wäre es moralisch besser, wenn noch drei Milliarden Menschen hinzukämen – auch wenn diese am Existenzminimum leben müssten? Die meisten würden das wohl entschieden verneinen. Das philosophische Problem ist: Nach Parfit könnten wir zu dieser „abstoßenden Schlussfolgerung“ gezwungen sein. Man könnte nämlich folgendermaßen argumentieren: Wenn alles andere gleich ist, dann ist das „beste Ergebnis“ eines, in dem es die größte Gesamtmenge an Lebensqualität gibt. Angenommen, bei Bevölkerungsdichte A herrscht sehr hohe Lebensqualität. Dann könnte man sich eine wesentlich größere Bevölkerung B mit sehr niedriger Lebensquailtät vorstellen, deren „Gesamtmenge“ an Lebensqualität trotzdem größer ist als in Szenario A – und zwar einfach aufgrund der größeren Zahl Menschen, wenn man unterstellt, dass auch diese Menschen ein zumindest irgendwie lebenswertes Leben haben. Die bis heute unter Moralphilosophen heiß diskutierte Frage lautet: Wie lässt sich diese „abstoßende Schlussfolgerung“ vermeiden, die so sehr unseren moralischen Intuitionen widerspricht?

Mehr…

KategorienEthik, Philosophie Tags:

Schach und Computer

2. Februar 2013 5 Kommentare

Meine erste Turnierpartie habe ich vor 37 Jahren gespielt (und verloren). Damals war an Computer nicht zu denken, man analysierte die Stellungen nach Spielende oder an den Trainingsabenden mit den anderen und dem eigenen Gehirn. Ich spiele immer noch in einem Verein, bin aber nicht mehr so richtig bei der Sache und viel schlechter als zu meinen besten Zeiten. Am Wochenende zum Beispiel ist mir das Folgende passiert:


Mein letzter Zug als Schwarzer war 28… Tc6-f6. Es ist völlig klar, dass Weiß auf die Drohung Tf6xf3+ reagieren muss. Der Computer gibt für Weiß 29.Dd2-f2 an und Weiß kann sich halten. Mein Gegner aber spielte 29.Tc1-e1 und ich schlug auf f3 mit dem Turm, was eine Gewinnstellung für Schwarz ergibt. An den nächsten Zügen hatte der Computer bei beiden Seiten zwar etwas zu meckern, aber die folgende Stellung sollte mit einer Figur mehr für Schwarz immer noch gewonnen sein:
Mehr…

KategorienAlltag, Gesellschaft, Schach Tags: