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Archiv für November, 2012

Haiku XXXVIII

30. November 2012 Keine Kommentare

Sirenen heulen,
viel Betrieb im Krankenhaus.
In der Nacht fiel Schnee.

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Wie viele Engel können auf der Spitze einer Nadel tanzen?

29. November 2012 6 Kommentare

Die Diskussion begann mit der Frage, welche Pille man nehmen würde, was Bezug nahm auf den Film Matrix. Dort wird der Hauptheld Neo vor die Wahl gestellt: Entweder nimmt er die rote Pille, dann wird ihm die Wahrheit über die Welt offenbart, die er sonst nie erfahren würde, jedoch wird er dann nie wieder in sein altes Leben zurückkehren können. Oder er nimmt die blaue Pille, dann bleibt alles wie gehabt, aber er wird dann nie die Wahrheit über die Welt erfahren. Und weiter wurde in der Diskussion gefragt, ob das nicht gleichbedeutend mit der Frage sei, ob man leben oder sterben wolle.

Mir war zwar nicht ganz klar, welche Pille hier zu welcher Entscheidung gehören sollte, aber die Diskussion nahm danach trotzdem Fahrt auf. Man kann es nämlich so oder so interpretieren, denn wenn es ein Leben nach dem Tode geben sollte, dann würde das der roten Pille entsprechen, anderenfalls wäre es vielleicht genau umgekehrt.

Recht schnell war man sich dann einig, dass man sich mit dem Ableben vielleicht nicht so beeilen solle, denn das Leben nach dem Tod ist ja mehr als unsicher. Offenbar fühlte sich der eine beim Gedanken an ein Nichtweiterleben nach dem Tode so unbehaglich, wenn „die Signale erlöschen, alle Zellen sterben und der Körper verrottet“, dass er einwarf, dass ihm so betrachtet der Kannibalismus sympathischer erscheine, da wisse man wenigstens, wer einen bekomme und lande nicht bei den Würmern.

Bei der Verknüpfung zwischen Tod und Kannibalismus fielen mir zwei alte Themen wieder ein, die die Scholastiker im frühen Mittelalter schwer beschäftigt haben und über die man damals sogar promovieren konnte:
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Der Geist ist ausbaufähig

27. November 2012 1 Kommentar

In Bild der Wissenschaft 10/2012 findet man ein Interview mit Holger Lyre. In diesem Text geht es um die Diskussion der Frage „Steckt Genialität nicht nur im Gehirn eines Menschen, sondern auch in seinen Hilfsmitteln wie Stift, Papier und Computer?“ Genau zu dieser Frage hatte ich unlängst schon einen Artikel gefunden: Externalismus. In dem neuen Artikel wird dieser Begriff des Externalismus durch den neuen Begriff der erweiterten Kognition ergänzt (siehe auch den Wikipediaartikel zum erweiterten Geist). Lyre sagt im Interview dazu:

Die These besagt, dass wir zum Denken mehr benötigen als unser Gehirn und unser Nervensystem.

Wenn ich ein Loch in den Boden grabe, dann kann ich das mit den Händen tun, und jeder wird sagen: „Das Loch hat dieser Mann gegraben.“ Wenn ich eine Schaufel verwende, dann würde man nicht sagen, das System „Mensch plus Schaufel“ habe das Loch gegraben. Sondern man würde sagen: „Es war immer noch dieser Mann, der das Loch gegraben hat, und er hat eine Schaufel zu Hilfe genommen.“ Das ist in meinen Augen auch richtig, denn Schaufeln sind keine Werkzeuge, mit denen ich eng verwoben bin, sondern solche, die ich manchmal zu Hilfe nehme und dann wieder zurückstelle. Dasselbe gilt im Prinzip für die Frage, wann etwas nur ein Werkzeug der Kognition ist und wann es mehr wird. Zuallererst kommt es darauf an, wie stark man mit dieser externen Komponente, also mit diesem Werkzeug, verkoppelt ist. Wenn die Kopplung sehr innig, sehr stabil, quasi unentwirrbar ist, dann kann man irgendwann sagen: „Die Kopplung ist jetzt so stark, dass diese Sache wirklich wesentlich dazugehört und ein Teil des Systems ist.“

Man kann sich heute noch darüber streiten, ob die Kopplungen an Google, Facebook oder das iPhone bereits so sind, dass man sie als „innig, sehr stabil und quasi unentwirrbar“ betrachtet, aber in der Zukunft werden sie es zweifellos sein. Als Analogien zur Kognition können heutige Beispiele aus Sport und Musik dienen:
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Giovanni Maio: Leben entwickelt sich immer autonom

26. November 2012 2 Kommentare

In der Ausgabe 4/2012 von „Zeit Wissen: Die Macht der Worte“ findet man ein Interview mit Giovanni Maio, einem Bioethiker. In diesem Text wird über die Grenze zwischen Lebendigem und Maschinellem und die Verantwortung der Biologen diskutiert. Maio kritisiert die synthetische Biologie, die künstliche Lebensformen schaffen will, um bestimmte Ziele zu erreichen:

Wenn die Biologen sagen, wir wollen Leben herstellen und haben das vollkommen im Griff, ist das ein Widerspruch in sich. Denn Leben ist immer autonom. Die Biologen müssten also zugeben, dass sie nicht mit Bestimmtheit sagen können, wie sich eine Lebensform weiterentwickelt und mit der Umwelt interagiert. Man kann diesen Organismus zwar einhegen, aber er wird immer irgendwo Kontakt zur Umwelt haben. Und was sich daraus entwickelt, können wir nicht vorhersagen. Die Vorstellung, dass man nun Leben wie ein Produkt herstellen will, muss verstören.

Das ist richtig. Aber Widerspruch weckt er bei mir mit der folgenden Aussage:
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Haiku XXXVII

22. November 2012 Keine Kommentare

Drüben am Waldrand
gleitet ein bunter Drachen
getragen vom Wind.

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Werden die Naturgesetze von uns gefunden oder erfunden?

18. November 2012 2 Kommentare

Mitte der Woche habe ich den interessanten Blogbeitrag Von Evolution zum Konstruktivismus gelesen. In seinem Text stellt Joachim Schulz eine Analogie zwischen dem Ablauf der Evolution und dem methodischen Vorgehen in der Wissenschaft auf. Die Idee dazu hat er aus einem Buch von Ernst von Glasersfeld entnommen:

Ernst von Glasersfeld, einer der Begründer des radikalen Konstruktivismus, hat in einem Vortrag Mitte der 80er Jahre den Vergleich mit der Evolution benutzt um seinen erkenntnistheoretischen Standpunkt zu erläutern.

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Wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen und die Zusammenhänge zu verstehen versuchen, haben wir oft einen naiven Realismus im Kopf. Wir nehmen an, dass uns unsere Sinne ein direktes Abbild der Realität geben und dass wir die Welt umso genauer erkennen, je exakter wir unsere Messmethoden ausfeilen. Tatsächlich haben wir aber gar keinen von der Wahrnehmung unabhängigen Zugriff auf irgendeine Realität. Wir müssen zugeben, dass die Annahme, es gäbe da draußen eine Realität Metaphysik ist. Physikalisch experimentell beweisen können wir die Realität nicht.

Was wir haben sind Wahrnehmungen, die wir durch Instrumente verfeinern und erweitern können, und Theorien. Die Theorien der Physik machen immer Aussagen über die Wahrnehmungen. Oft machen sie aber darüber hinausgehende Aussagen. Zum Beispiel behauptet die Quantenmechanik in ihrer Standardinterpretation, dass es echten Zufall gibt. Die Viele-Welten-Interpretation behauptet dagegen, dass das Universum sich ständig in unzählige Unterbereiche aufspaltet. Nicht zuletzt behauptet die Quantenmechanik in jeder beliebigen Interpretation, dass es Wellenfunktionen gibt, obwohl diese nicht direkt wahrnehmbar sind.

Radikale Konstruktivisten betrachten Theorien nicht als Abbildungen der Realität, sondern als Konstruktionen, die versuchen Wahrnehmungen miteinander sinnvoll zu verknüpfen. Diese Konstruktionen können sich bei weiteren Experimenten bewähren oder sie können scheitern. Zu keiner Zeit sind sie aber etwas anderes als menschengemachte Konstruktionen. Wir finden Naturgesetze nicht, wir konstruieren sie.

Ich habe lange darüber nachgedacht, wo der entscheidende Unterschied des Konstruktivismus zu Poppers kritischen Rationalismus ist. Mit meinem Mitblogger Dierk Haasis von den Chronologs bin ich einig geworden, dass es in der wissenschaftlichen Praxis keinen Unterschied gibt.

Ich habe mich dann schnell, ohne die anderen Kommentare durchgelesen zu haben, zu einer Antwort hinreißen lassen:

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Poppers Begriff des „kritischen Rationalismus“ (*)ist unglücklich gewählt, weil der Begriff des Rationalismus ja bereits als Gegensatz zum Empirismus verwendet wurde. Besser wäre es, hier den Begriff „kritischer Realismus“ zu verwenden.

Eine ähnlichen Bezug zwischen Evolutionstheorie und Erkenntnistheorie stellt auch die Evolutionäre Erkenntnistheorie her. Hier passt die Begriffsbildung recht gut zum Inhalt. Ein noch lebender Vertreter ist Gerhard Vollmers, und auch Karl Popper taucht in der Vorgeschichte dieses Ansatzes auf. In Bezug auf das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Erkenntnis verwenden die EEler den Begriff „hypothetischer Realismus“, der mir sehr treffend erscheint und weitgehend dassselbe bedeutet wie „kritischer Realismus“.

(*) Im Text wird auf den kritischen Realismus verwiesen, der einen Bestandteil des kritischen Rationalismus von Popper darstellt.

Inzwischen habe ich zu den verwendeten Begriffen nochmals nachgelesen und gemerkt, dass ich da wohl einigen Unsinn geschrieben habe. Deshalb hier (vor allem für mich selbst) einige Begriffsklärungen.
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Haiku XXXVI

14. November 2012 Keine Kommentare

Raureif am Morgen,
zu Mittag brennt die Sonne,
abends wieder kalt.

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Stephen Hawking: Einsteins Traum

12. November 2012 6 Kommentare

Wer sich ein bisschen mit zeitgenössischer Physik beschäftigt hat und einige der heute berühmten Physiker kennt, kann sicher auch das folgende Bild deuten:

Es zeigt Stephen Hawking in seinem Rollstuhl, beide geformt aus Lego-Steinen.

In Stephen Hawkings Buch „Einsteins Traum“ sind eine Reihe von Artikeln vereinigt, die er zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Stellen veröffentlicht hat. Zu seinen physikalischen Theorien, die auch im Buch diskutiert werden, will ich hier nichts schreiben. Seine Beiträge zur Theorie schwarzer Löcher sind inzwischen gut bekannt und an vielen anderen Stellen bereits ausführlich diskutiert und kommentiert worden. Im Weiteren soll es nur um einige seiner philosophischen Überlegungen gehen, vor allem zur Physik selbst, zu Schlussfolgerungen, die er daraus z.B. zum „freien Willen“ gezogen hat, und über seine Einstellung zu Gott.
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Die Geschichte der O

9. November 2012 Keine Kommentare


Diese Geschichte der O fortsetzen...

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Maurice Maeterlinck: Das Leben der Ameisen

6. November 2012 Keine Kommentare

Als ich vor Kurzem das Buch von Maurice Maeterlinck Das Leben der Termiten gelesen habe, war ich mir noch nicht sicher, ob ich auch etwas über sein anderes Werk „Das Leben der Ameisen“ schreiben will, das sich zusammen mit dem über die Termiten in einem Band befindet. Das „Ameisenbuch“ ist 1930, vier Jahre nach dem „Termitenbuch“, erschienen.


Eine Ameise, die eine Blattlaus melkt (Bild aus der Wikipedia)

Was in diesem jüngeren Werk noch deutlicher zu Tage tritt, ist Maeterlincks Hang zur Anthromorphisierung der Tiere und ihres Lebens. Heute wird man dergleichen in einem aktuellen (populär)wissenschaftlichen Buch nicht mehr finden. Aus wissenschaftlicher Sicht sind Maeterlincks Ideen überholt, aber literarisch sind sie recht reizvoll. Er beginnt unverfänglich:

Nach der Auffassung einiger Ameisenforscher allerdings, vor allem Wheelers, kann man eine sehr einleuchtende Entwicklung von Art zu Art verfolgen. Danach wären die Ameisen, durch verschiedene Umstände dazu gedrängt, von Erdbewohnern, die sie ursprünglich waren, zu Baumbewohnern geworden, hätten sich der insekten-, also fleischfressenden Lebensweise, wobei sie auf Raub ausgehen mußten, entwöhnt und wären zur Milch der Blattläuse übergegangen, das heißt zum Hirtenleben und später zur Pilzzüchtung, mit anderen Worten: zum Ackerbau und zur Pflanzenkost. Diese übrigens nicht unbestrittene Entwicklung, deren sämtliche Stufen heute nebeneinander bestehen, gemahnt merkwürdig an die Entwicklung des Menschen; denn auch er ist nacheinander Jäger, Hirte und Ackerbauer gewesen. … Sicherlich herrscht da eine merkwürdige Übereinstimmung.

Im Weiteren beschreibt Maeterlinck nicht bloß eigene Beobachtungen, sondern zitiert auch bekannte Forscher seiner Zeit:
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