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Archiv für Mai, 2012

Gott und Gehirn? Hirnforschung als Herausforderung für die Theologie

28. Mai 2012 10 Kommentare

Diese Überschrift habe ich einem Blogartikel entnommen, mit der Christian Hoppe in der vergangenen Woche eine Diskussion losgetreten hat, die sich quer durch mehrere Blogs in SciLogs zieht. Kurioserweise ist Christian Hoppe Theologe, der nach der Analyse der Erkenntnisse der Neurowissenschaften bereit ist, die Idee einer immateriellen (=unsterblichen) Seele zur Disposition zu stellen, während die Gegenposition, dass man diese Schlussfolgerung keinesfalls aus den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ziehen kann, von einem agnostischen Philosophen, Stephan Schleim, eingenommen wird. In diese Diskussion hat sich später Thomas Grüter, der u.a. mit Büchern über Intellgenzforschung und denkende Maschinen bekannt geworden ist, mit einem eigenen Artikel eingemischt.

Der erste Artikel von Christian Hoppe Gott und Gehirn? Hirnforschung als Herausforderung für die Theologie ist im Wesentlichen der Text eines Vortrags, den er anlässlich des letzten Katholikentages auf einem dortigen Workshop gehalten hat. Darin heißt es:

Aber ich möchte Ihnen vor Augen führen, dass wir heute – im Unterschied zu früheren Generationen – keinerlei Hinweise mehr darauf finden, dass geistig-seelische Vermögen oder Phänomene unabhängig von Hirnfunktionen auftreten könnten.

Die Leitidee der modernen Hirnforschung ist, dass sämtliche psychischen Vermögen und Phänomene, soweit wir diese kennen und überhaupt als solche identifizieren können, von Hirnfunktionen (bzw. den Funktionen eines Nervensystems) und letztlich vom intakten Organismus abhängen. Was Ihr Auge für das Sehen ist, ist Ihr Gehirn für die Gesamtheit Ihrer psychischen Vermögen, das heißt für Wahrnehmung, Gefühle, Erinnerungen, Denken usw.

Anders formuliert lautet die These: Es gibt keine psychischen Phänomene ohne Hirnfunktion.

Und schon gar nicht gibt es dann rein geistige, immaterielle, übernatürliche Wesenheiten, die irgendetwas sehen, hören, fühlen, beabsichtigen oder physisch bewirken könnten.

Zum Tod schreibt er:
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Die Physik – ein baufälliger Turm von Babel

27. Mai 2012 14 Kommentare

Die Physik als die grundlegende Naturwissenschaft? – Ich habe hinter diese These nicht ohne Grund ein Fragezeichen gesetzt, denn ich bezweifle schon seit langem, dass man sie mit gutem Grund vertreten kann. Jetzt habe ich in zwei Ausgaben von „Spektrum der Wissenschaft“ zwei Artikel von Physikern gefunden, die ähnliche Kritik an ihrem Fachgebiet äußern. In SdW 2/2012 findet man den Artikel, der meinem Text die Überschrift gegeben hat. Geschrieben wurde er von Tony Rothman, der theoretischer Physiker in Princeton ist. Im Teaser seines Artikels schreibt er:

Physiker versprechen immer wieder, ein Theoriegebäude zu errichten, das die gesamte Welt erklärt. Dabei müsste jeder wissen, der die Disziplin zu seinem Beruf gemacht hat, dass sogar in längst errichteten Stockwerken teils gewaltige Risse klaffen.

Im Weiteren ist der gesamte Artikel dann Beispielen gewidmet, die zeigen, dass die (heutige?) Physik keinesfalls in der Lage ist, ein in sich konsistentes Bild der materiellen Welt zu zeichen. Das bekannteste Beispiel ist das der Entropie (hier muss ich seine Zunft allerdings in Schutz nehmen, denn das Problem mit der Entropie ist nun wirklich jedem bekannt, der sich wenigstens etwas für Physik interessiert!):
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KategorienPhilosophie, Physik Tags:

Urheberrrecht

12. Mai 2012 8 Kommentare

Ich bin wahrscheinlich nicht der Einzige, dem die jetzige Diskussion um das Urheberrecht etwas befremdlich vorkommt. Auf der einen Seite kann man so etwas lesen:

Wir müssen die Künstler schützen!

Ich kann Schriftsteller und Musiker gut verstehen, die momentan so vehement den Schutz ihres geistigen Eigentums auch im Internet einfordern. Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, hat kürzlich formuliert: „Ohne Urheberschutz geht im Kino das Licht aus.“ Diesem Satz können wir nur zustimmen.

Quelle

Auf der anderen Seite findet man solche Argumente:

Aufgeblasener Protest

1500 Autoren protestieren. Aber diese 1500 Autoren protestieren nicht gegen die Verletzung der Menschenrechte in China. Diese 1500 Autoren protestieren nicht gegen die Demokratievernichtungsmaschine EU. Und diese 1500 Autoren protestieren auch nicht gegen eine Wirtschafts- und Wachstumspolitik, die die Welt in den Untergang treibt, wie es gerade der Club of Rome beschrieben hat.

Nein, wenn 1500 Autoren protestieren, dann denken sie an ihr eigenes Frühstück. Dagegen ist im Grunde nichts zu sagen. Die Frage ist nur, was das alles soll.

Denn an wen richtet sich dieser Aufruf, der mit einem Täterätä beginnt: „Wir sind die Urheber! Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“? Richtet er sich also an die Diebe, das wäre ja naheliegend. Aber die Diebe, die Diebe sind ja so schwer zu fassen, die Diebe sind du und ich, die Diebe will man auch nicht verschrecken, sie könnten ja am Ende doch mal ein Buch kaufen und nicht nur runterladen. Also richtet man sich lieber an die weite Welt, das große Nichts, ein ungefähres Gefühl.

Hier werden dann Die fünf größten Irrtümer im Urheberrechtsstreit aufgelistet:

  • Irrtum Nummer eins: Die Abschaffung des Urheberrechts steht bevor
  • Irrtum Nummer zwei: Die Piraten wissen, was sie tun
  • Irrtum Nummer drei: Das Geschäftsmodell von Charlotte Roche, Mario Adorf und Sven Regener ist durch Filesharing existentiell bedroht
  • Irrtum Nummer vier: In dem Konflikt stehen sich geizige Filesharer und missachtete Urheber gegenüber.
  • Irrtum Nummer fünf: Es ist derzeit unmöglich, gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vorzugehen.

Ich sehe eigentlich einen noch größeren Irrtum in der Diskussion.
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KategorienAlltag, Gesellschaft, Kunst, Politik Tags:

Die Gottesspötter

6. Mai 2012 6 Kommentare

Anfang der Woche habe ich mir das zweite Heft von „Hohe Luft“ gekauft, und diese neue Ausgabe gefällt mir genauso gut wie die erste – das neue Philosophieheft wird wohl mein nächstes Abo werden und den Stapel zu lesender Zeitschriften und Bücher noch weiter vergrößern. 🙁 Mehrere Artikel fand ich interessant, von dem einen hier nur der Teaser:

Es war ein erstaunlicher Fall, von dem der angesehene britische Psychiater Darian Leader vor ein paar Monaten in einem Vortrag in London erzählte: Eine Frau ging an ihrem 50. Geburtstag in eine Bank und verlangte 20000 Franken. Die Angestellten weigerten sich, ihr das Geld auszuzahlen. Verständlich, denn die Frau hatte weder ein Konto bei der Bank noch sonstige Geschäftsbeziehungen zu ihr. Doch sie bestand auf ihrer Forderung. So heftig, dass die Frau schließlich in die Psychiatrie eingeliefert wurde. Dort kam die Vorgeschichte ans Licht. An ihrem 20. Geburtstag hatte sie die Eingebung, dass ihr 20000 Franken zustünden, wenn sie 30 Jahre lang Jungfrau blieb. Sie hielt durch und wollte sich nun das Geld abholen.

In dem betreffenden Artikel werden eingangs dieses Beispiels solche Fragen diskutiert, wie viele Menschen mit unentdeckten Wahnvorstellungen unter uns leben, wie psychische Gesundheit überhaupt definiert werden kann und welchen (positiven) Beitrag zur Gesellschaft Menschen liefern, die mehr oder weniger von der Norm abweichen.

Ich weiß nicht genau, ob die Macher der Zeitschrift diesen Zusammenhang bemerkt oder gar beabsichtigt haben, aber etwa 40 Seiten später beschäftigt sich der Artikel „Die Gottesspötter“ mit dem neuen (militanten) Atheismus, wie er z.B. von Richard Dawkins vertreten wird:
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KategorienPhilosophie, Religion Tags: