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Archiv für Dezember, 2011

Haiku XXVI

31. Dezember 2011 Keine Kommentare

Ich bin hier gewesen,
das kann jeder lesen.
Wer es hat gelesen,
ist auch hier gewesen.

Das Gedicht ist natürlich kein Haiku, aber es gibt keine Rubrik „Poesie“ (oder „Kitsch“?). Es ähnelt am meisten wohl einem Spruch für ein Poesiealbum. (Gibt es die eigentlich noch?) Es gefällt mir dennoch aufgrund seiner logischen Struktur sehr (naja, etwas).

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D. J. Edmonds, J. A. Eidinow: Wie Ludwig Wittgenstein Karl Popper mit dem Feuerhaken drohte

31. Dezember 2011 6 Kommentare

In Karl Poppers Autobiografie Ausgangspunkte schildert er sein erstes und einziges Zusammentreffen mit Ludwig Wittgenstein so:

Ich sagte weiter, daß, falls es keine echten philosophischen Probleme gibt, ich sicher kein Philosoph sein möchte und daß meiner Meinung nach die einzige Rechtfertigung dafür, ein Philosoph zu sein, darin besteht, daß viele oder vielleicht sogar alle Menschen unhaltbare Lösungen für viele oder vielleicht sogar alle philosophischen Probleme gedankenlos akzeptieren.

Wittgenstein sprang wieder auf, unterbrach mich und sprach lange über Puzzles und über die Nichtexistenz philosophischer Probleme. In einem Augenblick, der mir geeignet erschien, unterbrach ich ihn und las eine von mir vorbereitete Liste philosophischer Probleme vor, wie etwa: Erkennen wir die Dinge durch unsere Sinne? Erlangen wir unsere Erkenntnis durch Induktion?

Wittgenstein tat diese Probleme ab mit der Bemerkung, es seien mehr logische als philosophische Probleme. Daraufhin verwies ich auf das Problem, ob es nur potentielle oder vielleicht auch aktuale Unendlichkeiten gibt, ein Problem, das er als ein mathematisches Problem abtat. Daraufhin nannte ich moralische Probleme und das Problem der Gültigkeit moralischer Regeln.

An diesem Punkt sagte Wittgenstein, der beim Feuer saß und nervös mit dem Schürhaken gespielt hatte, den er gelegentlich wie einen Dirigentenstab benutzte, um seine Behauptungen zu unterstreichen: »Geben Sie ein Beispiel für eine moralische Regel!« Ich erwiderte: »Man soll einen Gastredner nicht mit einem Schürhaken bedrohen.« Darauf warf Wittgenstein ärgerlich den Schürhaken hin, stürmte aus dem Raum und schlug die Türe hinter sich zu.

Dieses Zusammentreffen ist insofern legendär geworden, als bei diesem Treffen der beiden Philosophen in einem Zimmer in Cambridge eine Vielzahl anderer Philosophieprofessoren und -studenten, die später zu einem großen Teil selbst Professoren geworden sind, anwesend war und viele dieser Zuhörer später eigene und von Poppers Darstellung abweichende Berichte geliefert haben. Einige haben Popper wegen seiner Darstellung gar der Lüge bezichtigt. Die beiden Autoren Edmonds und Eidinow haben über ihre Nachforschungen ein Buch geschrieben, in dem sie die Lebensläufe von Wittgenstein und Popper und einigen weiteren Anwesenden verfolgen.
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Gedankensplitter VI

30. Dezember 2011 Keine Kommentare

Ich sehe mir gerade die ersten Folgen einer DVD-Serie „PHILOSOPHIE. Einführung in die Praktische Philosophie“ mit Julian Nida-Rümelin an. Um den Unterschied zwischen Ursachen (von Verhalten) und Gründen (von Handlungen) zu zeigen, konstruiert er folgendes Beispiel:

Ein Neffe beabsichtigt, seine Tante umzubringen, um sich das Erbe vorzeitig zu sichern. Aufgeregt macht er sich mit dem Auto auf den Weg zu ihr. In seiner Aufregung überfährt er die Tante.

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Burnout und Depression

28. Dezember 2011 4 Kommentare

Als vor etwa zwei Jahren das erste Mal das Thema „Burnout“ ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist, vor allem weil sich eine Prominente, Miriam Meckel, zu Wort gemeldet hatte und einige Zeit später der Suizid von Robert Enke bekannt wurde, der an einer Depression litt, war einer der Hauptdiskussionspunkte, ob nicht „Burnout“ eine Gefälligkeitsdiagnose und ein euphemisierender Anglizismus für die schon länger anerkannte Erkrankung „Depression“ ist. Im englischsprachigen Raum existiert der Begriff „Burnout“ schon länger. In Geo Wissen Nr. 48 „Was die Seele stark macht“ gibt es auf den Seiten 56/57 dazu einen Abschnitt. Geprägt hat den Begriff Mitte der siebziger Jahre der US-amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger.

Würde man versuchen, „Burnout“ ins Deutsche zu übersetzen, erhielte man als Substantiv wahrscheinlich „Ausgebranntsein“. Mit der für unsere Sprache typischen Möglichkeit der Bildung zusammengesetzter Wörter werden hier verbunden: „Ausbrennen“ und „Sein“. Da „Sein“ im Deutschen sowohl als Substantiv als auch als Verb verwendet werden kann, hat man jetzt (mindestens) drei verschiedene Möglichkeiten der Satzbildung, in denen man, wenn man über ein gutes Sprachgefühl verfügt, eine leicht unterschiedliche Bedeutung erkennt:

  • Ich habe einen Burnout.
  • Ich leide am Ausgebranntsein.
  • Ich bin ausgebrannt.

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Thomas Grüter: Klüger als wir? Auf dem Weg zur Hyperintelligenz

27. Dezember 2011 1 Kommentar

In seinem Buch behandelt Grüter alle Aspekte des Themas „menschliche und künstliche Intelligenz“. Folgerichtig beginnt das Buch mit mehreren Abschnitten, in denen zunächst geklärt werden soll, was menschliche Intelligenz überhaupt ist, wie man sie misst, wo man sie im Körper findet und was sie uns nützt. Es stellt sich heraus, dass es zu keiner dieser Fragen endgültige und abschließende Antworten gibt. Nicht einmal der folgenden Definition von Intelligenz stimmen alle an diesem Thema arbeitenden Wissenschaftler zu:

Am 13. Dezember 1994 veröffentlichten 52 Intelligenzforscher im Wall Street Journal unter dem Titel „Mainstream Science on Intelligence“ eine Stellungnahme zur Intelligenzforschung, die folgende Definition enthält:

„[Intelligenz ist] eine sehr allgemeine geistige Kapazität, die unter anderem die Fähigkeit zum logischen Denken, Planen, Problemlösen, abstrakten Denken, Verstehen von komplexen Ideen, schnellen Lernen und Lernen aus Erfahrung einschließt. Es ist kein reines Bücherwissen, keine akademische Sonderbegabung oder testorientiertes Spezialtraining. Es ist vielmehr eine breite und tiefe Fähigkeit zum Verständnis unserer Umgebung – ‚begreifen‘, ‚einen Sinnzusammenhang verstehen‘ oder ‚herausfinden, was zu tun ist‘.“

Und zur Intelligenzmessung:

„Die so definierte Intelligenz kann gemessen werden, und Intelligenztests messen sie gut. Sie zählen zu den genauesten psychologischen Tests (technisch gesprochen haben sie eine hohe Reliabilität und Validität). Sie messen nicht die Kreativität, den Charakter, die Persönlichkeit oder andere wichtige Unterschiede zwischen einzelnen Menschen und sind dafür auch nicht vorgesehen. Obwohl es unterschiedliche Arten von Intelligenztests gibt, messen doch alle dieselbe Intelligenz.“

Über diese Themen habe ich mir auch seit langem meine eigenen Gedanken gemacht und bin häufig über den Widerspruch gestolpert, dass mein Eindruck eines intelligenten Menschen nicht mit den offiziellen Ergebnissen von IQ-Tests übereinstimmt. (Ich kenne ziemlich viele Menschen, die derartige Tests mit guten Ergebnissen absolviert haben. Einige würde ich nicht als besonders intelligent bezeichnen.) Grüters Buch inspiriert mich dazu, im Folgenden meine eigene „Theorie“ zum Begriff der Intelligenz zu skizzieren.
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Haiku XXV

25. Dezember 2011 Keine Kommentare

Kürzeste Tage,
stille Nacht, heilige Nacht,
Weihnachtsdepression?

Längere Tage,
höher stehende Sonne,
mehr Optimismus!

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Gedankensplitter V

24. Dezember 2011 Keine Kommentare

Ehe mir die Erinnerung an diesen schönen Gedanken endgültig verloren geht (vor zwei oder drei Tagen tauchte er im Gespräch urplötzlich wieder auf):

Es gibt keine uninteressanten Zahlen.

Der Beweis dieses „mathematischen“ Satzes ist recht leicht:

  1. (Nur) Die ersten M (natürlichen) Zahlen seien interessant.
  2. Dann ist die Zahl M+1 die erste uninteressante Zahl.
  3. Und genau das macht sie interessant.

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Christian Wulff und der Respekt vor dem Amt

23. Dezember 2011 2 Kommentare

Rainald Grebe gehört zu meinen Lieblingsbarden, hier parodiert er sehr schön unseren Bundespräsidenten:

Hat eigentlich niemand gemerkt, dass es hier um Horst Köhler und nicht um Christian Wulff geht? Obwohl, eigentlich fällt mir auf die Schnelle nur ein Unterschied zwischen beiden ein: Der eine ist unerwartet zurückgetreten, der andere feiert erstmal Weihnachten. Wo bleibt eigentlich der Respekt vor dem Amt? Über den Begriff Respekt liest man in der Wikipedia:
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Die Legende von Paul und Paula

19. Dezember 2011 Keine Kommentare

„Die Legende von Paul und Paula“ war meiner Meinung nach einer der schönsten DDR-Filme. Eine der Filmmusiken war das folgende Lied der Pudhys:

Es trifft sehr gut meine derzeitige Stimmung.

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Haiku XXIV

19. Dezember 2011 Keine Kommentare

Der Weg war sehr glatt,
beide Beine gebrochen,
Krankenkasse zahlt.

Nein, keine Sorge, meine Beine sind nicht gebrochen. Das ist eine Art Poetry S(ch)lam(m), entstanden in nur einer Minute, entspannt in einer Therme liegend. 😉

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