Archiv

Archiv für Dezember, 2010

Geld – Mythos und Macht

29. Dezember 2010 1 Kommentar

„Geld – Mythos und Macht“, so lautet die Überschrift eines zweiteiligen Artikel in der Telepolis (Originalartikel: Teil 1, Teil 2). Geschrieben hat ihn Jens Berger, der Betreiber des Spiegelfechter. Was den Artikel für mich unter anderem so interessant gemacht hat, sind seine Erklärungen, warum eine Rückkehr zum Goldstandard (bei einem befürchteten Auseinanderbrechen des Euro) unmöglich ist:

Der Goldstandard war lange Zeit ein Erfolgsmodell. Bei ihm ist der Wert einer Währungseinheit direkt oder indirekt an den Handelspreis für Gold gekoppelt. Die Zentralbanken sind verpflichtet, die Gegenmenge des ausgegebenen Geldes in Gold vorzuhalten. Da Gold nicht beliebig vermehrbar ist, können goldgedeckte Währungen auch nicht beliebig vermehrt werden. Geld gleich Gold – diese Formel wurde lange Zeit als Zauberformel gegen eine unkontrollierbare Inflation angesehen.

Bei einem strengen Goldstandard würde paradoxerweise auch nicht die wirtschaftliche Entwicklung, sondern die Fördermenge des Edelmetalls Gold die Geldmenge bestimmen. So hat beispielsweise der legendäre Goldraub der Conquistadores in der „neuen Welt“ dazu geführt, dass die „alte Welt“ in einem Wirtschaftschaos versank – die Kolonialmacht Spanien musste in einem Jahrhundert ganze dreizehn Staatsbankrotte erklären. Warum eine moderne Volkswirtschaft ein so wichtiges Instrument wie das Geld von bergbaulichen Detailfragen abhängig machen sollte, ist ohnehin nicht ersichtlich. Da könnte man die Geldmenge auch an die Schneemenge, die jeden Winter auf unser Land niederfällt, koppeln – der Zusammenhang erschließt sich nämlich genauso wenig.
Mehr…

KategorienGesellschaft, Ökonomie Tags:

Todesrisiko durch Talkshows, Tosenbier und Tütensuppen

18. Dezember 2010 Keine Kommentare

Heute morgen erhielt ich eine Mail, in der auf einen richtungsweisenden Artikel des von mir verehrten Herrn Martenstein hingewiesen wurde: Das Todesrisiko durch Kugelschreiber wächst mit dem Wohlstand.

Unter anderem schreibt Marteinstein:

Die vergangenen Wochen standen weitgehend im Zeichen des Terrors. Wann immer ich den Fernseher einschaltete, sah ich den Innenminister, der mit ernstem Gesicht über Terroranschläge sprach. Er sagte, man soll vor allem die Ruhe bewahren. Ruhe: ganz wichtig. Aber wenn man vor allem die Ruhe bewahren soll, wieso sitzen dann ununterbrochen besorgte Menschen im Fernsehstudio? Zum Glück ist bis zum Redaktionsschluss dieser Kolumne nichts passiert.

Inzwischen haben sich Wissenschaftler zu Wort gemeldet, die das Terrorismusrisiko berechnet haben. Das statistische Risiko, in einem Land der westlichen Welt an einer Terroristenbombe zu sterben, ist geringer als das Risiko, beim oder besser nach dem Verschlucken eines Kugelschreiberteilchens zu ersticken. Jedes Jahr ersticken nachweislich 300 Menschen an einem Kugelschreiberteilchen. Dies sind viermal so viele, wie vom Blitz erschlagen werden. Man muss auch berücksichtigen, dass es in vielen Teilen der Welt, ich spreche von den armen Teilen, zum Beispiel der Sahelzone, nur sehr wenige Kugelschreiber gibt. Das Todesrisiko durch Kugelschreiber wächst also mit dem Wohlstand, Länder wie Deutschland stehen im Fokus. In reichen Ländern sind die Kugelschreiber auch größer und dicker und bestehen aus mehr Teilchen als in der Sahelzone. Außerdem gibt es eine beachtliche Dunkelziffer.

Die Menschen möchten das nicht sehen. Das ist nämlich das besonders Teuflische und Heimtückische am Kugelschreiber, er ist nicht nur ein Menschen-, sondern auch ein Quotenkiller. Gleichwohl gilt auch hier: Wir müssen vor allem die Ruhe bewahren.

Mehr…

KategorienAlltag, Sprache Tags:

Quadratur des Kreises

12. Dezember 2010 Keine Kommentare

Unlängst habe ich von einer interessanten Aufgabe gelesen. Es wird der Umkreis eines Quadrats gezeichnet, und in diesen Umkreis soll ein zweites Quadrat gelegt werden, sodass zwei Eckpunkte auf dem Quadrat, die anderen beiden auf dem Umkreis zu liegen kommen. Gesucht ist die Größe dieses kleineren Quadrates im Verhältnis zum großen:

„2D“ oberhalb der Zeichnung deutet schon darauf hin, dass eine Erweiterung der Aufgabe zunächst für den dreidimensionalen Fall, Einbettung eines Würfels in eine Kugel, und sogar für den N-dimensionalen Fall, Hyperwürfel in Hyperkugel, möglich ist. Zunächst wird die Definition eines Koordinatensystems benötigt. Ich habe die Aufgabe zwar selbst heraus bekommen, aber mein Lösungsweg war nicht annähernd so elegant wie der eines anderen.

Dieser arbeitete mit einem Zweiheitsquadrat. Das Zweiheitsquadrat unterscheidet sich vom Einheitsquadrat mit einer Seitenlänge von eins durch seine Seitenlänge von zwei. dadurch kommen die Kanten bei einer mittigen Lage bezüglich des Koordinatensystems genau bei +-1 zu liegen:
Mehr…

KategorienLogik Tags:

Sarrazin-Strategie

11. Dezember 2010 Keine Kommentare

Weil wir doch hier fast in einem Forum sind: In dem Telepolis-Artikel Ihr seid ja alle doof wird über soziologische Untersuchungen des Verhaltens von Teilnehmern in Online-Foren berichtet. Konkret geht es dabei um zwei Studien. Zunächst kam dabei (nach meinen eigenen Erfahrungen) wenig Überraschendes heraus:

Allein aus den BBC-Foren zu News und Religion untersuchten die Wissenschaftler fast 100.000 Threads aus insgesamt fünf Jahren, die 250.000 Postings von rund 18.000 Nutzern enthielten. Der aktivste Nutzer hatte dabei über 18.000 Postings verfasst, während die Postingzahl im Mittel bei 137 lag. Das sagt aber wenig über das Nutzerverhalten: Die große Mehrheit der User postet nur einmal in einem einzigen Thread, während eine Minorität sich in so großer Intensität an den Diskussionen beteiligt, dass trotzdem der Mittelwert von 137 zustande kommt. Diese Minderheit zeigt sich besonders stark in extrem langen Threads – je länger eine Diskussion andauert, desto seltener melden sich Zufallsbesucher zu Wort.

Aber dann:
Mehr…

KategorienAlltag, Psychologie Tags:

Auf im Tank, Ab im Silo

5. Dezember 2010 Keine Kommentare

Gestern hörte ich eine interessante Geschichte von einem Bekannten. Ein sehr hoher Wassertank aus Kunststoff war an einigen Schweißnähten undicht und sollte von innen geschweißt werden. Wie macht man das? Stundenlang an Seilen zu hängen, ist sehr anstrengend und hinreichend gefährlich. Die schlechten Arbeitsbedingungen beeinflussen auch die Qualität der Schweißnähte. Einige Firmen hatten deshalb vor, im Inneren ein Gerüst zu errichten, um besser arbeiten zu können.

Mein Bekannter hatte die Idee, von einem Schlauchboot aus zu arbeiten, er konnte wegen dem vergleichsweise geringen Aufwand das beste Angebot aller Firmen abgeben und bekam den Zuschlag. Er wurde in den Tank abgeseilt, dann reichte man ihm das Schlauchboot und sein Werkzeug herunter. Er blies das Schlauchboot auf, legte das Werkzeug ins Boot und gab den Arbeitern oben das vereinbarte Signal, diese stellten das Wasser an. Dann hieß es nur noch warten, bis er im aufsteigenden Schlauchboot die undichten Stellen errreicht haben würde.

Diese Geschichte erinnerte mich an ein eigenes, über 30 Jahre zurückliegendes Erlebnis. Damals arbeitete ich aushilfsweise in einer Brauerei. Dort gab es mehrstöckige Silos für Getreide. Das Getreide wurde oben hineingeschüttet, der Ausfluß war unten. Bei der Konstruktion hatte man offenbar geschlampt, denn die Neigung des Bodens war zu gering. Jedes Material bildet einen Schüttkegel mit einem charakteristischen Winkel. In diesem Fall war dieser Winkel kleiner als die Neigung des Bodens, sodass beim Leeren des Silos immer Getreide in ihm verblieb. Ausweg: Es musste einer in das Silo klettern und mit dem Besen das Restgetreide in die Öffnung am Boden kehren.
Mehr…

KategorienAlltag Tags: