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Archiv für September, 2010

Hartz IV

28. September 2010 Keine Kommentare

Bei der ganzen Aufregung um die Neuberechnung von Hartz4 habe ich bis jetzt einige eigentlich recht einfache Zusammenhänge nirgendwo lesen können, deshalb hier meine 5 Cent (Euro?) zum Thema: Das Bundesverfassungsgericht hatte bemängelt, dass die Höhe von Hartz 4 nicht plausibel begründet wurde, insbesondere die Ableitung der Sätze für Kinder aus denen der Erwachsenen war absurd. Also hat man eine Untersuchung der Warenkörbe von Geringverdienern durchgeführt. Wenn man sich überlegt, dass Geringverdiener nichts sparen können, sondern ihr gesamtes Einkommen für ihren Lebensunterhalt ausgeben müssen, stand der mittlere Wert des so ermittelten Warenkorbes bereits vorab fest: Der Gesamtwert ist einfach das durchschnittliche Einkommen dieser Geringverdiener. Damit ist auch klar, warum bei dieser Berechnungsmethode der Hartz4-Satz immer höher als die niedrigsten Einkommen ausfallen muss: Ein Durchschnitt ist ja dadurch gekennzeichnet, dass der eine Teil der Werte kleiner, der andere Teil größer als der aus ihnen ermittelte Durchschnittswert ist.

Da die Politik dem Vernehmen nach bereits vor den in Auftrag gegebenen Untersuchungen die zu berechnende Höhe der Hartz4-Sätze festgelegt hatte (in der Telepolis findet sich dazu ein Link auf den Existenzminimumbericht der Bundesregierung, auf dieser Seite das unten verlinkte PDF), war es Aufgabe der sogenannten „Gutachter“ bzw. „Wissenschaftler“, diese gewünschte Höhe zu „berechnen“. Der Warenkorb der Geringverdiener, so wie er von den Statistikern ermittelt wurde, war ja höher ausgefallen, sodass zusätzlich ein paar Positionen als „nicht existenzsichernd“ gestrichen werden mussten. Inwiefern diese dreiste Trickserei vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand haben wird, wird man erst in einiger Zeit wissen.
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Kann es qualitatives Wachstum geben?

25. September 2010 Keine Kommentare

Ein Artikel in der Telepolis hat bei mir eine alte Frage wachgerufen: Kann es qualitatives Wachstum geben, das nicht von quantitativem Wachstum begleitet ist? In dem Telepolisartikel Heizen und Leuchten kann man nicht verwechseln wird der Heatball vorgestellt:

Der Heatball – eine nachhaltige Innovation

Der Heatball (deutsch: Heizkugel) ist tatsächlich die beste Erfindung seit der Glühbirne! Denn mit ihm lässt sich wunderbar trickreich das umstrittene Glühbirnen-Verbot innerhalb der EU umgehen. Verboten sind ja inzwischen nach den 100-Watt-Birnen seit diesem September auch die 75-Watt-Lampen, und bis 2012 sollen alle anderen Birnen dann endgültig aus dem Handel verschwunden sein. Dass diese Bestimmungen ökologisch sinnvoll sind, ist zwar auch unter Umweltschützern mehr als strittig, aber das ist den EU-Bürokraten egal.

Und die haben nun womöglich ein Problem: den schon erwähnten Heatball. Er sei, heißt es verschmitzt auf der Internetseite Heatball.de, technisch der klassischen Glühbirne sehr ähnlich, passe in jede herkömmliche E27- beziehungsweise E14-Fassung. Nur – und jetzt kommt’s! – sei er nicht zur Beleuchtung gedacht, sondern zum Heizen der Räume. Und dass ist nun einmal innerhalb der EU nicht verboten.

heatball

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Wochenrückschau

19. September 2010 Keine Kommentare

Eine der Standardforderungen in der Integrationsdebatte ist es, dass die hier lebenden Ausländer, die dauerhaft bleiben wollen, Deutsch lernen sollen. Zunächst erscheint das als eine sehr vernünftige Forderung, aber derjenige der sie aufstellt, sollte sich auch eine gute Entgegnung überlegen, wenn er mit dem Einwand konfrontiert wird, dass es woanders auch mehrsprachig geht: In Südtirol, das im Übrigen eine sehr interessante und mit der Geschichte Hitlerdeutschands und Mussoliniitaliens eng verwobene Geschichte hat, in der Schweiz mit den vier Amtssprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch, im Süden der USA mit Spanisch.

Südtirol ist interessant, weil dort jeder, der in der Verwaltung arbeiten will, Zweisprachigkeit nachweisen muss, Italienisch und Deutsch. Konflikte zwischen den Italienern und Deutschen gibt es natürlich genug, wen wundert das auch bei dieser Geschichte? Rätoromanisch als Amtssprache in der Schweiz ist auch interessant, denn der Anteil dieser Muttersprachler in der Schweiz beträgt 0.5%. Zum Vergleich: Die Anzahl der Türken in Deutschland liegt irgendwo zwischen 2,5 Millionen und 4 Millionen, also zwischen 2% und 5% der Bevölkerung. Die Forderung nach Deutsch als gemeinsamer Sprache ist deshalb auch implizit ein Eingeständnis, dass man es deutschen Verwaltungsbeamten und Polizisten nicht zutraut, eine oder mehrere Fremdsprachen zu beherrschen.

Aber zurück zum Deutschen. Wenn Deutsch, dann welches Deutsch? Auch hier wieder meine Unterstellung, dass jeder, der möchte, dass jemand deutsch spricht, sein Deutsch meint und nicht das einer anderen Region oder einer anderen Zeit. Dazu ein schönes Video:
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„Leistungsgesellschaft“

12. September 2010 Keine Kommentare

Ich hatte schon einmal begonnen, etwas zum Thema „Thilo Sarrazin“ zu schreiben, diesen Gedanken aber schnell wieder verworfen. Alles, was mir eingefallen war, hatten andere zu diesem Zeitpunkt schon viel besser formuliert. Inzwischen haben sich auch eine Menge Wissenschaftler zu Wort gemeldet, die er entweder zitiert hat oder deren Fachgebiete betroffen sind. Kaum eines seiner Argumente hält einer näheren Prüfung stand, egal ob es um die Intelligenzforschung, die Genetik, die Demographie oder die Ökonomie geht.

In der Woche, in der sein erster Spiegelartikel erschien, war ich im Urlaub. Danach zurückgekehrt, konnte man den Fernseher nicht einschalten, ohne dass in irgendeiner Talkshows über Sarrazin diskutiert wurde. Der Interessantheitsquotient dieser Sendungen tendierte für mich gegen Null. Ich berechne ihn dadurch, dass ich die Minuten messe, in denen ich zu Beginn der Sendung etwas Neues erfahre, und teile diese Zeit durch die Sendezeit. In politischen Talkshows mit unbekannten Politikern liegt dieser Quotient meist bei 11%, weil die Betreffenden in den ersten fünf Minuten vorgestellt werden und danach in den folgenden 40 Minuten Parteikonformes aufsagen. 100% mal fünf Minuten geteilt durch 45 Minuten ergibt 11%. In Talkshows mit bekannten Politikern ist der Interessantheitsquotient 0%, weil man nach Erkennen ihrer Gesichter getrost abschalten kann, man weiß ja, was sie sagen werden.
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