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Archiv für Juli, 2010

R. M. Sainsbury: Paradoxien

31. Juli 2010 Keine Kommentare

In einem Dorf ist der Barbier derjenige, der alle Männer rasiert, die sich nicht selbst rasieren.

Wenn der Barbier sich nicht selbst rasiert, dann ist er derjenige, der vom Barbier, also von sich selbst, rasiert wird. Das ist ein typisches Paradoxon, aber ein sehr einfach zu lösendes. Sainsbury teilt die Paradoxa in seinem Buch in zehn Schwierigkeitsgrade ein, das Barbierparadoxon bekäme dabei die Eins und wird folglich von ihm nicht für voll genommen. Meine Lösungen, als ich das erste Mal von diesem Paradoxon gelesen habe, waren: Der Barbier wohnt nicht im Dorf oder der Barbier ist eine Frau. Für Sainsbury ist die Lösung noch einfacher, und er teilt sich diese Lösung mit Bertrand Russell: Es gibt keinen solchen Barbier. Punkt.

Dieses Paradoxon macht auf einen interessanten Aspekt aufmerksam: Sprache ist Teil der Wirklichkeit, aber mit ihrer Hilfe können Aussagen formuliert werden, die entweder nicht logisch oder (physikalisch) nicht realisierbar sind. Da Logik und Physik aber ebenfalls Aspekte der Wirklichkeit abbilden, was sagt uns das jetzt über die Wirklichkeit?

Auf der anderen Seite der Schwierigkeitsskala, nach Sainsbury bei Zehn, steht ein sehr einfaches sprachliches Paradoxon:

Dieser Satz ist falsch.

Wenn der Satz wahr ist, dann ist er falsch, wenn er aber falsch ist, dann muss er wahr sein. Die Beschäftigung mit diesem Paradoxon kann einen ganz tief in die Sprachphilosophie hineinführen, man kann heute noch darüber promovieren, wenn einem neue Aspekte einfallen oder man gar glaubt, es lösen zu können. Es taucht in unzähligen Varianten auf, bereits in der Antike:
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