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Archiv für Juni, 2010

Hubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. Anleitung zum subversiven Denken

20. Juni 2010 Keine Kommentare

Vor kurzem sollte ich wieder einmal die Frage nach meiner religiösen Zugehörigkeit beantworten. Meistens schwanke ich bei der Antwort zwischen „Naturalist“ und „Bright“. Beide Begriffe treffen es nicht hundertprozentig. Der philosophische Begriff des Naturalismus hat sich im 20. Jahrhundert etwas von seiner ursprünglichen Bedeutung entfernt, und auch der Grundsatz der Brights

Brights sind Menschen, die ein naturalistisches Weltbild vertreten, das frei von übernatürlichen und mystischen Elementen ist.

wird für mich dadurch etwas konterkariert, dass man im Handeln vieler führender Vertreter Elemente einer Art Anti-Konfession erkennen kann. Man arbeitet sich an den Kirchen und deren Einfluss in Staat und Gesellschaft ab, manchmal nervt mich das, ist es überhaupt noch notwendig? Trotzdem ist diese Denkhaltung die vernünftigere, vergleicht man sie mit allen Alternativen. Bestärkt wurde ich darin durch die Analysen in dem hier vorgestellten Buch.

Nach etwas Ähnlichem wie Hubert Schleicherts Buch habe ich lange gesucht, etwas das einem „handbook of logical fallacies“ vergleichbar ist. (Googelt man danach, wird man nur mit englischsprachigen Links zugeschüttet.) Diesem durch das Stichwort „logical fallacies“ definierten Bereich der logischen Argumentationsfehler ist nur das erste Drittel des Buchs gewidmet, denn man kommt Ideologien mit Logik nicht bei. Der Grund ist einleuchtend:

Wie kann man mit jemandem in eine Argumentation eintreten, wie kann man gegen jemandes Thesen argumentieren, wenn man mit ihm in den fundamentalen Prinzipien nicht übereinstimmt? Wie können zwei verschiedene Ideologien oder Religionen einander die Richtigkeit der eigenen Dogmen und die Falschheit der anderen argumentativ nachweisen? Sie können es nicht. Argumentieren setzt eine Argumentationsbasis voraus, und gerade um diese Basis geht der Streit. Die Verhältnisse lassen sich am knappsten durch den alten Lehrsatz der Logik wiedergeben, daß man mit jemandem, der bereits unsere Prinzipien bestreitet, nicht diskutieren könne: Contra principia negantem non est disputandum.

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Segelmobil überholt den Wind

19. Juni 2010 Keine Kommentare

Ich benötige Physiknachhilfe! Anlass ist der folgende Spiegelartikel: Segelmobil überholt den Wind.



In Kurzform der Inhalt: Ein großes Problem bei windgetriebenen Fahrzeugen ist, dass sie sich bisher bei Rückenwind nicht schneller als mit der Windgeschwindigkeit bewegen können. Bei Seitenwind ist das mit Segelbooten möglich, Link. Dieses Problem wollen die Entwickler jetzt gelöst haben.

Mich verwirrt in dem Spiegel-Artikel die Erklärung des Effekts:

Das Mobil könne schneller fahren als der Rückenwind, weil sein Propeller nicht vom Wind, sondern über die Räder angetrieben werde, erklärt Calvallaro. Zu Beginn schiebe der Wind „Blackbird“ vorwärts. Wenn das Mobil erst einmal rolle, werde der Propeller angetrieben. Dieser sei entgegen der Fahrtrichtung ausgerichtet, drücke also den Wind zurück, wodurch das Gefährt nach vorn gestoßen werde. Dadurch drehten sich die Räder wiederum schneller und so auch der Propeller. Erst der mit steigender Geschwindigkeit und immer größerem Luftwiderstand stoppt die Beschleunigung.

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KategorienPhysik Tags:

Mondfinsternis am 26.6.2010

18. Juni 2010 Keine Kommentare

Von Zeit zu Zeit gibt es ja Mond- und Sonnenfinsternisse zu bestaunen, wobei die Sonnenfinsternisse sicherlich die beeindruckenderen Ereignisse sind, während der Normalbürger die Mondfinsternisse meistens verpasst. Nicht so aber die meisten Pflanzen, die auch des Nachts nicht in warmen Häusern schlafen können, sondern ihre Zeit frierend auf den Fluren und in den Wäldern verbringen und dort auf das Wiedererscheinen der Sonne warten müssen.



So hätte auch ich von der am 26. kommenden Mondfinsternis nichts erfahren, wenn ich nicht von einer Bekannten darauf aufmerksam gemacht worden wäre. Es entspann sich in etwa das folgende Gespräch:

  • Sie: Sag mal, du bist doch so belesen, weißt du, wann die nächste Mondfinsternis ist?
  • Ich: Keine Ahnung, da willst du wohl Kräuter sammeln gehen?
  • Sie: Ja. (Lacht.)
  • Ich: Woher wissen denn die Pflanzen, dass gerade Mondfinsternis ist?
  • Sie: Pflanzen sind sehr intelligent, intelligenter als wir. Sie spüren das.
  • Ich: Dann frag doch einfach eine der Pflanzen, wann Mondfinsternis ist. Erstens sind sie intelligenter als wir und zweitens hat eine Mondfinsternis eine große Bedeutung für sie.
  • Sie: (Schnippisch): Pflanzen haben eine andere Art von Intelligenz, sie sprechen nicht mit, sondern zu uns.

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KategorienAlltag, Frauen Tags:

Die Würde der Fürchterlichsten

8. Juni 2010 Keine Kommentare

Bei SPON gibt es einen Artikel von Ferdinand von Schirach: Die Würde der Fürchterlichsten. Schirach ist Jurist, Anlass seines Artikels ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Geklagt hatte Magnus Gäfgen gegen sein Urteil, dass ihn wegen Mordes an dem elfjährigen Jakob von Metzler lebenslang ins Gefängnis gebracht hatte. Zum Politikum wurde dieser Fall, weil der stellvertretende Polizeipräsident Frankfurts, Wolfgang Daschner, ihm angedroht hatte, Gewalt anzuwenden, um das Leben des Kindes zu retten. Später stellte er eine Selbstanzeige wegen der Androhung von Folter, die Anwendung und das Androhen von Folter sind verboten.

Als Gäfgen festgenommen wurde, glaubte der stellvertretende Polizeipräsident Frankfurts, Wolfgang Daschner, das Kind sei noch am Leben. Er entschied, Gäfgen sollen erhebliche Schmerzen angedroht werden, damit er den Aufenthaltsort seines Opfers preisgibt. Gäfgen gestand unter diesem Druck, die Einzelheiten konnten nicht genau rekonstruiert werden. Plötzlich redeten alle über diesen Fall, in den Universitäten, den Gerichten, den Kneipen, auf Flughäfen und in den Einkaufspassagen. Auch jetzt, in der Richterakademie, sprachen wir darüber. Die Positionen haben nichts von ihrer Schärfe verloren: Durfte Daschner tun, was er tat? Und wenn er es nicht durfte, handelte er ohne Schuld?

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KategorienEthik Tags:

Horst Köhler und Israels Angriff auf den Gaza-Konvoi

1. Juni 2010 Keine Kommentare

Auf den ersten Blick sind der Rücktritt von Horst Köhler als Bundespräsident und der Angriff der israelischen Armee mit vielen zivilen Todesopfern auf einen Schiffskonvoi in internationalen Gewässern, der Hilfsgüter in das eingeschlossene Gaza bringen sollte, nur zufällig auf denselben Tag gefallen. Wenn man aber bedenkt, dass Köhler anscheinend zurückgetreten ist, weil es zuviel Kritik an seinen Äußerungen zum manchmal notwendigen Einsatz militärischer Mittel zum Schutz wirtschaftlicher Interessen gegeben hat, dann besteht wohl doch ein inhaltlicher Zusammenhang.

Horst Köhler hat vermutlich etwas gesagt, das jeder weiß, das man aber als Politiker nicht aussprechen darf: Kriege werden nicht geführt, damit Mädchen in anderen Ländern zur Schule gehen dürfen, sondern damit die eigenen Interessen im Ausland gewahrt werden können. Und die Toten, die man dabei in Kauf nimmt, sind der Preis dafür. Es ist reiner Utilitarismus, der aber tunlichst verschiegen wird, weil man im Inland demokratische Mehrheiten benötigt und Leute, die sich fürs Militär melden und im Ausland totschießen lassen.

Im Wikipediaartikel über Carl von Clausewitz liest man über seinen berühmtesten Ausspruch:
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