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Archiv für November, 2009

Ich wünsche mir…

29. November 2009 Keine Kommentare

Da alle Menschen unterschiedlich sind, hat es mindestens so viele Wünsche wie Menschen. Aber da viele Menschen ähnliche Lebensstationen durchleben, gibt es auch Gemeinsamkeiten. Ich kann mich zwar nicht mehr an mein Babysein erinnern, aber wenn ich mir heute so einen Zwerg ansehe, dann scheint er abwechselnd von zwei Wünschen beseelt zu sein: „Mehr Milch!“ und „Eine frische Windel!“

Bald werden diese Wünsche abgelöst durch „Neues Spielzeug!“, dann folgt wahrscheinlich sehr schnell „Weniger Pickel!“. Später kommt eine kurze Periode, in der Jungs sehr genau wissen, was sie wollen, „Mehr Muskeln!“, während Mädchen eher unentschieden sind, „Eine größere Brust!“ oder „Eine kleinere Brust!“. Im nächsten Lebensabschnitt sind die Wünsche beider dann mit „Die wahre Liebe!“ wieder ähnlich, worauf sich eine größere und heute gottseidank nicht mehr geschlechtsabhängige Aufspaltung ergibt, entweder „Mehr Erfolg!“ oder „Artigere Kinder!“.
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Paradoxa

28. November 2009 Keine Kommentare

Ein Paradoxon, das ich im Metamagicum gefunden habe:

Protagoras hatte mit Euathlos vertraglich vereinbart, ihn in Rhetorik zu unterrichten, damit er Rechtsvertreter werden konnte. Euathlos bezahlte zunächst nur die Hälfte des reichlichen Honorars, und sie einigten sich darauf, daß dessen zweiter Teil fällig würde, sobald Euathlos seinen ersten Prozeß vor Gericht gewonnen hätte. Nach geraumer Zeit indessen hatte Euathlos noch immer nicht mit seiner Tätigkeit begonnen. Protagoras, der sich Sorgen um seinen Ruf machte und zudem sein Geld haben wollte, beschloß, vor Gericht zu gehen. Dort argumentierte er folgendermaßen:

Euathlos behauptet, er brauche mir nichts zu zahlen, aber das ist absurd. Denn angenommen, er gewinnt diesen Prozeß. Da es sein allererster Auftritt vor Gericht ist, müßte er in dem Fall zahlen, weil er seinen ersten Prozeß gewonnen hat. Angenommen andererseits, er verliert den Prozeß. Dann müßte er zahlen, weil das Gerichtsurteil so lautet. Da er nicht anders kann, als den Prozeß zu gewinnen oder zu verlieren, muß er mir das Geld zahlen.

Euathlos war ein guter Schüler gewesen und konnte dem Protagoras mit gleicher Argumentations-Münze heimzahlen:

Protagoras behauptet, ich müsse ihm das Geld zahlen, aber gerade das ist absurd. Denn angenommen, er gewinnt diesen Prozeß. Da ich dann meinen ersten Prozeß nicht gewonnen habe, brauche ich ihm – so lautet unsere Vereinbarung – nichts zu zahlen. Angenommen andererseits, er verliert den Prozeß. Dann brauche ich ihm nichts zu zahlen, weil das Gerichtsurteil es so bestimmt. Da er nicht anders kann, als den Prozeß zu gewinnen oder zu verlieren, brauche ich ihm nichts zu zahlen.

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Douglas R. Hofstadter: Metamagicum

22. November 2009 Keine Kommentare

Kann man über ein Buch eine Rezension schreiben, wenn man erst zwei Kapitel gelesen hat? Wahrscheinlich nicht. Beim Namen Douglas R. Hofstadter werden viele (naja vielleicht einige) an das Buch Gödel Escher Bach denken, für das Hofstadter den Pulitzer-Preis erhalten hat. Aber wie viele Leute haben es bis zum Ende gelesen? Als unter meinen Bekannten das Gespräch darauf kam, gaben die meisten zu, dass sie es irgendwann beiseite gelegt haben, mit den verschiedensten Begründungen. Ich weiß nicht genau, wann ich es begonnen und aus welchem Grund ich es vorzeitig aufgegeben habe, aber jedenfalls steckt das Lesezeichen in meinem Exemplar auf der Seite 236 (von etwa 800), wo das Kapitel „Neue TNT-Regeln: Spezialisierung und Generalisierung“ endet und „Der Existenzquantor“ beginnt. Schwere Kost, für mich wohl zu schwere Kost.

Ich weiß nicht mehr, wie jetzt die beiden anderen Bücher „Metamagicum“ und „Einsicht ins Ich“, letzteres zusammen mit Daniel Dennett verfasst, in mein Bücherregal gekommen sind. Aber nachdem seit meinem Versagen bei GEB ein paar Jährchen ins Land gegangen sind, hatte ich wohl den Namen des Autors und meinen damaligen Frust vergessen. Das „Metamagicum“ ist die Zusammenfassung einer Artikelserie, die er Anfang der 80er Jahre in „Scientific American“ veröffentlicht hat. In der Buchform sind einige weitere Artikel hinzugekommen, ergänzt um (echte) Leserbriefe (damals gab es noch kein Netz) und einige Anmerkungen von ihm selbst.
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Für Allah!

19. November 2009 Keine Kommentare

In einem Diskussionsforum wurde das Folgende gepostet:

Für ein wichtiges soziologisches Experiment wird ein Freiwilliger gesucht, der bei der Taschengepäckkontrolle vor seinem nächsten Flug seinen Rucksack aus einigen Metern Entfernung auf das Förderband wirft und dabei ruft: „Für Allah!“

Es meldete sich kein Freiwilliger, aber es kam ein weiterer Vorschlag:

  1. Quietly and calmly open up your laptop case.
  2. Remove your laptop.
  3. Start it up.
  4. Make sure the fellow traveler who is annoying you can see the screen.
  5. Close your eyes and tilt your head up to the sky and move your lips like you are praying.
  6. Play this video:

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Mobilfunk macht krank

13. November 2009 Keine Kommentare

Der Autor wäre noch glaubwürdiger, wenn er in den Fußgängerzonen großer deutscher Städte selbstbehauene Steintafeln aufstellen würde, aus ökologischem Anbau. Denn die Hauptgefahr geht vom Computerbildschirm aus, der erreicht mit seiner gefährlichen Lichtstrahlung direkt unsere Augen! Und dazu noch die Tonstrahlung, deren Frequenzen denen des Gehirns ähneln und es total desynchronisieren können. Ich kann daher nur dringend empfehlen, beim Ansehen des Videos den Bildschirm auszumachen und den Ton abzustellen. Sonst geht es vielleicht noch jemand anderem so wie mir, ich bin nämlich nach dem Konsum von nur zwei kurzen Videos jetzt völlig durcheinander:
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Abwärtsverursachung

11. November 2009 Keine Kommentare

Nachdem ich vor knapp drei Wochen das Buch von Paul Davies Prinzip Chaos gelesen hatte und dort zum ersten Mal auf den Begriff „Abwärtsverursachung“ gestoßen bin, hat micht das Thema nicht mehr losgelassen. In der letzten Woche wurde der Begriff dann in einem Forum diskutiert, was mich weiter hat darüber nachdenken lassen. Zunächst eine Reihe von Thesen, danach eine kurze Erläuterung.
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Rudolf Taschner: Musil, Gödel, Wittgenstein und das Unendliche

5. November 2009 Keine Kommentare

Es ist nur ein schmales Büchlein, kleiner als A5 und mit weniger als 50 Seiten Umfang. Es ist der Nachdruck eines Vortrags des Autors im Rathaus von Wien. (Die Personen im Titel sind alle gebürtige Österreicher.) Man kann das Buch bequem an einem Abend lesen. Rudolf Taschner hat inzwischen weitere Werke veröffentlicht, die sich alle irgendwie mit der Mengenlehre und dem Unendlichen beschäftigen.

Im vorliegenden Buch ist der Einstieg eine Szene, die Robert Musil geschrieben hat:

»Da war ich dann also wirklich im Allerheiligsten der Bibliothek«, schildert der General und fährt fort: »Ich kann dir sagen, ich habe die Empfindung gehabt, in das Innere eines Schädels eingedrungen zu sein; rings herum nichts wie diese Regale mit ihren Bücherzellen, und überall Leitern zum Herumsteigen, und auf den Gestellen und den Tischen nichts wie Kataloge und Bibliographien, so der ganze Succus des Wissens, und nirgends ein vernünftiges Buch zum Lesen, sondern nur Bücher über Bücher: Es hat ordentlich nach Gehirnphosphor gerochen, und ich bilde mir nichts ein, wenn ich sage, dass ich den Eindruck hatte, etwas erreicht zu haben!

Aber natürlich war mir, wie der Mann« – gemeint ist der dem General hilfreich zur Seite stehende Bibliothekar – »mich allein lassen will, auch ganz sonderbar zumute, ich möchte sagen, unheimlich; andächtig und unheimlich. Er fährt wie ein Affe eine Leiter hinauf und auf einen Band los, förmlich von unten gezielt, gerade auf diesen einen, holt ihn herunter, sagt: >Herr General, hier habe ich für Sie eine Bibliographie der Bibliographien< – du weißt, was das ist? – also das alphabetische Verzeichnis der alphabetischen Verzeichnisse der Titel jener Bücher und Arbeiten, die sich in den letzten fünf Jahren mit den Fortschritten der ethischen Fragen, ausschließlich der Moraltheologie und der schönen Literatur, beschäftigt haben – oder so ähnlich erklärt er es mir…

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Cornelia Funke: Tintenherz

3. November 2009 Keine Kommentare


So, jetzt habe ich das Buch gelesen und mir damit die Berechtigung erworben, den Film anschauen zu dürfen!

Eine Inhaltsangabe möchte ich hier nicht geben, bei Belletristik finde ich es immer ein bisschen unfair, wenn denjenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben, durch eine Rezension ein Teil der Spannung genommen wird. Bei populärwissenschaftlichen Büchern sehe ich das ganz anders. Deshalb hier nur ein paar Gedanken, die mir beim Lesen des Buchs gekommen sind.

Bereits beim Herrn der Diebe (und beim Vergleich mit „Harry Potter“) war mir aufgefallen, dass gute Bücher für Kinder mittleren Alters genügend Tiefe haben, damit sich auch ihre Eltern darin wiederfinden. Meist sind es Erwachsene oder Situationen, die zwar kindgerecht etwas überzeichnet und vereinfacht dargestellt sind, aber dennoch genügend Identifikations- bzw. Distinktionsmöglichkeiten bieten. Bei Harry Potter sind es überwiegend die Lehrer, in Tintenherz die drei Bibliophilen als die Guten und eine ganze Anzahl Gauner als die Bösen.
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