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Archiv für Oktober, 2009

Reformationstag

31. Oktober 2009 Keine Kommentare

hexe

Das Bild ist selbsterklärend. Kein weiterer Text notwendig.

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Daniel Hope: Wann darf ich klatschen?

30. Oktober 2009 Keine Kommentare

Die Erfurter Herbstlese ist eine jährliche Veranstaltungsreihe, bei der im Oktober und November eine Reihe von Buchlesungen stattfinden, aber auch andere interessante Veranstaltungen eingebettet sind. Man muss sich rechtzeitig ein Programmheft besorgen und Karten buchen, wenn man an speziellen Dingen Interesse hat.

In diesem Jahr war ich bei der Einführungsveranstaltung mit Friedrich Schorlemmer, einem Bürgerrechtler, der deutschlandweit zur Zeit der Wende sehr bekannt geworden ist. So wie er damals die Zustände in der DDR kritisiert hat, so kritisiert er heute die Zustände in Deutschland und hier vor allem den Umgang mit der DDR-Vergangenheit.

Die zweite Veranstaltung, die ich besucht habe, war eine Lesung mit Thomas Großbölting. Er hat das Buch Friedensstaat, Leseland, Sportnation? herausgegeben, in dem eine Reihe von Wissenschaftlern ihre Ergebnisse der Erforschung der DDR in essayistischer Form vorgestellt haben. Interessant ein Querbezug, den ich beim Googeln gerade gefunden habe: Mit „Thomas Großbölting“ als Suchbegriff landet man sehr schnell bei dem „Institut zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur“. Genau diese Bezeichnung hatte Schorlemmer kritisiert, weil sich hier das moralische Urteil über den Forschungsgegenstand bereits vorab im Namen zeigt.
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Die Päpstin

26. Oktober 2009 Keine Kommentare

Gestern habe ich mir „Die Päpstin“ zusammen mit einem guten Freund angesehen. Normalerweise werde ich in solchen Filmen immer von seiner Frau begleitet, da er mehr auf Action steht. Dieses Mal aber haben ihr wahrscheinlich die Kritiken nicht so gut gefallen, sie wollte sich deshalb die Bilder in ihrem Kopf, die sie sich nach dem Lesen des Buches gemalt hatte, nicht verderben lassen. Ich hatte zuvor zwar die Mäkelei in der Telepolis gelesen, wollte den Film aber trotzdem sehen und fand ihn recht gut.

Immer wenn ich ein solches außerordentlich begabtes Kind sehe und dann die Umstände, unter denen es mehr leidet als lebt, frage ich mich, wie viele Talente in der Menschheitsgeschichte schon vergeudet worden sind. Johannes Johanna Angelicus ist da ein typisches Beispiel und hat bei aller Tragik trotzdem noch Glück, denn sie vollbringt letztendlich ja Außerordentliches. Die Schulszene, in der sie als Mädchen zuerst von einem Beauftragten des Bischofs gelobt und dafür dann von ihren Mitschülern auf Geheiß des Lehrers mit Tinte übergossen wird, tat mir schon fast körperlich weh.
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Paul Davies: Prinzip Chaos

25. Oktober 2009 Keine Kommentare

Als ich das Buch bei einem Bekannten sah, erinnerte ich mich dunkel an den Namen des Autors und borgte mir das Buch aus. Paul Davies ist Professor für Theoretische Physik und hat es 1988 geschrieben. Inzwischen ist er Verfasser von einer ganzen Reihe weiterer populärwissenschaftlicher Bücher. Im Vorwort heißt es:

Gewöhnlich stellt man sich unter der Erschaffung des Universums ein weit zurückliegendes plötzliches Ereignis vor. Diese Vorstellung wird von der Religion, aber auch von der Wissenschaft bestätigt, die Anhaltspunkte für einen »Urknall« besitzt. Doch durch diese schlichte Vorstellung wird verdeckt, daß die Erschaffung des Universums nie aufgehört hat.

Nach Ansicht der Kosmologen befand sich das Universum unmittelbar nach dem Urknall in einem vollkommen gestaltlosen Zustand, und erst später entstanden all die Strukturen und die Mannigfaltigkeit, die wir heute beobachten. Es gibt offenbar physikalische Vorgänge, die aus dein Nichts oder doch beinahe aus dem Nichts Sterne, Planeten, Kristalle, Wolken und Menschen entstehen lassen.

Woher kommt diese erstaunliche Schöpfungskraft? Kann die fortdauernde Kreativität der Natur mit den uns bekannten physikalischen Vorgängen erklärt werden, oder sind darüber hinaus Gestaltungsprinzipien wirksam, die der Materie und der Energie Form geben und sie zu immer höheren Zuständen der Ordnung und der Komplexität führen?

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Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

16. Oktober 2009 Keine Kommentare

Mit einem Kollegen unterhielt ich mich über eine Kurvenapproximation. „Man könnte sie über die Minimierung der Summe der Beträge der Fehler optimieren“, schlug ich vor. „Die Fehlerquadratmethode ist besser“, antwortete er mir. Klar, denn bei der Minimierung der Fehlerquadrate werden große Einzelfehler stärker bestraft, sodass die Anpassung der Kurve insgesamt besser ist. „Weißt du, wie Gauß auf die Methode gekommen ist?“, fragte ich ihn. „Das steht in seiner Biografie drin“, antwortete mir mein Kollege und versprach das Buch mitzubringen, in dem er das gelesen hatte.

Wie sich herausstellte, handelte es sich aber gar nicht um eine Biografie, sondern um Daniel Kehlmanns Bestseller. Ich hatte es mir vor einiger Zeit als Hörbuch gekauft, hatte aber damals den Eindruck, dass nicht der komplette Buchinhalt erzählt wird. Der Übergang der Kapitel erschien mir etwas abrupt. Beim Lesen des Buchs stellte sich jetzt aber heraus, dass es im Buch genauso ist.

Es ist schon ein meisterhafter Einfall, Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß in einem Buch zuerst gegenüber zu stellen und dann zusammen zu führen. Das Leben der beiden hätte verschiedener nicht ausfallen können. Der eine ist zeitlebens gereist, der andere hasste das physische Reisen, seine Expeditionen fanden im Kopf statt.
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Gottesbeweise/Widerlegungen und ein Elefant

11. Oktober 2009 Keine Kommentare

Ich habe heute neben vielem anderen auch in einem Thread über Gottesbeweise bzw. -widerlegungen geschmökert. Natürlich findet man dort alles Mögliche außer gültigen Beweisen oder Widerlegungen, das geht ja bekanntlich nicht. Zunächst ein Klassiker:

Wenn Gott allmächtig ist, müsste er doch in der Lage sein, einen Stein zu erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann. Wenn er ihn aber nicht heben kann, ist er nicht allmächtig..

Darauf kam die Antwort:

Das ist gelinde gesagt Käse: „Allmacht“ kann sich natürlich nur auf in sich widerspruchsfreie Taten beziehen. Gott kann sich weder selbst töten noch der Kreiszahl den Wert drei geben noch den vielzitierten Stein erschaffen. Wenn Gott gegen die Regeln der Logik verstoßen könnte, wäre jede weitere Diskussion sinnlos, weil damit jede Argumentation sowohl der theistischen wie der atheistischen Seite zusammenbrechen würde, denn aus einer einzigen inkonsistenten Aussage kann buchstäblich alles geschlussfolgert werden.

Hm, das leuchtet nun wiederum mir nicht ein, denn wenn Gott den Regeln der Logik unterworfen ist, wer schuf dann die Regeln der Logik? Also der nächste Bekehrungsversuch:
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Leben wir in einer Matrix II?

11. Oktober 2009 Keine Kommentare

Ich hatte darüber schon einmal etwas geschrieben: Leben wir in einer Matrix?. Das war eine Reflexion auf einen Artikel von Nick Bostrom zu diesem Thema. Heute nun habe ich gelesen, dass diese Frage nach der Realität der Realität schon viel älter ist und nach Meinung des Philosophen Olaf L. Müller von der Humboldt-Universität bereits vor über 20 Jahren von Hilary Putnam beantwortet wurde. Das Folgende entstammt dem Artikel Wirklichkeit ohne Illusionen oder Der Abschied vom Skeptizismus von Olaf L. Müller.

In dem Artikel wird zunächst in die Vorstellung, man wäre ein Gehirn im Tank, eingeführt. Dazu wird man im Schlaf entführt, das Gehirn entnommen und an einen Computer angeschlossen, der ab diesem Zeitpunkt alle Interaktionen des Gehirns mit seiner Umwelt realisiert:

Die Chirurgen verloren keine Zeit. Sie sägten Ihren Schädel auf, um an Ihr Gehirn heranzukommen, das sie behutsam aus seiner Schale lösten und in eine Nährlösung gleiten ließen, damit es nicht abstirbt. Dann begann die Fummelarbeit. Die Ärzte identifizierten jede einzelne Nervenbahn, durch die Ihr Gehirn bis gestern mit Ihrem Restkörper Informationen ausgetauscht hatte: Sehnerven, Nerven für akustische Reize aus dem Gehör, aber auch Nerven, durch die das Hirn Steuersignale zur Bewegung seines Ex-Körpers gesandt hatte.
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Herta Müller und Rumänien 1989

9. Oktober 2009 Keine Kommentare

Als ich die Nachricht vom Literaturnobelpreis für Herta Müller gelesen habe, schossen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Herta Müller, was für ein Künstlername, und Rumänien! Herta Müller ist eine Banater Schwäbin, neben den Siebenbürger Sachsen die zweite deutschsprachige Bevölkerungsgruppe in Rumänien. Herta Müller ist 1987 aus Rumänien in die BRD ausgereist, ich bin in dieser Zeit zweimal aus der DDR nach Rumänien in den Urlaub gefahren.

Das erste Mal war ich 1986 mit einigen meiner Kommilitonen auf Bergtour im Retezat-Gebirge. Ich weiß noch, dass wir uns nach unserer Rückkehr darüber unterhalten haben, wie gut wir es doch in der DDR haben, besser als in Rumänien oder in der Sowjetunion. (Letztere habe ich aber erst 1987 genauer kennengelernt, als ich eine Zeit lang in Leningrad studiert habe.)

Das zweite Mal war ich im Sommer 1989 in Rumänien, dieses Mal haben wir zuerst eine Wanderung entlang des Hauptkamms des Fogarasch-Gebirges unternommen. Danach waren wir eine Woche zum „Kultururlaub“ in Siebenbürgen. Ich erinnere mich noch an einen Lebensmittelladen, in dem es zwei Regalreihen gab. Auf der linken Seite standen Gläser mit Tomatenmark, auf der rechten eine einzige Sorte Waschpulver, außer diesen beiden Produkten gab es nichts. In einem Buchladen war ein ganzes Regal den Werken von Nikolae und Elena Ceausescu vorbehalten.
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Intelligente Fahrzeuge

3. Oktober 2009 Keine Kommentare

Ein Tempomat ist eine feine Sache. Seit drei Jahren fahre ich ein Auto mit Automatikgetriebe, da gehört er praktisch zur Serienausstattung. Man stellt ihn auf eine Geschwindigkeit ein, die etwas niedriger ist als die des durchschnittlichen Verkehrs, dann kann man es auf längeren Strecken einfach rollen lassen.

Mir ist aufgefallen, dass der Benzinverbrauch mit Tempomat vor allem in hügeligem Gelände höher ist als ohne, zunächst war mir nicht klar warum. Aber nach einigem Nachdenken kam ich darauf, dass bei gleichbleibender Geschwindigkeit der Benzinverbrauch beim Bergauffahren stärker steigt, als er sich beim Bergabrollen verringert.

Ein Mensch, der ohne Tempomat fährt, verhält sich offenbar anders. Bergauf fährt er etwas langsamer, entweder weil er das Gaspedal nicht stärker durchdrückt oder weil er unbewusst das Brummen des Motors auf einem gleichbleibenden Niveau halten möchte. Bergab wird er dann automatisch schneller.

Mit einer intelligenteren Programmierung des Tempomaten könnte man ein ähnliches Verhalten erzielen. Man würde dann nicht mehr eine Geschwindigkeit einstellen, die von der Technik zu jedem Zeitpunkt eingehalten werden soll, sondern man würde eine Durchschnittsgeschwindigkeit wählen, an der sich das Auto orientieren soll. Da sowieso laufend die gefahrene Strecke, der Benzinverbrauch und die Motorleistung gemessen werden, ließe sich das im Bordcomputer relativ leicht programmieren. Kosten für den Hersteller entstünden keine, der Nutzer hätte den Vorteil eines geringeren Benzin- oder Dieselverbrauchs.
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