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Archiv für August, 2009

Nach vorn schauen

31. August 2009 Keine Kommentare

Natürlich war heute der Wahlausgang ein wichtiges Gesprächsthema unter den Kollegen. Hatte mich letzte Woche noch ein Wahlplakakt der FDP belustigt, so hat mich heute ein Kollege darauf aufmerksam gemacht, dass die Plakate mit Dieter Althaus, auf denen „Nach vorn schauen“ und „Gut gemacht“ standen, angesichts seines Skiunfalls nicht viel besser sind.

Bemerkenswert auch der Vorgang während des Wahlkampfs, als nach einem verbalen Angriff der NPD auf den farbigen CDU-Politiker Schall, der auf einem Wahlplakat zu sehen war, diese Plakate heimlich ausgewechselt wurden. Auf den neuen Plakaten fehlt der Farbige.

zeca

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7 Fragen an den Kapitalismus

30. August 2009 Keine Kommentare

Als ich in der letzten Woche „Die Zeit“ gekauft habe, war das eigentlich nicht wegen dem Atomenergieartikel von Christiane Grefe, sondern wegen den auf der Titelseite angekündigten „7 Fragen an den Kapitalismus“. Jede der sieben Fragen wird von einem anderen Autor gestellt (und versucht zu beantworten). Gleich die erste Frage Gibt es den Kapitalismus überhaupt? von Jens Jessen ist interessant.

Er zeichnet darin den Weg nach, den der Begriff „Kapitalismus“ in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Am Anfang war es ein negativ konnotierter Begriff:

Wer in den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vom Kapitalismus sprach, handelte sich fast automatisch seine Ausdehnung auf alle Lebensbereiche ein. Ein ganzes Rudel von Theorien, das sich im Laufe der Zeit an den Begriff angelagert hatte, war in der Lage, jede beliebige Verbindung herzustellen. Da war zunächst der Faschismus, der als natürliche Konsequenz des Kapitalismus galt.

Dann galt aber auch die parlamentarische Demokratie nur als Maske, die das Herrschen des Kapitals verschleierte. Jede Diktatur in der Dritten Welt, die Unterdrückung der Frau, der schlechte Sex, alles war vom Kapitalismus herbeigeführt.

Und so weiter, bis in jedes Alltagsdetail und individuelle Schicksal hinab. Geschah etwas Unschönes, und sei es ein Verkehrsunfall oder ein Verbrechen, musste es mit dem Teufel zugehen, wenn es nicht gelang, darin zumindest eine Spätfolge oder Nebenfolge des Kapitalismus zu sehen.

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Pro und Kontra zur Kernenergie

29. August 2009 Keine Kommentare

In meiner Jugend stand für mich der Nutzen der Kernkraft außer Frage, sichere und saubere Energie in jeder denkbaren Größenordnung. Dann kam Tschernobyl und ich änderte meine Meinung. So wie bei mir (und vielen Ostdeutschen) war es wohl auch in Westdeutschland.

Heute, mit dem Bewusstwerden der Gefahren der klassischen Energiegewinnung durch Verbrennung fossiler Energieträger für das Klima, kommen die Proponenten der Kernenergie wieder zu Wort. Ich bin unlängst durch ein paar interessante Beiträge in einem Diskussionsforum wieder etwas aufmerksamer auf das Thema geworden, aber zunächst mal ein Zitat aus der „Zeit“ vom letzten Wochenende. Christiane Grefe, „Die Havarie in Block 4“:

Nach der knappen Radiomeldung blieb‘ ich zunächst merkwürdig ruhig. Ein möglicher. Super-GAU in der Ukraine? Wohl niemand konnte das ganze Ausmaß der Erschütterungen schon im ersten Moment erahnen, welche die Havarie in Block 4 des Atomkraftwerks W.I. Lenin am 26. April 1986 auslösen würde. Außerhalb jeder Vorstellung die für lange Zeit unbewohnbaren Landschaften und Hunderttausenden von Toten, Kranken, vertriebenen weit über Tschernobyl hinaus, noch kaum auszumalen, dass die Explosion letztlich auch das Fundament einer Supermacht, der Sowjetunion, ins Wanken bringen sollte. Mit dem Inferno am Pripjetfluss war eine jener Katastrophen passiert, vor denen die Kritiker der Atomkraft immer gewarnt hatten.
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Deutschland kann es besser

29. August 2009 Keine Kommentare

Danke an Kamenin für dieses tolle Wahlplakat:



Im Gegensatz zu Kamenin, der schreibt

Selbst die an sich schon ahnungslose FDP könnte ja mal merken, wenn sie von ihrer eigenen Werbeagentur verarscht wird. Aber Gruß an die liberale Fünfte Kolonne, die das Plakat doch durchgekriegt hat.

glaube ich nicht, dass die Werbeagentur das so interpretiert hat, wie es offenbar von Kamenin und mir verstanden wird. Ich habe mal ein bisschen gegoogelt, der Slogan der Gelben grinst einen im Netz wirklich überall an. Morgen ist Landtagswahl und Thüringen kann es sicher wirklich besser.
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Geschichten aus der Mathematik

28. August 2009 Keine Kommentare

Der Satz des Pythagoras gehört zu den Klassikern, kein Schüler kommt daran vorbei. Ich weiß nicht, ob im Unterricht auch ein Beweis gezeigt wird. Wenn man danach googelt, dann findet man, dass der Satz des Pythagoras mit dem Höhen- und dem Kathedensatz bewiesen werden kann. Besonders anschaulich ist das nicht und wie werden diese beiden Sätze dann bewiesen? Ich habe mir den folgenden geometrischen Beweis gemerkt:


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Wo leben wir?

26. August 2009 Keine Kommentare

Zwei Ereignisse beherrschten die Nachrichten der vergangenen Tage: Die Geburtstagsfeier des Deutsche-Bank-Chefs Ackermann auf Einladung von Frau Merkel im Kanzleramt /1/ und die Bitte der Bundesregierung an die großen Konzerne, Massenentlassungen wegen der Wirtschaftskrise erst nach der Bundestagswahl anzukündigen und durchzuführen /2/. Bis dahin sollen Kurzarbeitergeld (für Arbeitnehmer) und Abwrackprämie (nicht für Arbeitnehmer) den CDU-SPD-Wähler bei Laune halten.

Das veranlasst mich zu einer Umfrage: Wo leben wir?
a) In einer Demokratie.
b) In einer Bananenrepublik.

Natürlich leben wir in einer Demokratie, und deshalb wird Frau Merkel auch nach der Bundestagswahl unsere geliebte Kanzlerin bleiben. Ich lade doch zum Geburtstag auch die Leute ein, die mir am liebsten sind, zum Beispiel meine Oma. Und ich bitte häufig die Leute, die mir am nächsten stehen, um einen Gefallen, zum Beispiel meinen Opa. Das ist doch ganz natürlich, also warum sollten sich Frau Merkel und die Bundesregierung anders verhalten?
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Freier Wille

22. August 2009 Keine Kommentare

Ich habe mich in den letzten Jahren wiederholt mit diesem Thema beschäftigt und mir in dieser Zeit eine inzwischen hoffentlich konsistente Meinung gebildet. Der folgende Beitrag entstand anlässlich der Diskussion in einem Forum und stellt eine Zusammenfassung meiner Überlegungen dar:

Die zwei größten Rätsel der Realität sind die nach der Existenz der Welt und der Natur unseres Bewusstseins. (Es gibt einige große Denker, die der Meinung sind, diese beiden Fragen seien nicht voneinander zu trennen (z.B. John Wheeler), aber das führt zu weit weg und zu tief in die Metaphysik und soll deshalb hier nicht weiter thematisiert werden.)

Das Leib-Seele-Problem ist die zentrale Frage der Philosophie des Geistes. Da heutzutage der Begriff der Seele wegen seiner religiösen Konnotation etwas aus der Mode gekommen ist, findet man häufig auch etwas andere Bezeichnungen, aber am Kern des Problem ändert das nichts: Welcher Zusammenhang besteht zwischen unserem phänomenalen Erleben (dem Erleben von Phänomenen) und den auch von Außenstehenden beobachtbaren physikalischen, chemischen und biologischen Vorgängen?
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Gibt es die Krebspersönlichkeit?

17. August 2009 Keine Kommentare

In der aktuellen „Gehirn & Geist“ 9/2009 findet man einen Artikel über den Zusammenhang zwischen Psyche und Krebserkrankungen. Intuitiv scheint es richtig zu sein, dass die Erkrankungshäufigkeit depressiver Menschen höher sein muss. In dem Beitrag zeigt aber der Psychoonkologe Volker Tschuschke, dass die Ergebnisse bisheriger Studien bei weitem nicht eindeutig sind. Wenn man nämlich bereits Erkrankte befragt, dann werden diese natürlich aus ihrer aktuell deprimierenden Situation ein negativeres Bild ihrer Vergangenheit zeichnen im Vergleich zu gesunden Personen:

Gibt es die »Krebspersönlichkeit«? Ebenfalls 1991 erschien die Studie der Arbeitsgruppe von Gabriel Kune von der University of Melbourne (Australien). Die Forscher hatten 637 Dickdarmkrebspatienten zu ihren familiären Hintergründen und Lebensgewohnheiten befragt und mit denen von 714 Gesunden verglichen. Ergebnis: Unter den Erkrankten berichteten signifikant mehr Personen über eine unglückliche Kindheit als in der Kontrollgruppe. Außerdem sprachen sie häufiger davon, dass sie sich nach einer für sie ärgerlichen Situation besonders unwohl fühlten.
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Schweinegrippe

15. August 2009 Keine Kommentare

Am letzten Wochenende hatte ich Gelegenheit zu einem längeren Plausch mit einer Ärztin. Irgendwann kam das Gespräch auf die Schweinegrippe. Ich sagte, dass ich mich nicht impfen lassen würde und das gegen Grippe auch noch nie getan habe. Sie pflichtete mir bei, sie hielte das genauso. Inzwischen sei aber die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass man Personal öffentlicher Einrichtungen zwangsweise impfen würde. Na wenn das mal nicht ein toller Erfolg der Pharmalobby ist!

Es ist schon erstaunlich, wie leicht und schnell es beim Geschäft mit der Angst gelingt, Massen und Gelder zu mobilisieren. Obwohl alles darauf hindeutet, dass diese Form der Grippe zu harmloseren Krankheitsverläufen als andere Grippeformen führt, scheint der Präfix „Schweine“ unterbewusste Ängste hervorzurufen, so wie es zuvor nur mit „Vogel“ gelungen ist. Vielleicht wächst uns ja allen ein Ringelschwänzchen?
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Links-Rechts-Feldforschung

14. August 2009 Keine Kommentare

Manchmal lese ich Artikel, die sowohl Abschnitte enthalten, denen ich zustimmen würde, als auch solche, die ich für Blödsinn halte, die objektiv betrachtet ziemlich unwissenschaftlich sind und die man eigentlich unter der Kategorie seichtes Wissenschafts-Entertainment abtun könnte, die mir aber trotzdem tagelang nicht aus dem Kopf gehen. Ein solcher Artikel ist „Links-Rechts-Feldforschung“ aus „Zeit Wissen“ Nr. 5 August/September 2009.

In dem Beitrag wird über psychologische Untersuchungen berichtet, die sich mit den Unterschieden zwischen „Linken“ und „Rechten“ befassen. Eigentlich fangen damit die Schwierigkeiten schon an, denn was ist „links“ und was ist „rechts“ bzw. genauer „konservativ“? Ein Großteil der berichteten Ergebnisse wurde in den USA gewonnen, deshalb kann man annehmen, dass mit „links“ meist die Demokraten und mit „rechts“ die Republikaner gemeint sind. Diese Schemata lassen sich nur bedingt auf europäische Verhältnisse übertragen.

KINDHEIT
Als Dreijährige wirken die späteren Linken kompetent, autonom und ausdrucksfreudig, und sie verlassen sich gern auf sich selbst. Die späteren Rechten zeigen als Dreijährige einen Hang zu Schuldgefühlen, mögen keine Unsicherheiten und erstarren bei Schwierigkeiten. Auch als Erwachsene sind Rechte ängstlicher – im Labor erkennen sie Wörter wie »Schlange« oder »Straßenräuber« besonders schnell. Psychologen glauben deshalb, dass Ängste konservativer machen. Veränderungen könnten ja gefährlich sein. Rechte bevorzugen ein einfaches, klares Weltbild.

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