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Archiv für Juni, 2009

Reinhard Brandt: Können Tiere denken?

30. Juni 2009 Keine Kommentare

Das Buch beginnt mit den folgenden beiden Absätzen:

Wir Menschen leben in zwei Welten, die paradoxerweise zugleich eine sind. Das Tageslicht, die Gerüche aus dem Bäckerladen, die Hauswand, an der wir entlanggehen und die wir nicht durchschreiten können – diese unsere Lebenswelt unterscheidet sich zunächst nicht von der Umwelt des Hundes, der uns begleitet. Er nimmt sinnlich wahr wie wir; er erschrickt bei einem lauten Geräusch wie wir, beim Gang am Fluß wissen wir beide, daß das Wasser nicht begehbar ist, es sei denn im Winter, in dem wir gemeinsam frieren und uns nur zögernd aufs Eis wagen. Uns bewegt dieselbe freudige Erregung, wenn uns das Kind des Hauses entgegenkommt.

Zugleich gibt es für uns Menschen eine andere, dennoch identische Welt, von der die Tiere offenbar nichts wissen. Wir Menschen machen die Dinge zu Objekten der Erkenntnis; dieselbe Sonne, die sich im Tageslauf langsam von Osten nach Westen bewegt, steht, so erkennen wir, im Zentrum des Planetensystems, und unsere Erde dreht sich als Kugel um sich selbst. Wir spüren die Kälte, aber wir erkennen in ihr zugleich die Ursache der Vereisung des Flusses; kein Tier weiß, was eine Ursache ist, kein Tier kann sich wundern.

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Michael Jackson

27. Juni 2009 Keine Kommentare

Heute war ich zu einem achtzigsten Geburtstag eingeladen. Meine mentale Kapazität zum Ertragen von Familienfeiern ist nicht sehr groß, aber drei oder viermal im Jahr kann ich es sogar genießen. Ich beherrsche zwar keinen Smalltalk, aber ich sitze dann halt da, schweige meistens und mache Leutekino. Ich beobachte, wie man sich, wenn man sich lange nicht gesehen hat, überschwänglich begrüßt, später angeregt unterhält, und sich dann doch allmählich Spannungen aufbauen. Mütter geraten mit ihren erwachsenen Töchtern aneinander, weil sie immer noch nicht akzeptieren können, dass diese eigene Vorstellungen über ihr Leben haben. Kinder, für die diese Feiern schnell langweilig werden, beginnen zu quängeln. Männer hören irgendwann ihren Frauen nicht mehr zu, sondern trinken ihre Bierchen. So ist das Leben. Niemand unterhält sich über Michael Jackson, weil dieser für dieses Familienleben vollkommen irrelevant ist.
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KategorienAlltag, Musik Tags:

Ad(o|u)lar

25. Juni 2009 Keine Kommentare

Vor einiger Zeit bin ich bei einem Test über die folgende Frage gestolpert: Welcher Begriff passt nicht in die Gruppe „Koprolith, Adolar, Citrin, Epidot, Karneol“? Ich habe damals „Adolar“ gewählt. Tatsächlich war Adolar aber ein Schreibfehler, es sollte „Adular“ heißen. Dann gilt, dass alle Begriffe Gesteine bezeichnen, nur Koprolith ist versteinerte Sch….

Aber so war es auch nicht schlecht, denn „Adolar“ hat bei mir Kindheitserinnerungen an eine ungarische Zeichentrickserie geweckt. Hier ein paar Folgen:





Teil2, Teil3


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KategorienFilme, Videos Tags:

Netzwerk Grundeinkommen

25. Juni 2009 Keine Kommentare

Auf der Seite http://www.grundeinkommen.de/ findet man neben wenig Substanz enthaltenden und sehr euphorischen Artikeln auch einige, die inhaltlich etwas tiefer gehen. Zum Beispiel wird auf die eher kritische Antwort des SPD-Bundestagsabgeordneten Axel Berg auf eine Anfrage verlinkt. Dieser war zu seiner Stellung zu einer Petition von Susanne West befragt worden.

Inhaltlich vertrete ich zum Thema Grundeinkommen noch keine abgeschlossene Position: Wir erleben derzeit einen Wandel der Arbeitswelt: Arbeit ist heute immer seltener eine organisatorisch und inhaltlich fixe Größe. Die Anforderungsprofile sind ständiger Veränderung unterworfen. Wissen und Produktionsanlagen müssen sich einem zunehmend globalen und schärfer werdenden Wettbewerb stellen. Arbeit mit fest umrissener Tätigkeitsbeschreibung tritt zugunsten flexibler Projektarbeit immer häufiger in den Hintergrund. Die Zahl klassischer Arbeitsverhältnisse ist daher rückläufig. Betriebe verkleinern ihre Kernbelegschaft und arbeiten verstärkt mit externen Zulieferern, Agenturen und Projektteams. Unbefristete Vollzeitbeschäftigungen weichen sogenannten „atypischen“ Beschäftigungsformen. Arbeit bekommt damit zukünftig einen fundamental anderen, flexibleren und selbständigeren Charakter als bisher.
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Moshe Feldenkrais: Bewusstheit durch Bewegung

24. Juni 2009 Keine Kommentare

Ich habe einen ziemlich ungewöhnlichen Chef. Er bürstet insofern kräftig gegen den Strich, als er als Chef und Besitzer einer 18-Mann-Firma und Hochschullehrer ein bekennender Linker ist (noch linker als ich) und mitten in der Wirtschaftskrise ein neues Gebäude bauen lässt, damit wir gute Ausgangsbedingungen haben, wenn die Konjunktur wieder anspringt. Eine weitere seiner unkonventionellen Ideen besteht darin, seinen Mitarbeitern eine Physiotherapeutin zu bezahlen.

Die Physiotherapeutin ist die Frau eines Kollegen und in vielen Dingen ebenfalls sehr ungewöhnlich. Da mein Chef uns die Auswahl überlassen hat, welche Therapie wir gern in Anspruch nehmen wollen, habe ich mich nicht für Klassiker wie Massage oder Pilates entschieden, sondern für QiGong und Feldenkrais, was ich beides noch nicht kannte. Während QiGong ein uralter Bestandteil östlicher Kultur ist, wurde die Feldenkrais-Methode erst vor wenigen Jahrzehnten von Moshe Feldenkrais entwickelt.
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Statistiken

20. Juni 2009 Keine Kommentare

Beim Googeln über die Sicherheit von Verkehrsmitteln ist mein Kollege auf diese Statistik gestoßen:

statistik1

Nun sind Waffen zwar keine Verkehrsmittel im eigentlichen Sinn, weil sie nicht Menschen, sondern kleine metallene Gegenstände von A nach B transportieren, aber als Argument über das Für und Wider privaten Waffenbesitzes taugt diese Grafik schon etwas. Überhaupt scheint http://de.statista.com/ eine sehr interessante Seite zu sein. „Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“, heißt es, und tatsächlich findet man zum gleichen Thema häufig Statistiken, die vollkommen unterschiedliche Schlussfolgerungen implizieren. Dort lohnt sich ein genauer Blick auf die Fragestellung. Ein Beispiel sind die jetzt vorgesehenen Maßnahmen im Internet gegen Kinderpornografie. Auch zu diesem Thema wird man bei Statistika fündig. Hier kann sich jeder seine eigene Meinung bilden und seinen Verstand trainieren:
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KategorienGesellschaft Tags:

Alex Vilenkin: Kosmische Doppelgänger

17. Juni 2009 Keine Kommentare

Als Einstein die Allgemeine Relativitätstheorie formulierte, ging er noch von einem statischen, d.h. unveränderlichen Universum aus. Da sich die Himmelskörper durch ihre Masse gegenseitig anziehen und aufeinander zufliegen würden, fügte er seinen Gleichungen die kosmologische Konstante hinzu. Diese Konstante war ad-hoc, eine physikalische Ursache konnte Einstein nicht angeben.

Später wurde die sogenannte Rotverschiebung festgestellt. Das ist eine Veränderung des von einem Himmelskörper ausgesandten Lichtspektrums in Richtung größerer Wellenlängen, also Richtung Rot. Diese Verschiebung fällt umso stärker aus, je weiter dieser Himmelskörper von uns entfernt ist. Die damals gefundene Erklärung für diesen Effekt war, dass sich der Abstand aller Himmelskörper voneinander vergrößert. Die Himmelskörper fliegen aber nicht voneinander weg, sondern zwischen ihnen entsteht fortlaufend neuer Raum, das Universum selbst dehnt sich aus. Verfolgt man diesen Prozess nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit, dann gelangt man zu einem Zeit-Punkt, bei der das gesamte Universum aus einem winzigen Raum-Punkt entstanden sein muss. Die Urknalltheorie war geboren.
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KategorienPhysik, Rezensionen Tags:

Bilderrätsel

16. Juni 2009 Keine Kommentare

Was ist das?

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Oder, genauer gefragt, wer war das?


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KategorienAlltag, Haustiere, Natur Tags:

Wirtschafts“wissenschaften“

13. Juni 2009 Keine Kommentare

„Studier etwas Praktisches!“, hatte meine Mutter gesagt. Es ging aufs Abitur zu und ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich danach machen sollte. In Sport und Kunst war ich schlecht und hatte nur eine Zwei. Und in Geografie hatte mich die Lehrerin auf dem Kieker, seit ich in einer Klassenarbeit die Hypothese aufgestellt hatte, dass Erdöl ein flüssiges Gestein sei. Aber ansonsten gaben die Noten keine weiteren Anhaltspunkte. Vielleicht hätte ich Mathematik studiert, wenn wir nicht in der elften Klasse eine Exkursion in ein Rechenzentrum gemacht hätten. Dort saßen Mathematiker in abgedunkelten Räumen vor schwarzen Bildschirmen, auf denen lange grüne Zahlenkolonnen vorbeisausten und die Sorgenfalten zwischen ihren Augen verstärkten.

Mich für Atomphysik zu bewerben, getraute ich mich nicht, zu wenige Studienplätze. Und das Interesse an „normaler“ Physik hatte mir mein Lehrer ausgetrieben, der seinen Doktortitel in Pädagogik wahrscheinlich durch die besondere Meisterschaft in den Disziplinen Schülerquälung und Demotivation erworben hatte. Auch Medizin reizte mich wenig, ich fürchtete mich davor, dass der endlose Zug der Moribunden, die mir Gevatter Tod nicht mehr von der eigens für sie herbeigeschafften Schippe springen konnten, mir in meine Träume folgen könnten. Einzig Frauenarzt zu werden, konnte ich mir vorstellen, interessierte es mich doch brennend, wie diese ebenfalls zweibeinige und höchstwahrscheinlich sogar intelligente Lebensform es schaffte, denselben Planeten wie ich und zugleich ein vollkommen anderes Universum zu besiedeln.
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KategorienAlltag, Gesellschaft, Ökonomie Tags:

Bedingungsloses Grundeinkommen: Idee, Finanzierbarkeit und Auswirkungen

13. Juni 2009 Keine Kommentare

Bei Makulatur findet man den Artikel Bedingungsloses Grundeinkommen: Idee, Finanzierbarkeit und Auswirkungen und eine interessante Diskussion darüber:

Will man ein Vorhaben umsetzen, und damit seine Praxistauglichkeit unter Beweis zu stellen, hat das Konsequenzen, die man zuvor bedenken sollte. In Demokratien ist dafür die parlamentarische und die öffentliche Diskussion zuständig. Sie sollte im Prozess der Meinungsbildung bestimmte Lösungsstrategien aussondern und andere präferieren, über deren Tauglichkeit letztlich in einem Abstimmungsverfahren befunden wird.

Die Idee hinter dem bedingungslosen Grundeinkommen ist ein Rechtsanspruch auf personenbezogene Existenzsicherung, unabhängig davon, ob man einer Erwerbsarbeit nachgeht oder nicht, was ermöglichen soll, sich anderen Tätigkeiten als vornehmlich existenzsichernden zu widmen; Luxus oder über grundlegende Dinge hinausgehende Annehmlichkeiten müssen – je nach Modell bzw. Höhe der Zahlung -, aber wie bisher durch Erwerbsarbeit eingebracht werden – das Muss hängt damit von den persönlichen Ansprüchen ab. Begleitet wird dieser Grundgedanke von der Möglichkeit die Versorgung aller Bürger entwickelter Staaten mit grundlegenden Gütern (weitgehend automatisiert) gewährleisten zu können.