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Archiv für Februar, 2009

Anthropische Prinzipien

28. Februar 2009 Keine Kommentare

Nachdem ich über das Darwin-Video auf die Darwin-Jahr-Seite gestoßen bin, die von der Giordano Bruno Stiftung betrieben wird, habe ich einige Texte dort gelesen, unter anderem den Artikel Kein Wunder, dass wir existieren. Dieser Artikel setzt sich mit dem Wunder unserer Existenz auseinander („Warum ist nicht nichts?).

Dem Schöpfungsmythos werden die anthropischen Prinzipien entgegengesetzt, die Formulierung im Artikel ist zur aktuellen Wikipediaversion identisch:

Allgemeines anthropisches Prinzip:
Was wir zu beobachten erwarten können, muss eingeschränkt sein durch die Bedingungen, welche für unsere Gegenwart als Beobachter notwendig sind.
Schwaches anthropisches Prinzip:
Wir müssen vorbereitet sein, die Tatsache in Betracht zu ziehen, dass unser Ort im Universum in dem Sinne notwendig privilegiert ist, dass er mit unserer Existenz als Beobachter vereinbar ist.
Starkes anthropische Prinzip:
Das Universum (und deswegen die fundamentalen Parameter, von welchen es abhängt) muss derart sein, dass es die Entstehung von Beobachtern in ihm in manchen Phasen erlaubt.

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Tag der Evolution

25. Februar 2009 Keine Kommentare

Der SPON-Artikel Stiftung fordert Tag der Evolution statt Christi Himmelfahrt verlinkt das folgende Video:


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KategorienEvolution, Religion, Videos Tags:

Robert Oxnam: Ich bin Robert, Wanda und Bobby

23. Februar 2009 Keine Kommentare

Viele Menschen werden sich über die Kontextabhängigkeit ihres Verhaltens wenig Gedanken machen, aber wenn man sich selbst beobachtet, dann kann man sehr leicht feststellen, dass man in jeweils unterschiedlichen Situationen vollkommen anders agiert. Gegenüber seinem Partner, seinen Kindern, Freunden, Arbeitskollegen und völlig Fremden spricht und handelt man jeweils unterschiedlich. Wahrscheinlich fällt es einem aus zwei Gründen im Alltag so wenig auf:

  • Den meisten anderen Menschen begegnet man immer nur in einem einzigen Kontext, sie sind entweder Kind oder Freund oder Arbeitskollege oder Fremder. Das heißt, sie zeigen einem gegenüber immer ähnliches Verhalten.
  • Und, wahrscheinlich noch wichtiger, man hat selbst zu seinen eigenen Rollen in Form von Erinnerungen und Antizipationen stets einen weitgehend ungehinderten Zugang.

Früher hielt ich Schizophrenie für die Fachbezeichnung einer Bewusstseinsspaltung, heute weiß ich, dass das falsch ist. Aber auch dieser letzte Begriff wird heute nicht mehr verwendet, es heißt dissoziative Persönlichkeitsstörung. Robert Oxnam schildert in seinem Buch einen solchen Fall – es ist seine Lebensgeschichte.

Für Menschen mit einer gespaltenen Persönlichkeit sind die Pronomen „ich“ und „wir“ manchmal sehr verwirrend. Ich habe Ihnen erzählt, dass wir zwischenzeitlich zu elft waren. Heute sage ich Ihnen voller Stolz, dass wir die Anzahl in einem Integrationsprozess auf drei reduzieren konnten. Wir verbleibenden drei – Robert, Wanda und Bobby haben gemeinsam beschlossen, dieses Buch zu schreiben.

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Malcom Gladwell: Überflieger

15. Februar 2009 Keine Kommentare

Auf dem Einband meines Exemplars prangt ein Aufkleber „Der Nr.1-Bestseller aus den USA“. Das war aber nicht der Kaufgrund, sondern ich hatte in einer Rezension gelesen, dass es im Buch längere Abschnitte über Christopher Langan geben soll. Ich war wegen seiner CTMU auf ihn aufmerksam geworden und der dazu in offensichtlichem Widerspruch stehenden Tatsache, dass er sein Studium abgebrochen, lange Jahre als Türsteher gearbeitet und auch heute noch keinen wirklichen Zugang zur Scientific Community hat.

Im Auftrag der Nachrichtensendung 20/20 legte ein Neuropsychologe Langan einen herkömmlichen Intelligenztest vor; das Ergebnis war buchstäblich unfassbar und zu hoch für eine genaue Bestimmung. Bei einer anderen Gelegenheit unterzog sich Langan einem Intelligenztest, der speziell für hochintelligente Menschen entwickelt wurde. Er beantwortete alle Fragen bis auf eine.

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Bachs Krebskanon als Möbiusband

14. Februar 2009 Keine Kommentare

In der Ehrensenfsendung vom 28.1.2009 wird auf eine sehr schöne Seite verlinkt: Canon 1 a 2 von Johann Sebastian Bach. Der Autor der Seite hat sein Video auch auf Youtube eingestellt, leider lädt das Video von dort (manchmal?) sehr langsam:



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KategorienLogik, Musik, Videos Tags:

Prüfungsaufsicht an der Uni

13. Februar 2009 Keine Kommentare

Heute hatte ich Prüfungsaufsicht an der Uni. Ich bin seit 17 Jahren dort kein Angestellter mehr, aber mein Chef hatte mich als seinen Vertreter dorthin geschickt. Die Personalsituation ist schlecht, das wusste ich bereits. Sie ist jedoch inzwischen so katastrophal, dass man Honorarverträge mit Rentnern abgeschlossen hat, damit diese Seminare und Praktika halten.

Der Professor selbst wollte dieses Jahr in Pension gehen. Aber das Berufungsverfahren scheiterte und nun macht er erstmal ein Jahr weiter. Im Verfahren hatte man alle Kandidaten weggemobbt, die den Job haben wollten, übrig blieb der Wunschkandidat des jetzigen Amtsinhabers, der sich, fachlich hervorragend, jedoch als charakterliche Niete ungeeignet herausstellte. Wenn ich mich bewerben könnte (ich bin zu alt), würden die Verhandlungen an meinen Forderungen scheitern: Die jetzige Personalausstattung reicht nur zur Ausgestaltung von 2/3 der Lehre, also würde ich als Minimum eine Verdopplung der Stellen fordern – damit wenigstens ein bisschen Forschung neben der Lehre möglich ist, man Drittmittelgelder einsammeln kann und die Arbeit für alle Mitarbeiter ein klein wenig motivierender wird.
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KategorienAlltag Tags:

Bryan Appleyard: Das Ende der Sterblichkeit

9. Februar 2009 Keine Kommentare

Darüber kann man streiten:

Religion und Philosophie verheißen uns nicht unbedingt Unsterblichkeit, aber beide befähigen uns, mit dem Tod zurechtzukommen und somit dem Leben einen Sinn zu geben. Sobald der Tod auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird, geraten sowohl die Religion als auch die Philosophie in tiefe Krisen.

Natürlich stehen auch viele weitere Traditionen auf dem Spiel: politische, künstlerische, wirtschaftliche und kulturelle. … Wenn es in Shakespeares Sonetten um die Flüchtigkeit des Lebens, die schmerzliche Vergänglichkeit von Liebe und Schönheit geht, könnten wir als vitale Tausendjährige sie überhaupt noch als Ausdruck tiefer Einsichten in menschliche Nöte würdigen – oder wären diese Gedichte dann nur noch kuriose Relikte einer untergegangenen Welt?

Und weiter schreibt er:

Was die Unsterblichkeitsverheißung an sich angeht, so bin ich als entschiedener Todesbefürworter in dieses Projekt aufgebrochen. Ich war mir sicher, dass erst der Tod dem Leben Sinn verleiht – den einzigen Sinn, den wir wirklich zu erkennen vermögen. Mit Wittgenstein fragte ich mich, für welches Rätsel Unsterblichkeit die Lösung darstellen sollte. Später musste ich feststellen, dass meine Neugierde mich immer weiter von dieser reinen Lehre entfernte. Würde ich auf dem Sterbebett eine Behandlung ablehnen, die mich in einen kerngesunden Endzwanziger zurückverwandeln würde? Das ist wohl die eine große Versuchung, der niemand widerstehen könnte.

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Lilith und die apokryphen Schriften

6. Februar 2009 Keine Kommentare

In den letzten zwei Wochen habe ich zwei Bücher gelesen, die sich mit theologischen Überlieferungen beschäftigen, die nicht in der Bibel stehen, mit Lilith, der ersten Frau Adams, und mit den apokryphen Schriften, also Texten, die aus verschiedenen Gründen nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Eine Bekannte hatte sich diese beiden Bücher bei Ebay ersteigert. Einer der Vorbesitzer des zweiten Buches muss ein wahrer Bibelforscher gewesen sein, vielleicht ein Theologiestudent oder gar ein Zeuge Jehovas, denn nahezu jede zweite Zeile ist unterstrichen, wobei ich in den Unterstreichungen keinerlei Systematik erkennen kann. Vielleicht ist das ja das überzeugendste Merkmal wahren Glaubens, die Absenz jeglicher Logik?

Ich bin in einem ziemlich atheistischen Umfeld aufgewachsen, von Adam wusste ich nur, dass er der erste Mensch gewesen sein soll, der zunächst im Paradies lebte und später daraus vertrieben wurde, gemeinsam mit Eva, die angeblich aus seiner Rippe geschaffen wurde. Ein Märchen halt wie das vom Rotkäppchen oder von Hänsel und Gretel. Umso verblüffter war ich, als mir meine Bekannte die Geschichte von Lilith erzählt hat. Eva sei gar nicht Adams erste Frau gewesen, zuvor sei er mit Lilith zusammen gewesen. Lilith hätte sich bei Gott beschwert, weil sie „auch mal oben liegen wolle“, und Adam seinerseits bei Gott über Lilith, dass diese ihm nicht unterlegen sei. Ehekrach im Paradies! Gott hätte dann Lilith aus dem Paradies vertrieben und Adam eine neue und folgsamere Frau beschafft. Das Buch von Vera Zingsem, einer studierten Theologin, enthält eine Reihe von Essays über dieses Thema. In einem der Artikel liest sich das dann so:
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KategorienReligion, Rezensionen Tags:

Desoxyribonukleinsäure

5. Februar 2009 Keine Kommentare

Als ich das erste Mal von der DNA gelesen habe, hieß es da, dass sich darauf die Gene befinden und diese die Proteine kodieren, aus denen sich wiederum die Zellen zusammensetzen, die die DNA enthalten. Ungeklärt war, wie beide entstanden sind und wie sie sich zu Beginn des Lebens zum gemeinsamen Verband zusammengetan haben. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich als Kind eine Reihe von Artikel in Weltall Erde Mensch fand. Dieses Buch gab es nur bis 1975 zur „Jugendweihe“, aber ich habe es lange vorher, so mit 8 bis 10 gelesen, es hat mich fasziniert. Es gab darin auch einen Artikel darüber, wie sich Oparin die Ursuppe vorgestellt hat. Heute bevorzugt man ja eher die Black Smoker als Entstehungsort des Lebens.

Inzwischen sind die Kenntnisse viel weitergehend, allerdings mit der Nebenwirkung, dass einige scheinbare Gewissheiten gründlich zerbröselt sind. Liest man heute über die Gene in der Wikipedia nach, dann findet man dort:
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KategorienEvolution Tags:

Die unglaubliche Lösung der Finanzkrise

4. Februar 2009 Keine Kommentare

Es gibt nicht nur Geschichten, die unglaublich sind, sondern einige wenige sind sogar unglaublich lustig und die besten gar unglaublich unglaublich. Was soll man von folgender Geschichte halten?

Rai, auch Steingeld genannt, ist ein auf der Insel Ulithi in Yap, einem Bundesstaat der Föderierten Staaten von Mikronesien, verwendetes Tauschmittel und gilt immer noch als Zahlungsmittel, obwohl die Herstellung 1931 eingestellt wurde. Es besteht aus Steinscheiben, die überall auf den Inseln am Wegesrand oder um die Häuser liegen. Wenn Rai den Besitzer wechselt, lässt der neue Eigentümer den Stein gewöhnlich aufgrund des Gewichts und der damit entstehenden Schwierigkeiten des Transports da liegen, wo er ist. Wem welcher Stein gehört wird einfach gemerkt.

Die Steine können von Handtellergröße bis zu 4 Meter Durchmesser haben und über 5 Tonnen wiegen. Sie bestehen bevorzugt aus den Mineralien Aragonit und Kalzit, welche jedoch nicht auf der Insel vorkommen. Somit mussten die Steine von Palau, das etwa 400 Kilometer südwestlich von Yap liegt, beschafft werden. Diese Entfernung wurde mit Auslegerbooten in einer fünftägigen Reise überwunden. Durch die Steine wurde ein Loch geschlagen, so dass man mit Hilfe von Stäben die Steine zum Meer transportieren kann. Hier wurden sie auf Bambusflöße oder Kanus geladen. Besonders große Steine wurden im Meer aufgestellt und das Floß drumherum gebaut. Auf dem Weg nach Yap gingen auch Steine im Meer unter. Sie gehören trotzdem noch jemandem und zählen als Geld. Es existieren heute noch etwa 300 verschieden große und verschieden schwere Scheiben.
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KategorienGesellschaft, Ökonomie, Visionen Tags: