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Archiv für Januar, 2009

Dean Hamer: Das Gottes-Gen

26. Januar 2009 Keine Kommentare

Bereits seit einiger Zeit gibt es die Theorie vom Gottesmodul. So wird ein Bereich innerhalb des Gehirns bezeichnet, in dem eine erhöhte Stoffwechselaktivität gemessen werden konnte, wenn sich die Betreffenden längere Zeit in einem Stadium tiefer religiöser Versenkung befunden haben. Der Genetiker und Verhaltensbiologe Dean Hamer fügt nun dieser Theorie eine neue hinzu, nämlich die, dass sich statistisch gesehen Menschen mit einem größeren Hang zu Religiosität genetisch in einigen Erbgutabschnitten von weniger religiösen Menschen unterscheiden, er schreibt:

In „Das Gottes-Gen“ stelle ich die These auf, dass es für Spiritualität einen ähnlichen biologischen Mechanismus gibt wie für den Gesang der Vögel, auch wenn er wesentlich komplizierter und präziser ist. Demnach verfügen wir über eine genetische Veranlagung zum Glauben, der sich aus unserer persönlichen Erfahrung und unserem kulturellen Umfeld ergibt und von diesen Faktoren wiederum beeinflusst wird. Nach meiner Argumentation funktionieren diese Gene, indem sie die Fähigkeiten des Gehirns zur Bildung unterschiedlicher Bewusstseinszustände beeinflussen. Diese Bewusstseinszustände wiederum bilden die Grundlage für spirituelle Erfahrungen.

Die Untersuchungsmethodik von Dean Hamer und einigen anderen, die auf diesem Gebiet gearbeitet haben, war zweigleisig. Alle Arbeiten wurden überwiegend im Rahmen von Zwillingsstudien durchgeführt:

  • Befragung zur Einschätzung des Grades an Religiosität, Spiritualität, Selbsttranszendenz.
  • Biochemische Analyse eines kleinen Teil des Erbmaterials der Probanden.

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Paganinis russisches Testbild vice versa

25. Januar 2009 Keine Kommentare

Die Ehrensenf-Sendung vom Dienstag führt zu diesem schönen Testbild:


Bars & Tones from André Chocron on Vimeo

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KategorienFilme, Musik, Videos Tags:

Beim Mittagessen

21. Januar 2009 Keine Kommentare

Am Abend zuvor hatte Köppnick mit großem Interesse den folgenden Artikel gelesen:

Möglichst lange leben, das wollen viele Menschen. Was man tun kann, um sein Leben zu verlängern, das möchte jeder wissen; darum sind zwei Studien der Universitäten von Harvard und Cambridge sehr nützlich, die Hilfe bieten für den Gewinn an Lebenszeit. Die Cambridge-Forscher beispielsweise haben wichtige Faktoren für den Lebensplaner herausgearbeitet. Ein langes, ausgefülltes Sexualleben bringt zweieinhalb Jahre mehr Lebenszeit, und wenn man religiös ist und viele Freunde hat, gibt es drei Jahre hinzu. Weintrinken wird mit vier Jahren belohnt, Bildung mit bis zu fünf Jahren zusätzlicher Lebenszeit, Nichtrauchen bringt zehn Jahre, relativer Wohlstand und das Wohnen in einer „besseren“ Gegend bringen sogar 20 Jahre. Anerkennung ist auch nicht schlecht: Nobelpreisträger werden im Schnitt 1,8 Jahre älter als Kollegen, die zwar nominiert waren, aber nicht ausgezeichnet wurden.

Am nächsten Tag, auf dem Weg zum Mittagessen, erwähnte Köppnick, bei dem es bis auf den heutigen Tag noch nichts mit dem Nobelpreis geworden war, dass er ab jetzt vermutlich regelmäßig in die Kirche zum Beten gehen müsse, um den sonst drohenden katastrophalen Verlust an Lebenserwartung zu kompensieren.
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KategorienAlltag, Fiktion Tags:

Der dritte Replikator

21. Januar 2009 Keine Kommentare

Beim Lesen von Susan Blackmores Buch Die Macht der Meme war für mich eine Idee mehr als nahe liegend, die sie aber im Buch nicht selbst geäußert hatte:

Gene und Meme sind die zwei uns heute bekannten Replikatoren, also zwei Ausprägungen eines evolutionären Prinzips. Gibt es weitere Replikatoren? Was passiert, wenn wir Roboter geschaffen haben, die a) sich selbst replizieren können und b) über von ihnen weitergegebbare Gedanken (=Meme) verfügen? Die Meme könnten zur Erkenntnis gelangen (ohne dabei selbst intentional oder bewusst zu sein), dass die Existenz von Genen für ihre eigene Existenz dann nicht mehr notwendig ist, weil die neuen Replikationsmaschinen für sie effektiver sind (mehr Speicher, schneller, weniger anfällig).

In diesem Spiegelartikel, der eine Übersetzung aus der Internetzeitung Edge ist, äußert sie sich nun selbst zu dieser Idee. Sie schlägt für die neuen Replikatoren (die vorhandenen sind die Gene und die Meme) alternativ die Begriffe Teme (technische Meme) oder Treme (tertiäre Meme) vor. Und sie hat offenbar Angst vor den Maschinen und deren Evolution:
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Ode an die Freude

18. Januar 2009 Keine Kommentare

Die aktuelle SZ Wissen trägt den Titel „Zeitmaschine Gehirn“, folgerichtig findet man eine ganze Reihe von Artikeln zum Thema „Zeit“. Einer dieser Artikel enthält ein Interview mit dem Zeitforscher Hartmut Rosa. Viele seiner Aussagen kannte ich schon aus Büchern anderer Autoren, unter anderem aus Karlheinz A. Geißler: Vom Tempo der Welt und aus Fritz Reheis: Die Kreativität der Langsamkeit. Darunter das folgende Paradoxon:

Wenn ich spannende Dinge erlebe und die Zeit schneller vergeht, erscheint sie mir im Nachhinein lang. Ich diagnostiziere jedoch ein Phänomen, dass ich Fernsehparadox nenne: Beim Zappen etwa wechseln Zuschauer alle paar Sekunden das Programm. Dabei vergeht die Zeit wie im Flug. Man will vielleicht nur fünf Minuten gucken, am Schluss sind es zwei Stunden. Die Zeit ist dann zwar schnell vergangen, aber nach dem Ausschalten fällt sie sofort zusammen, es bleibt nichts zurück.

Oder etwas abstrakter formuliert: Je schneller die Zeit in der Gegenwart vergeht, umso langsamer wird sie in der Zukunft als dann vorgenommene Rückschau auf die Vergangenheit erscheinen. Wenn wir von elementaren Zeitgebern wie zum Beispiel dem Herzschlag im Körper einmal absehen, legen die erinnerbaren Ereignisse den Zeittakt fest. Unabhängig davon, in welcher Geschwindigkeit sie im Gehirn gespeichert werden, erfolgt ihr Abrufen später in einem festen, menschengemäßen Takt.

Allerdings funktioniert es auch nicht, seine Zeit beliebig dicht mit spannenden Unternehmungen vollzupacken, wie es viele versuchen, die ihr langweiliges Alltagsleben mit umso mehr Erlebnissen im Urlaub oder der Freizeit zu kompensieren versuchen.
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Christopher Langan: CTMU

16. Januar 2009 Keine Kommentare

Vor dreieinhalb Wochen war ich mir nach dem Studium von Christopher Langans Theorie der Theorien nicht sicher, ob ich sein Hauptwerk, „The Cognitive-Theoretic Model of the Universe“ (CTMU) so bald lesen würde, aber inzwischen habe ich es getan. Ich möchte nicht behaupten, dass ich alles verstanden habe, aber einige der Hauptgedanken werden wohl richtig bei mir angekommen sein.

Ich bin ich mir nicht sicher, ob der Name seiner Theorie optimal ist, ich hätte nicht von einem Modell des Universums, sondern von einer Realitätstheorie gesprochen, so wie er selbst das an einigen Stellen schreibt. Ein Mitglied der Prometheus Society hat sich in einem Diskussionsforum zu Langans Theorie geäußert: „Sie ist ein wenig tautologisch, aber wir alle bewundern die Tiefe seiner Gedanken.“ Tatsächlich verwendet Langan selbst das Wort „tautologisch“ und an einigen Stellen sogar „supertautologisch“. Dazu muss man wissen, dass dieses Wort doppeldeutig ist. Im Alltagsgebrauch hat es eine eher negative Konnotation im Sinne von „überflüssige Wiederholung, Binsenweisheit“. In der Logik hingegen kennzeichnet es den Wahrheitswert einer Aussage.

Anforderungen an eine Realitätstheorie hat in den späten 70er Jahren John Wheeler formuliert, von dem auch das rechts stehende Bild stammt. Das „U“ steht für das Universum, der schmale Ast für den informationellen Aspekt, das Auge für die bewussten Beobachter innerhalb des Universums, also für den kognitiven Aspekt. „Das Universum beobachtet sich selbst und denkt über sich nach, es muss bewusst sein“, könnte man das Bild interpretieren. Als eine Kurzzusammenfassung der Forderungen Wheelers an eine Realitätstheorie kann man die 5 Fragen ansehen, die man im Wikipediaartikel über John Wheeler findet.
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H.G. Wells: Die Zeitmaschine

13. Januar 2009 Keine Kommentare

„Aber“, sagte der Arzt, den Blick starr auf ein Stück Kohle im Kamin geheftet, „wenn Zeit tatsächlich nur eine vierte Dimension des Raumes ist, warum wird und wurde sie dann immer als etwas anderes angesehen? Und warum können wir uns innerhalb der Zeit nicht so frei bewegen wie in den anderen Dimensionen des Raumes?“

Der Zeitreisende lächelte. „Sind Sie so sicher, dass wir uns im Raum frei bewegen können? Nach rechts und links, vorwärts und rückwärts können wir uns wohl ziemlich ungehindert fortbewegen, und das haben die Menschen auch seit jeher getan. Ich gebe also zu, dass wir uns in zwei Dimensionen frei bewegen können. Aber wie steht es mit aufwärts und abwärts? Hier setzt uns die Schwerkraft Grenzen.“

Ich habe in der Wikipedia nachgelesen, H.G. Wells schrieb seinen Roman Die Zeitmaschine bereits 1895, 10 Jahre vor der Erstveröffentlichung der Speziellen Relativitätstheorie. So wie die Zeitmaschine in seinem Buch funktioniert, lässt es die (heute bekannte) Physik aber nicht zu. Es gibt zwei spekulative Ansätze, die winzig kleine theoretische Schlupflöcher lassen:
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KategorienFiktion, Logik, Physik, Rezensionen Tags:

Uri Avnery: Die Lügen des Kriegs

12. Januar 2009 Keine Kommentare

In der Telepolis findet sich heute ein Artikel von Uri Avnery über den Krieg Israels gegen den Gazastreifen, den er so beginnt:

Warum Israel den Krieg nicht gewinnen und die Hamas ihn nicht verlieren kann

Vor fast 70 Jahren wurde während des Zweiten Weltkriegs in Leningrad ein abscheuliches Verbrechen begangen. Länger als tausend Tage hielt eine Gang von Extremisten, die „Rote Armee“ genannt wurde, Millionen von Einwohnern der Stadt als Geiseln und provozierte die deutsche Wehrmacht aus den Bevölkerungszentren heraus. Die Deutschen hatten keine andere Möglichkeit, als die Bevölkerung zu bombardieren und sie einer totalen Blockade auszusetzen, die den Tod von Hunderttausenden verursachte. Nicht lange zuvor wurde in England ein ähnliches Verbrechen begangen. Die Churchillbande versteckte sich inmitten in die Londoner Bevölkerung und missbrauchte Millionen von Bürgern als menschliche Schutzschilde. Die Deutschen waren so gezwungen, ihre Luftwaffe zu schicken und die Stadt widerwillig in Schutt und Asche zu legen.

Dies ist die Beschreibung, die jetzt in den Geschichtsbüchern stünde – wenn die Deutschen den Krieg gewonnen hätten.

Absurd? Nicht absurder als die täglichen Nachrichten unserer Medien, die so oft wiederholt werden, dass einem speiübel wird: Die Hamas-Terroristen halten die Bewohner des Gazastreifen als „Geiseln“ und benützen die Frauen und Kinder als „menschliche Schutzschilde“, sie lassen uns keine Alternative, als massive Bombardements durchzuführen, in denen zu unserm großen Bedauern Tausende von Frauen, Kinder und unbewaffneten Männer verletzt oder gar getötet werden.

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KategorienPolitik Tags: ,

Noch zwei große Zeitfresser fernab von Youtube

8. Januar 2009 Keine Kommentare

Der erste Zeitfresser ist ein kleines Spielchen, bei dem man sein rotes Klötzchen vor den bösen blauen Klötzchen schützen und gleichzeitig die Berührung des Randes vermeiden muss: Escapa! Mein bestes Ergebnis liegt zwischen 10 und 11 Sekunden, danach habe ich das Training beendet. (Die Klötzchen bewegen sich nämlich immer gleich, sodass man sich eine optimale Route erarbeiten kann.)

Der zweite Zeitfresser ist mehr von der intellektuellen Sorte. Es gibt ja das schöne Bonmot „Der Benzinpreis ist mir egal, ich tanke immer für 50 Euro.“ aber welche von den beiden folgenden Alternativen ist tatsächlich besser:

  • Fahrer 1 tankt immer voll und fährt den Tank leer, bevor er wieder tankt.
  • Fahrer 2 tankt, wann er will, aber immer genau für 20 Euro.

Wer von beiden fährt billiger?

Was für ein Quark, dachte ich zunächst. Aber die Aufgabe ist unglaublich komplex. Soweit ich weiß, gibt es keine eindeutige Lösung, sondern eine Abhängigkeit von einer Vielzahl von Kriterien.
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KategorienLogik Tags:

Carl Sagan: Contact

2. Januar 2009 Keine Kommentare

Das Buch hatte ich schon eine ganze Weile gesucht und die Hoffnung auf ein deutschsprachiges Exemplar schon fast aufgegeben, obwohl es eine deutsche Ausgabe gibt. Kurz vor Weihnachten hat es dann geklappt. Auf meinem Exemplar steht „Preisred. Mängel-Exemplar“, ich konnte nicht herausfinden, worin der Mangel bestehen soll. An anderer Stelle aber habe ich gelesen, dass es aufgrund der Buchpreisbindung in Deutschland Buchhandlungen nicht möglich ist, neue Bücher unter dem offiziellen Preis zu verkaufen. Der Mängelstempel löst dieses Problem in der Art einer self-fulfilling prophecy. Der Stempelabdruck ist selbst der Mangel, wegen dem die Buchhandlung ein Buch, auf dem sie sonst sitzen bleiben würde, billiger verkaufen kann. Nur bei Carl Sagans Buch sollte dieser marktwirtschaftliche Trick nicht nötig sein.

Das Buch ist mit Jodie Foster in der Hauptrolle verfilmt worden, zur Geschichte sowohl des Buchs als auch des Films siehe die Wikipedia. Der rote Faden ist schnell skizziert: Auf der Erde wird durch Radioteleskope eine Botschaft empfangen, die sich als das Signal einer außerirdischen Zivilisation entpuppt. Es gelingt, die Botschaft zu entschlüsseln. Sie enthält detaillierte Pläne für den Bau einer Maschine. Nach heftigen Diskussionen wird mit dem Bau der Maschine begonnen, obwohl ihr Zweck nicht klar ist und obwohl die dafür benötigten Ressourcen gewaltig sind – es ist eine Zusammenarbeit aller Staaten der Erde notwendig (das Buch wurde 1985 geschrieben, damals existierte die Sowjetunion noch). Und nach der Fertigstellung der Maschine kommt es zum „Contact“ mit einer / mehreren / allen fortgeschrittenen Zivilisationen unserer Galaxis / des gesamten Universums.
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