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Archiv für Dezember, 2008

Der Weltuntergang ist nahe!

30. Dezember 2008 Keine Kommentare

Köppnick lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und rieb mit den Fingern über seine schmerzenden Augen. Trotz zunehmender Müdigkeit war er euphorisch, denn er hatte den entscheidenden Abschnitt des Textes jetzt fertig übersetzt:

Es ist 9:32, am 11. Februar 63.327.856 vor Christus, wo ich soeben aus dem Stall zurückgekommen bin. Die Sauropoden wollen ihr Farn nicht fressen, weil es heute morgen dunkel geblieben ist.

Es war Köppnick nicht leicht gefallen, die alte krakelige Schrift zu entziffern. Aber welche Sensation würde seine Übersetzung in der Fachwelt auslösen, war es doch der erste klar datierte Hinweis auf den genauen Zeitpunkt des Aussterbens der Dinosaurier! Mit diesem Text konnte der Zeitpunkt des Weltuntergangs für die Saurier auf den Zeitraum zwischen dem Sonnenuntergang am 10. Februar 63.327.856 vor Christus um 17:41 und dem Sonnenaufgang am 11. Februar 63.327.856 vor Christus 7:57 eingegrenzt werden. Viele Fachbücher würde man umschreiben müssen, denn in den meisten hieß es noch:

Die Saurier starben aus, weil es nach dem Einschlag eines gewaltigen Meteoriten auf der Erde längere Zeit dunkel wurde.

Wie sich jetzt gezeigt hatte, war das völlig falsch, denn offenbar wurde es nicht dunkel, sondern, da der Einschlag nachts erfolgt war, blieb es das einfach nur. Der soeben übersetzte Eintrag war übrigens der letzte im Tagebuch des saurischen Bauern geblieben. Vermutlich gingen ihm noch im Laufe des ersten Tages die Kerzen aus und im Dunkeln konnte oder wollte er nicht weiter schreiben.
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KategorienFiktion Tags:

Jill B. Taylor: Mit einem Schlag

29. Dezember 2008 Keine Kommentare

Vor einem dreiviertel Jahr bin ich auf Jill Bolte Taylor aufmerksam geworden, die, als Neurowissenschaftlerin arbeitend, selbst einen Schlaganfall hatte, dabei am eigenen Leib beobachten konnte, wie Stück für Stück neuronale Funktionen ausfielen, und die danach etwa acht Jahre benötigt hat, um wieder vollständig gesund zu werden: Video mit ihr.

Ihre Erlebnisse hat sie in einem Buch verarbeitet:

Dieses Buch ist eine chronologische Dokumentation der Reise, die ich in die Abgründe eines stummen Gehirns gemacht habe, an einen Ort tiefen inneren Friedens. In diesem Buch verbinde ich akademische Ausbildung mit persönlicher Erfahrung und Erkenntnis. Soweit ich weiß, ist dies der erste dokumentierte Bericht eines Menschen, dessen Beruf die Hirnforschung ist und der sich von einer schweren Hirnblutung wieder vollständig erholt hat. Ich bin froh, dass ich meine Erfahrungen der Welt mitteilen kann.

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Hyperexponentielles Wachstum

28. Dezember 2008 Keine Kommentare

Nachdem vielleicht die größten Beben der Finanzkrise ausgestanden sind (ich habe da noch meine Zweifel, da die Kreditkartenblase noch nicht geplatzt ist), bekommt man erste theoretische Überlegungen zu lesen. In der Telepolis gab es gestern den Artikel Eine Odyssee durch die Welt des Geldes, in dem über Alternativen zum globalen Geld geschrieben wurde. Ein noch interessanterer Artikel, in dem über die Vorhersagbarkeit bestimmter Typen von Krisen geschrieben wurde, fand man vor einiger Zeit bei Heise Online: Mathematischer Indikator für die Finanzkrise. Es lohnt sich, den Grundgedanken des mathematischen Verfahrens zu durchdenken:

Ungebremste Wachstumsvorgänge in Natur und Gesellschaft verlaufen innerhalb gewisser Grenzen linear bis exponentiell. Ein Huhn, das 3 Eier in 10 Tagen legen kann, kann in 100 Tagen 30 Eier legen. Eine Fabrik, die im Jahr 100 Stück eines bestimmten Produkts produziert, schafft in zwei Jahren 200 Stück. Das ist linear. Wenn man beginnt, aus den Eiern weitere Hühner auszubrüten oder mit den Produkten der Fabrik neue Fabriken zu bauen, wird das Wachstum exponentiell. Wenn in einer Fabrik in einem Jahr eine weitere Fabrik gebaut werden kann, hat man nach einem Jahr zwei Fabriken, nach zwei Jahren vier, nach drei Jahren acht. Wenn Waren und Geld in einer Äquivalenzrelation zueinander stehen, dann entspricht lineares Wachstum dem Zins, exponentielles Wachstum dem Zinseszins.
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KategorienGesellschaft, Ökonomie, Visionen Tags:

Cornelia Funke: Herr der Diebe

26. Dezember 2008 Keine Kommentare

Der Anlass des Interviews mit Cornelia Funke im Spiegel war sicherlich der Kinostart des Films „Tintenblut“. Ich habe überlegt, mir den Film anzusehen, und bin dann doch nicht gegangen. Ich kenne das Buch nicht und habe die Erfahrung gemacht, dass sich, wenn man zuerst einen Film sieht und erst danach das Buch liest, die falschen Bilder im Kopf festsetzen und man die größere Komplexität des Geschriebenen nicht mehr wahrnimmt. Das Buch „Tintenblut“ war auf die Schnelle nicht aufzutreiben, aber „Herr der Diebe“ hat mir eine Bekannte geborgt.

Cornelia Funke gilt als die erfolgreichste deutsche Kinderschriftstellerin, wobei dafür als Erfolgsmaßstab die Anzahl der verkauften Bücher gilt, 10 Millionen sind es wohl. Ich habe überlegt, wie ein solcher Erfolg zustande kommt. Kinder lesen die Bücher zwar und können ihre Eltern auch mächtig bedrängen, aber gekauft werden die Bücher von Erwachsenen. Das heißt, die Bücher müssen zuallererst Gnade bei den Eltern finden. Das geht sicherlich am besten, wenn diese etwas in den Büchern findet, das eine auch für Erwachsene noch hinreichende Tiefe hat, etwas, das sie mit sich selbst verbinden können oder das sie an ihre eigene Kindheit erinnert, sie andererseits aber der Meinung sind, das wäre genau das Richtige für ihre Kinder.
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KategorienFiktion, Rezensionen Tags:

Rätsel

25. Dezember 2008 1 Kommentar

Ich kann mir meine Arbeit weitgehend frei einteilen, am letzten Tag vor einer längeren Pause nehme ich mir dann nur noch Kleinigkeiten vor. Es ist nämlich ziemlich unangenehm, wenn man nach dem Urlaub zurückkehrt, ein halbfertiges Stück Programmcode vorfindet und sich nicht mehr daran erinnern kann, welche Grundideen man dabei hatte. Mein Kollege schien das ähnlich zu sehen, und so schwatzten wir am Tag vor Weihnachten zwischendurch etwas mehr als sonst. Die beiden Studenten schienen auch nicht mehr voll bei der Sache zu sein, zumal der eine von ihnen am Vormittag eine Diplomzwischenverteidigung hinter sich gebracht hatte. Er war mit sich nicht so richtig zufrieden, ich fand seinen Vortrag ganz okay.

Irgendwann erzählte mein Kollege von einem Rätsel, für das er noch keine Lösung gefunden hatte.

Ein Mann wohnt in einem Hochhaus im 30. Stockwerk. Jeden Tag wenn er das Haus verlässt, fährt er mit dem Fahrstuhl vom 30. Stock nach unten. Wenn er wieder nach Hause kommt, fährt er mit dem Fahrstuhl bis in die 26. Etage und geht die restlichen 4 Etagen zu Fuß. Nur wenn es regnet, fährt er bis in den 30. Stock.

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Jingle bells … oder so

24. Dezember 2008 Keine Kommentare

Ohne Worte:

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Christian Klar

22. Dezember 2008 Keine Kommentare

Am 19.12. wurde Christian Klar aus der Haft entlassen, gegenüber dem angekündigten Termin im Januar etwas vorzeitig, noch vor Weihnachten. Christian Klar war Mitglied der RAF und wurde wegen gemeinschaftlich begangenen neunfachen Mordes und vieler weiterer Mordversuche zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Mindesthaftdauer legte ein Gericht mit 26 Jahren fest, diese Zeit war im November abgelaufen, denn die Untersuchungshaft zählt ja mit. Bundespräsident Köhler hatte vor einem Jahr noch ein Gnadengesuch Klars abgelehnt.

Eine Reihe Prominenter hat die Freilassung Klars kritisiert. Verständlich ist das bei Angehörigen von Opfern bzw. (indirekten) Opfern der RAF selbst, wie z.B. Jürgen Vietor, seinerzeit Kopilot der Landshut. Aber auch eine Reihe Konservativer hat sich dementsprechend geäußert, wie Westerwelle, Beckstein und Söder, weil „Klar keine Reue zeige und sich bis heute nicht entschuldigt habe“. Offenbar ist das Verständnis der Funktion von Strafe bei verschiedenen Menschen unterschiedlich. Gerechtigkeit herstellen kann Strafe jedenfalls nicht, denn wirklich gerecht wäre nur das Ungeschehen Machen der Taten, und das können Menschen nicht. Die Hauptfunktion von Strafe sollte es sein, die Wahrscheinlichkeiten gleichartiger Taten in der Zukunft zu verringern und die Allgemeinheit bestmöglich davor zu schützen. Eine Strafe wirkt so gleichermaßen auf den Täter und potenzielle Nachahmer.
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Christopher Langan: Die Theorie der Theorien

20. Dezember 2008 3 Kommentare

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich vor einer reichlichen Woche auf Christopher Langan und sein Cognitive-Theoretic Model of the Universe, kurz CTMU, gestoßen bin. Die deutsche Wikipedia kennt seinen Namen nicht, aber in der englischen Version wird man fündig. Seine Biografie ist sehr ungewöhnlich. Er arbeitete lange als Türsteher, schafft beim Bankdrücken im Fitnesscenter 250 Kilogramm und wohnt jetzt auf seiner eigenen Pferderanch. Das wäre noch nichts Besonderes, wenn da nicht sein IQ von rund 200 wäre. Der Psychologe, der ihn seinerzeit begutachtet hat und auf Fälle extremer Intelligenz spezialisiert ist, hat hinterher gesagt, dass ihm in seiner über 25jährigen Berufslaufbahn noch niemals ein solch intelligenter Mensch begegnet ist. Langan verdingte sich knapp zwanzig Jahre als Bauarbeiter, Cowboy, Feuerwehrmann, Farmarbeiter und Türsteher, ist jetzt mit einer Professorin für klinische Neuropsychologie verheiratet und arbeitet in seiner Freizeit an seiner eigenen Theorie des Universums. In einem Interview mit ihm habe ich gelesen, dass er als Türsteher öfter ein blaues Auge und eine blutige Nase bekam und sich das erst besserte, als er berühmt wurde – nach seiner Teilnahme an einer Fernsehshow, in der er 250.000$ gewann.
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Cornelia Funke

17. Dezember 2008 Keine Kommentare

Der Name Cornelia Funke sagte mir nichts, ich wusste weder, dass sie Kinderbücher schreibt, noch dass sie als die erfolgreichste deutsche Schriftstellerin gilt. Aber nach dem Lesen des Spiegelinterviews mit ihr (Nr. 50, 8.12.2008) wundert mich ihr Erfolg nicht, ihre Sprache gefällt mir, an einigen Stellen hat sie mich zum Nachdenken gebracht.

Spiegel: Ein anderes Thema ihrer Bücher ist die Macht des Erzählers: In der Tintenwelt entgleitet dem Erzähler die von ihm erschaffene Realität – je weiter die Geschichte voranschreitet, desto weniger kann er seine Helden kontrollieren.

Funke: Das ist natürlich auch ein philosophisches Spiel: In welchem Maß wird unser eigenes Leben geschrieben, ohne dass wir es steuern können? In meinem Leben haben sich auf seltsame Weise immer wieder Vorgestelltes und Wirkliches vermischt: Da entwerfe ich eine Figur für eine Geschichte – und plötzlich taucht eben so ein Mensch in meinem Leben auf. Da schreibe ich über Tod und Verlust – und verliere meinen Mann. Zwischendurch habe ich mich gefragt: Beschwörst du das durch deine Worte herauf? Oder wussten die Worte vorher, was noch nicht passiert war? Ist unser wohlsortiertes Gestern, Heute, Morgen Illusion?
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Larry Niven, Jerry Pournelle: Der Splitter im Auge Gottes

16. Dezember 2008 Keine Kommentare

Eigentlich lese ich seit langem keine SF mehr, bei meinem letzten Umzug vor knapp 3 Jahren habe ich deshalb auch den größten Teil dieser Bücher entsorgt. Verblieben sind lediglich diejenigen der über das Genre hinaus bekannten Autoren wie Stanislaw Lem, Isaac Asimov, die Brüder Strugatzki, Angela und Karl-Heinz Steinmüller, sowie einige wenige Bücher, an deren Inhalt ich mich noch erinnern konnte. So war ich ziemlich verblüfft, dass mir beim Aufräumen „Der Splitter im Auge Gottes“ auffiel. Wann und warum hatte ich es gekauft? Es ist ja keine Neuerscheinung. Eine kurze Recherche im Netz ergab dann die Ursache meines Kaufes.

Wahrscheinlich habe ich nach der Jugend das Interesse SF verloren, weil sie zu großen Teilen unlogisch sein muss und die meisten Bücher einfach schlecht. Gute SF zeichnet sich dadurch aus, dass man sich dort nicht lang und breit über Technik auslässt, sondern diese lediglich den Hintergrund bildet für menschliche Probleme und Konflikte, die nur an einem ungewöhnlichen Ort und in der Zukunft ausgebreitet, ausgefochten und manchmal gelöst werden. Solcherart negativ vorgestimmt, hat mich der Beginn des Buchs auch eher geärgert:
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KategorienFiktion, Rezensionen Tags: