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Archiv für November, 2008

Die drei Stillen

30. November 2008 Keine Kommentare

Vor einer Stunde sind Urs und Traudel in den Kühlschrank umgezogen. Es ist ihre dritte Winterruhe in ihrem eigenen Kühlschrank, Anfang bis Mitte April werden sie wieder geweckt. Aus diesem Anlass habe ich mal eine kleine Grafik angefertigt, die ihre Gewichtszunahme seit Oktober 2006 zeigt, als die beiden bei mir eingezogen sind.

urseltraudel

Die blauen Streifen im Diagramm geben die Zeiten der beiden vorigen Winterruhen an. Das Gewicht fällt in den Wochen kurz vorher ab, weil die Schildkröten zwar schon das Fressen eingestellt haben, aber noch aktiv sind. Im Kühlschrank verlieren sie fast kein Gewicht, was sie an Fett verbrennen in dieser Zeit, nehmen sie offenbar an Feuchtigkeit aus dem Substrat wieder auf. In die ersten Monaten nach der Winterruhe fällt dann die größte Gewichtszunahme, während es im Hochsommer eher konstant bleibt.
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Telomerase

24. November 2008 5 Kommentare

„Miss mal den ph-Wert im Urin“, hatte mir die Kräuterhexe Physiotherapeutin geraten. Vorher hatte ich ihr erzählt, dass ich seit meinem Umzug vor über zwei Jahren manchmal Schmerzen in meinen Fingergelenken habe und dass es in meiner Familie mehrere Fälle von Gicht und Osteoporose gegeben hatte. „Da gibt es so Teststreifen in der Apotheke, die hältst du in den Mittelstrahl, aber nicht bloß einmal am Tag, sondern öfter. Wenigstens einmal am Tag muss der ph-Wert im basischen Bereich liegen“, hatte sie noch gesagt.

Mittelstrahl kannte ich schon, zusammen mit meinen Kollegen witzelten wir darüber, wie es denn davor und danach heißt, Frühstrahl, Spätstrahl, linker oder rechter Strahl. Im Netz fand ich dann auch keine ordentlichen Begriffe, nur dass am Anfang der abgestandene Urin aus der Harnröhre kommt und man die letzten Tröpfchen am Schluss aus der Prostata quetscht.

So sollte es sein:
Urin

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Epikur: Philosophie des Glücks

18. November 2008 2 Kommentare

Am Wochenende hat mir eine Bekannte voller Begeisterung ein Buch gezeigt, In die Sonne schauen: Wie man die Angst vor dem Tod überwindet von Irvin D. Yalom, einem amerikanischen Psychoanalytiker. Ich habe es kurz durchgeblättert und bin bei einem Kapitel über Epikur hängen geblieben. Epikur war ein griechischer Philosoph, der im 4. Jahrhundert vor Christus gelebt hat. Er war ein wichtiger Vertreter des Hedonismus, der aber damals eine etwas andere und nicht so negativ konnotierte Bedeutung wie heute hatte. Epikur war ein für seine Zeit sehr fortschrittlicher Begründer einer Denkschule, zum Beispiel hatten zu seinen philosophischen Runden auch Frauen und Sklaven ungehinderten Zutritt.

Yalom hat aus Epikurs Schriften bzgl. seines Themas, des Todes, nach meiner Erinnerung die folgenden drei Grundgedanken extrahiert:

  • Die Seele ist sterblich.
  • Wir müssen keine Angst vor dem Tod haben, weil: Wenn wir leben, sind wir nicht tot. Wenn wir tot sind, empfinden wir nichts.
  • Vor unserer Geburt sind wir auch tot gewesen.

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Die Quadratur des Kreises

17. November 2008 Keine Kommentare

In einem Kommentar wurde dieses Bild mit der schönen Überschrift Die Quadratur des Kreises versehen. In dem Telepolisartikel lässt man kein gutes Haar an den Ergebnissen des Krisengipfels an diesem Wochenende. Aber der Artikel ist noch aus einem ganz anderen Grund interessant, er erläutert nämlich mit einfachen Worten, worin für Deutschland in der gerade beginnenden Rezession die Probleme liegen werden:

Man war jahrelang stolz auf die Exportüberschüsse Deutschlands, die die schwächelnde Binnennachfrage (für die Industrie und für deren Gewinne) überkompensierten. Exportüberschüsse einiger Länder bedeuten aber Haushaltsdefizite in anderen Ländern, d.h. ein Leben auf Pump dort. Insofern ist Deutschlands und Chinas Exportüberschuss eine der Ursachen für die weltweite Finanzkrise. Und ein Grund der schwachen Binnennachfrage ist auch, dass die langsamer als die Unternehmensgewinne steigenden Einkommen einen größeren Konsum gar nicht ermöglicht haben.
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Unter Werwolfverdacht

16. November 2008 Keine Kommentare

Peter und seine Klassenkameraden waren 15 oder 16 Jahre alt, als sie gegen Kriegsende zur Ausbildung am Gewehr und der Panzerfaust aufgefordert wurden. Im Volkssturm sollten sie den aussichtslosen Kampf gegen die Russen fortsetzen. Aber die Amerikaner rückten dann so schnell in Leipzig ein, dass sie nicht mehr zum Einsatz kamen. Später zogen die Amerikaner ab und überließen Leipzig den Sowjets, weil Sachsen der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen war. Die Schulen wurde wieder geöffnet, aber in der Freizeit musste man sich um Lebensmittel und Kohlen kümmern.

Zwei Bekannte von Peter gerieten nach dem Diebstahl eines Schweins in Streit über die gerechte Aufteilung, aus Rache schwärzte der eine den anderen bei der Polizei an. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Beamten den Lauf einer Pistole, die der Junge irgendwo auf der Straße gefunden hatte, nichts besonderes nach dem Krieg. Ein paar Tage später wurden weitere acht Schüler verhaftet. Die Anklage lautete auf Mitgliedschaft beim Werwolf.
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Etüde

14. November 2008 Keine Kommentare

„Ich schreibe ihnen eine Etüde“, sagte die Musiklehrerin. Sie nahm sich einen Stift, summte vergnügt vor sich hin und kritzelte eine Note nach der anderen auf das Papier.

Etude1

Das spielt sich ziemlich leicht, denn hier muss man mit dem Bogen nicht die Saite wechseln, sondern schrummelt immer auf und ab. Zur Verzweiflung hingegen hat mich in der letzten Woche die folgende Passage getrieben:

Etude2

Ein Ausschnitt aus einem jüdischen Volkslied. Man kommt in der Passage zweimal von der leeren A-Seite und muss mit dem Ringfinger die richtige Stelle auf der D-Saite treffen, sonst hört es sich ganz grauslich an. Und beim zweiten Mal ist die folgende Note länger.
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Strom & Wasser

13. November 2008 Keine Kommentare

Gestern hat mich ein Kollege zu einem „Geheimtipp“ mitgenommen – eine Konzert / eine Lesung von Strom & Wasser. Chef der Gruppe ist Heinz Ratz. Er schreibt Geschichten, Gedichte und Lieder (Hörproben hier). Heinz Ratz singt, spielt Baßgitarre und wurde bei diesem Konzert von einem Pianisten mit einem E-Piano begleitet. Heinz Ratz war mir sofort sympathisch, und noch mehr als er erzählte, welche Schwierigkeiten er in der Schule hatte. Er wurde mit 4 Jahren eingeschult, weil sein Vater das so wollte, bekam aber bald Ärger mit seiner Lehrerin, weil er sich weigerte, das Wort „so“ zu schreiben. „o“ ist mit „g“ verwandt, und „g“ kann „s“ nicht leiden. Das wollte die Lehrerin partout nicht einsehen.

Zwischen den Liedern las Heinz Ratz aus seinen Büchern vor. Mein Favorit war eine Erzählung, die Heinz Ratz in etwa mit den Worten ankündigte: „Ich habe mich auch mit Gott und so beschäftigt. Herausgekommen ist – ‚Der Schwachkopf'“. Die Geschichte ist in dem Buch Der Mann der stehen blieb abgedruckt und beginnt so:
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Organspendepflicht für ALGII-Empfänger

10. November 2008 Keine Kommentare

„Ein Lebender muss die Chance haben, sein Organ zu verkaufen“, so Peter Oberender, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Bayreuth, in einem Interview. Und er führt auch gleich aus, dass es hier insbesondere um diejenigen geht, die finanziell schlechter gestellt sind.

Es ist doch folgende Situation: Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, so muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit haben, durch den Verkauf von Organen – und zwar geregelten Verkauf … ähnlich der Börse, dass man sagt, wer ist zugelassen zu dem Handeln. Es muss auch geprüft werden, wer darf das Organ entnehmen. Und dann wird praktisch das Organ versteigert.

In der Telepolis findet man einen Artikel mit diesem Namen und diesem zitierten Beginn, an dessen formaler Logik nichts auszusetzen ist. Der Artikel zeigt die Konsequenzen auf, die drohen, wenn menschliches Leben nach marktwirtschaftlichen Kriterien bewertet wird. Und es wird auch die Organisation genannt, der Think-Tank, der die deutsche Gesellschaft seit Jahren mit solcherart Ideen subversiert:

Professor Oberender, von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), …

Wikipedia-Artikel über INSM
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Obama Superstar

7. November 2008 Keine Kommentare

So sehr ich mich freue, dass Obama gewonnen hat, so unheimlich sind mir die Erwartungen, die seine Präsidentschaft geweckt hat. In diesem Telepolisartikel sind die wichtigsten internationalen Baustellen aufgelistet:

  • Afghanistan
  • Pakistan
  • Irak
  • Iran
  • Syrien
  • Israel und Palästina
  • Russland
  • China
  • Lateinamerika und Karibik
  • EU
  • UN und Menschenrechte

Die US-Amerikaner aber haben ihn mehrheitlich wegen etwas ganz anderem gewählt:
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Zukunftsprognosen

3. November 2008 Keine Kommentare

Hier findet man einen Artikel, in dem das Abnehmen der gemessenen IQs in letzter Zeit beklagt wird, nachdem es über einen langen Zeitraum nur bergauf ging:

James Flynn, ein Wissenschaftler aus Neuseeland, hatte in den achtziger Jahren festgestellt, dass die Menschen von Generation zu Generation immer intelligenter würden, zumindest was die Lösung einiger Intelligenztests betrifft. Man sprach seitdem vom Flynn-Effekt, der sich aber nicht auf die ganze Intelligenz beziehen würde, wie Flynn selbst anmerkte. Allerdings trübte sich die Perspektive auf den unaufhaltsamen Fortschritt der Intelligenz in den letzten Jahren ein wenig ein. Forscher sprachen davon, dass der Gipfel überschritten worden sei und es jetzt wieder nach unten gehen könnte. Dafür machte man etwa den neuen Lebensstil und die Überversorgung mit Medien aus.

Man muss sich die Frage stellen, was Intelligenztests überhaupt messen. Flynn tat das, sehr viele andere, die seine Ergebnisse zitiert haben, nicht. Sehr schön finde ich die folgende Anekdote:
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