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Archiv für September, 2008

Oliver Sacks: Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte

30. September 2008 Keine Kommentare

Beim Lesen hatte ich öfter ein déjà-vu, wahrscheinlich habe ich einige der Geschichten schon anderswo gelesen oder von ihnen gehört. Der Neurologe Oliver Sacks hat das Buch 1987 veröffentlicht. Die Titelgeschichte handelt von einem Mann, der im Zuge einer fortschreitenden Erkrankung in seinem Gehirn (wahrscheinlich ein Tumor, aber das bleibt im Buch offen) unter anderem die Fähigkeit verloren hat, Gesichter zu erkennen, in vielen anderen Lebensbereichen aber vollkommen normal geblieben ist:

Ich zeigte ihm das Titelbild der Zeitschrift, eine endlose Reihe von Sanddünen in der Sahara. „Was sehen Sie hier?“, fragte ich. „Ich sehe einen Fluss“, sagte er. „Und am Ufer ist ein kleines Gasthaus mit einer Terrasse. Auf der Terrasse sitzen Leute und essen. Hier und da stehen bunte Sonnenschirme.“ Er sah – wenn man das „sehen“ nennen kann – an der Zeitschrift vorbei in die Luft und plauderte ungezwungen über nichtexistente Dinge, als hätte ihn das Fehlen von Gegenständen auf dem Bild ihn gezwungen, sich den Fluss, die Terrasse und die bunten Sonnenschirme vorzustellen.

Ich muss entsetzt dreingeblickt haben, aber er schien davon überzeugt zu sein, dass er seine Sache gut gemacht hatte. Ein Lächeln spielte um seinen Mund. Außerdem hatte er anscheinend den Eindruck, die Untersuchung sei abgeschlossen, denn er sah sich nach seinem Hut um. Er streckte die Hand aus und griff nach dem Kopf seiner Frau, den er hochzuheben und aufzusetzen versuchte. Offenbar hatte er seine Frau mit einem Hut verwechselt! Seine Frau sah aus, als sei sie derlei gewohnt. … In gewissen Bereichen schien Dr. P. völlig normal, in anderen jedoch absolut und auf unerklärliche Weise gestört zu sein. Wie konnte er einerseits seine Frau mit einem Hut verwechseln und andererseits immer noch als Professor an einer Hochschule für Musik unterrichten?

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KategorienGehirn & Geist, Rezensionen Tags:

Nothing else matters

28. September 2008 Keine Kommentare

Als ich dieses Video zum ersten Mal gesehen habe, war ich etwas irritiert darüber, dass die drei Geigerinnen es in einem Trepphaus oder Flur aufgenommen haben. Aber es ist die Akustik dieses Ortes, die ihn zum geeignetsten macht. Man findet bei Youtube noch eine Reihe von weiteren Coverversionen dieses berühmtesten Metallica-Songs mit Streichinstrumenten, die nicht annähernd die suggestive Kraft wie hier mit den drei Spielerinnen entfalten. Die bekannteste „Profi“-Version stammt von Apocalyptica:
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KategorienMusik, Videos Tags:

Meine fünf Cent zur Finanzkrise

26. September 2008 Keine Kommentare

In einer Fernsehsendung wurde als Bild der gegenwärtigen Finanzkrise wieder und wieder eine Reihe fallender Dominosteine gezeigt. Welche Dimension der Bankrott der Sparkasse „Washington Mutual“ und welche Bedeutung er hat, zeig am besten dieser Blogeintrag: Größte US-Bankenpleite der Geschichte.

Fast täglich grüßt das Murmeltier – ein marodes Finanzsystem – nun hat es die größte US-Bausparkasse Washington Mutual (WaMu) getroffen. In einem Notverkauf übernahm der bereits allseits bekannte Retter J.P. Morgan Chase die Bausparkasse für lächerliche 1,9 Milliarden Dollar, welche an die Federal Deposit Insurance Corp., (FDIC) fließen!

WaMu hatte über 2300 Niederlassungen und 182 Milliarden Dollar an Kundeneinlagen, Stand Ende Juni 2008. Der schnelle Notverkauf ist nötig um die US-Einlagenversicherung (FDIC) wenigstens vorläufig zu schützen. Die Rücklagen der US-Einlagenversicherung betrugen Ende Juni nur noch 45,2 Mrd. Dollar. Bei einer Pleite von WaMu müsste die FDIC mit über 130 Mrd. Dollar einspringen, denn bei der FDIC sind alle Konnten der WaMu bis zu einer Höhe von 100000 Dollar versichert.

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KategorienÖkonomie, Politik Tags:

Susan Blackmore: Die Macht der Meme

20. September 2008 Keine Kommentare

Von Memen hatte ich schon öfter gehört. Also von der These, Gedanken und Ideen würden in menschlichen Gehirnen und der Gesellschaft ähnlich wie Gene in allen Lebewesen von Generation zu Generation übertragen werden, sich dabei verändern, ausbreiten oder aussterben. Ich hielt es für eine reine Analogie, die, aufgrund der doch beträchtlichen Unterschiede zur biologischen Evolution, nur begrenzten Nutzen hat. Susan Blackmores Buch hat meine Vorbehalte zu einem großen Teil beseitigt.

Die Idee der Meme stammt von Richard Dawkins und wurde von ihm erstmalig 1976 in „Das egoistische Gen“ geäußert.

Er vermutet, dass sich „alles Leben“, wo auch immer es auftritt, überall im Universum „durch den unterschiedlichen Überlebenserfolg sich replizierender Einheiten entwickelt“ (1976). Das ist die Grundlage der These vom universellen Darwinismus, der Anwendung darwinistischen Denkens weit über die Grenzen biologischer Evolution hinaus.

Schließlich stellt Dawkins eine auf der Hand liegende, doch provokative Frage. Gibt es auf unserem Planeten noch irgendwelche anderen Replikatoren? Die Antwort, so behauptet er, lautet „ja“. Direkt vor unserer Nase gibt es einen weiteren Replikator, wenn auch noch unbeholfen in seiner Ursuppe der menschlichen Kultur treibt – eine Imitationseinheit.

Als Beispiel führt er „Melodien, Gedanken, Schlagwörter, Kleidermoden, die Art, Töpfe zu machen oder Bögen zu bauen“ an. Er verweist auf wissenschaftliche Ideen, die sich durchsetzen und sich rund um die Welt verbreiten, indem sie von Gehirn zu Gehirn springen. Er bezeichnet Religionen als Memgruppen mit hohem Überlebenswert, die ganze Gesellschaften mit einem Glauben an Gott oder ein Leben nach dem Tod infizieren. … Meme werden im menschlichen Gehirn (oder in Büchern oder Erfindungen) gespeichert und via Imitation weitergegeben.

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Webcam zeigt Live-Bilder vom LHC

16. September 2008 Keine Kommentare

Es hat etwas gedauert herauszufinden, woher ich Livebilder von den Experimenten am LHC in Cern bekommen und wie ich sie in meinen Blog einbinden kann. Aber jetzt ist es mir möglich, wann immer ich möchte, den weiteren Fortgang der Experimente zu verfolgen. Kamera 7 schaut auf einen der unterirdischen Detektoren. Kamera 8 ist an einem Fenster im ersten Stock eines der Experimentalgebäude montiert und gestattet einen Blick auf die benachbarten Berge:
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KategorienAlltag, Physik Tags:

Hängt der Wahrheitsgehalt einer Aussage davon ab, wer sie ausspricht?

15. September 2008 Keine Kommentare

Der Artikel Sächsische Linke will Abgeordneten nach Votum mit NPD loswerden illustriert ein interessantes Problem aus dem Handbuch der Diskussionsfehler an einem praktischen Beispiel:

Dresden – Nach dem Tabubruch kommt die Reue: Von einem „politischen Fehler“ ist die Rede, „unglaublich peinlich“ sei das alles. Zum ersten Mal hat im Dresdner Stadtrat in der vergangenen Woche ein Antrag des rechtsextremen „Nationalen Bündnis“ eine Mehrheit bekommen. Als das von der NPD geführte Bündnis am Donnerstag eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der Terroranschläge des 11. September 2001 beantragte, stimmten demokratische Stadträte dafür.

Wie es heißt, kamen die Ja-Sager vor allem aus der CDU, die die stärkste Fraktion im Rat stellt. Aber auch vier Mandatsträger der Linksfraktion.PDS hoben die Hand für den Antrag der Rechtsextremisten, darunter die frühere Bundestagsabgeordnete Christine Ostrowski und der Landtagsabgeordnete Ronald Weckesser. Zahlreiche Stadträte der Grünen und der Linken verließen aus Protest die Sitzung.

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Interview mit Christoph Matschie über die Landtagswahl 2009 in Thüringen

14. September 2008 Keine Kommentare

Im Spiegel Nr. 37 vom 8.9.2008 findet man ein Interview mit Christoph Matschie, der als Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl 2009 in Thüringen antreten will. Zu seinen politischen Positionen: Matchie möchte gern Dieter Althaus als Ministerpräsident ablösen, der für die CDU in Thüringen regiert. Und Matschie schließt auch eine rot-rote Koalition nicht aus. Allerdings möchte er sich an das Ergebnis einer SPD-Mitgliederbefragung halten, die entschieden hat, dass die SPD keinen Ministerpräsidenten der Linken wählen darf.

Matschie: Und wir schließen eine Koalition mit der Linken nicht aus. Klar ist aber auch: Die Linke dürfte in einer möglichen rot-roten Koalition nicht den Ministerpräsidenten stellen, solange sie nicht bundespolitisch regierungsfähig ist.

Das Problem der SPD spiegelt diese Grafik wider:

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KategorienPolitik Tags:

Wohin mit dem CO2?

14. September 2008 Keine Kommentare

Unlängst habe ich in einem interessanten Artikel Folgendes gelesen: Das Problem Öl erledigt sich von selbst. Die zentralen Gedanken in diesem Beitrag sind, dass erstens das Erdöl genügend schnell alle sein und deshalb nicht die Ursache für das Kippen des Klimas sein wird und zweitens, dass dies für Kohle nicht gilt, weil sie erheblich länger als das Öl reichen wird. Die Idee, die verschiedenen Quellen für CO2 voneinander zu trennen, ist etwas merkwürdig, weil ein CO2-Molekül ja unabhängig von seiner Herkunft in der Atmosphäre seine Wirkung entfaltet und allein die Konzentration entscheidet. Es muss deshalb an allen Fronten versucht werden, die Emissionen zu senken, oder das entstehende CO2 nicht in die Atmosphäre gelangen zu lassen. Eine der Möglichkeiten dazu wird von Wattenfall derzeit getestet, siehe z.B. hier. Da der Beitrag von Greenpeace ist, werden auch die Bedenken gegen diese neue Technologie angesprochen. Unabhängig von diesen Bedenken muss der Kampf gegen die Klimaerwärmung an allen Fronten und mit allen Mitteln geführt werden, die uns zur Verfügung stehen.
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Friedrich Merz verkündet die „moralische Überlegenheit der Marktwirtschaft“

13. September 2008 Keine Kommentare

In der Telepolis gibt es einen Beitrag mit obigem Titel:

Friedrich Merz (CDU), zeitweise stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, viel beschäftigter Abgeordneter, Vertreter des Wirtschaftsliberalismus und Steuervereinfacher, rief in seiner Rede auf der Klausurtagung der FDP zur Verteidigung der Marktwirtschaft auf. Es müsse für die „moralische Überlegenheit der Marktwirtschaft“ gekämpft werden

Dazu gehört für den CDU-Politiker offenbar auch die Kürzung der Sozialleistungen. So verteidigte Merz die umstrittene Hartz IV-Studie der Chemnitzer Wirtschaftswissenschaftler, dass 132 Euro Regelsatz doch ausreichend seien. Weniger sei manchmal mehr, verkündete er, meinte aber damit nur die Sozialleistungen, nicht die Gewinne der Reichen. Union und FDP würden mehr Zustimmung „auch in der Arbeitnehmerschaft“ erhalten, „wenn wir nicht über die Ausweitung, sondern die Begrenzung des Sozialstaats“ reden würden, so zitiert ihn die Welt.

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Sarah Palin

7. September 2008 Keine Kommentare

Die Tochter von Sarah Palin ist ja gerade schwanger, und was zu dem gerade an anderem Ort heiß diskutierten „Tunnelblick“ dazu zu sagen ist, kann man bei Karl Weiß im Artikel Frau Palin und der „Kinderschänder“ nachlesen. Aber es gibt eine noch viel verrücktere Geschichte, die ich gestern erfahren habe. Eine Bekannte hat mir einen Zeitungsausschnitt gegeben. Leider kann man dem nicht mehr entnehmen, ob er in der „Thüringer Allgemeinen“ oder im „Freien Wort“ veröffentlicht wurde. Der Autor ist Peter W. Schroeder, laut Wikipedia derzeit Korrespondent in Washington. Die interessantesten Absätze seines Artikels:

Im April dieses Jahres habe sie ihr fünftes Kind zur Welt gebracht, erzählte Palin. Obwohl sie schon zu Beginn der Schwangerschaft gewusst habe, dass die Leibesfrucht als geistig behindertes Kind zur Welt kommen würde, habe sie sich „freudig Gottes Willen gefügt“ und ein in ihren Augen perfektes Kind zur Welt gebracht.
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