Archiv

Archiv für Juli, 2008

Raghavendra Gadagkar: Survival Strategies. Cooperation and Conflict in Animal Societies

30. Juli 2008 Keine Kommentare

Einen Monat nach einem sehr interessanten Gespräch, u.a. über biologische Arten und Evolution, hatte mir eine Bekannte ein Buch über Evolutionsstrategien in Tiergemeinschaften mitgebracht, von dem sie der Meinung war, es würde ausgezeichnet zum Thema passen und mir gut gefallen. Sie hatte Recht.

Im ersten Teil des Buchs werden einige verbreitete Missverständnisse über die Wirkungsweise der Evolution ausgeräumt. Wenn es so ist, dass biologische Arten weitgehend Konstrukte unserer Naturbetrachtung sind (zu diesem gemeinsamen Verständnis waren wir bereits in dem eingangs erwähnten Gespräch gekommen), dann kann das Hauptwirken der Evolution nicht auf die Spezies in ihrer Gesamtheit gerichtet sein. Genauso wenig kommen die einzelnen Zellen eines Organismus in Frage. Im Gegenteil, sind einige von ihnen im Vergleich zu ihren „Kollegen“ besonders erfolgreich, dann geht der Organismus zugrunde: Krebs. Evolutionäre Mechanismen wirken also hauptsächlich auf der Ebene der Individuen. So ist auch das Töten von Individuen der eigenen Art am leichtesten verständlich, wie man es im Tierreich häufig beobachten kann:

Today we know … that natural selection is almost always acts at the level of individual organisms and selects those that are best adapted to their environment, even if that hurts the group or species as a whole. … Hrdy’s individual selection explanation for infanticide in humanum langurs is that if a male kills unweaned infants immediately after taking over a harem, the females that were hitherto suckling will come to estrus sooner and consequently the male will have higher reproductive success.

Mehr…

KategorienEvolution, Natur, Rezensionen Tags:

Die sieben größten Rätsel der Hirnforschung

28. Juli 2008 Keine Kommentare

Manche Wissenschaftsartikel können einen richtig ärgerlich machen. Der Artikel Die sieben größten Rätsel der Hirnforschung ist so ein Fall. Das Beste ist noch die auf derselben Seite geschaltete Werbung für das Geo-Kompakt-Heft Die Geburt des Geistes.

Ein Beispiel dafür, was mich an dem Spiegelartikel geärgert hat:

Die Forscher wissen nur, dass jeder Gedanke mit einem eigenen Muster der Gehirnaktivität einhergeht: mit einem jeweils spezifischen Gedankenabdruck. Und seit einiger Zeit ist es möglich, solche Aktivitätsmuster sichtbar zu machen, die für bestimmte geistige Zustände – und damit bestimmte Gedanken – charakteristisch sind. „Wenn Sie lernen, diese Muster zu erkennen“, so der Berliner Neurowissenschaftler John-Dylan Haynes, „können Sie feststellen, welche Gedanken jemand gerade hat.“

Haynes hat Dutzende Versuchspersonen getestet: Nur im Kopf sollten sie entscheiden, ob sie zwei Zahlen lieber addieren oder subtrahieren wollten. Der Forscher verfolgte die Gehirnaktivität der Probanden mit einem Kernspintomografen und verglich deren Gedankenabdrücke mit zuvor eingespeicherten Mustern. Mit einer Erfolgsquote von mehr als 70 Prozent konnte Haynes so die Absichten seiner Versuchspersonen entschlüsseln – ein aufsehenerregendes Ergebnis. Denn zuvor sei es noch nie gelungen, so Haynes, allein aus der neuronalen Aktivität abzulesen, welche von zwei möglichen Entscheidungen ein Proband getroffen hat.

Mehr…

KategorienGehirn & Geist Tags:

Denker, im Schatten sitzend

27. Juli 2008 Keine Kommentare

„Götter, Helden, Denker“ war der Name eines Heftes, das dem antiken Griechenland gewidmet ist, und das Köppnick mit in den Zoo genommen hatte. In einem der Artikel „Denker auf dem Markt“, in dem über den Prozess gegen Sokrates berichtet wurde, fand Köppnick:

Würden wir heute anders reagieren? Wie sähe ein Prozess gegen Sokrates heute aus? Würde es überhaupt einen Prozess geben? Unser eigenes Verhältnis zu Sokrates erinnert an die Haltung, mit der man im Museum ein Dinosaurierskelett anstaunt: einerseits beeindruckt davon, dass so etwas Gewaltiges einmal gelebt hat, aber andererseits voller Erleichterung, dass es eben nicht mehr unter uns weilt.

Köppnick hatte begonnen, den Beitrag zu lesen, weil er wegen der Hitze müde geworden war und im Schatten sitzend einen Eiskaffe trinken wollte. Dieser Abschnitt gefiel ihm, auch das Folgende fand er interessant:
Mehr…

KategorienFiktion, Philosophie Tags:

Obamas Rede in Berlin

26. Juli 2008 Keine Kommentare

Ich habe sie mitgeschnitten. Hintergedanke des Mitschneidens war, sie mit seinen späteren Reden und Handlungen vergleichen zu können.

Es gibt inzwischen eine Menge Analysen der Rede, was er gesagt hat, wie er es tat, und was er nicht gesagt hat. Interessant z.B. die Information, dass die 60 Journalisten auf der Pressetribüne alles Amerikaner waren, kein einziger Europäer. Es befremdet mich immer noch, dass die Amerikaner zwischen Show und Politik nicht unterscheiden, alles ist eins. Und ich hätte bei solcher Information vorab als Zuhörer an der Siegessäule das unangenehme Gefühl gehabt, als Staffage missbraucht zu werden. Merkel, von der ich politisch wenig halte, ist da vollkommen anders. Ihren Vater, in der DDR als Pfarrer Opposition par excellence, hat sie niemals instrumentalisiert, und auch ihr Mann ist in der Öffentlichkeit praktisch nicht präsent.
Mehr…

KategorienPolitik, Visionen Tags:

Wie ticken die Linken?

19. Juli 2008 Keine Kommentare

linke

Ich hatte meinen Besuch in den Zug gesetzt, beim Rückweg zum Auto war mein Blick auf der Titelseite der „Zeit“ hängengeblieben: „Wie ticken die Linken?“ Fast die halbe Seite war da mit mit einer Art Sticky Note bedruckt, die neugierig auf eine mehrseitige und fundierte Analyse auf den Innenseiten machte. Buchstaben in einer Größe, wie man sie sonst nur von einer anderen bekannten deutschen Zeitung kennt. 3,40 Euro war mir das wert. Zu Hause dann eine große Enttäuschung. Auf den zwei dem Thema gewidmeten Innenseiten im oberen Teil eine riesige Karikatur, darunter zwei Artikel, die nichts wesentlich Neues enthalten. Eigentlich war nach den ersten anderthalb Abschnitten des ersten Artikels schon alles gesagt:
Mehr…

KategorienPolitik Tags:

Die Fremde in dir

18. Juli 2008 Keine Kommentare

„Die Fremde in dir“ ist ein Film von 2007, in dem Jodie Foster als „Erica Bain“ die Hauptrolle spielt. Ein Kollege hatte die DVD mitgebracht und wir über seine Eindrücke gesprochen, so dass ich beim Sehen schon entsprechend vorbereitet war. Die Handlung ist in der Wikipedia ziemlich ausführlich erzählt. Trotz dieser doppelten Einstimmung haben mich die Bilder dann ziemlich getroffen. Zuerst der etwas süßliche Beginn, die Liebesszenen mit Ericas Verlobten David (Naveen Andrews, vielleicht vielen bekannt als der „Iraker“ in „Lost“), dann der Raubüberfall im Park, bei dem er ums Leben kommt, sie schwer verletzt wird und den die Täter mit einer Videokamera aufnehmen. Szenen aus diesem Videofilm werden gegen Ende nochmals in die Handlung eingebaut.
Mehr…

KategorienFilme Tags:

Wie kam die Grammatik in die Sprache?

13. Juli 2008 Keine Kommentare

Ein Kollege hatte mir bereits vor einiger Zeit die Maiausgabe von „Bild der Wissenschaft“ mitgebracht. Dieses Heft ist überwiegend dem Thema „Wie die Sprache auf die Erde kam“ gewidmet. In dem Artikel „Vom Tierlaut zum Menschenwort“ geht es um die Tatsache, dass nur menschliche Sprache über eine Grammatik verfügt, während tierische Lautäußerungen lediglich Tatsachen an andere Tiere übermitteln. Wie also kam die Grammatik in die Sprache?

Die Bilanz ist ernüchternd: Bislang haben die Wissenschaftler kein einziges Lebewesen gefunden, das eine begrenzte Zahl von Lauten zu Silben und symbolhaften Worten zusammenfügt, mit diesen Symbolen nach Lust und Laune Dinge und Ereignisse benennt und die Worte sinnvoll zu Sätzen kombiniert. Gerade die Grammatik – Regeln zur Anwendung sprachlicher Einheiten – gilt als Königsdisziplin der Spezies Mensch. So gesehen unterschieden sich die Kommunikationssysteme von Affen und Delfinen, Vögeln und Hunden fundamental von der Sprache des Homo sapiens. „Geradezu bizarr groß sind die Differenzen“, sagt die Göttinger Verhaltensbiologin Julia Fischer, die das Kommunikationsvermögen verschiedener Tierspezies erforscht. Tatsächlich findet sich keine Spur von flexibler Semantik in den Lauten von Vierbeinern und Vögeln! Von Grammatik ganz zu schweigen!

Mehr…

KategorienEvolution, Gehirn & Geist, Sprache Tags:

Prokrastination

1. Juli 2008 Keine Kommentare

Meistens bleiben mir Fremdwörter oder Neologismen nicht lange im Gedächtnis, die meisten sind sowieso exhaustive superfluid. So ist es mir jedenfalls Ende letzter Woche mit den Schöpfungen „craniosacrale Orthopathie“ und „Kinesiologie“ gegangen, deren Lautung zwar noch ein paar Tage nachklang, aber deren Bedeutung sofort von meinem praktisch veranlagten Hypothalamus als unnütz aussortiert wurde. Die Geschmäcker sind verschieden, einem Kollegen von mir blieb zum Beispiel Podoorthesiologie noch länger im Ohr wurmend zurück. Ein bisschen anders sieht es aber mit dem Wort „Prokrastination“ aus, dass etwas euphemistisch das vielen bekannte Aufschiebeverhalten verbrämt und durchaus eine ernstzunehmende und pandemische Erkrankung der intrinsischen Motivation darstellt. Umgangssprachlich kann man aber auch einfach von „Verpeilung“ und „Konjunktivitis“ sprechen, wenn man diesem schönen Text Glauben schenken mag:

Antiverpeil Howto für Nerds
Mehr…

KategorienAlltag, Sprache Tags: