Archiv

Archiv für Mai, 2008

Edward St Aubyn: Schöne Verhältnisse

27. Mai 2008 Keine Kommentare

Wenn man nicht savantisch ist oder seine Brötchen mit dem Verfassen von Rezensionen verdient, kann man nur ungefähr 3000 Bücher in seinem Leben lesen. Um seine Zeit beim Vorhandensein von Millionen von Büchern nicht an die Falschen zu verschwenden, ist man auf Tipps anderer angewiesen. Bei populärwissenschaftlichen Werken ist das leicht, hier sind die neuesten Werke wegen dem raschen Fortschreiten vieler Fächer meist die besten. In der Belletristik ist das nicht so, es gibt eine viel größere Auswahl und es lohnen sich auch ältere Bücher. „Schöne Verhältnisse“ hat mir ein Bekannter ausgeliehen, den Autor des Buchs, Edward St Aubyn, kannte ich bis dato nicht.

Das Buch sollte man nicht lesen, wenn man sich gerade in schlechter Stimmung befindet, denn es zieht einen wirklich herunter. Sprachlich ist das Buch brillant, eine Übersetzung aus dem Englischen. Auch in diesem Fall frage ich mich, wie viele Anteile daran der Autor und wie viele der Übersetzer hat. Die im Buch geschilderten Menschen leben ein völlig sinnloses Leben. Eine gute Zusammenfassung liefert Amazon (und auch ein paar Sätze zur Übersetzung):
Mehr…

KategorienFiktion, Rezensionen Tags:

Josef Fritzl, Willensfreiheit und Menschenwürde

25. Mai 2008 Keine Kommentare

Im Spiegel Nr.19 vom 5.5. finden sich ein Artikel über Josef Fritzl und im Anschluss ein weiterer mit dem Titel „Von Menschen und Monstern“. Darin wird u.a. über den aktuellen Stand der Neurowissenschaften zum „freien Willen“ berichtet. (Haben Täter überhaupt die Möglichkeit, sich anders zu entscheiden, als sie es getan haben, oder wurden sie von ihrem „kranken“ Gehirn zu ihrer Tat getrieben?) Die These des fehlenden freien Willens wird u.a. von Wissenschaftlern wie Wolf Singer und Gerhard Roth vertreten. Gegenpositionen stammen u.a. von Jürgen Habermaas. Dieser zitiert John Searle: „Das Geistige ist ein so kostspieliger Teil unseres Lebens, dass es sich damit so anders verhielte als alles, was wir von der Evolution wissen, wenn ein Phänotyp dieser Größenordnung überhaupt keine funktionelle Rolle im Leben und für das Überleben des Organismus spielen würde.“ Die heutige Rechtssprechung geht von einer prinzipiellen Schuldfähigkeit des Menschen aus. Bei solchen Verbrechen wie dem von Josef Fritzl werden dann psychiatrische Gutachten in Auftrag gegeben. Übliches Ergebnis: Wer sich im übrigen, nicht tatbezogenen, sozialen Leben „normal“ verhält, ist schuldfähig.

Was mich in dem oben erwähnten Artikel beschäftigt hat, ist das folgende Zitat:

Für eine Studie hat Kröber mal die Seiten Hunderter Gutachten auszählen lassen: Die mit „voll schuldfähig“ endeten, fielen deutlich länger aus als solche, die den Täter für unzurechnungsfähig erklärten. „Das Freisprechen von Schuld fällt in der Regel leichter als das Zusprechen.“ In Wahrheit jedoch beinhalte der moralische Freispruch das härtere Urteil: „Wenn ich einem Menschen die Verantwortung über sich selbst abspreche, raube ich ihm seine Würde. Er ist kein Bürger mehr mit allen Rechten. Er ist nicht mehr satisfaktionsfähig; andere können über ihn bestimmen“ – und zwar auf unbestimmte Zeit.

Mehr…

Adrián Paenza: Mathematik durch die Hintertür

20. Mai 2008 Keine Kommentare

Paenza ist Mathematikprofessor und hat in Argentinien eine eigene Sendereihe moderiert, über Mathematik. Viele der dort erzählten Geschichten, Anekdoten und Aufgaben hat er in seinem Buch aufgeschrieben. Einige Geschichten, Aufgaben und manche Anekdoten kannte ich schon, viele andere aber waren auch für mich neu, so zum Beispiel sein „Beweis“, dass alle natürlichen Zahlen „interessante“ Zahlen sind:

Was soll das heißen, dass eine Zahl interessant ist? Sagen wir, eine Zahl ist interessant, wenn sie einen gewissen Reiz hat, etwas, das sie auszeichnet, etwas, womit sie es verdient, sich von den anderen abzusetzen; dass sie irgendeine Verzierung oder Besonderheit hat.

Die Zahl Eins ist interessant, weil sie die allererste ist. Sie zeichnet sich durch die Tatsache aus, dass sie die kleinste aller natürlichen Zahlen ist. Die Zahl Zwei ist die erste gerade Zahl, und sie ist die erste Primzahl. Die Zahl Drei ist ebenfalls interessant, weil sie die erste ungerade Primzahl ist. Die Zahl Vier ist interessant, weil sie eine Potenz von zwei ist. …

So geht das noch eine ganze Weile weiter, der Leser wird langsam eingelullt, ehe die eigentliche Beweisidee kommt, die mit dem vorangegangenen nichts zu tun hat:
Mehr…

KategorienLogik, Rezensionen Tags:

Balancieren am Rande des Dreiecks

17. Mai 2008 Keine Kommentare

Donnerstag kam mein Kollege mit einer Matheaufgabe zu mir, die seine Tochter aus der Schule mitgebracht hatte:

Gegeben ist ein rechtwinkliges Dreieck, in dem die rot markierten Strecken b und p gegeben sind. Daraus sollen alle anderen Strecken berechnet werden. Die Tochter meines Kollegen hatte es im Unterricht nicht kapiert, mein Kollege es ihr auf die Schnelle auch nicht erklären können, deshalb kam er zu mir. Am Donnerstag kurz vor dem Schlafengehen fiel mir die Aufgabe wieder ein. Ich setzte mich kurz an den Küchentisch, kritzelte ein wenig mit Sinus und Kosinus auf einem Blatt Papier herum, die Gleichungen längten sich. „Ok“, dachte ich, „du bist zu müde. Geh‘ ins Bett und lass dein Unterbewusstsein die Aufgabe lösen!“ Als ich am Morgen aufwachte, hatte ich die Aufgabe vergessen, mein Unterbewusstsein offensichtlich auch, es hatte nachts wohl keine Lust gehabt, jedenfalls fiel mir das Problem erst wieder ein, als ich die vollgekrakelten Zettel auf dem Tisch liegen sah.
Mehr…

KategorienAlltag, Logik Tags:

Andreas Eschbach: Eine Billion Dollar

12. Mai 2008 Keine Kommentare

Es war ein interessanter Abend gewesen. M. hatte über den Kältetod des Universums gesprochen. Ich war irritiert, ich kannte nur das Wort ‚Wärmetod‘. Aber es ist tatsächlich egal, welchen der beiden Begriffe Wärme oder Kälte man mit Tod assoziiert, es ist nicht die absolute Temperatur, die Leben verunmöglicht, sondern der nach dem Zweiten Hauptsatz ständig abnehmende Temperaturunterschied im Verhältnis zur absoluten Temperatur. Ich erzählte etwas über Poppers Konzept der abnehmenden Realität und wie wenig wir wissen, dass es alles nur Modelle seien und versprach, das Buch Die fünf Zeitalter des Universums mitzubringen.

Dann sprang die Diskussion zum Artensterben. E. wollte wissen, was den nun genau eine Art sei und ob sich tatsächlich die Zahl der Arten verringern würde und wie das zu bewerten ist. Hier war D., eine Biologin, in ihrem Element. Es gibt mindestens 3 Auffassungen, was eine biologische Art ausmacht. Später habe ich in der Wikipedia nachgelesen, es ist tatsächlich noch komplizierter, als ich schon gewusst hatte. Sofort einleuchtend sind die zwei Definitionen, die sich am äußeren Erscheinungsbild und an den Genen orientieren. Aber auch dafür fallen einem die Ausnahmen ein. Was ist zum Beispiel mit zwei, räumlich oder zeitlich getrennten Populationen der von uns zu derselben Tierart klassifizierten Vertreter. In der einen Generation kreuzen sie noch fruchtbar, in der nächsten nicht mehr. War das jetzt ein Artenübergang?
Mehr…

Der Memristor

6. Mai 2008 Keine Kommentare

Im Spiegel gab es heute einen Artikel über mögliche Weiterentwicklungen der Computertechnik. In diesem Beitrag wurde auch ein neues Bauelement erwähnt, der Memristor:

Für den Berkeley-Professor Leon Chua gibt es noch einen anderen Weg: eine Modifikation der eingesetzten Chip-Architektur. Denn die hält Chua schon seit 1971 für eigentlich unvollständig: In einer theoretischen Abhandlung beschrieb er da die Bauelemente integrierter Schaltkreise und sah dabei ein Element als notwendig, das niemals in Chips landete – den sogenannten Memristor. Chua beschrieb das Grundprinzip eines Transistors mit eingebautem Gedächtnis: Einem Halbleiterelement mit variablem elektrischen Widerstand, der seine Information (dargestellt durch die Größe des Widerstands) auch beibehält, wenn kein Strom fließt. Damit würde, vereinfacht gesagt, der Arbeitsspeicher in den Chip selbst verlegt.

Mehr…

KategorienLogik, Physik Tags:

Hex

4. Mai 2008 Keine Kommentare

Das Buch Auf den fremden Meeren des Denkens von Sylvia Nasar enthält die Biografie des Nobelpreisträger John Nash. Dieses Buch diente auch als Vorlage für den Film A beautiful Mind. Im Buch wird an einer Stelle über ein Spiel berichtet, das Nash während seiner Studentenzeit entwickelt hat, und das heute Hex genannt wird. Ich hatte das jahrelang vergessen, aber unlängst wurde ich wieder daran erinnert, als ich im Netz das entsprechende Wiki gefunden habe und noch einige andere Seiten mit weiterführenden Links.

Mehr…

KategorienAlltag, Logik, Rezensionen Tags:

Katja Kipping vs. Michael Friedman

3. Mai 2008 Keine Kommentare

Bei Heise findet man einen Hinweis darauf, dass jetzt auch Bundestagsfraktion von DIE LINKE ein Portal bei Youtube eröffnet hat und dort wöchentlich neue Kurzfilme mit Informationen einstellt. Von dieser Seite gelangt man nach ein paar Klicks zu einem Zusammenschnitt einer Diskussion von Katja Kipping und Michael Friedman zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen.

Mehr…