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Archiv für Februar, 2008

Frank Tipler: Die Physik der Unsterblichkeit

17. Februar 2008 Keine Kommentare

Ich kannte die Omegapunkttheorie Tiplers schon lange vom Hörensagen, hatte sein Buch bisher aber noch nicht gelesen. Seine Theorie in Kurzform (meine Kritikpunkte anhand der Nummerierungen im Text, siehe weiter unten):

Genauso wie das Universum in der Vergangenheit durch einen Bing Bang entstanden ist, wird es in einer fernen Zukunft in einem Big Crunch wieder zusammenstürzen (1). Leben und insbesonders Intelligenz kann diesen Vorgang physikalisch nicht überstehen. Aber Tipler schlägt vor, den Schrumpfungsprozess aktiv zu steuern und dabei den Unterschied zwischen der objektiven physikalischen und der subjektiv erlebten Zeit zu nutzen. Das Universum soll nicht in allen Raumrichtung gleich implodieren, sondern in den verschiedenen Raumrichtungen unterschiedlich schnell. Das schafft Temperaturunterschiede zwischen den Richtungen, die als Energiequelle genutzt werden können. (In dieser fernen Zukunft sind alle Sterne ausgebrannt.)

Natürlich existiert zu dieser Zeit kein biologisches Leben mehr, so wie wir es heute kennen. Leben bzw. Intelligenz interpretiert er deshalb im Sinne Moravecs, der Transhumanisten bzw. der starken KI als „Informationsverarbeitung“. Die Wesen, die in dieser Zeit existieren werden, sind vollkommen anders als wir aufgebaut. Beim Prozess des Zusammenstürzens wird im Sinne des Newtonschen Graviationsgesetzes bei r->0 unendlich viel potenzielle Energie in kinetische Energie umgesetzt, die sich in den unterschiedlichen Impulsen der dann noch existierenden Teilchen äußert (2).
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Alte Erinnerungen werden wach

16. Februar 2008 Keine Kommentare

Der Artikel Struck rüffelt raffgierige Reiche ist auch wegen seinem Umgang mit der deutschen Sprache interessant.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte dem SPIEGEL: „Diese Leute machen alles kaputt. Wenn die Eliten nicht mehr begreifen, dass sie sich an die Gesetze halten müssen, ist das schlimm. Das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft wird derzeit weniger durch die Gewerkschaften als durch einen nicht unerheblichen Teil der wirtschaftlichen Elite gefährdet.“

In demselben Tonfall werden auch andere zitiert:

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sieht wegen der Steueraffäre die soziale Marktwirtschaft bedroht. Die deutschen Manager müssten sich ihrer Vorbildfunktion für die Gesellschaft bewusst werden, forderte der CSU-Politiker in der „Bild am Sonntag“. Andernfalls werde die soziale Marktwirtschaft unglaubwürdig: „Dann würde unser Land zum Übernahmekandidaten für die Linke.“

Oder:
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Realitätscheck

14. Februar 2008 Keine Kommentare

In der Nacht hatte Köppnick schlecht geschlafen, weil er den Beginn des Klartraums nicht verpassen wollte. Bis zum Zubettgehen hatte er in dem Klartraumbuch gelesen und sich sorgfältig auf den Beginn seines sogenannten Arbeitstages vorbereitet.

Der Klartraum, auch luzider Traum, ist ein Traum, in dem sich der Träumer darüber im Klaren ist, dass er träumt. Wenn Bewusstheit über den Traumzustand besteht, ist die Möglichkeit der Traumsteuerung vorhanden. Dies ist wohl eines der faszinierendsten Erlebnisse, die ein Mensch jenseits von Konventionen, unabhängig von den physikalischen Beschränkungen und Einflüssen anderer Menschen haben kann. Es wird in vielen Kulturen der Welt schon über Jahrhunderte hinweg praktiziert, dient beispielsweise im buddhistischen Traumyoga als Erfahrung der wahren Natur des Geistes und im Schamanismus dem Schamanen zum Erkenntnisgewinn.

Diese Einleitung hatte Köppnick neugierig gemacht, zumal er sich nicht sicher war, ob er in letzter Zeit nicht bereits einige solcher Klarträume gehabt hatte. Also las er weiter. Im Buch wurden viele Techniken beschrieben, die unterschiedlich gut wissenschaftlich untersucht waren und nach mehr oder weniger langem Üben relativ sicher zu Klarträumen führen sollten. Aber auch vor möglichen Gefahren wurde gewarnt:
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Barack Obama

12. Februar 2008 Keine Kommentare

Eigentlich ist es mir ja egal, ob Hillary Clinton oder Barack Obama diesen unsäglichen Bush im Weißen Haus ablösen. Es wird in beiden Fällen ein Novum sein. Und es wird besser sein als es jetzt ist, denn schlechter kann es gar nicht werden. Meine einzige Sorge ist, dass die beiden sich im Wahlkampf so beschädigen, dass ein anderer ihnen noch die Präsidentschaft stehlen könnte.

Für die republikanische Alternative zu HC/BO gibt es auch ein Video, 10 Sekunden reichen in diesem Fall:
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Michael Schmidt-Salomon: „Wo bitte geht’s zu Gott?“ und „Die Kirche im Kopf“

10. Februar 2008 Keine Kommentare

Von MMarheinecke aufmerksam gemacht („Bangemachen gilt nicht!“ – oder: Kinderbibel für Skeptiker) habe ich mir gleich zwei Bücher von Michael Schmidt-Salomon besorgt. Das erste Buch ist Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel, für das Ursula von der Leyen einen Inidizierungsantrag gestellt hat. Man kann Schmidt-Salomon als eine Art deutschen Richard Dawkins bezeichnen, jedenfalls stellt er den Gläubigen ähnliche Fragen wie dieser, allerdings sind seine Bücher kürzer und volkstümlicher. Das bereits erwähnte Kinderbuch ist meiner Meinung nach für Kinder kritisch denkender Eltern etwa ab einem Alter von 7 Jahren geeignet. Das Buch ist reich illustriert, als Erwachsener ist man in etwa 10 Minuten durch, hat den Text gelesen, die Illustrationen genossen und sich köstlich amüsiert. Erzählt wird die Geschichte eines Igels und eines Ferkelchens, die eines Tages durch ein Plakat aufgeschreckt werden:

“Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“, stand darauf geschrieben. Das kleine Ferkel las es dem kleinen Igel vor, denn der hatte in der Schule nicht so gut aufgepasst. „Ferkel kennst du Gott?“, fragte der Igel. „Nee“, sagte das Ferkel. „Ich auch nicht!“, meinte der Igel. Darüber erschraken die beiden sehr. Sie hatten ja gar nicht geahnt, dass ihnen etwas fehlte!

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Michael Pauen: Illusion Freiheit?

6. Februar 2008 Keine Kommentare

Das Thema „Willensfreiheit“ interessiert mich spätestens seitdem ich von Benjamin Libets Experimenten gelesen habe. Michael Pauen ist Philosoph, er analysiert die mit dem Begriff der Willensfreiheit verbundenen Probleme unter verschiedenen Gesichtspunkten – die erste Hälfte des Buchs ist eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen philosophischen Ansätzen um das Problem zu lösen, in der zweiten Hälfte werden verschiedene Ergebnisse der Neurowissenschaften und deren Interpretationen kritisiert und diskutiert.

Wann kann eine Handlung nicht als frei betrachtet werden:

  • Wenn es keine Handlungsalternativen gibt, d.h. wenn eine Handlung erzwungen ist bzw. sich determiniert aus Ursachen ergibt.
  • Wenn die Auswahl zwischen verschiedenen Alternativen absolut zufällig erfolgt. Auch das entspricht nicht unserem Empfinden für eine frei getroffene Entscheidung.

Interessant ist, dass es zwei verschiedene Bereiche der Wissenschaften gibt, die beide verschiedene Aspekte derselben, nämlich unserer Welt beschreiben, die uns genau diese beiden Extrema als Erklärungen von Handlungen anbieten: Die Quantenphysik lehrt uns, dass es den echten Zufall gibt, die Neurowissenschaften, dass unsere Handlungen kausal von der Tätigkeit unserer Neuronen verursacht werden. Letzteres führt Neurowissenschaftler wie Peter Singer dazu, den freien Willen zu leugnen. Mit dem Verweis auf den Zufall in der Quantenphysik wollen wiederum Wissenschaftler wie Roger Penrose ihn „retten“.
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