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Archiv für Dezember, 2007

Nicola Bardola: Schlemm

31. Dezember 2007 Keine Kommentare

Allein die Frage wäre zu beantworten, ob es sinnvoll ist, an die äußerste Grenze des Alters zu gelangen …, denn es ist ein großer Unterschied, ob jemand sein Leben oder sein Sterben verlängert. Warum sollten wir unseren Geist nicht aus einem zerfallenden Körper hinausführen dürfen? (Seneca)

Vor einigen Wochen habe ich an einer Lesung bzw. einem Diskussionsabend mit Nicola Bardola teilgenommen. Dieser beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Sterbehilfe. Den Beginn seiner Betroffenheit damit bildete der begleitete Freitod seiner Eltern, den er in dem Roman „Schlemm“ verarbeitet hat. In der Lesung hatte er sowohl den Roman als auch sein neues Sachbuch Der begleitete Freitod vorgestellt.

Hauptpersonen im Roman sind Paul (75) und Franca (71), die ein Paar sind, und beschlossen haben, gemeinsam zu sterben, und dabei die Hilfe einer Sterbehilfeorganisation in Anspruch nehmen wollen. Bei Paul ist Blasenkrebs diagnostiziert worden, er hat ohne ärztliche Behandlung nur noch wenige beschwerdefreie Monate zu leben, bei Franca ist es nicht so klar. Sie leidet unter diffusen Symptomen, weigert sich aber beharrlich zum Arzt zu gehen. Sie könnte durchaus gesund sein.
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Ingrun Führlich: Lebenslänglich hochbegabt

29. Dezember 2007 Keine Kommentare

Ingrun Führlich nimmt einen anderen Zugang zum Thema Hochbegabung, als ihn Andrea Brackmann in Jenseits der Norm – Hochbegabt und hochsensibel? bzw. Ganz normal hochbegabt gewählt hat. Ingrun Führlich hat im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts der Universitäten in Mainz und Warschau eine Umfrage innerhalb von Mensa durchgeführt und Antworten von 304 Mensanern erhalten.

Viele Mensa-Mitglieder machen sich Gedanken über die Frage, wie ihre Kindheit, Schulzeit und Ausbildung hätte besser verlaufen können, was hilfreich war oder was ihnen fehlte. Um diese wertvollen Erfahrungen und Überlegungen zu dokumentieren, bat ich sie aufzuschreiben, wie sich ihre Begabung auf ihr Leben auswirkte und noch auswirkt und welche Förderung sie sich wünschen.

Mich wundert es eigentlich wenig, dass sie bei den zum Umfragezeitpunkt etwa 5000 Mitgliedern über 300 schriftliche Rückmeldungen erhalten hat, ist doch ihre Fragestellung eines der zentralen Anliegen von Mensa. Spannend ist eher, ob sich bei der Auswertung von so vielen verschiedenen Meinungsäußerungen überhaupt Gemeinsamkeiten finden und in praktische Empfehlungen umsetzen lassen.
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Marco Wehr: Welche Farbe hat die Zeit?

28. Dezember 2007 Keine Kommentare

Sucht man nach dem Autor im Netz, dann findet man als Zuschreibungen: Promovierter Physiker, Philosoph, Tänzer, Choreograph, Gourmet und freier Autor. Im Buch berichtet er außerdem über seinen offenbar ziemlich intensiven Trommelunterricht bei einem wirklichen Meister dieses Metiers. Irgendwie hatte ich ein etwas anderes Buch erwartet, eine Art Fragenliste, weil der Untertitel des Buches heißt „Wie Kinder uns zum Denken bringen“. Es geht im Buch tatsächlich um Kinder, es ist aber eher eine Reflexion über Erlebnisse und Beobachtungen mit und an seinen und anderen Kindern, Studenten, usw.

Der Aufhänger im Kapitel 1, „Die Kunst des Fragens“:

“Eine Sekunde ist, wenn das Licht, welches das Atom Cäsium aussendet, 9.192.631.770-mal schwingt“, verkündet der Physikdozent.
Ein Student meldet sich zu Wort: „Herr Professor, das verstehe ich nicht richtig. Sie wollen ein Zeitmaß definieren – die Sekunde. Dabei legen sie zugrunde, dass das Licht gleichmäßig schwingt. Um diese Gleichmäßigkeit zu überprüfen, brauchen Sie aber bereits eine Uhr. Diese aber wollen Sie gerade erst definieren. Ist das möglich?“
Eine Sekunde peinlichen Schweigens. Dann sagt der Dozent mit herablassender Miene: „Junger Mann, ich bitte Sie! Wenn Sie schon nicht in der Lage sind, die elementaren Definitionen physikalischer Grundgrößen zu verstehen, muss ich Ihnen in aller Freundlichkeit raten, das Studienfach zu wechseln. Vielleicht wollen Sei es einmal mit der Pharmazie probieren?“

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Der Goldene Kompass

28. Dezember 2007 Keine Kommentare

Der Goldene Kompass gesehen. Wie für fast jede Literaturverfilmung gilt auch hier: Hat man das Buch nicht gelesen, versteht man viele plötzliche Wendungen nicht oder ist über völlig unmotiviert in die Handlung eingreifende Personen erstaunt. Hat man das Buch gelesen, ist man enttäuscht, weil man die eigenen inneren Bilder und die Komplexität der Handlung im Film nicht wiederfindet. In diesem Fall kannte ich das Buch.

Für meinen Geschmack steht die Panzerbärengeschichte etwas zu sehr im Mittelpunkt des Films. Dafür kam vieles Andere aus dem Buch zu kurz, zum Beispiel die Umkehrung der Bezeichnungen von Wissenschaft und Kirche in Lyras Welt im Vergleich zu unserer. Der Schluss des Filmes war mir dann etwas sehr abrupt und zu stark auf den kommenden zweiten Teil ausgerichtet. Dieser wird zwangsläufig gedreht werden müssen, denn ohne die Verfilmung der zwei anderen Teile der Trilogie His Dark Materials von Philip Pullman Das Magische Messer und Das Bernstein-Teleskop ergibt die Handlung keinen Sinn.
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Andrea Brackmann: Ganz normal hochbegabt

23. Dezember 2007 Keine Kommentare

Nachdem die Autorin 2005 das Buch Jenseits der Norm geschrieben hat, das sich vorrangig um die Belang entsprechender Kinder drehte, ist 2007 dieses neue Buch erschienen, in dem stattdessen Erwachsene die zentrale Rolle spielen. Gleich auf einer der ersten Seiten schreibt sie:

Ich betrachte auch die Typen-Schilderungen in meiner ersten Publikation über Hochbegabte („Jenseits der Norm“) mit Skepsis. Resultat dieser Zweifel ist unter anderem die Sammlung der vorliegenden Lebensgeschichten, in welchen ich die Hochbegabten so authentisch und individuell wie möglich zu Wort kommen lassen möchte.

In dem ersten Buch hatte sie verschiedene Typen Hochbegabter (Kinder) herausgearbeitet, mittlerweile hat sie offenbar Zweifel an der möglichen Typisierung. Allerdings sieht sie durchaus gemeinsame Merkmale aller (oder wenigstens vieler), einen Absatz weiter schreibt sie:

Stark vereinfacht bedeutet Hochbegabung mehr von allem: mehr denken, mehr fühlen und mehr wahrnehmen.

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Kann die Menschheit aussterben?

22. Dezember 2007 Keine Kommentare

Kann die Menschheit aussterben? Ich habe darüber schon öfter nachgedacht, die gängigen Argumentationen scheinen mir alle falsch zu sein. Besonders von Evolutionsbiologen wird häufig behauptet, dass die Menschen, weil alle Tierarten eine endliche Lebensdauer haben, irgendwann einmal aussterben werden. Außerdem wird auf Katastrophen hingewiesen, die die Erde in der Vergangenheit heimgesucht haben. Oder es wird vor Seuchen gewarnt, die uns kollektiv hinraffen könnten. Und natürlich wird in diesem Zusammenhang auch immer darüber spekuliert, welche Tierart sich nach den Menschen zur dominanten Spezies auf dem Planeten entwickeln könnte.

Das Argument der Evolutionsbiologen lässt sich am einfachsten entkräften. Tierarten „sterben aus“, wenn sich ihr Biotop schnell verändert. Eine schnelle Anpassung aber führt dazu, dass die Veränderungen innerhalb der alten Art so groß werden, dass diese geänderten Individuen sich nicht mehr fruchtbar mit den Ursprungsindividuen paaren können. Die Tierart selbst stirbt aus, aber die Individuen, die zu dieser oder der Nachfolgeart oder zu irgend einer Zwischenstufe gehören, merken das gar nicht – weil Tierarten ja nicht leben, sondern bloß Konstrukte unserer Taxonomie sind.
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Alan Weisman: Die Welt ohne uns

21. Dezember 2007 2 Kommentare

Ganz am Ende erfährt man etwas über die Motivation des Autors zum Schreiben dieses Buches:

Josie, Redakteurin des Discover Magazine, hatte kürzlich einen Artikel noch einmal gelesen, den ich vor Jahren für Harper’s geschrieben hatte. Dort hatte ich geschildert, wie rasch die Natur die Lücke füllte, welche die Menschen bei ihrer Flucht aus Tschernobyl hinterlassen hatten. Plutoniumverseucht oder nicht, das Ökosystem in der Nähe des zerstörten Reaktors schien ohne uns besser zurechtzukommen. „Was wäre“, fragte sie mich, „wenn die Menschen überall verschwänden?“

Im Buch findet man:

  • Überlegungen, in welcher Form, Reihenfolge und mit welcher Geschwindigkeit die verschiedenen „Errungenschaften“ und die Schadstoffe unserer Zivilisation verschwinden werden.
  • Schilderungen des Verfalls von Orten, nicht nur Tschernobyl, die der Mensch aus verschiedenen Gründen bereits tatsächlich verlassen hat.
  • Spekulationen über die Tier- und Pflanzenarten, die die ökologischen Nischen, die wir entweder während unserer Existenz geschaffen haben oder die erst mit unserem Verschwinden entstehen, besetzen werden.
  • Vergleiche der heutigen Verhältnisse, was die Veränderungen des Klimas und das Massenartensterben betreffen, mit früheren Ereignissen.

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Facharzt fürs Töten?

20. Dezember 2007 Keine Kommentare

Im Spiegel No. 48 vom 26.11.2007 findet man einen Artikel mit der Überschrift „Facharzt fürs Töten“. Der Spiegel ist ja bekannt dafür, dass er nicht nur Nachrichten sondern auch Meinungen unter’s intellelle Publikum bringen will, allerdings selten so offensichtlich wie mit der hier gewählten Überschrift. In dem Artikel wird über einen Arzt berichtet, der für Dignitate arbeitet, den deutschen Ableger von Dignitas. Er will mit Hilfe eines „Musterfreitods“ einen „Musterprozess provozieren“. (Die Anführungszeichen, weil es Spiegelzitate sind.)

Für mich ist der Artikel deshalb bemerkenswert, weil just am 22.11. in Erfurt, einem Arbeitsort des Arztes, die Sterbehilfe-Diskussion mit Nicola Bardola stattfand. Im Folgenden Auszüge aus der Druckversion des Spiegel-Artikels:
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Jürgen vom Scheidt: Das Drama der Hochbegabten

19. Dezember 2007 Keine Kommentare

Der Autor ist Psychologe und hat „ein Buch für Erwachsene mit blockierter Kreativität“ geschrieben. Man merkt es dem Werk an, dass der Autor Seminare zum kreativen Schreiben hält, er verknüpft in seinem Buch mehrere Stränge miteinander:

  • Reflexionen über Hochbegabung und Hochbegabte
  • Ratschläge zur Entfaltung der eigenen Kreativität
  • Ausflüge in die Mythologie
  • Einblicke in sein eigenes Leben und das Schreiben dieses Buches
  • die Lebensgeschichte einer Familie mit 5 Mitgliedern mit sehr unterschiedlichen Interessen und unterschiedlichem Erfolg, die er offenbar bei seiner Arbeit als Therapeut kennengelernt hat.

Das Buch ist recht interessant, einige Aussagen erwecken aber auch Widerspruch.

Die Psychologie definiert als Hochbegabte alle Menschen, die bei einem IQ-Test in den besten 2% der gesamten Bevölkerung abschneiden. Meiner Meinung nach ist diese Begriffswahl sehr unglücklich, denn ein gutes Ergebnis in einem solchen Test bedeutet zunächst nicht mehr, als dass der Betreffende mit den dort gestellten Aufgaben gut zurecht gekommen ist. Er ist also intelligent (in Bezug auf die im Test gewünschten Antworten.) Begabungen gibt es aber auch auf künstlerischem oder sportlichem Gebiet. Wird der Begriff Hochbegabung nur am IQ festgemacht, bleiben diese Talente außen vor. (Zudem habe ich noch nirgends eine Erklärung dafür gefunden, welche Begründung es für den 2%-Grenzwert gibt, wenn die Skala menschlicher Fähigkeiten kontinuierlich ist.)
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Jürgen Petermann: Sichere Energie im 21. Jahrhundert

15. Dezember 2007 Keine Kommentare

Die Konferenz auf Bali ist zu Ende gegangen, die Streitereien um die richtige Klimapolitik gehen weiter. Hintergrund der Probleme ist der Energiehunger der ganzen Welt, der heute überwiegend durch die Verbrennung fossiler Energieträger gedeckt wird. Es gibt eine Vielzahl von Einzelartikeln, gedruckt oder im Netz, die sich mit verschiedenen Detailproblemen beschäftigen. Demgegenüber versucht das von Jürgen Petermann herausgegebene Buch „Sichere Energie im 21. Jahrhundert“ durch eine gezielte Auswahl von Beiträgen letztendlich zu einer Gesamtübersicht beizutragen.

Gleich zu Beginn ein interessanter Gedanke: Unsere Epoche ist die Übergangszeit zwischen dem ersten und dem zweiten solaren Zeitalter. Die Menschen haben bis zum Mittelalter nur regenerative Energien benutzt: Holz, Wind, Wasserkraft. Nachdem wir alle Kohle, das Erdöl und -gas verbrannt haben (falls wir es wegen dem CO2 überhaupt können), werden wir wieder in einem solaren Zeitalter leben. Aber wie wird die Übergangszeit, also das 21. Jahrhundert, gestaltet? Petermann listet in der Einleitung einige der Fragestellungen dazu auf:
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