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Archiv für November, 2007

Diskussion zu Sterbehilfe

24. November 2007 Keine Kommentare

Am Donnerstag habe ich eine Lesung mit Nicola Bardola im Rahmen der Erfurter Herbstlese besucht. Bardola hat bis jetzt zwei Bücher veröffentlicht, die sich mit dem Thema Suizid beschäftigen. Zuerst erschien sein Roman Schlemm, in dem er den Freitod seiner Eltern thematisiert hat. (Aber Vorsicht vor einem beliebten Fehler: Ein Roman ist keine Biografie.) Nach Aussage von Bardola haben sich ihm beim Schreiben des Romans neue Fragen gestellt, deshalb ist jetzt ein zweites Buch von ihm erschienen, Der begleitete Freitod, ein Sachbuch.

Nicola Bardola ist Schweizer, der seit vielen Jahren in München lebt und arbeitet. In der Schweiz ist ein begleiteter Freitod legal, Ärzte dürfen ihren Patienten ein tödliches Barbiturat verschreiben. Die Patienten müssen das Mittel aber selbst einnehmen. In Deutschland ist diese Unterstützung nicht erlaubt. (Jeder weiß aber um die Grauzone, in der Ärzte auf eigenes Risiko anders handeln.) Die Regelungen im übrigen Europa sind sehr unterschiedlich. In den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe legal, in Deutschland passive Sterbehilfe gängige Praxis, es dürfte zusätzlich noch eine Grauzone geben, weil sich bei vielen Krankheiten im Nachhinein nicht mehr feststellen lässt, ob die letzte Gabe eines starken Schmerzmittels kausal den Tod verursacht hat. In Ländern wie Spanien oder Italien sind alle Formen der Sterbehilfe verboten.
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Who is the new leader of China?

21. November 2007 Keine Kommentare

Ich kannte das Video zwar schon, aber nachdem sich einige meiner Kollegen erst heute darüber schlapp gelacht haben, scheint es noch nicht überall bekannt zu sein. That’s why, here it is:




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KategorienAlltag, Videos Tags:

Anne Will und die sieben „Eisenbahner“

19. November 2007 Keine Kommentare

Die Tarifauseinandersetzung zwischen der GDL und der Bahn hat sicherlich gestern Abend Anne Will gute Quoten gebracht. Zu Gast: GDL-Chef Schell, Bahn-Personalvorstand Suckale, der Chef der Transnet-Gewerkschaft Hansen, Schlichter Biedenkopf, Gesamt-Metall-Chef Kannegießer sowie die mir unbekannten Gäste „auf dem Sofa“ Matthias Schranner, als „Verhandlungsexperte“ bezeichnet, und Olaf Guckelberger, der als Arzt an der Charite und Mitglied des Marburger Bundes mit für die Ärzte einen eigenen Tarifvertrag erstritten hat. (Es waren tatsächlich sieben Gäste!)

Den leichtesten Part hatte Herr Hansen, der ja im Tarifvertrag der Transnet mit der Bahn den Passus hat aufnehmen lassen, dass eventuelle Verbesserungen, die die GDL erstreitet, auch in seinen Tarifvertrag übernommen werden müssen. Herr Schell hatte Mühe, die Ruhe zu bewahren, als ihm immer wieder der bekannte Vorschlag der Bahn vorgehalten wurde, den mit den 10% mehr Lohn und 2000 Euro Einmalzahlung, siehe hier.
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KategorienPolitik Tags:

Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem

18. November 2007 Keine Kommentare

Wie nennt man die Rezension zu einem Buch, das „Eine kurze Geschichte von fast allem“ heißt? Vielleicht „Eine noch kürzere Zusammenfassung zu fast allem“? Jedenfalls ist eine ausführliche Übersicht über den Inhalt schwierig, wenn ein Buch von „fast allem“ handelt. Zudem haben es sowohl Bill Bryson als auch sein Buch schon zu eigenen Wikipediaartikeln gebracht, in denen man einiges über Autor und Buch erfährt. Was das Buch auszeichnet und wodurch es sich zum Beispiel von Unsere einsame Erde von Peter D. Ward und Donald Brownlee unterscheidet, ist meiner Meinung nach erstens, dass Bryson viele der heute noch lebenden Wissenschaftler persönlich besucht hat, und zweitens sein anekdotischer Schreibstil. Bereits in der Einleitung wird der Leser gestreichelt:
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KategorienEvolution, Natur, Physik, Rezensionen Tags:

Richard Dawkins: Der Gotteswahn

11. November 2007 Keine Kommentare

Es gibt schon eine Reihe von Meinungen über das neue Buch von Richard Dawkins, unter anderem findet man eine Rezension bei Gregor Keuschnig , der mir auch sein Buchexemplar freundlicherweise geliehen hat. Mein wichtigster Eindruck zuerst: Nein, Dawkins ist kein Fundamentalist in dem Sinne, wie es religiöse Fanatiker sind. Diese verweisen als Letztbegründungen immer auf ihren Glauben, wonach jede Diskussion mit ihnen sinnlos wird. Dawkins hingegen liefert Begründungen für seine Meinungen – und macht sich damit im Gegensatz zu den Religiösen diskursiv angreifbar, wenn man seinen Schlüssen oder Argumenten nicht zustimmt.

In seinem Buch stellt er eine Skala auf, um der Religiosität eines Menschen einen Zahlenwert zuzuweisen. Diese Skala beginnt mit 1 und endet mit 7:

  1. Stark theistisch. Gotteswahrscheinlichkeit 100 Prozent. Oder in den Worten von C. G. Jung: „Ich glaube nicht, ich weiß.“
  2. Sehr hohe Wahrscheinlichkeit knapp unter 100 Prozent. De facto theistisch. „Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich glaube fest an Gott und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn gibt.“
  3. Höher als 50 Prozent, aber nicht besonders hoch. Fachsprachlich: agnostisch mit Neigung zum Theismus. „Ich bin unsicher, aber ich neige dazu, an Gott zu glauben.“
  4. Genau 50 Prozent. Völlig unparteiischer Agnositzismus. „Gottes Existenz und Nichtexistenz sind genau gleich wahrscheinlich.“
  5. Unter 50 Prozent, aber nicht sehr niedrig. Fachsprachlich: agnostisch mit Neigung zum Atheismus. „Ich weiß nicht, ob Gott existiert, aber ich bin eher skeptisch.“
  6. Sehr geringe Wahrscheinlichkeit, knapp über null. De facto atheistisch. „Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Gott existiert, und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn nicht gibt.“
  7. Stark atheistisch. „Ich weiß, dass es keinen Gott gibt, und ich bin davon überzeugt, wie Jung ‚weiß‘, dass es ihn nicht gibt.“

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Die normative Kraft des Faktischen

4. November 2007 Keine Kommentare

Am Donnerstag war ich zu einer Buchlesung mit Hans-Olaf Henkel, seinerzeit Chef von IBM, berühmt-berüchtigt wegen seiner forschen und direkten Art als Vorsitzender des BDI von 1995 bis 2000. Normalerweise läuft ja eine Buchlesung so ab, dass der Autor nach ein paar freundlichen Worten eines Moderators einen oder mehrere Abschnitte aus seinem Werk vorträgt, danach gibt es ein paar höfliche Fragen, dann Applaus und die Veranstaltung endet. Hans-Olaf Henkel hatte dazu offensichtlich keine Lust, vielleicht eignet sich ja auch sein Buch nicht für einen derartigen Ablauf, jedenfalls wurde es eher ein Diskussionsabend als eine Lesung, wobei der Moderator mit seinen Fragen als Stichwortgeber für die Präsentation der Ansichten von Herrn Henkel diente. Im Folgenden ein paar seiner Thesen „H“ und meine Antworten „K“ darauf.

Gleich zu Beginnn erzählte Henkel, dass er Mitglied von Amnesty International ist und sich für die Menschenrechte engagiert. Außerdem hat er Kant gelesen und führte diesen mehrere Male als Argument für sein Plädoyer für Freiheit an. Nun, zahlendes Fördermitglied von Amnesty bin ich auch, die Basics von Kant sind mir ebenfalls geläufig. Die Menschenrechte sind ein weites Feld, betreffen nicht nur die so genannten Schurkenstaaten weit weg, nein auch die Bundesrepublik taucht in den Berichten von Amnesty auf, vor allem wegen ihrem Asylrecht und dem Umgang mit Flüchtlingen. Und wenn er mit Kant gemessen werden möchte – gerne!
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KategorienGesellschaft, Rezensionen Tags:

Streiks der GDL im Fern- und Güterverkehr sind zulässig

3. November 2007 Keine Kommentare

Das Gericht in Chemnitz hat entschieden: Streiks der GDL im Fern- und Güterverkehr sind zulässig. Ein anderes Urteil hätte mich auch überrascht, denn man kann Streiks ja nicht mit dem Argument verbieten, sie würden das bestreikte und die von ihm abhängigen Unternehmen zu stark treffen – genau das ist ja das Druckmittel eines Streiks. Andererseits werden die Streikenden (im Allgemeinen) selbst wirtschaftliche Vernunft an den Tag legen, denn es ist ja nicht in ihrem Interesse, ihre eigene Firma zu ruinieren. Vermutlich kommt es jetzt zu einer relativ raschen Einigung zwischen den Tarifparteien, weil jetzt von seiten anderer Unternehmen Druck auf die Bahn ausgeübt werden wird. Im Spiegel liest man:
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KategorienPolitik Tags: