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Archiv für September, 2007

Ein neues Zitat von Eva Herman

27. September 2007 Keine Kommentare

Durch den Spiegel bin ich heute auf eine Art Gegendarstellung von Eva Herman aufmerksam gemacht worden. Ihr wird ja vorgeworfen, die Familienpolitik im dritten Reich als beispielhaft für unsere heutige Zeit zu finden. Tatsächlich kann man auch auf ihrer Homepage das folgende Zitat lesen:

Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben….

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KategorienPolitik, Sprache Tags:

Götz W. Werner: Einkommen für alle

25. September 2007 Keine Kommentare

Die Idee des bedingungslosen Einkommens wird inzwischen von sehr vielen Personen und Institutionen propagiert, der wahrscheinlich bekannteste Vertreter in Deutschland ist Götz W. Werner, Chef und Besitzer der Drogeriekette DM. In seinem Buch „Einkommen für alle“ stellt er seine Grundideen ausführlich dar. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass die Arbeitslosigkeit in allen entwickelten Staaten ständig ansteigt. Die Ursache besteht darin, dass man zur Produktion der lebensnotwendigen Güter und Dienstleistungen immer weniger Arbeitszeit benötigt, weil die Produktivität stärker als die Produktionsmenge steigt.

Werner unterscheidet zwischen „Arbeit an der Natur“ und „Arbeit am Menschen“. Die Arbeit an der Natur ist diejenige, die der Produktion von Gütern dient, und eigentlich ist es nur sie, die der ständigen Produktivitätssteigerung unterliegt. Demgegenüber gibt es bei der Arbeit am Menschen kaum Beschleunigungspotenzial. Folgerichtig finden sich die schlechter bezahlten Tätigkeiten im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen und die überhaupt nicht bezahlte Arbeit im Ehrenamt und der Familie.
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Französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts

23. September 2007 Keine Kommentare

Nach den vielen Klimaschutzdebatten hat man ein schlechtes Gewissen, wenn man 50 Liter Benzin verfährt, nur um eine Kunstausstellung zu besuchen. Ich weiß nicht, was man in der Zukunft darüber denken wird, aber manche Kunstwerke will man ganz einfach einmal im Original sehen, auch wenn Aufwand und Nutzen in keinem akzeptablen Verhältnis zueinander zu stehen scheinen. Gestern waren wir in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, wo derzeit die Ausstellung „Französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts“ aus dem Metropolitan Museum of Art aus New York zu Gast ist. Vor drei Jahren war im selben Haus die MOMA, hier mein Reisebericht von damals, dort ein paar Bildeindrücke.

Die Organisatoren haben es dieses Mal besser geschafft, die Besuchermassen zu kanalisieren. Man steht zunächst eine reichliche halbe Stunde nach Eintrittskarten an, kann sich danach mit seiner Kartennummer in einen SMS-Service eintragen und wird so etwa eine halbe Stunde, bevor man an der Reihe ist, mit einer SMS informiert. Wir nutzten die knapp zwei Wartestunden zum Besuch des Holocaust-Mahnmal. Vor drei Jahren war es noch für Besucher gesperrt. Danach, wir saßen gerade im Sony-Center bei einem Kaffee, summte die erwartete SMS in meine Brusttasche hinein, wir eilten zur Nationalgalerie zurück und wurden eingelassen.
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KategorienAlltag, Kunst, Reiseberichte Tags:

Minuten vor dem Abschuss

20. September 2007 Keine Kommentare

Offensichtlich kann man je nach Weltanschauung vollkommen unterschiedliche Schlüsse aus den gleichen Ereignissen ziehen. Im Spiegel findet man einen Bericht über einen Beinahe-Abschuss eines Passagierflugzeugs während der Olympiade 1972:

Es war ein 11. September, ausgerechnet, ein Spätsommertag des Jahres 1972, als um 20.05 Uhr ein Adjutant an Lebers Schreibtisch trat. Der olympische Sicherheitschef habe Alarm geschlagen, Terroristen hätten vor wenigen Minuten in Stuttgart ein Kleinflugzeug gestohlen. „Man habe Erkenntnisse darüber, dass versucht werden sollte, aus dem gestohlenen Flugzeug über dem Olympiastadion in die Schlussfeier hinein Bomben zu werfen“, schrieb der SPD-Politiker später in seinen Memoiren mit dem Titel „Vom Frieden“ über die Meldung seines Mitarbeiters.
Die dramatischsten Minuten im Leben von Georg „Schorsch“ Leber begannen.

Zwei Minuten nach dem Aufstieg der Kampfjets meldete die Luftraumüberwachung: Das unbekannte Flugzeug ist außer Kontrolle. Der Krisenstab vermutete, die Entführer seien in den Tiefflug übergegangen, um das Radar zu unterfliegen. Plötzlich tauchte die Maschine bei Augsburg wieder auf dem Schirm der Flugsicherung auf: Es steuerte in 2000 Metern Höhe weiter Richtung München.

Als fast keine Zeit zum Zaudern mehr blieb, meldete sich das unbekannte Flugzeug plötzlich bei der Flugsicherung. Die Piloten einer finnischen Passagiermaschine berichteten, ihre Bordtechnik samt Radar sei vorübergehend ausgefallen, man habe sich deswegen verirrt. Sie baten um Landeerlaubnis für den Flughafen München-Riem.
An Bord der DC 9 waren mehr als hundert Menschen.
„Höchstens zwei Minuten später“, erinnerte sich Leber, „hätte dieser Vorgang, der sich jetzt wie eine Episode anhört, einen anderen Verlauf genommen. Auch meine eigene Welt hätte drei Minuten später ganz anders ausgesehen. Ich habe in meinem Leben nicht immer so viel Glück gehabt wie an diesem Abend des 11. September 1972.“

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KategorienEthik, Politik Tags:

Stephen Jay Gould: Der falsch vermessene Mensch

19. September 2007 Keine Kommentare

Stephen Jay Gould hat in seinem Buch die Geschichte der Intelligenzmessung der letzten knapp 200 Jahre beginnend mit der Kraniometrie (Schädelmessung) bis zu den heutigen IQ-Tests kritisch analysiert. Das hieß für ihn, sowohl alle Daten nachzurechnen, als auch die an ihnen getroffenen Schlüsse zu überprüfen.

Am Beginn der Suche nach den Ursachen von Intelligenzunterschieden stand die Kraniometrie. Dass Frauen, Arme und Schwarze dümmer sind, war die Anfang des 19. Jahrhunderts vorherrschende Meinung. Folgerichtig sollte die damals beliebte Kraniologie dieses Urteil bestätigen. Morton, ein bekannter Wissenschaftler seiner Zeit, füllte Senfkörner in Schädel, drückte diese kurz an und verglich das Volumen der Senfkörner später in einem Messglas, die Ergebnisse entsprachen seinen Erwartungen: Die Schädel von Männern, Reichen und Weißen waren größer. Später wurden von ihm Bleikügelchen anstelle der Senfkörner verwendet, die zuvor gemessenen Unterschiede verringerten sich. Selbst Morton fiel der Unterschied zwischen der Senfkörner- und der Bleikugelmethode auf, am prinzipiellen Unterschied zwischen den verschiedenen Gruppen zweifelte er jedoch nicht.
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Köppnick, das Eichhörnchen und sein Frühstück

16. September 2007 Keine Kommentare

Mit Inbrunst oder genauer gesagt mit einem Löffel bearbeitete Köppnick sein Frühstücksei. Dazu drehte und wendete er den Becher, um alle Seiten der Eierschale zu erreichen. An der rohen Sitte, ein gekochtes Ei einfach aufzuschlagen, zu köpfen, hatte er noch nie Gefallen gefunden. Nach dieser gründlichen Vorbereitung zog er dem Ei die Schale in einem Stück ab und ließ sie auf den Teller fallen. Dort lagen bereits die Brösel der zuvor gegessenen Semmel, die er, die eine Hälfte mit Marmelade, die andere mit Honig, zuvor genossen hatte. So wie jeden Sonntag, Köppnick hasste eine unnötige Änderung alter Angewohnheiten. Später, beim Kaffee, sah er zum Fenster hinaus. Der Himmel war wolkenlos, die Sonne schien. Man könnte einen Spaziergang machen, dachte er sich.

Vor der Tür stehend überlegte er, welchen Weg er nehmen sollte. Es hatte sich bewährt, diese Wahl bereits jetzt zu treffen. Dann erledigte sein Körper selbstständig den folgenden mechanischen Teil, während sein Geist frei fliegen konnte. Nur an wichtigen Wegmarken musste Köppnick ihn in den Körper zurückbeordern, um diesen in die geplante Richtung zu dirigieren.
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KategorienFiktion Tags:

Mensa-Aufnahmetest

14. September 2007 Keine Kommentare

Vor etwa 4 Jahren habe ich das erste Mal von Mensa gehört. Damals sah ihre Homepage noch etwas anders aus. Ich kann mich noch sinngemäß an das Eingangsstatement erinnern: „Es ist nicht schlimm, nicht so intelligent zu sein. Aber wenn Sie keinen IQ größer gleich 130 haben, kommen sie hier nicht rein.“ Was für ein Schwachsinn, habe ich damals gedacht. Vor zwei Jahren habe ich zwei Mensaner auf einem Treffen meines damaligen Lieblingsforums persönlich kennen gelernt, und was haben diese beiden gemacht? Sich heftigst gestritten, sodass es allen anderen Teilnehmern peinlich war. Keine guten Voraussetzungen, mich für diesen Verein zu begeistern.

Nachdem ich aber vor kurzem das Buch von Andrea Brackmann „Hochbegabt und hochsensibel?“ gelesen hatte, war mir klar, dass ich einen IQ-Test machen muss, um mit mir ins Reine zu kommen, zu ähnlich kamen mir einige Schilderungen im Buch vor. Ich hatte in der Kindheit und Jugend einen Sprachfehler, habe stark gestottert. In manchen Situationen, wenn mich mein Selbstvertrauen verlässt, geht es mir heute auch noch so. Bis zum Lesen von Brackmanns Buch hatte ich gedacht, meine Probleme wären auf dieses Stottern zurückzuführen gewesen. Doch jetzt, beim nochmaligen Nachdenken und Erinnern, war mir aufgefallen, dass ich eigentlich nie gehänselt oder geärgert worden bin. Und trotzdem hatte ich nie Interesse, irgend etwas mit anderen Kindern in meiner Klasse oder Nachbarschaft anzufangen.
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KategorienAlltag, Intelligenz Tags:

Volkmar Weiss: Die IQ-Falle

11. September 2007 Keine Kommentare

Auf längere Sicht sind Strategien des Erhalts von Macht und Besitz über Generationen nur erfolgreich, wenn sie sich mit der Erhaltung eines bestimmten Intelligenzniveaus paaren. In den traditionellen Gesellschaften war das praktisch kaum möglich, da man zuwenig über Intelligenz wusste; in der gegenwärtigen Gesellschaft tut man am besten so, als wisse man nicht, wovon die Rede ist, bzw. man verweist auf die entscheidende Rolle der Umwelt; in der zukünftigen Gesellschaft wird das für die Öffentlichkeit wahrscheinlich auch weiterhin die beste Verhaltensweise sein, im Privaten aber wird man sich genau und erfolgreich der gegenteiligen Verhaltensweise befleißigen.

Wenn man davon ausgeht, dass dieses Buch von einer breiten Öffentlichkeit verteufelt werden wird, was sollte man dennoch privat und insgeheim über Intelligenz wissen? In Anspielung auf den Titel eines bekannten Sexbuchs erfahren Sie auf den folgenden Seiten alles, was Sie schon lange über Intelligenz wissen wollten, sich aber bisher niemand traute, ihnen nahezubringen.

Diese Einleitung lässt aufhorchen, in der Wikipedia findet man eine Seite über und eine Seite von Volkmar Weiss, außerdem hat der Autor eine Homepage. Ich habe diese Links erst nach der Lektüre seines Buchs Die IQ-Falle gelesen. Inhalt des Buchs ist die Darstellung einiger Theorien zum Thema Intelligenz und IQ, sowie einige Schlussfolgerungen für Politik und Gesellschaft. Ich hätte das Buch vermutlich auch gelesen, wenn ich die Informationen über den Autor vorher gehabt hätte. Mein Credo: Bilde dir dein eigenes Urteil, reicht deine eigene Intelligenz nicht aus, Fehler in Argumentation und Beweisführung zu finden, steht dir eine Verurteilung nicht zu.
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