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Archiv für April, 2007

Einsatzregeln für Kampfroboter

26. April 2007 Keine Kommentare

Ein Artikel bei Telepolis erschreckt zunächst, Einsatzregeln für Kampfroboter, aber ist das wirklich etwas Neues? Worin besteht denn zum Beispiel der Unterschied zu Mienen, die in großer Zahl in Krisengebieten überall auf der Welt vergraben, von Flugzeugen abgeworfen werden oder im Meer treiben? Das sind doch auch technische Systeme, die, autonom arbeitend, nur dem Zweck dienen, Menschen zu töten, und die im Einsatzfall keinen Unterschied machen zwischen Freund und Feind, Militär und Zivilist, Mensch oder Maschine.
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Carsten Schneiders Kritik am Bedingungslosen Bürgereinkommen

22. April 2007 Keine Kommentare

Die Idee vom bedingungslosen Bürgereinkommen ist in den Niederungen (den Sümpfen) der Parteipolitik angekommen. Zwar ist mir bereits das Eintreten von Dieter Althaus, CDU, für das Bürgereinkommen äußerst suspekt gewesen, aber was nun Carsten Schneider, der haushaltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion im Spiegel schreibt, zieht einem die Schuhe aus. Hier meine ich nicht das übliche parteipolitische Blabla, sondern die eklatanten Rechenfehler.

Ganz ausdrücklich geht es Althaus darum, mit dem „Bürgergeld“ Kernprinzipien des Sozialstaats auszuhebeln. Bisher gilt: Sozialleistungen werden überwiegend zielgenau auf die tatsächlich Bedürftigen zugeschnitten. Starke Schultern sorgen für sich selbst und tragen mehr zur Finanzierung des Sozialstaats bei als schwache. Ginge es nach Althaus, würden auch diejenigen Bürger zu Transferempfängern, die das Geld überhaupt nicht benötigen. Gleichzeitig entfiele mit der progressiven Einkommensteuer ein zentrales Umverteilungsinstrument. Diese Logik widerspricht zu Recht dem Gerechtigkeitsempfinden der meisten Menschen in Deutschland. Das hat nicht zuletzt der Bundestagswahlkampf 2005 gezeigt, als Professor Paul Kirchhof mit seiner Flat Tax scheiterte.

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Das Leben der Anderen

20. April 2007 Keine Kommentare

Heute Abend habe ich „Das Leben der Anderen“ mit Ulrich Mühe in der Hauptrolle gesehen, der Film hat eine große Verunsicherung hinterlassen. Einige Szenen erinnern an andere Filme über die Stalin- und die Hitlerzeit. In diesen Filmen darüber nimmt man das Gezeigte als authentisch hin, als ob es tatsächlich so gewesen ist, wie dort gezeigt. In der DDR aber habe ich gelebt. War es wirklich so, wie im Film gezeigt? Mein Problem ist: Erinnerungen sind keine fotografischen Aufzeichnungen der Vergangenheit, sondern ein Abrufen von Was-weiß-ich mit dem Ziel, heute mit dem Leben klarzukommen. Die Juroren, die dem Film in den USA den Oscar für den besten ausländischen Film gegeben haben, waren in einer anderen Lage. Sie haben von außen auf den Film geschaut – eben genauso, wie sie Filme aus der Stalin- und Hitlerzeit beurteilt hätten oder haben.
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Nach dem Universitätsmassaker

17. April 2007 Keine Kommentare

Nach dem Universitätsmassaker in den USA geht dort die immer gleiche Diskussion der Waffenbefürworter und der Waffengegner wieder los, ein für europäische Beobachter sehr unverständlicher Streit. Interessant sind eher ein paar eher an der Peripherie liegende Fragen und Beobachtungen. Zum Beispiel ist es doch interessant zu wissen, dass der Prozentsatz privater Waffen im unmittelbar an die USA grenzenden Kanada nicht wesentlich geringer ist, dort aber weit weniger derartiger Fälle bekannt geworden sind. Was machen die Kanadier (bei ziemlich ähnlicher Mentalität) anders? Bemerkenswert auch der Telepolisartikel Die Deutschen rüsten sich auf:

Natürlich rangieren die USA sowohl beim privaten Waffenbesitz als auch bei der Zahl der damit Getöteten weit vor den europäischen Ländern. In den USA sind im Jahr 2000 über 30.000 Menschen (11,3 von 100.000) mit Handfeuerwaffen (Unfälle eingeschlossen) getötet worden (das National Center for Injury Prevention and Control gibt für das Jahr 2000 28.663 Tote durch Schusswaffen und ein Verhältnis von 10,41 auf 100.000 an), in Deutschland beispielsweise 1.201 (1,5 von 100.000) oder in Frankreich 2.964 (5 von 100.000). Damit erreicht der private Waffenbesitz in diesen beiden Ländern etwa 50 Prozent des US-Niveaus. Die Deutschen scheinen jedoch weiter aufzuholen und kaufen derzeit ebenso viele Waffen pro Kopf wie die Amerikaner: pro Jahr werden in Deutschland eine Million Pistolen und Gewehre verkauft.

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Militärprognose für 2037

10. April 2007 Keine Kommentare

Briten fürchten Strahlen, Chips und Neomarxismus

lautet der Titel eines Spiegelartikels. Weiter heißt es:

Welche Kriege und Konflikte bedrohen die Welt in dreißig Jahren? Diese Frage stellte der britische Verteidigungsminister seinen Strategen. Überraschendes Ergebnis: Die Militärs fürchten sich vor Neomarxisten in der globalen Mittelklasse.

Im Artikel wird es dann noch konkreter:
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KategorienAlltag, Politik Tags:

Kleine Beobachtung am Rande (des Waldes)

9. April 2007 Keine Kommentare

Ich wohne am Stadtrand. Buchstäblich an meiner Haustür beginnt der Aufstieg zum „Kickelhahn“, dem Hausberg meiner Stadt. Ich bin also nach dem Verlassen des Hauses sofort im Wald. Von drei Seiten wird dieser unser Hausberg von Straßen umschlossen, die meine Stadt mit den benachbarten Orten verbindet. Wenn man noch weiß, dass sich alle Wege, damit sie nicht zu steil sind, spiralförmig auf den Berg winden, dann wird einem auch verständlich, dass man, auf dem Berggipfel stehend, in alle Richtung Wegweiser findet, die unseren Stadtnamen tragen. Beim ersten Besuch kommt einem das sehr merkwürdig vor.

Kurz unterhalb des Gipfels gibt es eine kleine Hütte, in deren Wand Goethe sein „Über allen Gipfeln ist Ruh“ geschnitzt hat. Er war in seiner Zeit als Geheimer Rat sehr häufig hier zu Gast, weil er den Bergbau beleben wollte. Daher stammen auch die Namen einiger Wanderwege im Wald: Oberer, mittlerer, unterer Berggrabenweg. Ursprünglich waren das keine Wanderwege, sondern Wege zur Unterhaltung der künstlichen Wasserwege, die parallel dazu liefen. Das Wasser wurde zu den Bergwerken geleitet, trieb dort Mühlen an, die wiederum dazu benutzt wurden, das Wasser aus den Stollen zu pumpen.
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Ein Vater, ein Wort

6. April 2007 Keine Kommentare

Der folgende Artikel in der Geo 12/2006, S. 204, ist für die empirische Männerforschung von so herausragender Bedeutung, dass ich ihn in seiner ganzen Länge zitieren möchte:

Für die kindliche Sprachentwicklung sind Männer wichtig – weil sie weniger reden als Frauen.
Die Forschungen eines Wissenschaftlerteams der US-Universität von North Carolina haben mit einem verbreiteten Vorurteil aufgeräumt. Denn für den Erwerb der „Muttersprache“ scheinen anfangs Väter die Hauptrolle zu spielen.
An 92 Familien mit berufstätigen Männern und Frauen haben Lynne Vernon-Feagans und ihre Kollegen untersucht, wie oft ein Elternteil mit zwei- bis dreijährigen Kindern sprach und welche Satzmuster dabei benutzt wurden. Ergebnis: Obwohl die Mütter viel mehr mit den Sprösslingen redeten und wesentlich häufiger Fragen an ihr Baby richteten, orientierte sich der Nachwuchs an den Männern, deren Satzbau er imitierte. Und je größer der Wortschatz des Vaters, desto schneller schreitet die Sprachentwicklung des Kindes voran.
Die Forscherin vermutet, dass die Frauen Kleinstkinder mit zu vielen Worten überfordern. Erst wenn der Nachwuchs schon älter ist als drei Jahre, übernimmt die Mutter die Leitung: Das Sprachvermögen von Schülern zum Beispiel hängt hauptsächlich von dem ihrer Mütter ab.

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Rent a wife

5. April 2007 Keine Kommentare

Jeden Monat eine neue Frau zur Miete, die dem Hausherren jeden Wunsch von den Lippen abliest.

So übersetzt die Netzeitung in ihrem Artikel Frauenversand-Website löst Proteste aus von einer einer belgischen Website. Ich habe natürlich sofort die angegebene Seite angeklickt. Leider ist weder mein Französisch noch mein Niederländisch gut genug, aber der Einführungsfilm ist schon Klasse (die holländische Variante lädt schneller). Oberhalb des Filmfensters gibt es einen Link zum „Katalog“. Das rechts stehende Bildchen zeigt einen Ausschnitt dieser Seite. Spätestens hier müsste es jedem Mann dämmern: Einen Monat Rundumservice mit 8 Frauen gibt es nicht für 1600 €. Die Verbraucherschützer, die gegen die Webseite geklagt haben, erscheinen mir reichlich humorlos.

Morgen muss ich meine Wohnung sauber machen und dann bügeln. Nix mit multiplo.

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Hans Küng: Der Anfang aller Dinge

3. April 2007 1 Kommentar

Besser als durch den Titel des Buches wird der Inhalt durch den Untertitel beschrieben: „Naturwissenschaft und Religion“. Hans Küng ist emeritierter Professor für Theologie und katholischer Priester. Bekannt geworden ist er durch seine Trilogie über die großen Weltreligionen, die Stiftung Weltethos und seinen Streit mit der katholischen Kirche auf mehreren Gebieten: Unfehlbarkeit des Papstes, Frauenordination, Empfängnisverhütung, Abtreibung und Zölibat. Dem Wikipedia-Artikel über ihn kann man entnehmen, dass er Josef Ratzinger seit langem kennt, sie sich später überworfen haben, es aber 2005 zu einem Treffen zwischen ihnen beiden kam (als Josef Ratzinger bereits zum Papst Benedikt XVI. gewählt wurde). Vielleicht deutet das ja darauf hin, dass manche Ansichten der katholischen Kirche nicht für immer in Stein gemeißelt sind?

Ich wollte schon seit langem etwas von ihm lesen. Das vorliegende Buch hat den Vorteil, dass es ein mich sehr stark interessierendes Themenspektrum umfasst – die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft in unserer Zeit, Aspekte der Kosmologie, Evolutionstheorie und der Hirnforschung. Die Wikipedia schreibt über dieses Buch:
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Das faulste Faultier

1. April 2007 Keine Kommentare

faultier2Kurz nach der Wende haben ein Freund und ich den SPIEGEL abonniert. Mit der Zeit bemerkt man bei den meisten Artikeln gar nicht mehr, dass ihr Schreibstil ziemlich ähnlich ist, sarkastisch, zynisch, ironisch. Manchmal geht einem dieser Stil mächtig auf den Geist, manchmal führt er aber auch zu Beiträgen, die einem außerordentlich gut gefallen. „Vom Glück, am Ast zu hängen“ aus der Ausgabe 8 vom 17.2.2007 ist solch ein Fall. Eigentlich ist der Spiegelartikel bereits eine Zweitverwertung, die erste Zeitung, die auf das vermutlich faulste Faultier aller Zeiten hinwies, war die Berliner Morgenpost mit der Überschrift: „Faultier war zu faul für die Forschung“.

Die Mittagszeit ist keine gute Zeit, um ein Faultier zu besuchen. „Mittags schlafen sie“, sagt John Nyakatura, er schließt die Tür zum Tierhaus auf: „Sehen Sie? Da vorn“, sagt er, „da liegt es.“ Ein braunblondes Fellknäuel, Choloepus didactylus, in einer Höhle aus Sperrholz, die Schnauze im Fell verborgen, ein Arm (vielleicht auch ein Bein, der Laie kann das nicht unterscheiden) reckt sich nach oben, die Krallen schlaff über einen Ast gelegt, nichts bewegt sich.
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