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Archiv für August, 2005

Der Testflug

25. August 2005 Keine Kommentare

Als Köppnick zu sich kam, fiel ihm zuerst ein offener Schnürsenkel auf. Er ging in die Hocke und machte einen ordentlichen Doppelknoten. Auch auf der rechten Seite zog er den anderen noch einmal straff. Für den geplanten Flug waren Schuhe eigentlich überflüssig, aber er wusste nicht, wo er landen würde. Danach prüfte er den Rest seiner Kleidung. Er trug eine Wollmütze und die Regenjacke, in der Tasche steckten seine gefütterten Handschuhe. Alle diese Dinge hatte er sich am Abend auf dem Stuhl bereitgelegt.

Er winkelte etwas die Arme ab und hob das rechte Bein an, die Dielen knarrten. Köppnick war Linkshänder und hatte sich überlegt, dass es mit dem rechten Fuß voran einfacher gehen müsste. Angestrengt fixierte er das an der Wand hängende Bild mit dem kleinen Flusslauf, dem Häuschen im Hintergrund und dem Hirsch am Wasser. Danach verlagerte er sein Gewicht ganz auf die linke Fußspitze. Jetzt kam der entscheidende Moment. Er zog den linken Fuß zum Körper. Für einen Augenblick befürchtete er, dass er umkippen würde, aber es klappte. Der linke Fuß hob vom Boden ab, und mit angewinkelten Beinen schwebte er auf der Stelle in der Luft.
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Christopher Wilkins – Der Zeitmesser

14. August 2005 Keine Kommentare

Ich kann nicht mehr sagen, wie und wann ich auf dieses Buch gestoßen bin. Vermutlich bei der Suche nach Literatur zum Thema Zeit in der Philosophie und in der Physik. Aber „Der Zeitmesser” ist kein Lehrbuch, sondern ein Roman. Der Autor, Christopher Wilkins, wurde 1945 in Oxford geboren und studierte Literatur in Cambridge. Der „Zeitmesser” ist sein erster Roman, 1999 in englisch, 2000 in deutsch erschienen.

Zwei Erzählstränge sind miteinander verwoben: Robert, der Ich-Erzähler, arbeitet an der perfekten mechanischen Uhr, während er sich gleichzeitig an sein Leben mit Elisabeth erinnert, die Liebe seines Lebens. Er hat sie kennen gelernt, als er noch Philosophie der Mathematik studierte. Sie heiraten, ziehen zusammen und sind glücklich. Er übernimmt das Uhrmachergeschäft seines Vaters. Den beiden Liebenden bleibt nicht viel Zeit miteinander, Elisabeth trägt eine tödliche Krankheit in sich und stirbt schließlich. Als die Erzählung im Buch beginnt, ist sie bereits tot, und Robert hat beschlossen, die perfekte Uhr zu bauen. Am Ende des Romans ist die Liebsgeschichte erzählt, die Uhr fertig gebaut.
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Im Gartenzwergmuseum

10. August 2005 Keine Kommentare

Im Zuge der aktuellen Entwicklung in Deutschland ist ja oft die Rede vom deutschen Mittelstand, der gestärkt werden muss, von deutschen Produkten, die zu bevorzugen sind, von deutschen Tugenden, auf die man sich besinnen soll, und von der deutschen Lightkultur. Als deutscher Patriot macht man sich da natürlich Gedanken, mit welchen Erzeugnissen die Deutschen in der Welt bekannt geworden sind und welchen Beitrag das eigene Bundesland in der Vergangenheit zum Ruhme Deutschlands geleistet hat.

Nun, da das Bier, das als erstes nach dem deutsche Reinheitsgebot gebraut wurde, einem anderen Bundesland zugeschrieben wird, und auch der Deutsche Schäferhund anderswo gezüchtet wurde, und Thüringer Rostbratwürste überall auf der Welt gefälscht werden, und auch die geliebten Thüringer Klöße nicht mehr das sind, was sie einst waren, bleibt für uns heute und hier Lebende nur, die Urheberschaft für den ersten deutschen Gartenzwerg zu beanspruchen.
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Dietrich Dörner – Bauplan für eine Seele

8. August 2005 Keine Kommentare

Der Buchautor Dietrich Dörner ist Professor für Theoretische Psychologie in Bamberg. Er antwortet auf die Frage nach der Seele: „Die Seele ist ein informationsverarbeitendes System. Um zu verstehen, was das bedeutet, bauen wir uns am besten eine.” Sein Buch „Bauplan für eine Seele” ist 1998 erschienen. Als Modelle werden von ihm Dampfmaschinen verwendet, die er Psi nennt. Sie benötigen Brennstoff (Benzin) und Wasser, sie können sich bewegen und verfügen über Einrichtungen zur selbsttätigen Aufnahme dieser Stoffe aus ihrer Umgebung (Saugrüssel). Außerdem sind sie mit Sensoren zur Gewinnung von Umweltinformationen ausgestattet. Die für eine Autonomie der Maschinen notwendige Rechenkapazität (Verarbeitung der Informationen der Sensoren, Weitergabe von Befehlen an die Bewegungseinheiten, etc.) wird mit Hilfe von „Neuronen” realisiert.
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Informatiker

7. August 2005 Keine Kommentare

Bloß gut, dass ich kein Informatiker bin. Nein, ich habe einen ordentlichen Beruf gelernt und mache nur des Geldes wegen ein klein wenig Softwareentwicklung. Denn was man da in Zürich über die Informatiker herausgefunden hat – einfach grauenhaft!

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Zeitverschw?ndung

5. August 2005 Keine Kommentare

Er: Man ist dieser Quelltext kompliziert. Den muss ich mir erstmal ausdrucken.
Ich: Ja, das kostet alles immer viel mehr Zeit als geplant.
Er: Besonders die Koordinatensysteme waren eine Zeitverschwendung.
Ich: Wieso Zeitverschwendung? Hast du sie nicht gebraucht?
Er: Doch, doch.
Ich: Na also, dann war es doch keine Zeitverschwendung, sondern nur die übliche Zeitverschwindung.
Er: Da hast du wohl recht. Wieso heißt das eigentlich Zeitverschwendung und nicht Zeitverschwändung?
Ich: Stimmt, da sollte man mal drüber nachdenken. Noch genauer wäre wohl Zeitverschwundung als Tatsache und Zeitverschwunderung als Nachdenken darüber.

Nicht verschwundern, das sind nur die überflichen Softwärkergespräche am Freitagnachtmittag.

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Wieso sind Häuser außen kleiner als innen?

2. August 2005 Keine Kommentare

Vor einigen Wochen hatten sie die Bodenplatten der Häuser gegossen. Ich stand am Rand der Baustelle und dachte: „Mein Gott, das sollten doch Wohnhäuser werden und keine Puppenstuben!”

Vorgestern war ich wieder dort. Einige Wände waren bereits gemauert. Ich kletterte auf eines der Fundamente und stand umgeben von einer 5 Blockziegel hohen Mauer, die mir etwa bis zur Brust ging. „Aha”, dachte ich, „das wird bestimmt die Besenkammer”. Ich maß den Raum aus. Ein Ingenieur hat da immer so seine Möglichkeiten, auch ohne Zollstock. Vier mal fünf Meter erhielt ich. Also nix mit Abstellraum, das könnte das Wohnzimmer werden. Es kam mir winzig vor. Aus Erfahrung aber wusste ich: Hier werden in einem halben Jahr eine Schrankwand, eine Couch, zwei Sessel, ein Fernseher, ein Tischchen, 6 Personen, 10 Flaschen Bier, 2 Flaschen Selters, eine Tüte Kartoffelchips und ein halbvoller Aschenbecher (naja, nicht wirklich) reinpassen. Und die Menschen wären immer noch in der Lage, das Fenster zum Rausgucken aufzumachen und in die Küche zu gehen, um frisches Bier zu holen.

Wieso sind Häuser eigentlich von außen kleiner als von innen?

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