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Keyword: ‘Zombies’

Philosophische Zombies

4. Juni 2013 Keine Kommentare

Der Artikel in „Hohe Luft“ 4/2103 „Das Leben der Zombies“ hat ein für mich bereits bekanntes Thema wieder aktuell werden lassen. In dem Text liest man:

Man könnte sich eine Welt vorstellen, die exakt identisch ist mit unserer Welt. Mit einem einzigen Unterschied: In dieser Welt laufen unsere Zombie-Doppelgänger herum, die genauso aussehen und das Gleiche tun wie wir. Nun stellen Sie sich vor, dass Sie gerade mit Freunden ein gutes Glas Wein trinken. Der Wein schmeckt Ihnen, Sie fühlen sich beschwingt und vielleicht ein wenig angeheitert. Aber was geht in diesem Moment in Ihrem Zombie-Doppelgänger vor? Auch er sitzt mit seinen Zombie-Freunden zusammen und nippt am Wein. Ihr Zombie-Doppelgänger ist also nicht nur physisch identisch mit Ihnen, er verarbeitet auch die gleichen Informationen, er ist also »funktional identisch« mit Ihnen – und er macht sogar die gleichen Wahrnehmungen wie Sie. Doch er hat keinerlei bewusste Erfahrung.

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Eine solche Zombie-Welt ist offenbar logisch möglich. Aber wenn das stimmt, so behauptet der australische Philosoph David Chalmers, dann beruht Bewusstsein offenbar nicht nur auf physischen Tatsachen. Sein Argument ist simpel: In unserer eigenen Welt gibt es bewusste Erfahrungen, in der Zombie-Welt nicht. Offenbar ist die Existenz von Bewusstsein also eine weitere Tatsache über unsere Welt, die zu den physischen Tatsachen hinzukommt. Wenn das stimmt, kann die materialistische Auffassung, wonach Bewusstsein nur auf körperlichen Tatsachen beruht, nicht richtig sein. Und wenn ein Zombie ohne jegliche bewusste Erfahrung genauso »funktioniert« wie ein Mensch, dann erklären »funktionalistische« Beschreibungen offenbar nicht, was Bewusstsein ausmacht. Das Argument läuft offenbar auf einen Dualismus hinaus, wie eine spiegelbildliche Variante von Rene Descartes‘ Argument, wonach der Geist ohne den Körper existieren kann – woraus folgt, dass der Geist nicht mit dem Körper identisch sein kann.

In dieser verkürzten Form wird nicht verständlich, warum David Chalmers Ansichten von den Philosophen, die sich mit der Philosophie des Geistes beschäftigen, so ernst genommen werden. Etwas besser versteht man es bereits nach dem Lesen des entsprechenden Abschnitts im Zombie-Artikel der Wikipedia:
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KategorienGehirn & Geist, Philosophie Tags:

Das chinesische Zimmer

12. September 2009 Keine Kommentare

Ich hatte meinen Artikel zum freien Willen noch in einem Diskussionsforum gepostet, einer der Kommentatoren dort war Martin Dresler. Ich kannte ihn bereits aus einer anderen Diskussion zu Klarträumen, er arbeitet am Max-Planck-Institut für Psychiatrie an diesem Thema. In einem seiner Kommentare wies er auf ein neues Buch von ihm hin: Künstliche Intelligenz, Bewusstsein und Sprache. Derzeit ist er einer der Organisatoren der diesjährigen MinD-Akademie „Freiheit und Grenzen“.

Für die 130 Seiten seines neuen Buchs habe ich fünf Abende gebraucht, ich glaube nicht, dass ich alles verstanden habe. Das Niveau ist sehr hoch, ich würde sagen, dass man es, wenn er es noch ein wenig „aufbrezelt“, als Dissertation auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes anerkennen könnte. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass er eigentlich auf einem ganz anderen Gebiet arbeitet.

Der Untertitel des Buchs verrät Genaueres über den Inhalt: „Das Gedankenexperiment des Chinesischen Zimmers“. Die Philosophie des Geistes beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen den geistigen bzw. mentalen Zuständen, die aus der Erste-Person-Perspektive erlebt werden, und den körperlichen Zuständen, die einer objektivierbaren Messung zugänglich sind, also kurz mit dem Leib-Seele-Problem.
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Freier Wille

22. August 2009 Keine Kommentare

Ich habe mich in den letzten Jahren wiederholt mit diesem Thema beschäftigt und mir in dieser Zeit eine inzwischen hoffentlich konsistente Meinung gebildet. Der folgende Beitrag entstand anlässlich der Diskussion in einem Forum und stellt eine Zusammenfassung meiner Überlegungen dar:

Die zwei größten Rätsel der Realität sind die nach der Existenz der Welt und der Natur unseres Bewusstseins. (Es gibt einige große Denker, die der Meinung sind, diese beiden Fragen seien nicht voneinander zu trennen (z.B. John Wheeler), aber das führt zu weit weg und zu tief in die Metaphysik und soll deshalb hier nicht weiter thematisiert werden.)

Das Leib-Seele-Problem ist die zentrale Frage der Philosophie des Geistes. Da heutzutage der Begriff der Seele wegen seiner religiösen Konnotation etwas aus der Mode gekommen ist, findet man häufig auch etwas andere Bezeichnungen, aber am Kern des Problem ändert das nichts: Welcher Zusammenhang besteht zwischen unserem phänomenalen Erleben (dem Erleben von Phänomenen) und den auch von Außenstehenden beobachtbaren physikalischen, chemischen und biologischen Vorgängen?
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Obamas Rede in Berlin

26. Juli 2008 Keine Kommentare

Ich habe sie mitgeschnitten. Hintergedanke des Mitschneidens war, sie mit seinen späteren Reden und Handlungen vergleichen zu können.

Es gibt inzwischen eine Menge Analysen der Rede, was er gesagt hat, wie er es tat, und was er nicht gesagt hat. Interessant z.B. die Information, dass die 60 Journalisten auf der Pressetribüne alles Amerikaner waren, kein einziger Europäer. Es befremdet mich immer noch, dass die Amerikaner zwischen Show und Politik nicht unterscheiden, alles ist eins. Und ich hätte bei solcher Information vorab als Zuhörer an der Siegessäule das unangenehme Gefühl gehabt, als Staffage missbraucht zu werden. Merkel, von der ich politisch wenig halte, ist da vollkommen anders. Ihren Vater, in der DDR als Pfarrer Opposition par excellence, hat sie niemals instrumentalisiert, und auch ihr Mann ist in der Öffentlichkeit praktisch nicht präsent.
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KategorienPolitik, Visionen Tags:

Susan Blackmore: Gespräche über Bewusstsein

11. März 2008 Keine Kommentare

Ich habe schon einige Bücher zu Themen wie Bewusstsein, Willensfreiheit, philosophische Zombies gelesen, die meisten verfasst von Wissenschaftlern, die auf diesem Gebiet arbeiten (Christof Koch, John R. Searle, Gerald Edelman, Benjamin Libet). Beim Lesen von Susan Blackmores Buch ist mir bewusst geworden, warum ich dabei so wenig Klarheit gewonnen habe. Der Text auf dem hinteren Einband bringt das Phänomen auf den Punkt:

Susan Blackmore „Glauben Sie, einen freien Willen zu haben?“
Patricia Churchland „Sicher nicht, wenn Sie damit meinen, dass meine Entscheidungen nicht verursacht sind.“
John Searle „Tja, in diesem Punkt habe ich gar keine Wahl!“
Roger Penrose „Ich weiß es nicht.“
Daniel Dennet „Ja.“

Das heißt, wenn N Menschen auf dem Gebiet der Erforschung des Bewusstseins arbeiten, dann gibt es mindestens N+1 Theorien gleichzeitig, weil jeder der Beteiligten eine andere Meinung vertritt und mindestens einer zum aktuellen Zeitpunkt gerade eine neue Theorie entwickelt, die mit seiner zuvor vertretenen inkompatibel ist.
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Christof Koch: Bewusstsein, ein neurobiologisches Rätsel.

29. Dezember 2006 Keine Kommentare

„Bewusstsein, ein neurobiologisches Rätsel“ ist ein Buch, in dem Christof Koch seine gemeinsam mit Francis Crick entwickelte Theorie der neuronalen Korrelate des Bewusstseins einem breiteren Publikum vorstellt. Ein populärwissenschaftliches Buch ist es nicht, dazu ist die Vielzahl der Ideen zu groß und sind die an den Leser gestellten Anforderungen zu hoch. Jedenfalls empfand ich das beim Lesen so. Deshalb sehe ich mich auch zu einer Rezension, die den Inhalt des Buchs in wenigen Sätzen zusammenfasst, außerstande. Im Folgenden also eine lose Aneinanderreihung von Zitaten, die für mich wichtige und/oder neue Ideen enthalten und einige wenige erklärende oder kritische Kommentare.

Zur NCC-Theorie

NCC: Im Buch nicht übersetzte englische Abkürzung für „Neuronale Korrelate des Bewusstseins“.

S. 12: Ich nehme an, dass die physische Grundlage des Bewusstseins eine emergente Eigenschaft ist, die aus spezifischen Wechselbeziehungen zwischen Neuronen und ihren Elementen resultiert. Obwohl Bewusstsein mit den Gesetzen der Physik vollständig vereinbar ist, können wir aus diesen Gesetzen Bewusstsein weder ableiten noch verstehen.

S. 95: Das gesamte Gehirn ist hinreichend für Bewusstsein – es bestimmt tagaus, tagein bewusstes Empfinden. Das gesamte Gehirn mit den NCC (neuronale Korrelate des Bewusstseins) gleichzusetzen, ist jedoch nicht hilfreich, weil wahrscheinlich weniger Hirnmaterie ausreicht. Ich interessiere mich für den kleinsten Satz Neuronen, der für ein bestimmtes Perzept notwendig ist.

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Erselbst

23. April 2005 Keine Kommentare

Erselbst hatte eine Beobachtung in einem Tagebucheintrag festgehalten und einige teils heftige Antworten darauf erhalten. Plötzlich bemerkte er, wie sich tief in ihm etwas abspaltete und Ihn zu beobachten begann; das Andere sah Ihm dabei zu, wie Er sorgfältig Antworten formulierte, niederschrieb, Flüchtigkeitsfehler korrigierte. Was macht Er da eigentlich, dachte das Andere, was will Er denn da, das Ganze ist doch vollkommen nutzlos, Zeitverschwendung, Meta!
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KategorienFiktion, Gehirn & Geist Tags:

Paul Broks – Ich denke, also bin ich tot

30. August 2004 2 Kommentare

Paul Broks ist Neuropsychologe, er lehrt und praktiziert in Plymouth und Birmingham. „Ich denke, also bin ich tot. Reisen in die Welt des Wahnsinns” ist sein erstes Buch. Es ist viel ernsthafter, als es der Titel vermuten lässt. Auf den ersten zweihundert Seiten wechseln sich Kapitel, in denen er Patientengeschichten erzählt, mit anderen ab, in denen seine eigenen Träume geschildert werden und solchen, in denen er sich in andere Personen hineinversetzt und aus deren Ich-Perspektive berichtet. Welcher Standpunkt gerade gültig ist, muss man beim Lesen der ersten Zeilen jedes Abschnittes selbst herausfinden.
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